Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

5. Landschaftswandel

Landschaftswandel bedeutet die Veränderung der uns umgebenden Landschaft. Er vollzieht sich bildlich, das heißt visuell aufgrund räumlicher, nutzungsbedingter Veränderungen. Diese Veränderungen haben Auswirkungen auf unser Naturerleben, aber auch auf den Zustand der Natur, Boden, Wasser und Luft.

Landschaftswandel und Landschaftsveränderungen sind Teil unserer Geschichte, sie sind Ausdruck unseres Handels, unserer Kultur. Die heutigen Veränderungen verlaufen in einem hohen Tempo. Die sich gegenwärtig (ab 1990) vollziehenden Landschaftsveränderungen sind durch die Energiewende (Windenergie, Photovoltaik und Biomasse) sowie durch die zunehmende Infrastrukturen (Verkehrswege und Leitungsbau) bestimmt. Hinzu kommt die Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs-, Industrie- und Gewerbegebiete (siehe Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume des Hauptteiles). Sie verändern die Schleswig-Holstein prägende, reich strukturierte und den Naturraum widerspiegelnde Agrarlandschaft.

Natur und Landschaft stehen unter dem Schutz des BNatSchG. Die Inanspruchnahme von Flächen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur, den Naturhaushalt, seine ökologischen Funktionen sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft sind daher zu betrachten und zu bewerten. Legt man das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sowie die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt von 30 Hektar neu überbauter Fläche pro Tag zugrunde, würde dieses eine Neuinanspruchnahme von 1,3 Hektar pro Tag für Schleswig-Holstein bedeuten. Im Zeitraum von 2012 bis 2015 betrug die Flächenneuinanspruchnahme in Schleswig-Holstein 2,7 Hektar pro Tag.

Ziel der Bundesregierung im Interesse des Klimaschutzes ist es, bis 2050 den Anteil des aus Erneuerbaren Energien gewonnen Stroms bundesweit auf 50 Prozent am Bruttostromverbrauch zu erhöhen. Langfristig ist es das Ziel, den Energieverbrauch für Strom, Wärme und Verkehr zu 100 Prozent über Erneuerbare Energien zu decken. Die Ziele der Landesregierung gehen – bezogen auf Schleswig-Holstein – darüber hinaus. Bis zum Jahr 2025 sollen rund 37 Terrawattstunden aus erneuerbaren Energieträgern in Schleswig-Holstein erzeugt werden (siehe § 3 Absatz 3 EWKG).

Der sich in den letzten Jahren vollzogene Landschaftswandel ist infolge dessen vor allem durch die Veränderungen der Landschaft durch Windkraftanlagen, Biogasanlagen mit vermehrtem Maisanbau, Photovoltaikanlagen sowie durch zunehmende Siedlungs- und Verkehrsflächen einschließlich Strommasten geprägt. Diese Entwicklung hält an und hat die aus der Naturräumlichkeit des Landes heraus traditionell entstandene Agrarlandschaft in eine Agrarlandschaft gewandelt, die zunehmend von Strukturen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien geprägt und dominiert wird.

1990 gab es in Schleswig-Holstein landesweit erst 17 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.280 Kilowatt. 2013 waren es bereits 2.905 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.873.919 Kilowatt. 1997 gab es in Schleswig-Holstein lediglich zwei Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 624 Kilowatt. 2013 waren es 914 Anlagen mit insgesamt 379009 Kilowatt. Parallel hat in den letzten Jahren der Maisanbau in Schleswig-Holstein von 1991 (51.794 Hektar) bis 2014 / 2015 auf rund 194.000 Hektar zugenommen. 50 Prozent des Maisanbaues geht in die Energieproduktion. 1990 gab es in Schleswig-Holstein nur eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 140 Kilowatt. 2013 waren es 40.792 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.438.104 Kilowatt. Damit wird in Schleswig-Holstein zurzeit nach der Windenergie der meiste Strom aus Erneuerbaren Energien aus der Photovoltaik gewonnen (Wind: 3.873.819 Kilowatt, Biomasse: 379.009 Kilowatt).

