Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

5.2. Energiewende

Der Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Mit der Energiewende sollen die Klimaschutzziele erreicht sowie Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung bei Umsetzung des Atomausstieges gewährleistet werden. Dabei kommt dem Ausbau der Erneuerbaren Energien als umwelt- und ressourcenschonendere Energiegewinnungsform an geeigneten Standorten eine zentrale Rolle zu. In Schleswig-Holstein hatten die Erneuerbaren Energien im Jahr 2016 bereits einen Anteil von ca. 122 % am Bruttostromverbrauch (Bund: 32 %). Als bundesweiter Vorreiter hat Schleswig-Holstein bereits seit 2015 mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt, als hierzulande verbraucht wurde. Die schleswig-holsteinische Landesregierung strebt an, dass in Schleswig-Holstein im Jahr 2025 mindestens 37 TWh Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird.

Tabelle 22: Zielszenario für den Ausbau der elektrischen Leistung aus Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein bis 2025 (GW) (Ist-Werte Statiskamt Nord, Zielscenario MELUND auf Basis der Ziele des Energiewende- und Klimaschutzgesetzes 2017)

Jahr2014201620202025
Ist-WerteZielscenario
Wind Onshore4,96,38,010,0
Wind Offshore0,31,71,72,1
Photovoltaik1,471,531,92,4
Biomasse0,40,40,40,4
Wasserkraft0,020,020,00,0
Sonstige EE0,20,20,20,2
Summe7,310,112,315,1

Windenergie onshore

Bis 2025 wird ein Ausbau der Windenergie an Land auf zehn Gigawatt angestrebt. Dafür werden etwa zwei Prozent der Landesfläche benötigt.

Zur Vermeidung eines ungesteuerten Ausbaues der baurechtlich privilegierten Windenergie an Land kommt in Schleswig-Holstein das Instrument der Konzentrationsflächenplanung durch Vorranggebiete mit Ausschlusswirkung zur Anwendung.

Die Auswahl geeigneter Vorranggebiete erfolgt durch Ausschluss so genannter harter und weicher

Tabukriterien und Betrachtung der verbliebenen Potenzialflächen unter Heranziehung weiterer Abwägungskriterien.

Die nachfolgenden Ausführungen werden in der Regionalplanung Windkraft zu gegebener Zeit angepasst.

Harte Kriterien sind dadurch gekennzeichnet, dass aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen eine Windenergienutzung nicht zulässig oder möglich ist. Für den Bereich des Naturschutzes sind unter anderem hier zu nennen:

  • Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer,
  • Naturschutzgebete (NSG) sowie einstweilig sichergestellte Gebiete,
  • Gesetzlich geschützte Biotope (größer als 20 Hektar) und
  • Waldflächen mit einem Abstandspuffer von 30 Metern.

Unter den weichen Tabukriterien werden solche Bereiche zusammengefasst, die aus fachlichen und vorsorglichen Gründen von vornherein von der Windenergienutzung ausgeschlossen werden sollten. Die nachfolgenden Kriterien sind bei den weiteren Planungsentscheidungen im Planungsraum nach wie vor zur vorsorgenden Vermeidung von insbesondere artenschutzrechtlichen Konflikten entsprechend zugrunde zu legen:

  • Nordfriesische Halligen außerhalb des Nationalparkes,
  • Nord- und Ostsee bis zur Hoheitsgrenze Schleswig-Holsteins,
  • Gebiete, die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung als NSG nach § 23 BNatSchG in Verbindung mit § 13 LNatSchG erfüllen,
  • Landschaftsschutzgebiete (LSG) sowie einstweilig sichergestellte Gebiete,
  • Schwerpunktbereiche des Biotopverbundsystems gemäß § 21 LNatSchG von landesweiter Bedeutung,
  • FFH- und EU-Vogelschutzgebiete (Natura 2000-Gebiete),
  • Dichtezentrum für Seeadlervorkommen,
  • International bedeutsame Nahrungsgebiete, Schlafplätze und Flugkorridore von Zwergschwänen außerhalb von EU-Vogelschutzgebieten,
  • 1.000 Meter Abstand um Kolonien von Trauerseeschwalben und 3.000 Meter Abstand um die Lachseeschwalben-Kolonie bei Neufeld,
  • Nahrungsgebiete für Gänse (ohne Graugänse und Neozoen) und Singschwan außerhalb von EU-Vogelschutzgebieten,
  • 3.000 Meter Abstand um landesweit bedeutsame Schlafgewässer der Kraniche,
  • Küstenstreifen an der Nordsee und auf Fehmarn mit herausragender Bedeutung für Nahrungs- und Rastgebiete von Vögeln,
  • Wintermassenquartiere für Fledermäuse (größer als 1.000 Exemplare) mit einem Umgebungsbereich von drei Kilometern,
  • Umgebungsbereiche von 300 Metern um den Nationalpark und EU-Vogelschutzgebiete sowie von 200 Metern um Naturschutzgebiete sowie einstweilig sichergestellte Gebiete und FFH-Gebiete sowie
  • Abstandspuffer von 30 bis 100 Metern zu Wäldern.

