Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

1.3. Übergeordnete Planungen – Landschaftsprogramm

Das Landschaftsprogramm formuliert Ziele und Maßnahmen des Naturschutzes auf landesweiter Ebene, die zu beachten sind. Das räumliche Zielkonzept des Naturschutzes, wie es das Landschaftsprogramm vorgibt, ist auf der regionalen Ebene zu konkretisieren. Es definiert für den Naturschutz zwei Räume mit unterschiedlichen Zielaussagen:

  • Räume für eine überwiegend naturnahe Entwicklung und
  • Räume für eine überwiegend naturverträgliche Nutzung.

Da der Landschaftsrahmenplan die Inhalte des Landschaftsprogrammes berücksichtigen und konkretisieren soll, wurden die Zielsetzungen generell übernommen, die Veränderungen der letzten Jahre jedoch berücksichtigt.

Räume für eine überwiegend naturnahe Entwicklung

Die Zielsetzung einer Sicherung und Entwicklung besonders schutzwürdiger, überwiegend naturnaher Lebensräume wird im vorliegenden Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I durch folgende Darstellungen konkretisiert:

  • Nationalpark „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“, der Teil des trilateralen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer ist,
  • bestehende Naturschutzgebiete,
  • Gebiete, die die Voraussetzung zur Unterschutzstellung nach § 23 BNatSchG als Naturschutzgebiet erfüllen,
  • Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung nach der FFH-Richtlinie,
  • Europäische Vogelschutzgebiete,
  • Gebiete mit besonderer Eignung für den Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems nach § 21 BNatSchG,
  • geschützte Biotope gemäß § 30 BNatSchG,
  • Meeresschutzgebiete gemäß Helsinki- und OSPAR-Übereinkommen, die gleichzeitig Meeresschutzgebiete gemäß Artikel 13 Absatz 4 MSRL sind,
  • bestehende und geplante geschützte Landschaftsbestandteile,
  • Flächen der Stiftung Naturschutz sowie
  • Ausgleichs- und Ökokontoflächen.

Räume für eine überwiegend naturverträgliche Nutzung

Die Zielsetzung einer Sicherung und Entwicklung von Landschaftsräumen mit besonderen standörtlichen Voraussetzungen, in denen ein verträgliches Miteinander von verschiedenen Nutzungs- und Naturschutzaspekten im Vordergrund steht, wird im Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum mit folgenden Bereichen benannt:

  • Wasserschutzgebiete,
  • Geotope,
  • Naturparke,
  • Naturerlebnisräume,
  • Bestehende Landschaftsschutzgebiete und Gebiete, die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung nach § 26 BNatSchG erfüllen,
  • Gebiete mit besonderer Erholungseignung,
  • Entwicklungszone der UNESCO-Biosphärenreservate,
  • Historische Kulturlandschaften,
  • Strukturreiche Agrarlandschaften,
  • Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung,
  • Gebiete des Vertragsnaturschutzes und
  • Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Avifauna.

1.4. Landschaftsplanung der Gemeinden

Gemäß § 11 Absatz 1 BNatSchG werden die für die örtliche Ebene konkretisierten Ziele, Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der Grundlage der Landschaftsrahmenpläne in Landschaftsplänen dargestellt. Die im Entwicklungsteil der Landschaftsrahmenpläne formulierten Ziele und Erfordernisse sind von den Gemeinden zu beachten. In die örtliche Landschaftsplanung sind insbesondere folgende Flächen zu übernehmen:

  • Flächen mit rechtlichen Bindungen nach den Vorschriften der Kapitel 4 des Bundes- und Landesnaturschutzgesetzes, für die Bindungen in den Landschaftsrahmenplänen vorgesehen sind oder die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung erfüllen,
  • Flächen, die der Entwicklung von Nationalparken, Naturschutzgebieten, geschützten Landschaftsbestandteilen und geschützten Biotopen dienen und
  • Flächen, die nach Maßgabe der Landschaftsrahmenpläne erforderlich sind, um die nach Nummer 1 und 2 dargestellten Flächen so miteinander zu verbinden, dass zusammenhängende Systeme entstehen können (Biotopverbund) und zwar
  • als Biotopverbundflächen, soweit die Flächen diese Funktion bereits erfüllen, in absehbarer Zeit erfüllen werden oder gemäß § 21 BNatSchG sollen,
  • als Eignungsflächen zum Aufbau des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems gemäß den Vorgaben der Landschaftsrahmenpläne, soweit sie nicht unter Buchstabe a) fallen.