Strom aus Erneuerbaren Energien wird dezentral erzeugt. Schleswig-Holstein hat sich in seiner Energiewende- und Klimaschutzpolitik zum Ziel gesetzt, einen Anteil an Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch von rund 37 Terrawattstunden bis 2025 zu erreichen. Für die weitere Umstellung auf fluktuierende erneuerbaren Energien besteht sowohl in Schleswig-Holstein als auch bundesweit Bedarf für zusätzliche Leitungstrassen auf Höchstspannungsebene. Windkraftanlagen, Freiflächenphotovoltaikanlagen wie auch die Mastfüße der Stromleitungen gehören nicht zu den statistisch erfassten Flächen für Siedlung und Verkehr. Aber auch sie entziehen Flächen ihre bisherige ökologische Funktion.

Gleichzeitig schreitet die Versiegelung der Landschaft durch Siedlungs- und Verkehrswegebau weiter voran. Dabei wachsen sowohl die (größeren) Städte sowie die Metropolregion Hamburg als auch die kleineren Orte im ländlichen Raum. Neben Neubaugebieten entstehen Industrie- und Gewerbegebiete – insbesondere im ländlichen Raum an den großen Verkehrsadern – sowie neue Verkehrswege (siehe Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR) des Hauptteiles).

1992 betrug der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen an der Bodenfläche Schleswig-Holsteins rund zehn Prozent, 2015 fast 13 Prozent, dieses sind in 2015 rund 204.206 Hektar. Diese Flächen sind zu etwa 45 Prozent versiegelt. In den letzten 25 Jahren wurden rund 39.000 Hektar (1992 - 2015) zu Siedlungs- und Verkehrszwecken umgewandelt (siehe Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR) des Hauptteiles).

Große Teile der Landesfläche sind somit von einem massiven Landschaftswandel (mittlere bis hohe Zunahme der Parameter Siedlungs- und Verkehrsflächen, Windkraftanlagen, Biogasanlagen, Maisanbau, Photovoltaik) geprägt. Der Planungsraum weist hierbei in Teilen mittlere oder hohe Veränderungen auf. Insgesamt aber hat der Planungsraum einen weniger starken Wandel erlebt. Teilweise lassen sich die Unterschiede zu den anderen Planungsräumen mit den unterschiedlichen Naturräumen Schleswig-Holsteins erklären. So fällt auf, dass der Wandel durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und die Versiegelung im Östlichen Hügelland geringer ist als auf der Geest oder in der Marsch.

Der Planungsraum umfasst mit dem Östlichen Hügelland und der Geest zwei der drei für Schleswig-Holstein typischen Naturräume Marsch, Geest und Östliches Hügelland (siehe Kapitel 1.5: Naturräumliche Situation des Hauptteiles). Die Geest und das Östliche Hügelland sind landschaftlich einerseits durch ihr Relief, andererseits durch das landschaftsprägende Knicknetz und Heideflächen als Ausdruck ihrer historischen Kulturlandschaft gegliedert (siehe Kapitel 2.1.8.1: Historische Kulturlandschaften des Hauptteiles). Im äußeren Westen des Planungsraumes befinden sich größere Niederungsbereiche der Eider-Treene-Niederung. Der Küstenraum der Ostsee ist vielseitig gestaltet mit sowohl flachen, sandigen Küstenabschnitten als auch Steilküsten.

Im betrachteten Planungsraum hat sich der Landschaftswandel insbesondere auf der Geest vollzogen. Hier zeigt sich der Wandel in erster Linie durch die Zunahme des Maisanbaus sowie der Biogasanlagen. Parallel vollzog sich eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen im Raum Kiel.

Landschaftswandel durch Siedlungsflächen

Im Planungsraum werden neue Gewerbegebiete und Neubaugebiete sowohl in Stadtnähe als auch auf dem Land ausgewiesen. Im betrachteten Planungsraum nahm die Versiegelung im Zeitraum von 1992 bis 2013 von 9,3 Prozent auf 11,7 Prozent zu; besonders in den Regionen um Kiel (siehe Abbildung 13: Landschaftswandel Siedlungs- und Verkehrsflächen im Zeitraum von 1990 bis 2006 (nach GFN 2015)). Ein zusätzlicher Flächenverbrauch erfolgt durch die Errichtung von Windenergie- und Freiflächenphotovoltaikanlagen, der in den oben genannten Zahlen nicht enthalten ist. Mit dem Verlust naturnaher Flächen gehen auch die ökologischen Funktionen dieser Flächen verloren sowie ihre Eignung für die Erholung.