Für die weiteren Entscheidungen sind Abwägungskriterien ermittelt worden, die im Einzelfall je nach Untersuchungsergebnis, unterschiedlich gewichtet und in bestimmten Fällen auch ein Ausschlusskriterium darstellen können. Für den Bereich des Naturschutzes sind hier unter anderem zu nennen:

  • Nordfriesische Inseln außerhalb des Nationalparks,
  • Schwerpunktbereiche des Biotopverbundsystems gemäß § 21 LNatSchG von regionaler Bedeutung,
  • Wichtige Verbundachsen des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems,
  • Naturparke,
  • Umgebungsbereiche von 300 bis 1.200 Metern bei Vogelschutzgebieten,
  • Hauptachsen des überregionalen Vogelzuges,
  • Potenzielle Beeinträchtigungsbereiche im 3 Kilometer Radius um Seeadlerhorste außerhalb des Dichtezentrums und Schwarzstorchhorste,
  • Potenzielle Beeinträchtigungsbereiche im 1 Kilomater Radius um Weißstorchhorste und im 1,5 Kilometer Radius um Rotmilanhorste sowie
  • Wiesenvogelbrutgebiete.

Neben der Berücksichtigung natur- und artenschutzfachlicher und –rechtlicher Belange bei der Regionalplanung müssen diese im Einzelfall auch auf der Ebene der immissionsschutzrechtlichen Zulassung der einzelnen Windkraftanlagen vertiefend geprüft und bearbeitet werden.

Dazu sind verschiedene Grundlagenpapiere erlassen worden:

  • Erlass des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung vom 19. Dezember 2017 (Amtsblatt für Schleswig-Holstein 2018, Seite 62) – „Anwendung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung bei Windkraftanlagen“
  • „Empfehlungen zur Berücksichtigung tierökologischer Belange bei Windenergieplanungen in Schleswig-Holstein“ (LANU, 2008) und
  • Handreichung „Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) innerhalb des Potenziellen Beeinträchtigungsbereiches und des Prüfbereiches bei einigen sensiblen Großvogelarten - Empfehlungen für artenschutzfachliche Beiträge im Rahmen der Errichtung von WKA“ (MELUR/LLUR 2016).

Windenergie offshore

Zur Anbindung der in der AWZ der Nordsee errichteten Offshore Windparks besteht aufgrund der besonderen Situation des Nationalparkes sowie der besonderen Dynamik des Wattenmeeres nur die Möglichkeit, über Büsum an das an Land bestehende Strom- bzw. Übertragungsnetz anzuschließen. Diese so genannte „Büsumtrasse“ ist jedoch in ihrer räumlichen Aufnahmemöglichkeit begrenzt, so dass es darauf ankommt, Kabelanbindungen mit der höchstmöglichen Übertragungsleistung zu wählen (siehe Kapitel 2.1.2.3: Küstengewässer).

Photovoltaik Obwohl Schleswig-Holstein, besonders in den nördlichen Küstenkreisen zu den klimatischen Gunststandorten für die Nutzung von Photovoltaik zählt, steht diese nicht im energiepolitischen Fokus. Dennoch wird ein weiterer Zubau erwartet.

Photovoltaikfreiflächenanlagen im Außenbereich sind keine privilegierten Vorhaben im Sinne des § 35 Absatz 1 BauGB. Eine Genehmigungsfähigkeit als sonstiges Außenbereichsvorhaben nach § 35 Absatz 2 BauGB ist nicht gegeben, da in der Regel davon auszugehen ist, dass in § 35 Absatz 3 BauGB genannte öffentliche Belange beeinträchtigt sein werden. Hierzu zählen unter anderem Belange

  • des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie
  • der Erhaltung der natürlichen Eigenart der Landschaft oder des Landschaftsbildes und ihres Erholungswertes.

