Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

1.6. Sozio-ökonomische Situation

Der Planungsraum umfasst die kreisfreie Stadt Flensburg und die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg mit 258 Gemeinden (Stand 01. März 2018). Darüber hinaus werden Aussagen zum Küstenmeer getroffen. Die Gesamtfläche des Planungsraumes beträgt etwa 4.211 km², wovon 2.083 km² auf den Kreis Nordfriesland, 2.071 km² auf den Kreis Schleswig-Flensburg sowie 56 km² auf die Stadt Flensburg entfallen (Statistisches Jahrbuch Schleswig-Holstein, 2016/ 2017). Hinzu kommen noch die Flächen der angrenzenden Küstengewässer von Nord- und Ostsee.

Tabelle 2: Bevölkerung am 31. Dezember 2015 nach Kreisen (Statistisches Jahrbuch Schleswig-Holstein 2016/ 2017 des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein)

Kreis/ kreisfreie StadtEinwohner, gesamtEinwohner pro km2
Kreis Nordfriesland163.96078
Kreis Schleswig-Flensburg196.83994
Stadt Flensburg85.9421.493
Planungsraum I, gesamt446.741105
Schleswig-Holstein2.858.714179

Am 31. Dezember 2015 wohnten 446.741 Menschen im Planungsraum. In den Seebädern von Nord- und Ostsee sowie den Erholungsorten kommen insbesondere in den Sommermonaten viele tausend Urlaubgäste hinzu und erhöhen so die Bevölkerungszahlen temporär.

Die Einwohnerdichte im Planungsraum insgesamt liegt mit 105 Einwohnern pro km2 unter dem Landesdurchschnitt von. Die kreisfreie Stadt Flensburg ist mit 1.493 Einwohnern pro km2 allerdings deutlich dichter besiedelt als der übrige Planungsraum.

Tabelle 3: Bodenflächen am 31.Dezember 2015 nach Art der tatsächlichen Nutzung (Statistisches Jahrbuch Schleswig-Holstein 2016/2017 des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein, Berechnung in Prozent MELUND)

Kreis/ kreisfreie Stadt Bodenfläche insgesamtGebäude und FreiflächeBetriebsflächeVerkehrsflächeErholungsflächeFlächen anderer NutzungWasserflächeWaldflächeLandwirtschafts-fläche
Prozent GesamtflächeProzent Gesamtfläche
ha
Nordfriesland208.32910.9437099.9561.4618.1309.2068.748 4,2 %160.176 76,9 %
Schleswig-Flensburg207.13311.5141.3218.8201.2542.03911.87514.490 7,0 %156.820 75,7 %
Stadt Flensburg5.6741.8867178321176827360 6,3 %1.460 25,7 %
Planungsraum I421.13624.3432.10119.5592.92610.24521.90823.598 5,6 %318.456 75,6 %
Schleswig-Holstein1.580.300110.7098.92969.93517.81924.22880.593167.229 10,6 %1.100.858 69,7 %

Der Anteil landwirtschaftlich genutzter Flächen liegt im Kreis Nordfriesland bei 76,9 Prozent, im Kreis Schleswig-Flensburg bei 75,2 Prozent und in der kreisfreien Stadt Flensburg bei 25,7 Prozent. Mit durchschnittlich 75,6 Prozent liegt der Anteil damit im Planungsraum über dem Landesdurchschnitt von 69,7 Prozent. Tendenziell umgekehrt verhält es sich mit dem Anteil der Waldflächen. Dieser beträgt im Kreis Nordfriesland 4,2 Prozent, im Kreis Schleswig-Flensburg 7,0 Prozent und in der Stadt Flensburg 6,3 Prozent. Damit liegt der Waldanteil im gesamten Planungsraum mit 5,6 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 10,6 Prozent. Im Kreis Nordfriesland liegt der Waldanteil somit, bedingt durch die weitgehend waldfreie Marsch, sogar deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Tabelle 4: Erwerbstätige im Jahr 2014 nach Wirtschaftsbereichen (in Prozent) (Statistisches Jahrbuch Schleswig-Holstein 2016/2017 des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein)

Kreis/ kreisfreie StadtLand- und Forstwirtschaft, FischereiProduzierendes GewerbeHandel, Gastgewerbe und VerkehrÜbrige Dienst-leistungen
Stadt Flensburg0,113,231,655,1
Nordfriesland4,517,532,745,3
Schleswig-Flensburg5,618,528,247,7
Schleswig-Holstein2,619,528,849,1

Der Anteil der Erwerbstätigen in den Wirtschaftsbereichen der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei lag 2014 in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg mit 4,5 beziehungsweise 5,6 Prozent deutlich über dem Landesschnitt von 2,6 Prozent. Die Verteilung der Erwerbstätigen für die übrigen Wirtschaftsbereiche ergibt sich aus Tabelle 4: Erwerbstätige im Jahr 2014 nach Wirtschaftsbereichen.

