Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

4.2.11. Geotope

Geotope sind im Falle einer Zerstörung nicht wiederherstellbar. Es ist daher im Einzelfall zu prüfen, ob und in welcher Form für diese Gebiete und Objekte eine naturschutzrechtliche Sicherung (beispielsweise als Geschützter Landschaftsbestandteil, Naturdenkmal oder LSG) erforderlich ist. Einige Biotoptypen wie Steilküsten, Strandwälle, Dünen und Bachschluchten unterliegen bereits dem gesetzlichen Schutz gemäß § 30 BNatSchG in Verbindung mit § 21 LNatSchG. Die in der Hauptk 3 dargestellten Geotope dienen unter anderem als Grundlage für die Ausweisung von Vorbehaltsgebieten für Natur und Landschaft sowie von regionalen Grünzügen in der Regionalplanung.

Weitere Informationen sind den Erläuterungen in Kapitel 2.3: Geotope zu entnehmen.

4.2.12. Gewässer

Zur Erreichung der Ziele der WRRL wurden zunächst Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme für alle Gewässer aufgestellt. Dieses erfolgte innerhalb der einzelnen Flussgebietseinheiten. In Schleswig-Holstein ist somit zwischen Elbe, Eider und Schlei-Trave zu unterscheiden. In den Küstengewässern einschließlich der Übergangsbereiche werden zudem insgesamt 76 Wasserkörper betrachtet. Die im Planungsraum liegenden Bearbeitungsgebiete sind in der Abbildung 46: Flussgebietseinheiten und Bearbeitungsgebiete nach Wasserrahmenrichtlinie sowie in der Tabelle 19: Bearbeitungsgebiete nach Wasserrahmenrichtlinie dargestellt.

Tabelle 19: Bearbeitungsgebiete nach Wasserrahmenrichtlinie

Gebietsnummer*Bearbeitungsgebiet
1Nordfriesische Inseln und Südwest Bongsiel
2Gotteskoog
3Bongsieler Kanal
4Arlau
5Husumer Au und nördliches Eiderstedt
6Treene
7Mittellauf Eider
8Tiedeeider
23Flensburger Förde
24Schlei

(* Gebietsnummer siehe Abbildung 46: Flussgebietseinheiten und Bearbeitungsgebiete nach Wasserrahmenrichtlinie)

Aktuell erfüllt der überwiegende Teil der Gewässer des Landes die Vorgaben der WRRL nicht. Die wesentlichen Ursachen für die Zielverfehlung sind, dass die Fließgewässer durch Ausbau, Begradigung und Unterhaltung hohen hydromorphologischen

Belastungen ausgesetzt sind. Diese können nur langsam abgebaut werden, da zur Verbesserung der Hydromorphologie in der Regel die am Gewässer angrenzenden Flächen benötigt werden. Außerdem werden alle Gewässerkategorien durch zu hohe Nährstoffeinträge insbesondere aus diffusen Eintragsquellen belastet. Ein Überangebot an Nähr- und Schadstoffen belastet Grundwasser, Fließgewässer, Seen und Küstengewässer.

Oberflächengewässer werden gem. der WRRL in natürliche, erheblich veränderte und künstliche Gewässer eingeteilt. So werden die meisten Marschengewässer als künstlich und viele Fließgewässer in den Niederungen als erheblich verändert eingestuft. Neben dem Verschlechterungsverbot gilt für natürliche Gewässer das Ziel, einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu erreichen. Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer gilt das Ziel, ein gutes ökologisches Potenzial und einen guten chemischen Zustand zu erreichen.

Bei den Planungen und Maßnahmen zur Zielerreichung werden bestehende Programme des Landes wie das Auenprogramm, das Seenschutzprogramm oder das Niedermoorprogramm berücksichtigt (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen).

Weitergehende Informationen können auf der Homepage des Landes Schleswig-Holstein unter www.wrrl.schleswig-holstein.de eingesehen werden.

