Planungsdokumente: Online-Beteiligung Landesplanung - Teilaufstellung Regionalplan III, Sachthema Windenergie

Gesamträumliches Plankonzept zu dem Entwurf der Teilaufstellung des Regionalplans des Planungsraums III (Sachthema Windenergie)

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2.2.3. Höhenbegrenzungen

Grundsätzlich werden auf landesplanerischer Ebene keine Höhenbegrenzungen für die Vorranggebiete Windenergienutzung festgelegt. Dies dient der Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele, zu denen der Ausbau der Windenergienutzung an Land einen maßgeblichen Beitrag leistet. Lediglich fachliche Kriterien, wie beispielsweise die Gewährleistung der Flugsicherheit oder die Freihaltung denkmalrechtlich geschützter Sichtbeziehungen rechtfertigen es im Einzelfall, in den Regionalplänen Höhenbegrenzungen festzulegen. Diese sind in Sonderregelungen mit Bezug auf die jeweiligen Vorranggebiete verankert.

2.2.4. Mindestgröße der Vorrangflächen

Potenzialflächen, auf denen eine Errichtung von mindestens drei WKA nicht möglich ist, werden ausgeschlossen.

Mit der Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergie ist eine räumliche Steuerung und Konzentration von Standorten für WKA als Ziel verbunden. Eine Konzentrationswirkung ist nur dann anzunehmen, wenn mehrere Anlagen in einem Gebiet gebündelt werden. Einzelstandorte stehen einer Konzentrationsplanung entgegen; es muss mindestens die Errichtung eines Windparks in dem Gebiet möglich sein.9 Das Bundesverwaltungsgericht hat festgestellt, dass für einen Windpark mindestens drei WKA nötig seien,10wobei die technischen Mindestabstände zwischen den Anlagen eingehalten werden müssen. Auch dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung liegt die Annahme zu Grunde, dass erst ab drei Windkraftanlagen dort definierte gesetzliche Prüfanforderungen zu berücksichtigen sind. Daher werden Flächen ausgeschlossen, auf denen eine Errichtung von mindestens drei WKA nicht möglich ist. Nach den Erfahrungen aus abgeschlossenen Planungen mit modernen Multimegawatt-Anlagen mit 150 m Gesamthöhe sind dies Flächen unter 15 ha Größe.

Eine Konzentration kann bei Flächen kleiner als 15 ha aber gleichwohl vorliegen, wenn sie in direkter Nachbarschaft zu einer größeren Fläche liegen und noch mindestens Platz für eine WKA bieten. Hier ist eine Mindestgröße von 5 ha anzunehmen. Ein räumlicher Zusammenhang zu einer Nachbarfläche wird bis zu einer Entfernung von 400 m angenommen. Das entspricht einem durchschnittlichen Abstand moderner WKA untereinander. Voraussetzung ist, dass optisch der Eindruck eines Windparks bestehen bleibt. Anders wäre es zu bewerten, wenn diese Flächen z.B. durch Infrastrukturbänder oder Waldflächen mit starker Zäsurwirkung voneinander getrennt würden, so dass der Eindruck eines einheitlichen Windparks nicht gegeben wäre.

Bei Potenzialflächen zwischen 15 ha und 20 ha Größe ist im Einzelfall zu prüfen, ob sie aufgrund von weiteren Abwägungsbelangen wie z.B. Wirtschaftlichkeit in Verbindung mit Windhöffigkeit oder erstmaliger Zerschneidung eines großen freigehaltenen Raumes tatsächlich als Vorranggebiet ausgewiesen werden können.