Nach dem Landesentwicklungsplan ist der gesamte Planungsraum I ländlicher Raum. Um das Oberzentrum Flensburg und die Mittelzentren Husum und Schleswig sind darin Stadt- und Umlandbereiche im ländlichen Raum ausgewiesen. Diese sollen als bedeutende Wirtschafts- und Arbeitsmarktzentren im Planungsraum bzw. als höherrangige Versorgungs- und Siedlungsschwerpunkte für den ländlichen Raum gestärkt und weiterentwickelt werden.

Die Bedeutung der im Norden des Planungsraumes gelegenen Stadt Flensburg erstreckt sich nicht nur auf die benachbarten Bereiche des Kreises Schleswig-Flensburg, sondern ist aufgrund der Lage in Nachbarschaft zum Königreich Dänemark auch wichtiges Bindeglied zum skandinavischen Raum.

Gemäß § 24 LaPlaG in Verbindung mit der Verordnung zum Zentralörtlichen System vom 8. September 2009, geändert durch Verordnung vom 29. August 2014, sind im Planungsraum folgende Zentrale Orte und Stadtrandkerne festgelegt:

Oberzentrum

Flensburg

Mittelzentren

Husum, Schleswig

Unterzentren mit Teilfunktionen von Mittelzentren

Kappeln, Niebüll, Sylt und Tönning,

Unterzentren

Bredstedt, Friedrichstadt, Kropp, Leck, Süderbrarup, Tarp, Wyk auf Föhr/ Nebel

Ländliche Zentralorte

Böklund, Erfde, Garding, Gelting, Mittelangeln, Neukirchen, Sankt Peter-Ording, Schafflund, Sil-berstedt, Sörup, Steinbergkirche und Viöl

Stadtrandkern II. Ordnung

Harrislee, Glücksburg (Ostsee)

Die Zentralen Orte und Stadtrandkerne sind im Landesentwicklungsplan und im Regionalplan dargestellt. Sie sind Schwerpunkte überörtlicher Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen sowie der wohnbaulichen und gewerblichen Entwicklung und sichern die dezentrale Konzentration der Siedlungsstruktur. Das Zentralörtliche System unterstützt die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Versorgungseinrichtungen und stellt sicher, dass für alle Menschen in zumutbarer Entfernung überörtliche Versorgungseinrichtungen erreichbar sind.

Im Landesentwicklungsplan sind entlang folgender überregionaler Verkehrswege im Planungsraum Landesentwicklungsachsen festgelegt:

  • von Hamburg entlang der Bundesautobahn 23/ Bundesstraße 5
  • von Hamburg entlang der Bundesautobahn 7

Die Landesentwicklungsachsen sollen zur Verbesserung der räumlichen Standortbedingungen sowie zur Stärkung der Verflechtungsstrukturen im Land beitragen. Sie sollen unter anderem Orientierungspunkte für potenzielle gewerbliche Standorte von überregionaler Bedeutung sein.

In der Abbildung 24: Raum- und Verkehrsinfrastruktur sind die Zentralen Orte und die Landesentwicklungsachsen dargestellt.

Aufgrund der abwechslungsreichen natürlichen Ausstattung der Landschaft und der vielgestaltigen Morphologie kommt einem Großteil des Planungs-raumes eine besondere Eignung für Tourismus und Erholung zu. Daher sind die nordfriesischen Nordseeinseln Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm sowie Nordstrand, die Halligen und auf dem Festland die Küstenräume von Sankt Peter-Ording und Dagebüll an der Nordsee und die Küstenräume zwischen Kappeln und Gelting sowie die Flensburger Förde an der Ostsee als Schwerpunkträume für Tourismus und Erholung im Landesentwicklungsplan dargestellt. In diesen Räumen soll dem Tourismus und der Erholung ein besonderes Gewicht beigemessen werden.