Eine detaillierte Maßnahmenplanung auf der Ebene der Wasserkörper wird im Rahmen des Maßnahmenprogrammes ab 2010 beginnend, alle sechs Jahre erstellt und mit einem Zwischenbericht evaluiert. Schwerpunkte der Maßnahmen an Fließgewässern und Seen sind die Verbesserung der Gewässerstrukturen, die Herstellung der Durchgängigkeit und die Verringerung der diffusen Nähr- und Schadstoffeinträge, zum Beispiel durch die Extensivierung von angrenzenden Flächen oder die Anlage von Gewässerrandstreifen.

Oberflächengewässer

In Schleswig-Holstein liegt nach der Verbesserung der Abwasserreinigung ein Maßnahmenschwerpunkt bei der Verringerung der Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft. Aus diffusen Quellen wird insbesondere Stickstoff aber auch Phosphor in die Gewässer eingetragen. Verminderungsstrategien für Stoffeinträge in die Gewässer müssen vor allem den Rückhalt von Wasser verbessern, da Nährstoffausträge aus Böden nur in begrenztem Umfang natürlichen Ursprunges sind. Durch die Bodennutzung wurde im Rahmen der Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft die Befahrbarkeit von Flächen durch Entwässerung zumeist in Form von Meliorationsmaßnahmen und damit einhergehend der Nährstofftransport stark beschleunigt. Prädestinierte Standorte für die Erhöhung des Stoffrückhaltes sind intakte Niedermoore, da wachsende Moore die Funktion von Stoffsenken übernehmen.

Ziel des Programmes zur Wiedervernässung von Niedermooren (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen) ist es, die Stickstoff- und Kohlenstoffdioxidemissionen aus den Niedermooren zu verringern. Um die Gewässer effektiv zu entlasten, bedarf es großflächiger Lösungen. Ansätze dafür liegen beispielsweise in der Förderung einer umwelt- und naturverträglichen Landwirtschaft. Ziele dieser Landbewirtschaftung sollen ein naturnaher Wasserhaushalt der Landschaft oder ein minimierter Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sein. Damit soll gleichzeitig die Wasserqualität von Oberflächen- und Grundwasser verbessert werden.

So ist zum Beispiel der Anbau von Zwischenfrüchten oder Untersaaten ein bewährtes Mittel zur deutlichen Reduzierung von Wasser- und Winderosion. Dieses ist besonders in der vegetationslosen Zeit im Spätherbst, Winter und Frühjahr, die mit größeren Phosphatauswaschungen einhergeht, anzustreben. Auch können Gewässer eine erhebliche Entlastung mit Nährstoffen erfahren, wenn der angrenzende und sie beeinflussende Boden im Winterhalbjahr einen geringeren mineralisierten Stickstoffgehalt aufweist (siehe Abbildung 47 Oberflächengewässer nach Wasserrahmenrichtlinie).

Im Folgenden werden die Ziele für die jeweiligen Gewässerkategorien näher erläutert.

Seen

Im Planungsraum ist keiner der berichtspflichtigen Seen in einem guten ökologischen Zustand. Die diffusen Nährstoffeinträge sind bei den meisten größeren natürlichen Seen nach wie vor hoch und für die Ökosysteme der Seen unverträglich. Ziel ist es, sowohl in den großen als auch in den kleineren Seen die noch vorhandenen Lebensräume der teils seltenen Pflanzen- und Tierarten nachhaltig zu schützen.

Für die größeren Seen werden im Rahmen der WRRL-Bewirtschaftungspläne Maßnahmen zur Verringerung der diffusen und punktuellen Nährstoffeinträge, insbesondere von Phosphor, entwickelt und umgesetzt. Zur Verringerung erosionsbedingter und direkter Einträge in Gewässer sind die Einhaltung von Mindestabständen auch an ihren Zuläufen sowie die Errichtung von Sedimentfallen am Hang beispielsweise durch Knickwälle oder Retentionsteiche geplant. Des Weiteren soll in mehreren Seeeinzugsgebieten eine freiwillige landwirtschaftliche Seenschutzberatung mit dem Fokus auf der Verringerung von Phosphorausträgen angeboten werden. Wenn sich die Ursachen der diffusen Nährstoffeinträge nicht an ihrem Ursprung verhindern lassen, können an einigen Seen auch technische Maßnahmen an anderen Zuläufen als sogenannte „end-of-pipe-Maßnahmen“ zum Ziel führen.

