Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

Neue Stellungnahme

1.1. Lebensräume

Im Kapitel 2.1.6: Lebensräume des Hauptteiles des Landschaftsrahmenplanes werden die natürlichen und naturnahen Lebensräume Schleswig-Holsteins sowie Restflächen dieser Lebensräume und von naturnahen Strukturelementen geprägten Agrarlandschaften und Siedlungsbereiche einschließlich der sie charakterisierenden und wertgebenden Arten beschrieben. Des Weiteren werden die grundsätzlichen Ziele und daraus abgeleitete Einzelziele für die jeweiligen Lebensräume benannt.

Der Erhaltungszustand der deutlich überwiegenden Zahl der natürlichen und naturnahen Lebensräume einschließlich ihrer Tier- und Pflanzenarten ist in einem hohen Maße beeinträchtigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Im Kapitel 2.1.6: Lebensräume sind eine Reihe dieser benannt. Bei Weiterbestehen dieser Beeinträchtigungen wird sich der Zustand der Lebensräume und ihrer Tier-und Pflanzenarten weiter verschlechtern, was sich durch direkte Flächenverluste und qualitative Veränderungen der Flächen und durch Veränderungen der Populationen der Arten bis hin zu ihrem Aussterben ausdrücken kann. Entsprechend der aktuellen Situation kann dieses für einzelne Lebensräume und Arten bereits mittelfristig geschehen.

Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, spezifische Erfordernisse zur Sicherung, gegebenenfalls auch zur Entwicklung der Bestände und dem Erhalt oder der Wiederherstellung von günstigen Erhaltungszuständen aufzuzeigen sowie entsprechende Maßnahmen zu benennen und umzusetzen.

Im Folgenden werden in Ergänzung zur allgemeinen Beschreibung und zu den Zielaussagen des Kapitels 2.1.6: Lebensräume für die einzelnen Lebensräume ihr derzeitiger Erhaltungszustand dargestellt, die wesentlichen Beeinträchtigungen und Konflikte benannt sowie eine Prognose des zu erwartenden Zustandes gegeben. Für die im Planungsraum vorkommenden gesetzlich geschützten Biotope, die Lebensraumtypen des Anhanges I der FFH-Richtlinie sowie für die Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie werden bei jeder Lebensraumgruppe diejenigen genannt, für die ein besonderes Handlungserfordernis auf Grund derzeit bekannter akuter Gefährdung oder ungünstigem Erhaltungszustand besteht.

Wesentliche Aussagen zum allgemeinen Lebensraumschutz sind für die einzelnen Lebensräume insbesondere durch die in Kapitel 2.1.6: Lebensräume aufgeführten Ziele bereits getroffen. Darüber hinaus gehende besondere Schutzmaßnahmen und –programme für Lebensräume und Arten werden im Entwicklungsteil des Hauptteiles aufgeführt.

Unabhängig von diesen Maßnahmen und Programmen besteht für einen hohen Anteil der natürlichen und naturnahen Biotope der gesetzliche Biotopschutz gemäß § 30 BNatSchG in Verbindung mit § 21 LNatSchG. Ziel ist insbesondere das Verbot von Handlungen, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen Beeinträchtigung der benannten Biotope führen können. Darüber hinaus gilt der allgemeine (§ 39 BNatSchG) und der besondere (§ 44 BNatSchG) Artenschutz, der neben der einzelnen Art und dem einzelnen Individuum auch den Schutz der Lebensstätten und Biotope der wild lebenden Arten umfasst.

Weitere Schutzregime für bestimmte Lebensraumtypen oder Tier- und Pflanzenarten sind die FFH-Richtlinie, die Vogelschutzrichtlinie, die Bundesartenschutzverordnung sowie die Bonner und Berner Konvention.