Das Erfordernis der Anpassung der örtlichen Landschaftspläne an die übergeordneten Planungen gilt dabei für deren Neuaufstellung oder Fortschreibung. Nach § 9 Absatz 4 BNatSchG sind Landschaftspläne fortzuschreiben, sobald und soweit dies im Hinblick auf Erfordernisse und Maßnahmen im Sinne des § 9 Absatz 3 Satz 1 Nummer 4 BNatSchG erforderlich ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn wesentliche Veränderungen von Natur und Landschaft im Planungsraum eingetreten, vorgesehen oder zu erwarten sind. Landschaftspläne sollten grundsätzlich neu aufgestellt oder fortgeschrieben werden bei der Neuaufstellung oder wesentlichen Änderung eines Flächennutzungsplanes. Die unteren Naturschutzbehörden können die Gemeinden hierbei frühzeitig beraten. Auf die §§ 1 bis 2a Baugesetzbuch (BauGB) und die Funktion des Landschaftsplanes wird in diesem Zusammenhang Bezug genommen. Eine Überarbeitungspflicht bestehender Landschaftspläne ausschließlich zum Zweck der Anpassung an die Landschaftsrahmenpläne besteht auf der Grundlage der oben genannten gesetzlichen Bestimmungen nicht.

Tabelle 1: Stand der Landschaftsplanung der Gemeinden gibt eine Übersicht über den Stand der von den Gemeinden im Planungsraum aufgestellten oder sich in Bearbeitung befindlichen Landschaftspläne. Die meisten dieser Pläne sind inzwischen mehr als zehn Jahre alt und entsprechen nicht mehr den aktuellen gesetzlichen Anforderungen an die örtliche Landschaftsplanung. Weitere Aussagen, die auch das Thema Landschaftsplanung berühren, sind den Kapiteln 2.2.1 Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume und 5.1 Siedlung und Verkehr zu entnehmen.

Tabelle 1: Stand der Landschaftsplanung der Gemeinden

Kreis/ kreisfreie StadtAnzahl der GemeindenGemeinden mit Landschaftsplänen (Stand: April 2014)
beschlossen/ festgestelltim VerfahrenProzent der Gemeinden
Nordfriesland133111-83
Schleswig-Flensburg131115-87
Flensburg111100
Planungsraum I265227185

1.5. Naturräumliche Situation

Der Planungsraum umfasst mit den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland sowie der Stadt Flensburg den nördlichen Teil Schleswig-Holsteins. In dem Planungsraum sind alle drei naturräumlichen Haupteinheiten des Landes, die Marsch, die Geest und das Östliche Hügelland, vertreten.

Das Landschaftsprogramm von 1999 formuliert regionale Schutz- und Entwicklungsziele der Biotoptypen anhand naturräumlicher Regionen. Für diese sollen auf den nachgeordneten Planungsebenen landschaftliche Leitbilder sowie Leitbilder des Arten- und Biotopschutzes formuliert werden. Dieses ist in den festgestellten und veröffentlichten Landschaftsrahmenplänen erfolgt und wird im vorliegenden Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I fortgeschrieben. Ziele und Leitbilder können dem Kapitel 3 entnommen werden.

Aufbauend auf der Systematik der naturräumlichen Regionen erfolgt auf regionaler Ebene eine weitere Differenzierung, wobei die bundesweit einheitlich verwendete Systematik nach Meynen, Schmithüsen1 zur Anwendung kommt. Danach gehört der Planungsraum im Wesentlichen zu den folgenden naturräumlichen Haupteinheiten:

  • Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln,
  • Schleswig-Holsteinische Geest sowie
  • Schleswig-Holsteinisches Hügelland.

(Siehe Abbildung 1: Naturräumliche Gliederung (nach Meynen/Schmithüsen)).

Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln“

Nordfriesische Geestinseln und Nordfriesische Marschinseln und Halligen

Diese Naturräume setzen sich im Planungsraum aus dem Wattenmeer, den Nordfriesischen Geest- und Marschinseln, den Halligen sowie den Vordeichsbereichen entlang der Festlandküste zusammen. Die ursprüngliche Vegetation war in großen Bereichen durch den Rohrglanzgras-Kerbel-(Eichen-)Eschenwald geprägt.

Aufgrund seiner Ausstattung mit natürlichen oder naturnahen Lebensräumen ist der Landschaftsraum auch heute noch von herausragender Bedeutung. Zwischen den Küsten, Inseln, Halligen und Wattgebieten besteht ein komplexes System ökologischer Vernetzungen. Das Ökosystem Wattenmeer mit seinen ausgedehnten Watten, Salzwiesenbereichen, Sänden und Küstenbiotopen nimmt hier eine Sonderstellung ein. Das im Rhythmus der Gezeiten trockenfallende oder überflutete Watt formt als amphibisches Sedimentationsgebiet den größten Teil der naturräumlichen Region. Die bedeutendsten Salzwiesenkomplexe liegen vor dem Seedeich des nordfriesischen Festlandes und der Insel Pellworm, auf und vor den Halligen, nördlich der Insel Föhr sowie auf den Wattseiten von Sylt und Amrum. Die Außensände Japsand, Süderoogsand, Norderoogsand und die Eiderstedt und Amrum vorgelagerten Sände sind naturbelassene Lebensräume an der Küste mit herausragender Bedeutung für Seevögel und Seehunde.

Ein weiterer charakteristischer Lebensraumtyp der Nordseeküste sind die Küstendünen in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien. Vegetationskundliche Besonderheit der Küstendünenlandschaft sind die feuchten bis nassen, zum Teil vermoorten Dünentäler. Die Küstenheiden sind ein auf Sylt, Amrum und bei Sankt Peter Ording sehr verbreiteter Biotoptyp, der nur hier in größeren Beständen vorkommt.

Das Ökosystem Wattenmeer steht seit 1985 als Nationalpark unter Schutz (siehe Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und –objekte und 4.2.2: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Weltnaturerbe). 2009 wurde das deutsch-niederländische Wattenmeer in die Liste der Welterbestätten der UNESCO aufgenommen und 2014 um den dänischen Teil des Wattenmeeres erweitert.

Nordfriesische Marsch und Eiderstedter Marsch

Die Entwicklung der Marschen hängt eng mit dem Anstieg des Meeresspiegels während der nacheiszeitlichen Transgression zusammen. In Nordfriesland traten zwar keine langanhaltenden Überflutungen auf, der hohe Grundwasserstand und die mangelnde Entwässerung in den Senken führten jedoch zu Vermoorungen. Zum Ende des Meeresspiegelanstieges wurde auch das flache nordfriesische Geestvorland überflutet. Es bildeten sich Kleiüberlagerungen, über denen in weiten Bereichen Hochmoore aufwuchsen. Ein späterer Meeresspiegelanstieg führte zu einer erneuten Sedimentüberlagerung, aus der sich die Marschböden entwickelten. Bei der Marsch kam es in Nordfriesland zu mehrfachen Überlagerungen, wodurch sich diese durch meerseitige Anlagerungen flächenmäßig weiter ausbreitete. Regionale Unterschiede der Marschentwicklung ergaben sich auf Grund der unterschiedlich tiefen Lagen des eiszeitlichen Untergrundes. Im südlichen Eiderstedt, wo der Untergrund auf bis zu 20 Meter unter dem Meeresspiegel abfällt, führte der rasche Meeresspiegelanstieg verbreitet zur Sedimentation von gröberem Material (Feinsand). Im Bereich der nordfriesischen Marschen wurde erst später, als der nacheiszeitliche Meeresspiegelanstieg allmählich zum Stillstand kam, bevorzugt feineres Sediment (Ton, Schluff) abgelagert. Die Marsch ist in ihrer Entstehung und historischer Entwicklung wesentlich vom Faktor Wasser geprägt. Eine landwirtschaftliche Nutzung dieses Raumes ist nur durch eine Steuerung der Vorflutsituation möglich. In der heutigen Landschaft sind hiervon die zahlreichen kleineren und größeren Gewässersysteme übriggeblieben. Sie führen zum einen das Süßwasser des Binnenlandes der offenen Nordsee zu, zum anderen leiten sie bei Niedrigwasser das bei Hochwasser aufgelaufene Meereswasser sowie das rückgestaute Süßwasser des Hinterlandes wieder ab. Der Bau von Speicherkögen ermöglicht auch bei Sturmfluten die Vorflutregelung im Deichhinterland.