Sofern punktuelle Nährstoffeinträge von Bedeutung sind, ist an einzelnen Seen zusätzlich eine Betriebsoptimierung oder eine Erweiterung von Kläranlagen geplant. Auch wenn mit solchen Maßnahmen der gute ökologische Zustand der meisten Seen nicht erreicht werden wird, so soll zumindest eine Verbesserung des Lebensraumes für Pflanzen und Tiere in den Binnengewässern angestrebt werden.

Fließgewässer

Die Fließgewässer in Schleswig-Holstein sind in ihrer Funktion als Lebensraum überwiegend weit von einem guten ökologischen Zustand entfernt. Die Wasserbeschaffenheit konnte in den letzten Jahrzehnten durch Abwasserbehandlungsmaßnahmen zwar deutlich verbessert werden, es bestehen aber nach wie vor erhebliche strukturelle Mängel. Zudem bereiten die hohen diffusen Einträge von Nährstoffen, Sand und Pflanzenschutzmittelrückständen große Probleme. Ziel ist es, die noch vorhandenen Potenziale zu schützen, um intakte Lebensgemeinschaften von Fließgewässern nachhaltig zu sichern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in allen Naturräumen des Landes wieder auszubreiten. Darüber hinaus sind Nutzungen auf angrenzenden Flächen zu extensivieren oder, vor allem an den Vorranggewässern breite Randstreifen anzulegen, um die diffusen Einträge zu verringern. In Gebieten, die regelmäßig überschwemmt werden, sollte auf Düngung und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden. Des Weiteren sind die Gewässerstrukturen durch Maßnahmen so zu verbessern, dass die Vielfalt von Verlauf, Tiefen- und Breitenvarianz, von Substrat und Strömung und damit auch der gute ökologische Zustand von Lebensgemeinschaften wiederhergestellt werden kann.

Ziel des Fließgewässerschutzes ist es

  • den guten ökologischen und chemischen Zustand der natürlichen Gewässer wiederherzustellen,
  • den natürlichen Verbund in Längsrichtung des Gewässers sowie zwischen Gewässer und wasserstandsgeprägten Landschaftsräumen wiederherzustellen (siehe § 21 Absatz 5 BNatSchG) und somit die Stofftransporte in den Binnengewässern und damit in die Nord- und Ostsee zu verringern und
  • das Verschlechterungsverbot sowie das Verbesserungsgebot einzuhalten.

Hierzu gehören insbesondere

  • in allen Gewässern die chemischen Orientierungswerte einzuhalten und einen guten ökologischen Zustand zu erreichen,
  • eine naturnahe Gewässermorphologie wiederherzustellen,
  • die vollständige Durchgängigkeit des Gewässers für Fische im Längsverlauf wiederherzustellen und
  • einen naturnahen Wasserwechselbereich in der gesamten Längsausdehnung zu bewahren oder wiederherstellen.

Detaillierte Ausführungen zur Bewertung sind den Erläuterungen, Kapitel 6: Monitoring zu entnehmen.

Vorranggewässer

Im Planungsraum gehören Treene und Schafflunder Mühlenstrom/ Soholmer Au sowie weitere Fließgewässer zu den Vorranggewässern. Hier gilt es insbesondere, die noch vorhandenen ökologisch wertvollen aquatischen Lebensgemeinschaften zu erhalten und vor Beeinträchtigungen zu schützen. Durch geeignete Maßnahmen sollten die schon vorhandenen, aber zum Teil sehr kurzen, natürlichen Gewässerabschnitte so weiterentwickelt werden, dass sie sich auf das ganze Gewässer ausdehnen können, um einen guten ökologischen Zustand zu erreichen.

Von besonderer Bedeutung ist der Mittellauf der Treene, als Vorranggewässer der Kategorie A. Die Treene besitzt in einigen Abschnitten eine gute Besiedlung von Makrophyten, Fischen und Makrozoobenthos. Diese sollten geschützt und gefördert werden. Gezielte Maßnahmen können die Abschnitte mit guter Besiedlung ausdehnen. Zur Entlastung des Arenholzer- und Sankelmarker Sees sollten die Phosphoreinträge verringert werden. Vorrangseen und Vorrangfließgewässer sind in Hauptkarte 1 aufgeführt.

