Planungsdokumente: Online-Beteiligung Landesplanung - Teilaufstellung Regionalplan III, Sachthema Windenergie

Gesamträumliches Plankonzept zu dem Entwurf der Teilaufstellung des Regionalplans des Planungsraums III (Sachthema Windenergie)

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2.4.2.15. 3 bzw. 5 km Abstand zum Danewerk / Haithabu (vorgesehenes Weltkulturerbe)

Danewerk und Haithabu gehören zu den archäologischen Kulturdenkmalen mit der höchsten Wertigkeit in Schleswig-Holstein. Der Wert der Denkmale ist abhängig von deren landschaftsprägendem Eindruck sowie deren ungestörter Erlebbarkeit vor allem in Bezug auf die umgebende Landschaft (visuelle Integrität). Das Danewerk hat zudem eine besondere ideelle Bedeutung als Denkmal mit besonderem symbolischem Wert für die dänische Geschichte und als Ort deutsch-dänischer Versöhnung. Diesem besonderen Wert wird durch die Nominierung zum UNESCO-Welterbe Rechnung getragen, die vom Landtag Schleswig-Holsteins 2004 beschlossen wurde. Um den Wert der Denkmale und damit auch die Welterbenominierung nicht zu gefährden, hält das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein einen Abstandspuffer von bis zu 3 km im Norden (Abschnitt Hollingstedt, Schuby, Schleswig, Missunde) und Osten (Abschnitt Eckernförde bis Fleckeby) bzw. bis zu 5 km im Süden (Bereich Fleckeby, Geltorf, Kropp bis westlich Hollingstedt) um Haithabu und das Danewerk für erforderlich, der von neuen Ausweisungen von Windvorrangflächen freizuhalten ist.

Die landschaftsprägende Wirkung von Danewerk und Haithabu ist dabei nicht als deren visuelle Dominanz in der Landschaft zu verstehen, sondern als deren Einbettung in einen viel größeren Landschaftsraum, von dem der Wert der Denkmale unmittelbar abhängig ist. Danewerk und Haithabu sind in ihrer Entstehung stark von der historischen Topographie der Schleswiger Landenge geprägt, die bis heute für den aufgeschlossenen Betrachter in der Landschaft ablesbar ist. Hier sind vor allem ehemalige Niederungen und Feuchtgebiete um Treene, Rheider Au, Schlei und Osterbek und die weitreichende Ebene der Schleswiger Geest sowie der hügelige Randbereich der Schlei und der Übergang nach Schwansen zu nennen. Die grundsätzlich offene Landschaft um die Denkmale erlaubt dem Betrachter zumeist einen besonders weitreichenden Blick. Sie stehen zudem historisch in engem Zusammenhang mit anderen Denkmalen in der Umgebung wie dem Ochsenweg, Siedlungen und Reihen von Grabhügeln und bilden mit diesen zusammen eine archäologische Kulturlandschaft.

Der differenzierte Abstandsbereich richtet sich nach der unterschiedlichen Ausprägung der Landschaft. Dabei liegt der Abschnitt westlich der Schlei zwischen Haithabu und dem Krummwall in einem besonders nach Süden weithin offenen Raum. Insofern ist der Bereich südwestlich von Hollingstedt bis nach Fleckeby mit einem 5 km-Ausschlussbereich für Windenergie versehen, um der besonderen historischen, landschaftsprägenden wie symbolischen Bedeutung von Haithabu und Danewerk gerecht zu werden. Die übrigen Bereiche der archäologischen Kulturlandschaft werden pauschal in einem Abstand von 3 km von Windenergienutzung ausgeschlossen. Hier kommt im Norden auch die bereits bestehende Belastung durch den bestehenden Windpark im Bereich Ellingstedt / Silberstedt zum Tragen.

2.4.2.16. Nordfriesische Inseln und Halligen außerhalb des Nationalparks

Alle nordfriesischen Inseln und die großen, nicht zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gehörenden Halligen (Oland, Langeneß, Hooge, Gröde, Nordstrandischmoor) sind u.a. aufgrund ihrer Lage in direkter Nachbarschaft zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Schwerpunktbereiche für Rast- und Zugvögel. Darüber hinaus handelt es sich bei den Inseln und größeren Halligen flächendeckend um Schwerpunkträume für Tourismus und Erholung. In diesen Räumen soll dem Tourismus und der Erholung besonderes Gewicht beigemessen werden, das bei der Abwägung mit anderen raumbedeutsamen Planungen, Maßnahmen und Vorhaben zu berücksichtigen ist (vgl. Ziffer 3.7.1 Abs. 3 LEP 2010). In Kombination mit der in weiten Teilen herausragenden naturschutzfachlichen Bedeutung der Inseln ist die Freihaltung von WKA gerechtfertigt und hinreichend begründet. Auf den Inseln Föhr, Nordstrand und Pellworm befinden sich Bestands-WKA, die das Ergebnis von Repowering-Vorhaben auf diesen Inseln sind. Damit konnte dort die Anzahl bestehender WKA, die in der Zeit vor erstmaliger Konzentrationsplanung entstanden sind, deutlich reduziert werden. Die kleinen Halligen sind Teil des Nationalparks und werden somit von einem harten Tabukriterium überlagert.

2.4.2.17. Nordsee und Ostsee bis zur Hoheitsgrenze; Ausnahme: Offshore-Windpark in der Lübecker / Mecklenburger Bucht mit bis zu 55 WKA (festgestellt durch Raumordnungsverfahren)

In der Nordsee sprechen vor allem naturschutzfachliche Gründe gegen eine Windenergienutzung (Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, FFH- und Vogelschutzgebiete), aber auch Gesichtspunkte des Tourismus sowie Belange der Schiffssicherheit. Darüber hinaus gilt für Nord- und Ostsee gleichermaßen, dass andere, vorrangige Nutzungen (Schifffahrt, militärische Übungsgebiete, Tourismus, Naturschutz) und die Dichte der Nutzungskonkurrenzen für die Windenergienutzung keinen Raum lassen. Einzige Ausnahme bildet eine im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens bewertete Fläche in der Ostsee (äußere Lübecker Bucht), auf der die Errichtung eines Offshore-Windparks mit bis zu 55 WKA als Test- und Demonstrationsanlage unter raumordnerischen Gesichtspunkten als zulässig eingestuft wurde.

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