Der Naturraum zeigt das Bild einer ausgeprägten Kulturlandschaft.

Während früher in der alten Marsch weitgehend nur eine Nutzung als Dauergrünland möglich war, sind heute auch große Bereiche der alten Marschen in ackerbaulicher Nutzung. In der jungen Marsch ist eine Ackernutzung mit landesweiten Höchsterträgen möglich. Auch sind ökologisch wertvolle Feuchtgrünländereien erhalten geblieben. Als prägendes Landschaftselement der Marschen ist in neuester Zeit die Windkraftnutzung hinzugekommen.

Wehlen oder Braken zählen zu den wenigen ungenutzten Lebensräumen der Marsch. Dies sind Kleingewässer, die durch Deichbrüche hinter dem Deich entstanden sind.

Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinische Geest“

Lecker Geest und Bredstedt-Husumer Geest

Die sich deutlich aus der Umgebung herausheben-den Altmoränenkomplexe der Lecker und Husumer Geest gehören zur Hohen Geest. Flüsse wie Eider und Treene und vor allem die während der letzten Eiszeit aus dem östlichen Hügelland nach Westen abfließenden Schmelzwässer (heutige Talräume von Soholmer Au und Arlau) haben die hoch gelegenen Gebiete vielfach durchschnitten. So entstanden durch Talzüge voneinander getrennte Gebiete oder inselartige von Niederungen umgebene Bereiche.

Die Hohe Geest wird vorwiegend aus saaleeiszeitlichen Sanden, lehmigen Sanden und Lehmen aufgebaut. Die ursprüngliche Vegetation der Altmoränenlandschaft war der Eichen- oder Eichen-Buchen-Mischwald (siehe Abbildung 2: Potenziell natürliche Vegetation (nach BfN 2005)). In den Niederungen dominierten Bruchwälder und eine typische Moorvegetation. Durch eine zunehmende Nutzung entstanden insbesondere nach der mittelalterlichen Waldwüstung große Heideflächen. Bruchwälder und Moore wurden in Grünland umgewandelt. Erst mit Förderung des Heidekulturvereins seit 1871 wurden große Heidelandschaften mit Nadelbäumen aufgeforstet und die landwirtschaftlichen Standorte melioriert. Reste alter Landnutzungsformen zeigen die heute noch bestehenden Heiden im Raum Süderlügum, Karlum und Leck. Von den ehemals großen natürlichen Waldflächen sind aktuell nur noch vereinzelte Standorte erhalten geblieben. Hierzu gehören unter anderem die Wälder der Ostenfelder Geest. Weitere (in der Regel reine Nadel-) Waldgebiete sind durch Aufforstungen älterer Heideflächen entstanden. Im Bereich des mineralischen Untergrundes werden bis heute Flächen mit einem Mischwald, der hohe Anteile an heimischen Harthölzern aufweist, aufgeforstet. In den Niederungen dominieren die Milchwirtschaft und der Maisanbau. Von der ehemaligen Naturlandschaft sind somit letztendlich nur einige Flächen übriggeblieben.

Eider-Treene-Niederung

Umrahmt von Teilen der Hohen Geest und der Vorgeest liegt im zentralen Schleswig-Holstein dieses etwa 560 Quadratkilometer große Niederungsgebiet. Es wird von den Flüssen Eider, Treene und Sorge durchzogen und öffnet sich nach Westen hin zur Nordsee. Bei diesem Gebiet handelt es sich, mit rund ein Drittel der Moorflächen des Landes um das größte Feuchtgrünlandgebiet Schleswig-Holsteins.