Talräume

Für das Erreichen des guten ökologischen Zustandes benötigen Gewässer Schutz- und Entwicklungskorridore, die so genannten Talräume. Grundlage für die Festlegung einer Talraumkulisse sind die WRRL sowie die behördenverbindlichen Bewirtschaftungspläne mit ihren Maßnahmenprogrammen. Gleichzeitig dienen die Talräume dem ausgeglichenen Landschaftswasserhaushalt, dem Klimaschutz, dem vorbeugenden Hochwasserschutz und der Unterstützung der Selbstreinigungskräfte. Deshalb ist eine integrierte Betrachtung aller gewässerrelevanten Bereiche erforderlich.

Die Talraumkulisse beschreibt den Raum, der für die Gewässerentwicklung und somit für die Erreichung des guten ökologischen Zustandes bzw. des guten ökologischen Potenziales erforderlich ist. Durch eine nachhaltige Nutzung der Gewässer sollen die Wasserqualität verbessert und ein guter ökologischer und chemischer Zustand erreicht sowie eigendynamische Entwicklungen zugelassen werden. Dieser Raum wird vom Gewässer natürlicherweise in Anspruch genommen bzw. beeinflusst.

In Talräumen sind bei Infrastruktur- oder Baumaßnahmen Auswirkungen auf die Gewässer bzw. Einflüsse durch die Gewässer zu erwarten. Deshalb soll hier künftig bei allen raumbedeutsamen Planungen, Maßnahmen und Vorhaben an Wasserkörpern eine naturnahe, eigendynamische Entwicklung und Erreichung eines guten ökologischen Zustandes der betroffenen Wasserkörper berücksichtigt werden. Bei Vorhaben oder Nutzungsänderungen sollen die Auswirkungen auf den Zustand im Zusammenhang sowie unter Betrachtung des Einzugsgebietes und der Auswirkungen auf Nord- und Ostsee bewertet werden (Verbesserungsgebot und Verschlechterungsverbot gemäß WRRL bzw. WHG). Die Einträge von Nähr- und Schadstoffen in die oberirdischen Gewässer, Küstengewässer oder in das Grundwasser sollen vermieden oder soweit wie möglich minimiert werden. Die Funktion der Gewässer im landesweiten Biotopverbund soll gestärkt werden. Planungen, Maßnahmen und Vorhaben, die die Wasserqualität und die Durchgängigkeit der Oberflächengewässer als Lebensraum der heimischen Fischfauna beeinträchtigen, sind zu vermeiden. Für die Ermittlung der Flächenkulisse wurde teilweise die natürliche Überflutungsdynamik zugrunde gelegt. In diesen Bereichen sind die Talräume durch wechselnde Wasserstände und Überflutungen gekennzeichnet. In Fließgewässern und Auen finden entsprechende Erosions- und Akkumulationsprozesse statt. Fließgewässerabschnitte, an denen die natürliche Überflutungsfläche nicht an eindeutigen Talkanten endet, wurden mit einem einheitlich breiten Korridor („potenzieller Entwicklungsraum“) ausgestattet. In Abbildung 48: Vorranggewässer und Talräume nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind die Vorranggewässer und Talräume nach der WRRL dargestellt.

Grundwasser

Grundwasser bildet sich aus Niederschlägen und deren Sickerwasser. Das Sickerwasser nimmt dabei Stoffe aus dem Boden auf. Dieses sind neben den natürlichen Stoffen auch Nähr- und Schadstoffe, die durch verschiedene Nutzungsformen des Oberbodens freigesetzt werden. Aus Erhebungen im Rahmen der Umsetzung der WRRL ist hervorgegangen, dass im Jahr 2014 landesweit 22 von 55 Grundwasserkörpern mit einer Fläche von zusammen 7.615 km² einen schlechten chemischen Zustand aufwiesen. In der Abbildung 49: Zustand nach Wasserrahmenrichtlinie sind die einzelnen Grundwasserkörper dargestellt. Diese sind (mit laufenden Nummern) den Flussgebietseinheiten „Eider“ (Ei) und „Schlei/Trave“ (ST) zugeordnet (siehe Tabelle 20: Bezeichnung der Grundwasserkörper).