Darüber hinaus sind große Teile des Planungsraumes im Landesentwicklungsplan als Entwicklungsraum für Tourismus und Erholung und im Regionalplan als Gebiet mit besonderer Bedeutung für Tourismus und Erholung ausgewiesen. Auch in diesen Gebieten soll eine gezielte regionale Weiterentwicklung der Möglichkeiten für diese Nutzungen angestrebt werden.

In einer gutachterlichen Untersuchung wurden in diesen Gebieten Kernbereiche für Tourismus und/ oder Erholung identifiziert, die eine herausgehobene Bedeutung für diese aufweisen und sich insofern für eine gezielte Weiterentwicklung eignen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um weitere Bereiche an der Ostseeküste, um den Küstenraum der Schlei sowie Teile der Eider-Treene-Sorge-Niederung und um die touristisch bedeutsamen Stadt- und Ortskerne.

Die Wirtschaftsstruktur im Planungsraum ist über-wiegend mittelständisch geprägt. Es fällt eine über-durchschnittliche Bedeutung der Landwirtschaft sowie der Tourismusbranche und der Ernährungs-wirtschaft auf. Darüber hinaus spielt die Erzeugung regenerativer Energien eine herausragende Bedeutung.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist die Regionalentwicklung in starkem Maße auf die Entwicklung der eigenen regionalen Kräfte angewiesen. Damit sind ungenutzte Potenziale und Kapazitäten sowie wirtschaftliche, kulturelle und soziale Innovationen im Allgemeinen gemeint. Die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus zeigt bereits heute, dass der Schutz und eine nachhaltige Nutzung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft als Standortfaktoren oder als Image der Region eine wichtige Rolle spielen.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Ab-bau oberflächennaher Rohstoffe in Form der Kies- und Sandgewinnung (Kapitel 2.2.6 Rohstoffgewinnung). Er hat zugleich erhebliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild und sollte deshalb bereits auf übergeordneter Ebene sorgsam geplant werden.

Beispiele für regionale Zusammenarbeit

AktivRegionen

Seit der EU-Förderperiode 2007-2013 wird der LEADER-Ansatz in Schleswig-Holstein flächendeckend über die AktivRegionen umgesetzt. Im Gebiet des Kreises Schleswig-Flensburg gibt es die drei AktivRegionen „Schlei-Ostsee, „Mitte des Nordens“ sowie „Eider-Treene-Sorge“, die ganz oder teilweise im Kreisgebiet liegen. Im Kreis Nordfriesland arbeiten die AktivRegionen „Nordfriesland Nord“, „Eider-Treene-Sorge“, „Südliches Nordfriesland“ und auf den Inseln und Halligen die AktivRegion „Uthlande“. Zusammen mit den jeweiligen Akteuren vor Ort wurden von jeder AktivRegion Integrierte Entwicklungsstrategien (IES) erarbeitet. Diese enthalten Ansätze und Projektvorschläge in verschiedenen Handlungsfeldern. Für die Umsetzung von LEADER wurden vier strategische Zielsetzungen als Schwerpunkte (SP) definiert: Klimawandel & Energie (verpflichtet) und die weiteren optionalen SP Nachhaltige Daseinsvorsorge, Wachstum & Innovation und Bildung. Um innerhalb der vier Schwerpunkte wirkungsvoll agieren und auch um messbare Ziele nachweisen zu können, bedarf es unterhalb der Schwerpunkte einer Fokussierung auf einige wenige (vier bis acht) Kernthemen, die je nach den regionsspezifischen Bedürfnissen von den Lokalen Aktionsgruppen (LAG) erarbeitet und festgelegt werden. Die Genehmigung der IES erfolgte mit Wirkung zum 1 Januar 2015.

2. Grundlagen

2.1. Schutzgüter

Die im Folgenden aufgeführten Schutzgüter leiten sich von der EU-Richtlinie über die Umweltverträglichkeit (UVP-RL 1985) bzw. aus dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) ab. Die Schutzgüter umfassen Boden, Wasser, Luft, biologische Vielfalt, Landschaft und Kulturgüter sowie Klima und das Schutzgut Fläche. Des Weiteren wurden die Aspekte Licht und Lärm aufgenommen.