Landschaftswandel durch Windenergieanlagen

Im Planungsraum II gab es 1990 noch keine Windkraftanlage. 2013 waren es 277 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 346.600 Kilowatt (siehe Abbildung 14: Landschaftswandel Windenergie im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)). Im Planungsraum, der rund 22 Prozent der Landesfläche Schleswig-Holsteins umfasst, befinden sich nur rund neun Prozent der Windkraftanlagen bei einer damit installierten Leistung von acht Prozent landesweit. Die immer größer werdenden Anlagen wirken weit in die Landschaft hinein. Sie verändern die Landschaft visuell und können sich negativ auf die Avifauna auswirken (Rast- und Brutverhalten, tödliche Kollisionen (siehe Kapitel 4.4.1: Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Avifauna des Hauptteiles).

Landschaftswandel durch Biogasanlagen

Wurde Futtermais bisher hauptsächlich auf den ärmeren Böden der Geest angebaut, werden heute zunehmend beste Böden für den Maisanbau genutzt. Die Anbaugebiete haben sich darüber hinaus ins Hügelland ausgedehnt. Auf der Geest wurde der Anbau intensiviert (siehe Abbildung 15: Landschaftswandel Mais im Zeitraum von 1990 bis 2010 (nach GFN 2015)).

Im Planungsraum II gab es 1998 noch keine Biogasanlage; 2005 waren 12 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 4.889 Kilowatt installiert. 2013 gab es 254 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 106.126 Kilowatt (siehe Abbildung 16: Landschaftswandel Biogasanlagen im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)). Die Biogasanlagen zeigen keine Konzentration im Planungsraum. Im Planungsraum II, der rund 22 Prozent der Fläche Schleswig-Holsteins einnimmt, befinden sich rund 24 Prozent der Biogasanlagen sowie der installierten Leistung.

Mit dem Maisanbau liegen Flächen für einen längeren Zeitraum im Jahr brach. In der anderen Zeit verstellen die hoch aufgewachsenen Pflanzen den Horizont. Durch den Maisanbau entsteht in einer bislang reich strukturierten Landschaft eine zunehmende Monotonie. Es gibt nur noch wenige Gemeinden im Land, die hiervon frei sind (siehe Kapitel 2.2.2: Landwirtschaft des Hauptteiles). Mit dem Maisanbau ist zudem eine Verarmung der Biozönose landwirtschaftlich genutzter Flächen (unter anderen Verlust an artenreichen Grünlandflächen), ein erhöhter Eintrag von Pflanzenschutz- und Düngemittel in die Gewässer sowie die Gefahr der Bodenerosion verbunden.

Landschaftswandel durch Photovoltaikanlagen

Neben der Installation von Anlagen auf oder an Wohnhäusern, Wirtschaftsgebäuden oder Lärmschutzwänden werden auch vermehrt große Freilandphotovoltaikanlagen errichtet. Durch Farbe und Spiegeleffekte ergeben sich veränderte Dachlandschaften von Siedlungen und Höfen. Freiflächenphotovoltaikanlagen haben zum Teil beträchtliche Ausdehnungen und können mit ihren spiegelnden Oberflächen das Landschaftsbild wesentlich verändern. Auswirkungen auf den Naturhaushalt ergeben sich aus dem Entzug dieser Flächen für die Durchgängigkeit von Lebensräumen, da diese in der Regel eingezäunt sind, und aus der Beschattung der Flächen.

Im Planungsraum gab es 1990 noch keine Photovoltaikanlage. Im Jahr 1997 waren es 73 Anlagen mit einer Leistung von 201 Kilowatt; 2005 gab es 595 Anlagen mit einer Leistung von 3.452 Kilowatt. 2013 waren es 9.457 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 247.362 Kilowatt (siehe Abbildung 17: Landschaftswandel Solarenergie im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)). Der Planungsraum II hat mit rund 20 Prozent der Anlagen und rund 15 Prozent der installierten Leistung den geringsten Anteil an der Solarenergie im Land.