Für marine Lebensräume, für Küstenlebensräume sowie für die Binnengewässer haben die WRRL und die MSRL maßgeblich den „guten Zustand“ zum Ziel. Mit der Gemeinsamen Fischereipolitik der Europäischen Union (GFP) besteht zudem ein Instrument zur Regelung der Fischerei. Weitere grenzübergreifend wirksame Schutzinstrumente stellen die völkerrechtlich bindenden Übereinkommen zum Schutz von Nord- und Ostsee (OSPAR) und das Übereinkommen zum Schutze der Meeresumwelt des Ostseegebietes (HELCOM) dar.

Im Bereich der Wälder wurden landesweit rund zehn Prozent des im Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Waldes als Naturwaldfläche ausgewiesen, in denen jegliche Form der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen ist. Gemäß § 14 LWaldG sind Naturwälder im Eigentum der Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten und der Stiftung Naturschutz ab etwa 20 Hektar Größe zum Naturwald erklärt und unter Schutz gestellt.

Mit dem Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGLG) aus 2013 ist die Umwandlung von Dauergrünland in Acker verboten worden. Dieses gilt insbesondere für Flächen, die hoher Wassererosionsgefährdung unterliegen oder in Überschwemmungs- oder Wasserschutzgebieten liegen, sowie für Gewässerrandstreifen und Moor- und Anmoorböden. Innerhalb dieser Bereiche ist ein Umbruch nur in Ausnahmefällen möglich. Außerhalb dieser Flächen ist ein Umbruch nur in Verbindung mit der Neuanlage von Grünland auf bestehenden Ackerflächen auf Antrag möglich (Tauschflächen).

In einem erheblichen Umfang sind die auf Grund ihrer Ausprägung oder Gefährdung wichtigsten Vorkommen über die Schutzkategorien des BNatSchG - insbesondere als Naturschutzgebiet und als Nationalpark - sowie als FFH- oder Vogelschutzgebiet, geschützt.

Neue Stellungnahme

1.1.1. Marine Lebensräume und Ästuarien

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: offene Meeresbereiche, Flachwasserbereiche, Meeresgrund, Riffe, Sandbänke, Seetangbestände, Seegraswiesen, vegetationsfreies Watt / Windwatt (an der Ostsee), Ästuarien (als Lebensraumkomplex)

Beurteilung des Erhaltungszustandes/ Bewertung: Die teilweise günstigen Erhaltungszustände der FFH-Lebensraumtypen (LRT) sollten nicht über den bedenklichen Gesamtzustand von Nord- und Ostsee hinwegtäuschen – die in der MSRL getroffene Anfangsbewertung (2012) zeigte, dass sich weder Nord- noch Ostsee in einem guten Zustand befinden. Auch der aktuelle Bewirtschaftungsplan gemäß Artikel 13 der WRRL kam zu dem Ergebnis, dass keiner der Küstenwasserkörper von Nord- und Ostsee in seinem ökologischen Zustand als „gut“ einzustufen ist. Diese Einschätzung wird auch durch die Rote Liste des Bundesamtes für Naturschutz (2014) gestützt, nach der jede dritte marine Art zumindest „gefährdet“ ist.

Der Erhaltungszustand der meisten LRT der schleswig-holsteinischen Nordsee-Küstengewässer ist nach dem letzten FFH-Bericht 2012 überwiegend unklar und wurde daher nicht bewertet. Dieses betrifft die meerwasserüberspülten Sandbänke (LRT 1110), flache große Meeresarme und –buchten (LRT 1160) und Riffe (LRT 1170). In einem „günstigen“ Erhaltungszustand befinden sich die Wattflächen (LRT 1140). Der LRT der Ästuarien (LRT 1130) befindet sich hingegen in einem „schlechten“ Zustand. Gegenüber dem letzten Vergleichszeitraum (2001–2006) haben sich die Trends der LRT entweder nicht verändert oder konnten aufgrund fehlender Vergleichsdaten nicht beurteilt werden.

