Planungsdokumente: Online-Beteiligung Landesplanung - Teilaufstellung Regionalplan III, Sachthema Windenergie

Gesamträumliches Plankonzept zu dem Entwurf der Teilaufstellung des Regionalplans des Planungsraums III (Sachthema Windenergie)

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2.5.2.10. Flächen, auf denen Abbaugenehmigungen für oberflächennahe Rohstoffe vorliegen

Außerhalb der Gebietskulisse der Vorranggebiete für die Rohstoffsicherung / Vorranggebiete für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe sind für bestimmte Flächen Abbaugenehmigungen für oberflächennahe Rohstoffe erteilt worden. Hier steht die Rohstoffgewinnung einer Eignung als Konzentrationszone für WKA entgegen. Daher ist innerhalb dieser Flächenkulisse die Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergienutzung nicht möglich. Grundsätzlich ist ein pauschaler Ausschluss dieser Flächenkulisse gerechtfertigt, gleichwohl liegt ein landesweit einheitlich validierter Datensatz nicht vor. Insofern ist im Rahmen der Abwägung abzuprüfen, ob ggf. eine Abbaugenehmigung vorliegt und damit der Ausweisung eines Vorranggebietes entgegensteht.

2.5.2.11. Belange des Denkmalschutzes

Die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege sind nach § 4 Abs. 1 Denkmalschutzgesetz (DSchG) in die städtebauliche Entwicklung, Landespflege und Landesplanung einzubeziehen und bei allen öffentlichen Planungen und Maßnahmen angemessen zu berücksichtigen. Sie müssen daher als Belang auch in die Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergienutzung einfließen, vor allem weil von WKA eine große Fernwirkung und damit auch eine potenzielle Beeinträchtigung der Umgebungsbereiche von Denkmälern ausgehen kann.

Die Veränderung der Umgebung eines unbeweglichen Kulturdenkmals bedarf der Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde, wenn sie geeignet ist, seinen Eindruck wesentlich zu beeinträchtigen (§ 12 Abs. 1 Nr. 3 DSchG).

Der Genehmigung der oberen Denkmalschutzbehörde bedürfen alle Maßnahmen in Denkmalbereichen und in deren Umgebung, die geeignet sind, die Denkmalbereiche wesentlich zu beeinträchtigen, und alle Maßnahmen in Grabungsschutzgebieten und Welterbestätten, die geeignet sind, diese zu beeinträchtigen oder zu gefährden (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 DSchG). Als Denkmalbereiche sind in Schleswig-Holstein derzeit die Unterstadt Lauenburg, die Eisenbahnersiedlung Quellental in Büchen, das Dorf Sieseby (Gemeinde Thumby) und die Siedlung Oher Weg in der Stadt Glinde über Verordnungen ausgewiesen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Grabungsschutzgebiete, die in Karten beim Archäologischen Landesamt und im Fachbereich der Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck erfasst sind.

Die denkmalrechtliche und denkmalfachliche Beurteilung der potenziellen Beeinträchtigung der Umgebungsbereiche von Denkmälern durch raumbedeutsame WKA hängt in allen Fällen stark von der örtlichen Situation des Einzelfalles ab. Abstandsradien oder Freihaltesektoren wären daher als pauschalierte Tabukriterien nicht sachgerecht. Somit kann dieses Kriterium nur im Bereich der Abwägung zum Tragen kommen. Als Abwägungskriterium haben das Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologischen Landesamt sowie der Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck pauschalierte Umgebungsbereiche benannt und kartographisch dargestellt, innerhalb derer eine vertiefende Abwägung erforderlich ist:

500 m um gesetzliche geschützte Bodendenkmale

800 m um gesetzlich geschützte Kulturdenkmale (Auswahl grundsätzlich raumwirksamer Denkmäler, z.B. Kirchen mit Türmen);

2000 m um gesetzlich geschützte Kulturdenkmale, die weithin sichtbar sind oder sich in beeindruckender Höhenlage oder bedeutender Einzellage befinden;

5000 m um für die historische Kulturlandschaft, bedeutsame Stadtsilhouetten oder Ortsbilder sowie Sachgesamtheiten und Mehrheiten baulicher Anlagen.

Im weiteren Verfahren der Flächenauswahl erfolgt eine einzelfallbezogene, möglichst frühzeitige Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Archäologischen Landesamt sowie dem Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck.

2.5.2.12. 3 km bis 5 km Abstand zum Danewerk / Haithabu (vorgesehenes Weltkulturerbe), Bereich,der nicht als Tabukriterium ausgeschlossen ist

Danewerk und Haithabu gehören zu den archäologischen Kulturdenkmalen mit der höchsten Wertigkeit in Schleswig-Holstein. Der Wert der Denkmale ist abhängig von deren landschaftsprägendem Eindruck sowie deren ungestörter Erlebbarkeit vor allem in Bezug auf die umgebende Landschaft (visuelle Integrität). Das Danewerk hat zudem eine besondere ideelle Bedeutung als Denkmal mit besonderem symbolischem Wert für die dänische Geschichte und als Ort deutsch-dänischer Versöhnung. Diesem besonderen Wert wird durch die Nominierung zum UNESCO-Welterbe Rechnung getragen, die vom Landtag Schleswig-Holsteins 2004 beschlossen wurde. Um den Wert der Denkmale und damit auch die Welterbenominierung nicht zu gefährden, hält das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein einen Abstandspuffer von bis zu 3 km im Norden (Abschnitt Hollingstedt, Schuby, Schleswig, Missunde) und Osten (Abschnitt Eckernförde bis Fleckeby) bzw. bis zu 5 km im Süden (Bereich Fleckeby, Geltorf, Kropp bis westlich Hollingstedt) um Haithabu und das Danewerk für erforderlich, der von neuen Ausweisungen von Windvorrangflächen freizuhalten ist. Die übrigen Abschnitte zwischen 3 km bis 5 km unterliegen, auch aufgrund von einer bestehenden Vorbelastung durch WKA, der Abwägung. Hier ist im Einzelfall in Abstimmung mit dem Archäologischen Landesamt zu ermitteln, auf welchen Flächen eine Vereinbarkeit von Windenergienutzung mit den Schutzzwecken dieser besonderen archäologischen Kulturlandschaft gegeben ist. Dieses wird vielfach nur in Einzelfällen möglich sein, insbesondere ist auch mit Höhenbeschränkungen zu rechnen. Insbesondere gilt dies für den Bestandswindpark Ellingstedt / Silberstedt, wo Anlagen mit einer maximalen Gesamtanlagenhöhe von 100 m zulässig sind.

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