Anmerkung: Datengrundlage und Darstellung der gezeigten Abbildungen7

Für die verschiedenen untersuchten Aspekte des Landschaftswandels lagen die genutzten Daten in unterschiedlicher Form vor. Der Aspekt „Siedlung / Verkehrsfläche“ wurde über die Corine Land Cover-Daten (1990 / 2000 / 2006) bearbeitet. Diese Flächen wurden als Anteile an der Gemeindefläche dargestellt. Die Daten weisen eine größere Anzahl nicht stimmiger Daten auf, die wohl auf Veränderungen von Gemeindegrenzen zurückzuführen sind. Die genannten Werte sowie die Darstellungen verdeutlichen aber den vorhandenen Trend der Versiegelung.

Daten zur Wind- und Solarenergie sowie zu Biogasanlagen stammen von den Energieversorgern 50 Hertz, Amprion, TransnetBW und TenneT, die diese auf der Homepage www.netztransparenz.de zur Verfügung stellen. Sie waren auf Grundlage der Postleitzahlbereiche dargestellt.

Die Daten zum Maisanbau stammen vom Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein und sind auf die Gemeinden bezogen.

Bei den Karten zu den einzelnen Aspekten (Windkraft, Solar, Biogasanlagen, Mais) wurde jeweils der Ist-Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt gezeigt (rund 1990, 1997, 2005 und 2014). Für die Karten zum Landschaftswandel (Siedlung und Verkehrsfläche/Wandel der Landschaften) wurden jeweils die Änderungen von rund 1990 bis rund 2014 / 2015 berechnet und jeweils anhand des Mittelwertes dargestellt. Für die Einteilung der Klassen wurden in einer ersten Variante alle Werte unter dem Mittelwert als keine oder nur geringe (unterdurchschnittliche) Zunahme dargestellt. Die darüber liegenden Werte wurden noch einmal zu gleichen Anzahlen unterteilt und als starke bzw. sehr starke Änderung dargestellt. Eine Abnahme konnte nur für den Maisanbau in Schleswig-Holstein für einige Gemeinden festgestellt werden, alle anderen Aspekte verzeichneten nur Zunahmen oder blieben gleich.

In der Gesamtkarte (Wandel der Landschaften) wurden die Karten der einzelnen Aspekte (Windkraft, Maisanbau, Biogasanlagen, Siedlung/Verkehr und Solarenergie) übereinander gelegt und es wurde die stärkste Änderung eines Aspektes übernommen, wobei nicht unterschieden wurde, ob eine starke Änderung nur bei einem oder gar bei mehreren Aspekten auftrat.

6. Monitoring

Natur- und Artenschutz

In welchem Zustand sich Natur und Landschaft befinden bzw. wie er sich langfristig entwickelt, lässt sich nur über langfristige Monitoringprogramme ermitteln. Die erhobenen Daten liefern Informationen zur Unterstützung von (Arten-) Hilfsprogrammen, Planungen in Schutzgebieten oder der Förderung naturverträglicher Landnutzungen. Das Biodiversitätsmonitoring erfolgt in Schleswig-Holstein über vier Bausteine: Biotope (Biotopkartierung), Lebensraumtypen – LRT (Biotopmonitoring), Landschaften (HNV plus) und Arten (Artenmonitoring) (siehe Abbildung 19: Übersicht über das aktuelle Biodiversitätsmonitoring).