Insofern ist eine vorbereitende und verbindliche Bauleitplanung nach dem BauGB erforderlich.

Folgende Grundsätze sollten bei der vorbereitenden Planung für Photovoltaikfreiflächenanlagen berücksichtigt werden:

  • Vermeidung und Minimierung von Zerschneidungseffekten und Landschaftszersiedelung sowie deren Verstärkung,
  • Freihaltung von Schutzgebieten/-bereichen und deren Pufferzonen gemäß naturschutzrechlichen und –fachlichen Vorgaben,
  • Konzentration auf naturschutzfachlich konfliktarme Räume (zum Beispiel vorbelastete Flächen) sowie
  • Vermeidung und Minimierung von erheblichen Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes.

Für die Nutzung von Sonnenergie sind aus naturschutzfachlicher Sicht insbesondere Standorte im besiedelten Raum mit Ausnahme von Grünflächen und Grünzügen zu bevorzugen; wie zum Beispiel:

  • Gebäude, sofern es sich nicht um Baudenkmäler handelt, insbesondere Dächer von großen gewerblichen Bauten,
  • Siedlungsbrachen, soweit sie nicht für höherrangige Nutzungen im Zuge der Innenentwicklung genutzt werden können,
  • versiegelte Flächen sowie
  • Einrichtungen des Lärmschutzes, soweit Siedlungsstrukturen und Verkehrsanlagen, insbesondere durch Blendwirkungen in ihren jeweiligen Nutzungen nicht beeinträchtigt und bei Verkehrsanlagen insbesondere die Unterhaltungsarbeiten nicht behindert werden.

Eine räumliche Steuerung findet ebenso über die Regelungen des EEG statt. In diesem Kontext ist die Vergütung auf eine bestimmte Kulisse begrenzt (siehe Kapitel 2.2.8.1: Energie).

Biomasse

Künftig sollte bei der energetischen Nutzung von Biomasse eine Diversifizierung stärker im Vordergrund stehen. Die energetische Verwertung von Gülle und weiteren Abfallprodukten wird der energetischen Nutzung von beispielsweise Mais oder Getreide vorgezogen (siehe in den Erläuterung, Kapitel 5: Landschaftswandel).

Stromnetz der Höchstspannungsebene

Durch den flächigen Ausbau der erneuerbaren Energienutzung, primär der Windenergie, ist es erforderlich geworden, die bestehenden Höchstspannungsleitungen zu optimieren und in den Bereichen der West- und Ostküste jeweils eine weitere Höchstspannungsleitung zu errichten.

Zur Vermeidung natur- und artenschutzfachlicher Konflikte sowie der Beeinträchtigung des menschlichen Umfeldes kommen dabei folgende Planungsgrundsätze zum Tragen:

  • Auswahl einer landschaftsbildschonenden Trasse unter Berücksichtigung natur- und artenschutzfachlich sensibler Räume (zum Beispiel Vogelschutzgebiete, NSG sowie besondere Rast- und Nahrungsplätze von Vögeln),
  • Berücksichtigung der Bedeutung des Landschaftsbildes für die Anwohner von Hoch- und Höchstspannungsleitungen,
  • Einsatz von Erdkabeln statt Freileitungen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten,
  • Optimierung der Trassenarchitektur unter möglicher Bündelung oder Mitnahme bestehender Freileitungen und
  • grundsätzliche Ausstattung mit Vogelschutzmarkierungen an den Erdseilen.

Weitergehende Informationen ergeben sich aus der Arbeitshilfe „Beachtung des Artenschutzrechtes bei der Planfeststellung (LBV SH / AfPE, 2013) sowie den „Empfehlungen zur Berücksichtigung der tierökologischen Belange beim Leitungsbau auf der Höchstspannungsebene“ (LLUR 2013).

5.3. Landwirtschaft

Nach § 5 Absatz 1 BNatSchG ist bei Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege die besondere Bedeutung einer natur- und landschaftsverträglichen Landwirtschaft für die Erhaltung der Kultur- und Erholungslandschaft zu berücksichtigen.

