Planungsdokumente: Online-Beteiligung Landesplanung - Teilaufstellung Regionalplan III, Sachthema Windenergie

Gesamträumliches Plankonzept zu dem Entwurf der Teilaufstellung des Regionalplans des Planungsraums III (Sachthema Windenergie)

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2.2. Wesentliche Annahmen und Planungsparameter

2.2.1. Raumbedeutsamkeit

Die raumordnerische Steuerung bezieht sich auf raumbedeutsame Anlagen. Die Raumbedeutsamkeit einer Einzelanlage kann sich insbesondere aus ihren Dimensionen (Höhe, Rotordurchmesser), aus ihrem Standort oder aus ihren Auswirkungen auf bestimmte Ziele der Raumordnung (Schutz der Bevölkerung, von Natur und Landschaft, Erholung und Fremdenverkehr) ergeben. Daher sind nach dem LEP Kapitel 3.5.2, 10 Z, Kleinanlagen als Einzelanlagen mit bis zu 30 Metern Gesamthöhe und Nebenanlagen, die einem Vorhaben nach § 35 Absatz 1 Nummern 1 bis 4 BauGB dienen, mit in der Regel bis zu 70 Metern Gesamthöhe nicht vom raumordnerischen Ausschluss betroffen. Bei einzelnen Kleinwindkraftanlagen oder Gruppen von zwei Anlagen mit bis zu 30 Metern Gesamthöhe ist generell von geringen Umwelt- und Raumauswirkungen auszugehen, weshalb sie nicht unter den raumordnerischen Ausschluss fallen. Gruppen von drei oder mehr Kleinwindkraftanlagen haben demgegenüber stärkere Umwelt- und Raumauswirkungen, sind daher raumbedeutsam und werden somit vom raumordnerischen Ausschluss erfasst. Die Ausnahme für Windkraftanlagen bis zu einer Höhe von in der Regel 70 Metern, die einem im Außenbereich privilegierten Betrieb gemäß § 35 Abs. 1 Nummern 1 bis 4 BauGB als Nebenanlage dienen, trägt zum einen der gesetzlichen Privilegierung der Hauptanlage Rechnung. Zum anderen ist bei diesen im Zusammenhang zu einem privilegierten Betrieb stehenden Anlagen durch die bauliche Vorbelastung des Standortes und die räumlich-funktionale Zuordnung grundsätzlich von geringeren Auswirkungen auf die Umgebung auszugehen als bei Anlagen, die weder Kleinanlagen noch Nebenanlagen sind.

2.2.2. Referenzanlage

Sämtliche Planungen beruhen auf einer Windenergie-Referenzanlage von 150 Meter Gesamthöhe mit einem Rotordurchmesser von 100 m und 3 MW Leistung.

Höhe, Flächenbedarf, Leistung und Emissionswerte der zukünftigen Windenergieanlagen sind wesentliche Planungsparameter, da sich daraus sowohl der Flächenbedarf als auch die notwendigen Mindestabstände für verschiedene Anforderungen ableiten.

Zur Definition von Referenzanlagen wurden die Daten des Deutschen Windenergie-Institutes (DEWI) herangezogen. Hierbei zeigt sich, dass im ersten Halbjahr 2015 fast ausschließlich Anlagen mit einer Gesamthöhe von über 101 m errichtet wurden. 3,7 Prozent aller errichteten Anlagen waren unter 100 m Gesamthöhe, 89,7 Prozent zwischen 101 und 150 m und 6,5 Prozent über 151 m. Die durchschnittliche Anlagenleistung betrug 2.814 kW. Demnach ist eine WKA mit 150 m Gesamthöhe für Schleswig-Holstein marktüblich.

Auch die Daten der Deutschen Windguard, einer unabhängigen Mess- und Zertifizierungsstelle für WKA, die jährlich bundesweit den Anlagenzubau im „Status des Windenergieausbaus in Deutschland“ im Auftrag des BWE und VDMA ermittelt,7 bestätigen die Aussagen. Demnach betrug 2015 die durchschnittliche installierte Anlagenleistung 2.894 kW, der durchschnittliche Rotordurchmesser 103 m und die durchschnittliche Nabenhöhe 96 m. Demnach beträgt die durchschnittliche Anlagenhöhe 151 m.

Dies wird auch durch die Referenzanlagen bestätigt, die das Umweltbundesamt in seinen Studien (2013 „Potential Windenergie an Land“ und 2014 „Sensitivitätsanalyse) als sog. Starkwindanlagen (mittlere Windgeschwindigkeit von 7,5 m/s in Nabenhöhe) mit 152 m (100m Nabenhöhe, 104 m Rotordurchmesser, 3,4 MW Leistung) zugrunde legt.

Auch aufgrund der überdurchschnittlichen Windgeschwindigkeiten im gesamten Landesgebiet (vgl. Jahresmittelwerte der Windgeschwindigkeit im Raum Schleswig-Holstein (100 m über Grund) – aktuelle Daten des DWD) ist nach wie vor davon auszugehen, dass Anlagen mit einer Gesamthöhe von 150 m weiterhin und vorwiegend errichtet und beantragt werden. Dafür sprechen auch die im Bundesdurchschnitt geringen Gesamthöhen von Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein.8

Auch wenn im Planungszeitraum weiterhin 150-m-Anlagen dominieren werden, werden zukünftig an geeigneten Stellen Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 m und mehr beantragt und auch genehmigt. Durch die Festlegung von Referenzanlagen wird die Errichtung anderer Anlagen nicht eingeschränkt oder ausgeschlossen. Es sind auch kleinere oder größere WKA möglich.

Die Schallleistungspegel der Referenzanlage werden für den uneingeschränkten Betrieb mit 106 dB(A) angenommen. Bei Bedarf können alle WKA-Typen schallreduziert betrieben werden, so dass der Schallleistungspegel bis auf 99 dB(A) heruntergeregelt werden kann.

Dies ist jedoch mit Einbußen in der Anlagenleistung verbunden, was wiederum den Gesamtflächenbedarf erhöhen würde. Leistungsverluste im Genehmigungsverfahren einerseits und technische Fortschritte beim Lärmschutz andererseits sind nicht hinreichend prognostizierbar, eine darauf folgende Nachjustierung des Flächenbedarfes muss daher späteren Planfortschreibungen vorbehalten bleiben.

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