2.2.5. Berücksichtigung der Windhöffigkeit

Die als Vorranggebiete für die Windenergienutzung ausgewiesenen Gebiete müssen aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen für die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen geeignet sein und dürfen keine Verhinderungsplanung darstellen. Dies ist nicht der Fall, wenn die Fläche, die für die vorgesehene Nutzung zur Verfügung stehen soll, für diesen Zweck schlechthin ungeeignet ist, z. B. mangels einer ausreichenden Windhöffigkeit. Es ist aber nicht erforderlich, allein die wirtschaftlich optimalen Standorte auszuweisen. Der Plangeber ist nicht zur Auswahl der bestgeeigneten Standorte verpflichtet.11 Daher bedarf es auch keiner konkreten Überprüfungen oder zeitaufwändiger Ermittlungen vor Ort.12 Es genügt eine rechnerische Ermittlung der Windverhältnisse etwa anhand einer Wetterkarte des Kreises oder des Deutschen Wetterdienstes.13 Bestehen keine ernstlichen Zweifel, dass in dem Plangebiet insgesamt Windverhältnisse herrschen, die für die Nutzung der Windenergie überdurchschnittlich gut geeignet sind, kann eine weitere Auswahl anhand der Windhöffigkeit unterbleiben.14 Nach Gatz sind Flächen für die Windenergienutzung ungeeignet, auf denen nicht einmal die Anlaufgeschwindigkeit für WKA erreicht wird.15 Die Anlaufgeschwindigkeit liege bei 3 bis 3,5 m/s in Nabenhöhe. In dem Rundschreiben Windenergie des Landes Rheinland-Pfalz wird eine hohe Windhöffigkeit beim aktuellen Stand der Technik ab einer mittleren jährlichen Windgeschwindigkeit von etwa 5,8 m/s bis 6,0 m/s in 100 m über Grund angenommen. Von der Rechtsprechung wurde ein Ausschluss der Windenergienutzung für Gebiete mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von weniger als 5,0 m/s in 80 m Höhe bestätigt.16 Eine überdurchschnittlich gute Windhöffigkeit für das gesamte Planungsgebiet wurde bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 5,4 m/s und mehr in 80 m Höhe angenommen.17

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat der Landesplanung Daten über die Windverhältnisse in Schleswig-Holstein in 100 m Höhe über Grund mit einer Rastergenauigkeit von 200 m mal 200 m zur Verfügung gestellt. Dies entspricht den Windverhältnissen in Nabenhöhe der für die Planung zugrunde gelegten Referenzanlage mit einer Gesamthöhe von 150 m Höhe und einem Rotordurchmesser von 100 m. Demnach werden in ganz Schleswig-Holstein über das Jahr verteilt durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von 5 m/s und mehr erreicht. Selbst in Regionen mit für Schleswig-Holstein unterdurchschnittlichen Windverhältnissen werden bereits jetzt WKA betrieben. Der Bundesverband Windenergie hat im Rahmen des Anhörungsverfahrens zu der Änderung und Ergänzung des Regionalen Raumordnungsprogramms 2007 für den Landkreis Harburg bestätigt, dass alle bestehenden Windkraftstandorte geeignet sind und eine ausreichende Referenzertragsleistung zu unterstellen ist.18 Die Windverhältnisse im Landkreis Harburg sind mit den unterdurchschnittlichen Windstandorten in Schleswig-Holstein vergleichbar. Es ist daher in Schleswig-Holstein von guten bis sehr guten Windverhältnissen auszugehen, die im ganzen Land einen wirtschaftlichen Betrieb von WKA ermöglichen.

Bei der Auswahl der Vorranggebiete kann im Rahmen der Abwägung die unterschiedliche Windhöffigkeit berücksichtigt werden. Eine Konzentration der Windkraftnutzung in Gebieten mit hoher Windhöffigkeit führt dazu, dass die erforderliche Fläche zur Erreichung der energiepolitischen Ziele geringer sein kann. Allerdings kann nicht allein dieses Kriterium ausschlaggebend sein. In Gebieten mit einer im Vergleich geringeren Windhöffigkeit können Windkraftanlagen ggf. raumverträglicher sein, weil der Gesamtraum noch nicht so stark belastet ist. Es ist mithin stets die Raumverträglichkeit im Blick zu behalten.

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