In den Grundwasserkörpern treten Nitratgehalte von mehr als 50 Milligramm pro Liter auf, deren Ursache überwiegend in der landwirtschaftlichen Bodennutzung zu sehen ist. Diese Belastungen treten vor allem in den oberflächennahen Grundwasservorkommen im Bereich der Geest und Vorgeest auf, wo das Grundwasser keine oder nur geringmächtige Deckschichten aufweist. Die Empfindlichkeit in diesen Bereichen ist sehr hoch. Die Bodennutzung sollte dort im Interesse eines flächendeckenden Grundwasserschutzes besonders grundwasserschonend erfolgen. Eine gute chemische Beschaffenheit ist neben der grundlegenden Bedeutung des Grundwassers für den Naturhaushalt auch für die langfristige Sicherstellung der Trinkwasserversorgung von Bedeutung.

Um einen guten chemischen Zustand des Grundwassers zu erreichen, hat das Land 2008 eine Gewässerschutzberatung für die Landwirtschaft in der Gebietskulisse der Grundwasserkörper mit einem schlechten chemischen Zustand eingeführt. Daneben bietet das Land auch unterstützend spezifisch auf den Grundwasserschutz ausgerichtete Agrarumweltmaßnahmen an. Diesen Maßnahmen steht aufgrund des agrarstrukturellen Wandels im Bereich der intensiven Landwirtschaft ein zunehmender Nährstoffanfall gegenüber. Da die Zunahme der Maisanbauflächen und der Biogasanlagen schwerpunktmäßig in den grundwassersensiblen Bereichen stattfindet, ist in den kommenden Jahren mit einer Erhöhung der Nitratgehalte im oberflächennahen Grundwasser und den Oberflächengewässer zu rechnen (siehe Kapitel 2.1.1: Böden, Kapitel 2.2.2: Landwirtschaft, Kapitel 5.2: Energiewende sowie Kapitel 5.3: Landwirtschaft). Detailliertere Angaben zur Überwachung des Grundwassers und der Messstellen sind den Erläuterungen, Kapitel 6: Monitoring zu entnehmen.

Tabelle 20: Bezeichnung der Grundwasserkörper

Flusseinzugsgebiet Eider
NummerBezeichnung
Ei01Sylt – Geest
Ei02Sylt – Marschen
Ei03Föhr – Geest
Ei04Föhr – Marschen
Ei05Amrum
Ei06Nordmarsch – Langeneß
Ei07Hooge
Ei08Pellworm
Ei09Nordfriesische Marsch
Ei10Nördliches Eiderstedt
Ei11Arlau/Bongsieler Kanal – Geest
Ei12Eider/Treene - östl. Hügelland Ost
Ei13Eider/Treene - östl. Hügelland West
Ei14Eider/Treene – Geest
Ei15Eider/Treene - Marschen und Niederungen
Ei16Stapelholm
Ei17Erfder Geest
Ei22Gotteskoog – Marschen
Ei23Gotteskoog – Altmoränengeest
Flusseinzugsgebiet Schlei/Trave
NummerBezeichnung
ST01Flensburg – Vorgeest
ST02Flensburg - östl. Hügelland
ST03Angeln - östl. Hügelland Ost
ST04Angeln - östl. Hügelland West

4.2.13. Trinkwasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebiete

In Schleswig-Holstein werden rund 250 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr zur Trink- und Brauchwassernutzung aus dem Untergrund entnommen. Über 220 Millionen Kubikmeter entfallen dabei auf die öffentliche Trinkwasserversorgung durch rund 140 große Wasserwerke, die über das gesamte Land verteilt sind. Die genutzten Grundwasservorkommen weisen in Abhängigkeit von der geologischen Situation und der bestehenden Flächennutzung unterschiedliche Schutzpotenziale auf. In Bereichen, in denen potenziell gefährdende Nutzungen vorhanden und die natürlichen Schutzschichten nur geringmächtig oder lückenhaft ausgebildet sind, ist die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten unverzichtbar, um Risiken für die Trinkwasserversorgung abzuwenden. Trinkwasserschutzgebiete sind somit ein wesentliches Instrument des räumlich differenzierten Grundwasserschutzes.