Gleichzeitig werden in § 5 Absatz 2 BNatSchG Grundsätze der guten fachlichen Praxis für die landwirtschaftliche Bodennutzung formuliert,

  • die sich insbesondere an einer nachhaltigen Bodennutzung und langfristigen Nutzbarkeit der Flächen ausrichtet und dabei die natürliche Ausstattung der Nutzflächen nicht über das erforderliche Maß beeinträchtigt,
  • die schädliche Umweltauswirkungen vermeidet,
  • die Tierhaltung in einem ausgewogenen Verhältnis zum Pflanzenbau stellt,
  • die Dünge- und Pflanzenschutzmittel nach Maßgabe des landwirtschaftlichen Fachrechts anwendet sowie
  • den Grünlandumbruch auf erosionsgefährdeten Hängen, in Überschwemmungsgebieten, auf Standorten mit hohem Grundwasserstand sowie auf Moorstandorten unterlässt.

Trotz dieser Grundsätze sind die Nährstoffeinträge in die Gewässer und in die Atmosphäre nach wie vor zu hoch (für stickstoffempfindliche Lebensräume der FFH-Gebiete sind bereits Critical Loads (CL) festgelegt), nimmt die Bodenverdichtung landwirtschaftlich genutzter Flächen zu. Das Grünland ist aufgrund des Maisanbaues mit Auswirkungen auf den Naturhaushalt und das Landschaftserleben zurückgegangen, wobei dieser Trend zurzeit gestoppt ist und sich wieder umzukehren scheint. Der Artenverlust in der Kulturlandschaft geht dennoch weiter.

Die Landwirtschaft im Planungsraum soll auch weiterhin wesentlich dazu beitragen, die bestehende Kulturlandschaft zu erhalten. Dieses beinhaltet eine ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung zur Sicherung der Lebensgrundlagen der in den ländlichen Räumen lebenden Menschen. Die Erzeugung gesunder Lebensmittel soll eine sichere Einkommensquelle für die hier im ländlichen Raum lebenden Menschen darstellen. Die Leistungs- und Anpassungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion ist dabei auf einen intakten Naturhaushalt angewiesen. Das Zusammenbringen moderner landwirtschaftlicher Produktionsweisen mit dem Anliegen, den Naturhaushalt in seiner Leistungs- und Funktionsfähigkeit zu erhalten, um eine langfristig angelegte landwirtschaftliche Nutzung tragfähig zu gestalten, sollte Ziel einer zukunftsweisenden Landwirtschaft sein.

In diesem Zusammenhang wird auf

  • das Gesetz zur Erhaltung von Dauergrünland (Dauergrünlanderhaltungsgesetz – (DGLG)) vom 07. Oktober 2013,
  • das nach § 30 Absatz 2 BNatSchG in Verbindung mit § 21 Absatz 1 Nummer 6 LNatSchG gesetzlich geschützte arten- und strukturreiche Dauergrünland,
  • den Gewässerrandstreifen nach § 38 WHG in Verbindung mit § 38 a LWG,
  • auf die flankierenden Maßnahmen durch das Moorschutz- und Auenprogramm,
  • den Vertragsnaturschutz,
  • die Förderung des Ökologischen Landbaus,
  • die Hinweise des LLUR zur Gefahr der Bodenverdichtung besonderer Böden sowie
  • die Stärkung der 2. Säule der Europäischen Agrarpolitik (GAP)

verwiesen.

Der Vertragsnaturschutz ist seit rund 30 Jahren ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes in der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Mit seinen verschiedenen Vertragsmustern und den damit verbundenen unterschiedlichen Zielrichtungen trägt dieser dazu bei naturverträglich zu wirtschaften. Gleichzeitig unterstützt dieser die Ziele des Naturschutzes in Schutzgebieten sowie innerhalb und außerhalb des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems. Der Ökologische Landbau soll weiterhin verstärkt gefördert.

Der Nährstoffbelastung der Gewässer und der Luft, insbesondere mit Stickstoff und Phosphor ist mit geeigneten Maßnahmen, beispielsweise

  • durch Menge und Art der Ausbringung,
  • durch besondere Ausbringungszeiten und –verfahren von Gülle,
  • durch organisatorische Abläufe und (bauliche) Strukturen und
  • durch alternative Verwendungsmöglichkeiten von Gülle

verstärkt zu begegnen.

Die Entwicklung der Gewässerrandstreifen (auf zehn Metern Breite) an prioritären Gewässern soll weiter vorangebracht werden. Die Allianz für den Gewässerschutz des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und dem MELUND soll gestärkt werden.

Durch die Landesverordnung zur „Einhaltung der Wasser- und Winderosionsgefährdung landwirtschaftlicher Flächen“ wurden alle landwirtschaftlich genutzten Flächen in Schleswig-Holstein auf ihre Erosionsgefährdung hin bewertet und mit Blick auf die Ackerflächen in Verbindung mit der Agrarzahlungen-Verpflichtungsverordnung mit Bewirtschaftungsauflagen wie zum Beispiel

  • enge Saatreihen,
  • pfluglose Bodenbearbeitung,
  • Anbau quer zur Hangrichtung oder
  • Herbst-/ Winterbegrünung

versehen.