Die während der letzten Eiszeit nach Westen abfließenden Schmelzwasser hinterließen weite Schmelzwasserebenen. Diese wurden im Spätgla-zial durch Tal- und Dünenbildungen überprägt. Es kam zur Trennung der Gewässersysteme von Treene und Eider einschließlich der Sorge. Durch wiederholte Vermoorungen und Überschlickungen mit Gezeitensedimenten entwickelte sich ein Niederungsgebiet, das nur von einigen Geestinseln, den sogenannten Holmen, unterbrochen wird. Hervorzuheben ist hier die Erfder Geest mit ihrem dichten Knicksystem. Dominant ist auch der von Wohlde über Bergenhusen bis Süderstapel reichende Sta-pelholm, welcher durch größere Waldbereiche geprägt ist. Erst nach den großen Sturmfluten von 1362 und 1634 setzten in meeres- und flussnahen Bereichen erneut geringmächtige, feinsandige Aufschlickungen ein. In flussferneren Gebieten entstanden aufgrund des hohen Grundwasserstandes Torfablagerungen. Im Eider-Treene-Sorge-Gebiet sind überwiegend Niedermoore verbreitet, die an vielen Stellen zu Hochmooren aufgewachsen sind und eine Torfmächtigkeit von teilweise über acht Metern aufweisen. Beispiele hierfür sind das Wilde Moor bei Schwabstedt, das Tetenhusener Moor und das Tielener Moor.

Durch die Eiderabdämmung bei Nordfeld wurde der sich ehemals bis Rendsburg auswirkende Tideeinfluss oberhalb der Schleuse unterbunden. Erst mit dem Bau des Eidersperrwerkes, das 1973 als größtes Küstenschutzbauwerk Deutschlands fertig gestellt wurde, sind große Teile der dahinter liegenden Niederung den Hochwasserereignissen der Nordsee entzogen worden, wobei gleichzeitig ökologisch hochwertige Lebensräume auf Dauer verloren gingen. Hohe Außenwasserstände mit gleichzeitig hohen Niederschlägen verursachen heute eine Entwässerungssituation, die zur Vermeidung ökonomischer und ökologischer Schäden einer genauen Regelung und Abstimmung bedarf.

Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge zählt zu den letzten großen Niederungsgebieten Deutsch-lands. Durch die reiche Naturausstattung und die große biologische Vielfalt ist sie eine der herausragenden Landschaften des Landes. Sie ist Lebens-raum der größten binnenländischen Ansammlung von Wiesenvögeln wie beispielsweise Kiebitz, Uferschnepfe, Bekassine oder Blaukehlchen und ist bekannt für ihren Weißstorchbestand. Im Winter zu Zeiten des Vogelzugs trifft man auf Goldregenpfeifer, Gänse, Sing- und Zwergschwäne. Für Zwergschwäne ist die Niederung auf ihrem Zug in die sibirischen Brutgebiete das wichtigste deutsche Rastgebiet.

Der Naturschutz hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, in der Eider-Treene-Sorge-Region die Lebensräume der Tier- und Pflanzenarten in besonderem Maße zu erhalten, zu verbessern und gegebenenfalls wieder zu vernetzen. Dies war der Grund, dass seit den 1990er Jahren, auf der Grundlage verschiedenster Landes- und EU-Programme, die Belange des Naturschutzes in die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung der Region integriert wurden. Viele Moore und Feuchtflächen wurden in diesem Kontext für Naturschutzzwecke gesichert und renaturiert. Insgesamt wurden in der Region bisher mehr als 17.000 Hektar Land für den Naturschutz gesichert, als Natura 2000 Gebiete ausgewiesen und/oder in das Biotopverbundsystem ein-gebunden.

Schleswiger Vorgeest

Als Vorgeest oder Sandergeest wird der Bereich zwischen dem Östlichen Hügelland und den Altmoränenkomplexen der Hohen Geest bezeichnet. Im Planungsraum ist dieses die Schleswiger Vorgeest, auf der sich in der Nacheiszeit bedeutende Hochmoore entwickelten. In den Niederungen entstanden aufgrund des geringen Gefälles und hohen Grund-wasserspiegels Niedermoore, oftmals wiederum mit anschließendem Hochmoorwachstum.