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist in Schleswig-Holstein die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten für insgesamt 47 Wasserwerke der öffentlichen Trinkwasserversorgung erforderlich. Im Jahre 2014 waren hiervon bereits 37 Gebiete mit einer Gesamtgröße von rund 558 km2 rechtsverbindlich festgesetzt.

Tabelle 21: Trinkwasserschutzgebiete im Planungsraum

Nr.Name des WasserschutzgebietesIn Kraft getreten / geändertGröße in HektarKreis
1 Husum/ Mildstedt2005/20101.326 Nordfriesland
2 Drei Harden20131.433 Nordfriesland
5 List auf Sylt1984704 Nordfriesland
6 Rantrum1984158 Nordfriesland
7 Föhr2010530 Nordfriesland
9 Süderstapel1985/1998139 Schleswig-Flensburg
18 Inselkern Sylt1998/20101.180 Nordfriesland
22 Amrum1999/2010254 Nordfriesland

Im Planungsraum sind nach derzeitiger Planung keine weiteren Trinkwasserschutzgebiete vorgesehen. Die Erforderlichkeit der Schutzgebietsausweisung leitet sich insbesondere aus der Grundwasserbeschaffenheit in dem für die Trinkwassergewinnung genutzten Horizont ab. Als Hauptkriterium für das Vorliegen einer konkreten Gefährdung werden bereits nachgewiesene nachteilige Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit herangezogen. Unterstützende Kriterien sind Erkenntnisse über besondere Gefährdungspotenziale im Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlagen und der Nachweis von lückenhaften oder unzureichenden Deckschichten.

Die Trinkwasserschutzgebiete umfassen das gesamte unterirdische Einzugsgebiet einer Wasser

gewinnungsanlage. In den durch Trinkwasserschutzgebietsverordnungen festgesetzten Bereichen werden bestimmte Gebote, Duldungs- und Handlungspflichten erlassen, um die zur Trinkwasserversorgung genutzten Grundwasservorkommen zu schützen. Da die Gefahr für das genutzte Grundwasser, außer bei flächenhaften Einträgen, mit dem Abstand des Gefahrenherdes von der Trinkwassergewinnungsanlage abnimmt, erfolgt bei Trinkwasserschutzgebieten eine Gliederung in Schutzzonen, in denen unterschiedlich strenge Regelungen greifen.

Die weiteren im Planungsraum betriebenen Wasserwerke weisen aufgrund ihrer günstigen hydrogeologischen Situation und weniger wassergefährdenden Nutzungen eine niedrigere Schutzpriorität auf. In diesen Bereichen werden Maßnahmen im Rahmen des allgemeinen flächendeckenden Grundwasserschutzes als ausreichend erachtet. Die entsprechend dem hydrogeologischen Kenntnisstand ermittelten Einzugsgebietsabgrenzungen werden in Hauptkarte 1 als Trinkwassergewinnungsgebiete dargestellt. Die so dargestellten Gebiete haben keine unmittelbar rechtliche Bindung, sondern vielmehr nachrichtlichen Charakter. Sie haben sich beispielsweise bei Flächennutzungsplanungen bewährt. Die Trinkwassergewinnungsgebiete sind zudem bereits in der Vergangenheit als Wasserschongebiete in die Regionalpläne und Fachplanungen eingegangen, so dass auf diese Weise die Belange des Grundwasserschutzes im Hinblick auf die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung berücksichtigt wurden.

Bei der Planung von Maßnahmen in Trinkwassergewinnungsgebieten ist von der Wasserbehörde im Rahmen der wasserrechtlichen Genehmigung zu prüfen, ob die Maßnahme dem Schutz der Trinkwassergewinnungsanlage zuwiderläuft oder welche Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers getroffen werden müssen. Auch in Zukunft bleiben die dargestellten Trinkwassergewinnungsgebiete ein unverzichtbares Element eines räumlich differenzierten Grundwasserschutzes.