Gemäß Indikatorenbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie ist es Ziel der Bundesregierung, den Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen auf 20 Prozent zu erhöhen.

Die das Land prägende Kulturlandschaft ist zum großen Teil durch und mit der landwirtschaftlichen Bodennutzung entstanden. Sie wird in ihrem Reiz und ihrem Wert nicht nur durch ackerbaulich oder als Grünland genutzte Flächen bestimmt. Sie wird entscheidend auch durch ein System verschiedener natürlicher und naturnaher Landschaftselemente und –strukturen wie Knicks, Tümpel (Kleingewässer), Gehölzgruppen, Alleen, Wald- und Gewässerränder geprägt. Diese stellen nach § 21 Absatz 6 BNatSchG die Biotopvernetzung dar. Sie sind in ihrem Wert als Lebensraum für Tiere und Pflanzen (zur Erhaltung der biologischen Vielfalt) aber auch zur Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes im ländlichen Raum im Nebeneinander landwirtschaftlicher Produktion zu erhalten und weiter auszubauen.

Zur Reduzierung der Freisetzung von Treibhausgasen (insbesondere CO2 und Methan) als Folge der landwirtschaftlichen Bodennutzung ist es entscheidend, auf einen angemessenen Wasserhaushalt der Landschaft zu achten und diesen zu fördern (insbesondere in Moor- und Auenbereichen, beim Vorliegen kohlenstoffreicher bzw. staunasser Böden), die Grünlandwirtschaft zu stärken und einen Grünlandumbruch zu vermeiden. Nach § 9 des Energiewende- und Klimaschutzgesetzes Schleswig-Holstein (EWKG) ist Humus als natürlicher Kohlenstoffspeicher terrestrischer Ökosysteme zu erhalten (Speicherfunktion) und sein Aufbau im Boden zu fördern (Senkenfunktion).

In Verbindung oder Ergänzung mit kommunalen Landschaftsplänen können die Belange der Landwirtschaft mit denen des Naturschutzes etwa im Zuge von Flurbereinigungsverfahren sinnvoll miteinander verknüpft werden. Ziel soll es dabei sein, gemeinsame Handlungsfelder und Projektbereiche vor Ort festzulegen. Mit den Aussagen des Landschaftsrahmenplanes werden hierfür regionalbedeutsame Vorschläge, Hinweise und Anstöße gegeben.

Die Landwirtschaft ist mit einem Flächenanteil von rund 63 Prozent in Schleswig-Holstein der größte Flächennutzer. Ihr kommt damit eine erhebliche Bedeutung für den Zustand von Natur und Umwelt zu. Die Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sind vielfältig. Einerseits prägte die traditionelle Landwirtschaft unsere vielfältige Kulturlandschaft, indem sie durch eine nach heutigen Maßstäben extensive Bewirtschaftung zur Erhaltung und Entwicklung der Offenlandlebensräume beitrug. Andererseits verursacht die Landwirtschaft insbesondere in ihrer intensiven industrialisierten Form auch erhebliche negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Der Rückgang der Vielfalt an Lebensräumen und Arten, die intensive Düngung landwirtschaftlicher Flächen, die zu erheblichen Nährstoffanreicherungen in der Landschaft und in den Schutzgütern Boden und Wasser führen kann sowie die immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Pestizideinsatzes sind hierfür Beispiele. Mit einer stärkeren Ausrichtung der Landwirtschaft auf nachhaltige, naturschonende Betriebsweisen können die negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt vermindert werden. Voraussetzung dafür ist unter anderem ein Umbau der derzeitigen Förderung der Landwirtschaft durch die „Gemeinsame Agrarpolitik“ (GAP) der Europäischen Union, die bisher Naturschutzleistungen der Landwirte nur höchst unzureichend berücksichtigt. Ziel eines solchen Umbaues wäre es, dass die Landwirtschaft zukünftig öffentliche Fördergelder ausschließlich zur Honorierung der erbrachten öffentlichen Leistungen erhält. Dazu zählen insbesondere alle landwirtschaftlichen Maßnahmen, die dem Naturschutz und der Förderung der Biodiversität zu Gute kommen. Der derzeit wichtigste Ansatz zum Umbau der GAP stellt die „Gemeinwohlprämie“ dar. Dieses vom DVL in Schleswig-Holstein entwickelte Konzept31 basiert auf einer Bewertungsmethode, mit der landwirtschaftliche Gemeinwohlleistungen anhand von Betriebsdaten ermittelt und mit Hilfe eines Punktwertes abgebildet werden. Auf diese Weise lässt sich eine betriebsspezifische, leistungsorientierte finanzielle Prämie berechnen, die die heute undifferenzierte hektarbezogene Prämie („Direktzahlung“) ersetzt. Je mehr Naturschutzleistungen ein Betrieb erbringt, desto höher fällt seine Gemeinwohlprämie aus. Für den Naturschutz bedeutet das, dass eine naturschutzorientierte Landbewirtschaftung auch für die Landwirte attraktiv werden kann.