Die Erhaltungszustände der LRT der Ostsee wurden, anders als an der Nordsee, überwiegend als „günstig“ eingestuft. Dies betrifft alle marinen LRT mit Ausnahme der Ästuare (LRT 1130), die sich in einem „ungünstigen“ Erhaltungszustand befinden. Der Zustand der Watten (LRT 1140) wurde auf Grund bisher unzureichender Daten nicht bewertet. Auch an der Ostsee sind die Entwicklungstrends gegenüber dem letzten Vergleichszeitraum zum überwiegenden Teil unverändert geblieben oder konnten aufgrund fehlender Vergleichsdaten nicht beurteilt werden.

Prognose des zu erwartenden Zustandes: Es ist davon auszugehen, dass die Nutzung der Küstengewässer weiterhin anhalten wird. Um Ziele wie den „Guten Umweltzustand“ der Meere (GES) entsprechend der MSRL oder die völkerrechtlich bindenden Empfehlungen von HELCOM oder OSPAR zu erreichen, ist ein ambitioniertes Agieren erforderlich. Auch das deutliche Verfehlen des WRRL-Zieles, einen „guten Gewässerzustand“ von der Quelle bis in die Küstengewässer zu erreichen, weist den erforderlichen Handlungsbedarf auf. So wurden in Deutschland bisher beispielsweise 60 Prozent der erforderlichen Maßnahmen gegen übermäßige Einträge aus der Landwirtschaft nicht umgesetzt. Der in den letzten Jahren deutlich gewordene Rückgang einer Vielzahl „klassischer“ Schadstoffe im Meer weist auf die erfolgreiche Umsetzung der Verbots- und Reduktionsmaßnahmen hin. Gleichwohl sind diese Stoffe teilweise noch in bedenklichen Konzentrationen in der Meeresumwelt vorhanden. Durch verbesserte Analytik rücken nun neue, schon in geringen Konzentrationen toxisch wirksame Substanzen wie Flammschutzmittel oder Arzneistoffe in den Fokus der Meereschemiker.

Eine aus Sicht des Umweltschutzes positive Entwicklung stellt die ab 2015 geltende Verschärfung der Emissionsgrenzwerte von Schiffen in Nord- und Ostsee dar. Der Einsatz bestimmter Fischfangmethoden kann in den Küstengewässern zu einer weiteren Beeinträchtigung führen. Eine direkte Verbesserung für Meeresorganismen wird mittelfristig zudem die von 2015 bis 2019 stufenweise europaweit eingeführte Anlandeverpflichtung für Beifang mit sich bringen, da sie eine Umstellung auf selektivere Fangmethoden lohnenswert macht. Auch die mit der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik verankerte Erkenntnis, dass sich die Fangquoten einer zukunftsorientierten Fischerei am maximalen nachhaltigen Ertrag (MSY) ausrichten müssen, wird sich langfristig positiv auf die Bestände auswirken, wie die Erholung vieler Fischarten in Nord- und Ostsee bereits zeigt.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 1160 flache Meeresbucht, Nordsee: XX
  • LRT 1170 Riffe, N: U2, O: U1
  • LRT 1110 ständig überspülte Sandbank, N: U2
  • LRT 1140 vegetationsfreies Watt, O: XX
  • Sabellaria-Riff, N: RL 1
  • „Seemoos“-Wiese des Sublitorals, N: RL 2
  • Seegras-Wiesen, RL 2
  • Weitere Biotope/ Lebensräume im Ästuar (u.a. Salzwiesen, Flachland-Mähwiesen, Auwälder): siehe entsprechend Lebensraumgruppen

Arten:

  • Schierlings-Wasserfenchel, N: U2
  • Seegras (Zostera spec.)
  • Schweinswal, N: U1, O: U2
  • Finte, N: U1
  • Meereneunauge, N: U2
  • Flussneunauge. N: U1, O: U2
  • Seeschwalben, Seetaucher