Die für den Podsol typische Ortsteinschicht wurde im Zuge landwirtschaftlicher Strukturverbesserun-gen stellenweise durchbrochen (Tiefenumbruch), so dass die typischen Bodeneigenschaften nur noch eingeschränkt vorliegen. In den niederschlagsarmen Perioden können die sandigen Geestböden schnell austrocknen. Regelmäßig kommt es auf Flächen ohne geschlossene Vegetationsdecke so zu Wind-verwehungen und bei entsprechenden Winden zu Bodenverwehungen. Noch vor ungefähr 100 Jahren wurde die Vorgeest in weiten Bereichen von Heiden und Mooren eingenommen. Heute sind diese ökologisch hochwertigen Flächen bis auf einige wenige Relikte aufgrund von Kultivierungsmaßnahmen verschwunden. Naturnahe Wälder kommen lediglich als kleine Eichen-Buchen- oder Eichen-Birken-Wälder vor.

Ein besonders landschaftstypisches Element der Vorgeest ist der Knick. Vielfach wurden in diesem Raum ebenerdige Knicks und Feldgehölze als Windschutzpflanzungen angelegt. Als eine regionale Besonderheit ist der „Teebuschknick” auf den Vorgeestflächen im südöstlichen Planungsraum zu nennen.

Nahezu alle Bach-/Flusssysteme sind durch ein-schneidende Ausbaumaßnahmen geprägt. An den Oberläufen der Fließgewässer sowie an deren kleinen Zuflüssen wurde mit dem Gewässerausbau bereits im 19. Jahrhundert begonnen. Naturnahe Fließgewässerabschnitte sind aktuell noch in Bereichen der Treene, der Bollingstedter Au und des Schafflunder Mühlenstroms zu finden.

Die Vorgeest ist vergleichsweise dünn besiedelt. Der sandige Boden ist von geringer Güte und war in der Vergangenheit für die Ansiedlung landwirtschaftlicher Betriebe wenig attraktiv. Gleichwohl werden die Flächen heute intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Naturräumliche Haupteinheit „Schleswig-Holsteinisches Hügelland“

Angeln, Schwansen, Hüttener und Duvenstedter Berge

Als Angeln wird der nördlich der Schlei gelegene Teil des östlichen Hügellandes Schleswig-Holsteins bezeichnet. Es erstreckt sich östlich einer Linie von Flensburg bis Schleswig und umfasst den gesamten Bereich von der Flensburger Förde bis zur Schlei. Dieses Jungmoränengebiet umfasst im Planungsraum geringe Anteile der Naturräume Schwansen sowie der Hüttener und Duvenstedter Berge.

Seine heutige Oberflächengestalt wurde wesentlich durch die Vorgänge in der Weichsel-Eiszeit geprägt. Hieraus resultiert ein stellenweise stark ausgeprägtes Oberflächenrelief. Im Osten des Flensburger Stadtgebietes beginnend zieht sich ein Höhenzug in etwa küstenparallel bis Kappeln hin, der bei Speting (Amt Süderbrarup) absolute Höhen von über 70 Metern erreicht. Auf diesem Höhenzug verläuft die Hauptwasserscheide zwischen Nord- und Ostsee. Hier entspringen auch die Quellflüsse der Treene, die dann bei Friedrichstadt in die Eider mündet.

Angeln stellt sich heute überwiegend als eine kup-pige durch Ackerschläge geprägte Landschaft dar. Neben zahlreichen kleineren Laubwäldern sind im Dreieck Großsolt-Satrup-Böklund noch immer großflächige Wälder zu finden. Einige größere Talzüge gliedern den Landschaftsraum. Diese Talzüge, zumeist als eiszeitliche Tunneltäler angelegt, weisen zum Teil noch größere Grünländereien auf. Charakteristisch sind auch die in den Talräumen gelegenen Seen, wie zum Beispiel der Winderatter See, der Südensee oder der Langsee.

Weite Teile Angelns weisen zudem eine typische Knicklandschaft auf, deren Anfänge bis zum Jahre 1700 zurückzuverfolgen sind, also noch vor den eigentlichen Verkoppelungsverordnungen zwischen 1766 und 1770. Gegenüber der Situation um 1880 ist heute nur noch in relativ kleinen Arealen eine bemerkenswerte Knickdichte zu finden.

Eine Besonderheit stellen die Binnendünenfelder und Flugsanddecken am Treßsee und in Holmingfeld dar. Diese Lebensräume haben sich im gesamten Landschaftsraum nur in dem eher sehr sandigen Übergangsbereich zwischen Zentral-Angeln und Schleswiger Vorgeest entwickelt, der auch als Luus Angeln bezeichnet wird. Insgesamt kommt diesem Raum wegen seines großen Strukturreichtums und dem besonderen Entwicklungspotenzial eine besondere ökologische Bedeutung zu.