5.4. Forstwirtschaft

Grundsätze der guten fachlichen Praxis zur Bewirtschaftung des Waldes sind in § 5 Absatz 3 BNatSchG festgeschrieben und basierend auf § 3 LNatSchG in Verbindung mit § 5 LWaldG konkretisiert worden. Nach § 5 Absatz 3 BNatSchG ist bei der forstlichen Nutzung des Waldes das Ziel zu verfolgen, naturnahe Wälder aufzubauen und diese nachhaltig zu bewirtschaften.

Die Bewirtschaftung des Waldes gemäß § 5 Absatz 2 LWaldG hat nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis zu erfolgen:

  1. Langfristigkeit der forstlichen Produktion und Sicherung einer nachhaltigen Holzerzeugung;
  2. Erhaltung der Waldökosysteme als Lebensraum einer artenreichen heimischen Pflanzen- und Tierwelt;
  3. Aufbau naturnaher, standortgerechter Wälder mit hinreichendem Anteil standortheimischer Baumarten unter Ausnutzung geeigneter Naturverjüngung und Verwendung geeigneten forstlichen Vermehrungsgutes bei Erhaltung der genetischen Vielfalt;
  4. bedarfsgerechte Walderschließung unter größtmöglicher Schonung von Landschaft, Waldboden und –bestand;
  5. Anwendung von bestandes- und –bodenschonenden Techniken, insbesondere bei Verjüngungsmaßnahmen, Holznutzung und –transport;
  6. Nutzung der Möglichkeiten des integrierten Pflanzenschutzes unter weitestgehendem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel;
  7. Verzicht auf Einbringung gentechnisch modifizierter Organismen im Wald;
  8. Anpassung der Wilddichten an die natürliche Biotopkapazität der Waldökosysteme.

Schleswig-Holstein hat als eines der ersten Bundesländer 2016 das naturschutzpolitische Ziel erreicht, zehn Prozent seiner öffentlichen Waldfläche als Naturwald auszuweisen. Den maßgeblichen Flächenanteil tragen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) mit rund 4.835 Hektar Naturwald sowie die Stiftung Naturschutz bei. Damit ist Schleswig-Holstein vorbildlich bei der Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie, die vorsieht, zehn Prozent der Wälder in öffentlicher Hand einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Die damit erreichte Naturwaldbilanz setzt gleichzeitig auch das Ziel um, über alle Waldbesitzerarten einen Anteil von fünf Prozent der Waldfläche zu sichern. Naturwald ist Wald, der unter Verzicht auf Bewirtschaftungsmaßnahmen sich selbst überlassen bleibt. Hauptzielsetzung ist eine Sicherung der landestypischen Waldbiotopkomplexe in ihren regionalen Ausprägungen. Dabei geht es sowohl um die besonders wertvollen Alters- und Zerfallsphasen, als auch um jüngere Wälder und Sukzessionsflächen, die insgesamt im Rahmen der Nachhaltigkeit von Prozessschutzzielen wichtige Beiträge zur Erhöhung der Biodiversität leisten.

In mitteleuropäischen Urwäldern nahmen Alters- und Zerfallsphasen umfangreiche Flächenanteile ein. In bewirtschafteten Wäldern sind diese Phasen nur noch selten vertreten. Dieses hat zu einer Veränderung der heimischen Artenvielfalt geführt. Die Ausweisung der Naturwälder hat die Grundlage für einen zunehmenden Anteil von Alters- und Zerfallsphasen im Wald gelegt. Aber auch im vorherrschenden Wirtschaftswald sollen Bäume in verschiedenen Alters- und Zerfallsphasen kontinuierlich vertreten sein und die Naturwälder ergänzen und vernetzen.