Biotopkartierung

Im Rahmen der landesweiten Biotopkartierung werden derzeit in Schleswig-Holstein Biotoptypen, gesetzlich geschützte Biotope sowie LRT kartiert und deren Zustand mittels Karten und Sachdaten dokumentiert. Hierfür wurden eine neue Kartierungsanleitung und ein Biotoptypenschlüssel entwickelt (http://bit.ly/28VyzQt8). Ein erster landesweiter Kartierungsdurchgang erfolgte in den Jahren 1978 bis 1993. Der aktuell seit 2014 laufende Durchgang wird voraussichtlich 2019 abgeschlossen sein. Das neu entwickelte Kartierungsverfahren unterscheidet sich vom ersten Kartierungsdurchgang unter anderem durch den Maßstab, der mit 1:5.000 zu vormals 1:25.000 eine differenziertere Darstellung der im Fokus stehenden Biotope ermöglicht. Auch Biotope mit kleinen Flächenausdehnungen können im Gegensatz zum ersten Kartierungsdurchgang flächenhaft dargestellt werden. Im aktuellen Durchgang werden die LRT erstmals auch außerhalb von FFH-Gebieten sowie neue gesetzlich geschützte Biotope, wie das arten- und strukturreiches Dauergrünland und artenreiche Steilhänge landesweit erfasst. Im Rahmen der Kartierungen werden alle gesetzlich geschützten Biotope nach § 30 BNatSchG in Verbindung mit § 21 LNatSchG sowie alle Lebensraumtypen nach Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie 92/43/EWG) erfasst. Die Kartierung erfolgt zeitgleich in allen Kreisen, mit dem Ziel jeweils 20 Prozent der Kulisse pro Jahr zu erfassen. In den FFH-Gebieten läuft mit der aktuellen Biotopkartierung ein dritter Kartierungsdurchgang. Die Vogelschutzgebiete werden erstmalig flächendeckend kartiert. Da in anderen Fachbereichen auf Grund anderer Fachanforderungen ebenfalls Daten erhoben werden (zum Beispiel Seenmonitoring im Kontext der WRRL oder Kartierung der Salzwiesen durch die Nationalparkverwaltung; Kartierung auch im Rahmen vom TMAP-Programm) setzt sich der Gesamtdatensatz der Biotopkartierung aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen (vgl. Abbildung 20: Übersicht über die Bausteine I bis III der landesweiten Biotopkartierung), die erst in ihrer Gesamtheit die Biotope des Landes widerspiegeln. Aus Gründen der Kosteneinsparung werden Kleingewässer aus dem landwirtschaftlichen Flächenkataster entnommen und Knicks über Luftbilder mit digitalem Höhenmodell erfasst. Die Kartierungsergebnisse werden als Geodaten in Karten und die Sachdaten in einer Datenbank dokumentiert, die unter www.schleswig-holstein.de/biotope einzusehen sind. Über eine schriftliche Anfrage beim LLUR können die Daten angefordert werden.

Monitoring Erhaltungszustand von FFH-Lebensraumtypen

Das Biotopmonitoring dient der Erfüllung der FFH-Berichtspflichten zur Feststellung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen auf Bundesebene auf Basis der Datenbestände der Länder. Für jeden LRT werden bundesweit vom Bundesamt für Naturschutz aus der jeweiligen Grundgesamtheit der LRT-Vorkommen 63 Stichproben pro biogeografische Region ausgewählt und dauerhaft als gebundene Stichprobe festgelegt. Bei Lebensraumtypen mit bundesweit weniger als 63 Vorkommen werden alle Vorkommen im Land erfasst und der Erhaltungszustand bewertet (= Totalzensus). Nach der Verteilung der Stichproben auf die Bundesländer entfallen auf Schleswig-Holstein rund 470 Stichproben, die innerhalb von 6 Jahren anhand detaillierter Bögen kartiert werden. Zukünftig ist vorgesehen, Stichproben für gesetzlich geschützte Biotope, beispielsweise Knicks oder Alleen, in das Biotopmonitoring aufzunehmen. Das Biotopmonitoring bekommt zukünftig eine größere Bedeutung, da keine erneute Komplettkartierung der FFH-Gebiete geplant ist. Die Entwicklung der FFH-Gebiete und der in ihnen befindlichen LRT wird dann über die Kartierung und Bewertung der Stichprobenflächen dokumentiert.