Ostseeküste

Der Küstenraum der Ostsee umfasst alle von der Ostsee beeinflussten und geschaffenen Lebens-räume im terrestrischen sowie im aquatischen Bereich. Er reicht im Planungsraum von Wassersleben bis südlich von Schleimünde.

Kennzeichnend für die Gestalt der Ostseeküste ist der Wechsel von weit in die See vorspringenden Halbinseln (Holnis, Gelting) und tief in das Land hineinreichenden Buchten und Förden (Flensburger Förde, Schlei und Geltinger Bucht).

Strömungen und Welleneinwirkungen formen die Ostseeküste. Im Gegensatz zur Nordseeküste spielen Ebbe und Flut dabei kaum eine Rolle. Durch Wind herbeigeführte Hochwassersituationen und sporadische Sturmfluten haben jedoch erhebliche Auswirkungen. Abtragungen an vorspringendem Land und Ablagerungen in geschützter Lage wechseln einander im Küstenverlauf ab. Charakteristisch für die Abtragungsbereiche sind aktive Steilküsten mit ihren meist schmalen und steinreichen Stränden. Bedeutende Abtragungsbereiche sind die Steilküsten bei Holnis, Bockholmwik und Osterholz an der Flensburger Förde.

Für die Ablagerungsbereiche sind Strandwälle, Strandhaken und nehrungsartige Bildungen vor Niederungen oder Buchten charakteristisch. Die Geltinger Birk und die Schleimündung sind typische Strandwall-Landschaften der Ostseeküste.

Die Ostseeküstenlebensräume im Bereich der Geltinger Birk/Kalkgrund sowie im Bereich Schleimündung weisen Flachgründe und flache Meeresbuchten mit ihren typischen Biotopen, wie beispielsweise Seegraswiesen und Muschelbänke, auf.

Die Steilküsten unterliegen oft einer unbeeinflussten natürlichen Dynamik und weisen einen hohen Natürlichkeitsgrad der Lebensräume auf. Hier bilden sich an aktiven Steilküstenbereichen natürlicherweise Offenstandorte, Pioniergesellschaften und Staudenfluren. Gebüsche und Pionierwälder bedecken die ruhenden Abschnitte. Quellen, hohe Luft-feuchte und oft hoher Basenreichtum sowie ungestörte Sukzession sind prägende Standortfaktoren. Sie machen die Besonderheit dieser Standorte aus, da sie in der freien Landschaft häufig durch Nutzungen überformt worden sind. Aktive Steilküsten mit vorgelagerten Geröllstränden und bewaldete Bereiche stellen naturnahe Übergänge vom Meer zum Land dar und bieten hervorragende Habitatbedingungen für einige Sägerarten, Seeschwalben und Limikolen. Die flachen Strandwall-Landschaften und die Strandsee-Niederungen bieten Lebensraum für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund ihrer Einmaligkeit und ihres ökologischen Wertes sind sie oft von internationaler Bedeutung.

Die Schlei nimmt in diesem Raum eine Sonderstellung ein. Entstehungsgeschichtlich ist sie eindeutig als Ostseeküste anzusprechen und deshalb auch diesem Raum zuzuordnen. Der aufgrund des Süßwassereinflusses entstandene Charakter des Schleiufers erinnert aber in vielen Bereichen eher an ein Seeufer als an eine Meeresküste.

Potenziell natürliche Vegetation

Eine Übersicht der potenziell natürlichen Vegetation in ihrer regionalen Ausbreitung ist der Abbildung 2: Potenziell natürliche Vegetation (nach BfN 2005) zu entnehmen. Als potenziell natürliche Vegetation sind die Pflanzengesellschaften zu verstehen, die sich einstellen würden, wenn jede menschliche Einflussnahme unterbliebe. Dabei sind sowohl die heutigen Standortbedingungen als auch die derzeitigen regionalen Wildpflanzenbestände zugrunde zu legen. Die Kenntnis der potenziell natürlichen Vegetation ermöglicht es, bei landschaftspflegerischen Maßnahmen standortgerechte Pflanzen zu verwenden.