Die SHLF haben hierzu mit Wirkung vom 01. Juni 2017 ein, die bisherigen Regelungen ersetzendes, Habitatbaumkonzept in Kraft gesetzt. Danach soll die Ausweisung von Habitatbäumen im Bereich der SHLF bis zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein. „Habitatbäume“ sind ausgewählte Bäume, die dauerhaft bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten bleiben. Sie sollen sich möglichst zahlreich zu strukturreichen Alt- und Uraltbäumen entwickeln. Bezogen auf die Anteilfläche der Altbestände werden herfür zehn Bäume je Hektar ausgewiesen. Eine entsprechende Aufwertung der kommunalen und privaten Wirtschaftswälder, insbesondere auch im Biotopverbund, soll diese Initiative unterstützen.

Rund 10 Prozent der Natura-2000-Fläche in Schleswig-Holstein stehen im Eigentum der SHLF. Das sind rund 34 Prozent der Gesamtfläche der SHLF, womit dieser eine besondere Verantwortung für den Erhalt und die Wiederherstellung günstiger Erhaltungszustände der Wälder in Schleswig-Holstein zukommt. Dem Wiederherstellungs- und Erhaltungsziel dienen die Handlungsgrundsätze für den Arten- und Lebensraumschutz zur Umsetzung von Natura 2000 in den SHLF. Die erste Fassung aus dem Jahr 2008 wurde 2016 fortgeschrieben. Bei der Einhaltung der Handlungsgrundsätze und der darauf aufbauenden Managementpläne gehen MELUND, LLUR und SHLF von einer FFH-Verträglichkeit der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen aus.

Durch die Handlungsgrundsätze und die daraus abzuleitenden Maßnahmen soll der

  • Schutz und die Entwicklung der typischen Lebensgemeinschaften,
  • die Förderung der dynamischen Prozesse und Zulassung von Alters- und Zerfallsphasen,
  • der Schutz seltener Individuen und Formen,
  • der nachhaltiger Bodenschutz und die Erhaltung naturnaher Standorte und
  • die Regeneration der Böden und des natürlichen Wasserhaushaltes

befördert werden.

Auf der Grundlage dieser Handlungsgrundsätze wird eine Leitlinie für die Umsetzung der Natura-2000-Ziele in Privatwäldern in Schleswig-Holstein erarbeitet. Sie wird allgemeine und spezielle Handlungsempfehlungen für die Bewirtschaftung von Privatwaldflächen umfassen. Soweit nicht rechtlich vorgegeben, sollen die Umsetzung von Maßnahmen an die Gewährung entsprechender finanzieller Ausgleichszahlungen gebunden werden können.

Die Landesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Waldanteil des Landes auf 12 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel kann aufgrund der bestehenden Flächenkonkurrenz zurzeit nur als Langzeitziel verfolgt werden. Der Erhöhung des Waldanteiles im Planungsraum, mit Ausnahme der Marschen, ist vor diesem Hintergrund weiterhin eine große Bedeutung beizumessen.

Eine Neuwaldbildung, die alle Waldfunktionen unterstützt (integrierte Neuwaldbildung), soll stärker als bisher verfolgt werden. Ihre Möglichkeiten liegen insbesondere in der Verbindung des Waldes mit der Entwicklung von Natur und Landschaft, dem Gewässer- und Klimaschutz – in dieser Hinsicht kommt der Entwicklung von Au- und Bruchwäldern besondere Bedeutung zu – sowie der Verbesserung des Erholungswertes der Landschaft. Grundsätzlich sollen neue Waldflächen gleichrangig Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllen. Im Zusammenhang mit naturschutzrechtlich besonders geschützten Bereichen kann die Neuwaldbildung die Entwicklungsziele des Naturschutzes unterstützen oder als Pufferzone um diese besonders sensiblen Bereiche dienen. Neuwaldbildungen sollen auch dazu beitragen, die Waldflächenstruktur zu verbessern. Diesem Ziel dient auch die Neuwaldbildung im Rahmen der Ökokontoregelung.

Für die Erhöhung des Waldanteiles im Planungsraum müssen neben der Verbesserung der Waldflächenstruktur durch Verbindung und Vergrößerung vorhandener Waldflächen auch neue Waldflächen in der freien Landschaft begründet werden. Sie sollen aus ökonomischen und ökologischen Gründen deutlich über der derzeitigen durchschnittlichen Waldflächengröße liegen. Die Ausgangssituation hierfür ist regional unterschiedlich.

Aufgrund bestehender und geplanter Nutzungen sowie der Schutzwürdigkeit verschiedener Landschaften und Flächen im Planungsraum haben wegen ihres großen, potenziell verfügbaren Flächenumfanges die gesamte Lecker und Husum-Bredstedter Geest und die Schleswiger Vorgeest eine besondere Bedeutung für die Neuwaldbildung. Sie weisen überwiegend geeignete Standorte auf, besitzen ein geringes Konfliktpotenzial für Erstaufforstungen und ermöglichen größere und zusammenhängende Waldbildungen.

Auch der Naturraum Angeln hat für die zukünftige Neuwaldbildung eine Bedeutung. Geeignete Gebiete sind hier jedoch kleinräumiger.

Neuwaldbildungen im Naturraum Marsch werden wegen vielfach anderer vorrangiger Zielsetzungen auch zukünftig nicht wesentlich zur Erhöhung des Waldanteiles beitragen können. Die Neuwaldbildung sollte hier jedoch stärker in einzelne regionale und örtliche Zielsetzungen integriert werden, insbesondere in die Tourismusentwicklung.

Aus Naturschutzsicht sind für eine Neuwaldbildung grundsätzlich geeignet:

  • Gebiete mit erosionsgefährdeten Böden, soweit sie keine besondere Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz haben sowie
  • landschaftlich wenig strukturierte Räume.

Aus Naturschutzsicht sind für eine Neuwaldbildung nicht geeignet:

  • Marscheninseln und Halligen sowie Marschbereiche der Geestinseln,
  • Bereiche an der Ostseeküste und in den Niederungen der Flüsse, in denen eine dauerhafte Schöpfwerksentwässerung erforderlich ist oder Entwässerungsgräben unterhalten werden müssen,
  • Dauergrünland, das für den Wiesenvogelschutz von besonderer Bedeutung ist,
  • Tunneltäler Angelns und die Täler der Geestbäche,
  • Flächen mit einem Entwicklungspotenzial für Magerrasen und Trockenbiotope,
  • Bereiche mit organischen Böden (Moorböden).

Aufgrund der derzeitigen Raumstruktur im Planungsraum, ihrer absehbaren Entwicklung und den Anforderungen der Neuwaldbildung haben insbesondere folgende Bereiche im Planungsraum eine größere Bedeutung für die Erhöhung des Waldanteiles:

Kreis Nordfriesland

  • nördlich von Ladelund bis zur dänischen Grenze,
  • südlich von Süderlügum,
  • nördlich von Achtrup,
  • östlich von Langenhorn bis in den Bereich um Joldelund,
  • östlich von Drelsdorf,
  • zwischen Hattstedt und Schwesing,
  • östlich um Ostenfeld,
  • nördlich von Schwabstedt.

Kreis Schleswig-Flensburg

  • der überwiegende Teil der Schleswiger Vorgeest, ausgenommen die Eider-Treene-Sorge-Niederung,
  • kleinere Gebiete östlich Flensburg bis Kappeln,
  • zwischen Großsolt und Idstedt,
  • zwischen Süderbrarup und Schleswig.

Die kommunale Landschaftsplanung in Schleswig-Holstein soll ermöglichen, den Waldanteil in den Städten und Gemeinden langfristig zu erhöhen. Dabei soll auch aufgezeigt werden, inwieweit die Neuwaldbildung in bestehende und geplante Flächennutzungen integriert werden kann, um damit die angestrebten Zielsetzungen zu unterstützen. Auf diese Weise leistet die kommunale Landschaftsplanung einen Beitrag zur Erhöhung des Waldanteiles auf Landesebene.

Im Einklang mit der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt32 werden bei der Neubegründung von Wäldern vermehrt standortheimische Baumarten verwendet. Der Anteil nicht standortheimischer Baumarten reduziert sich kontinuierlich. Historische Waldnutzungsformen wie Mittel-, Nieder- und Hutewald mit ihrem hohen Naturschutz- und Erholungspotenzial werden weitergeführt und nach Möglichkeit ausgebaut.

Im Planungsraum sind Naturwälder gemäß § 14 LWaldG ausgewiesen, in denen jegliche forstliche Nutzung unterbleibt. Sie dienen einer ungestörten natürlichen Entwicklung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen, der Dauerbeobachtung von Waldlebensgemeinschaften, der Sicherung genetischer Information und der waldökologischen Forschung (siehe Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und -objekte).