HNVplus/ Ökologische Flächenstichprobe (ÖFS)

Der High Nature Value Farmland-Indikator (HNV) ist einer von 35 europäischen Agrarumweltindikatoren, die zur Erfassung der ökologischen Qualität von landwirtschaftlichen Flächen und zur Überwachung der Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) entwickelt wurde. Der HNV-Indikator ist ein sogenannter Pflichtindikator, der zudem Teil der nationalen Strategie zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist. Deutschlandweit wird der HNV-Indikator durch die Erfassung und Bewertung der ökologischen Qualität von landwirtschaftlich genutzten Offenlandbereichen in repräsentativen Probeflächen erhoben. In Schleswig-Holstein wurde erstmals 2010 auf 48 Stichprobeflächen der HNV-Indikator durch Kartierungen bestimmt. Bereits seit 2011 wird auf einer erweiterten Kulisse von 120 repräsentativen Stichprobeflächen mit einer Flächengröße von jeweils 1 km² in der Normallandschaft Erhebungen durchgeführt. Die Erfassung erfolgt auf Grundlage der Erfassungsanleitung für den HNV-Indikator (https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/monitoring/Dokumente/Erfassungsanleitung_HNV_2016_barrfrei_.pdf) und wird jährlich auf einem Viertel der Stichproben durchgeführt, so dass alle vier Jahre eine Komplettkartierung vorliegt.

Zusätzlich erfolgen eine flächendeckende Biotoptypenkartierung sowie die Erfassung der gesetzlich geschützten Biotope und der Lebensraumtypen nach FFH-Richtlinie. Zudem wird auf vielen dieser Flächen die jährliche Erfassung aller Brutvögel im Rahmen des von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG) im Auftrag des Landes durchgeführten Projektes „Monitoring in der Normallandschaft - Bestandsentwicklung häufiger Brutvögel in Schleswig-Holstein“ durchgeführt. Deutschland erfüllt damit das Beobachtungsgebot gemäß nationalem und europäischem Recht. Außerdem hat sich Deutschland auf der Weltkonferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 zur Erhaltung und Überwachung der biologischen Vielfalt sowie zur nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile verpflichtet. Die regelmäßige Beobachtung der Brutbestände und Bewertung der Erhaltungszustände von Vogelarten dient der Entwicklung von Schutzmaßnahmen und geeigneten Nutzungskonzepten. Die Datenerhebung und Übermittlung an das BfN erfolgt durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). Zukünftig wird eine weitere Vertiefung der Untersuchungen angestrebt, zum Beispiel Beprobung zur Feststellung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), Dokumentation leicht zu erkennender Tiergruppen oder die Erfassung von (Rote Liste-) Pflanzenarten. Weitere Fragestellungen können flexibel in die Kulisse integriert werden, um eine umfassende ökologische Flächenstichprobe zu etablieren. Die HNVplus-Daten werden aktuell schon als Referenzdaten genutzt wie beispielsweise für statistisch abgesicherte Hochrechnungen zur Ermittlung der Knicklängen. Die Daten werden als Shape-Datei mit ausführlicher Attribuierung jährlich an das BfN weitergegeben. Dieses berichtet seinerseits den HNV-Indikator als Pflichtindikator im Rahmen von LIKI (Länderinitiative Kernindikatoren) alle 4 Jahre. Im zweijährigen Rhythmus wird der sogenannte gleitende Mittelwert ermittelt, um zwischenzeitliche Tendenzen der Entwicklung darstellen zu können.

Artenmonitoring

Mit der Vogelschutzrichtlinie und der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union einstimmig verpflichtet, auf der EU-Ebene die rechtlichen Grundlagen für einen umfassenden und nachhaltigen Schutz der Natur zu schaffen. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten durch die einzelnen Bundesländer hängt die Schutzeffektivität entscheidend von einer regelmäßigen Überwachung und Überprüfung (Monitoring) des angestrebten Schutzerfolges ab. Durch die oben genannten Richtlinien sind die Mitgliedstatten verpflichtet alle sechs Jahre (FFH-Richtlinie) bzw. alle sieben Jahre (Vogelschutzrichtlinie) einen Monitoringbericht an die Kommission abzugeben. Das Monitoring, beispielsweise über das Stichprobemonitoring, ist daher ein zentraler Bestandteil des Schutzkonzepts. Artikel 17 der FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, in 6-jährigen Abständen über Schutzmaßnahmen und deren Auswirkungen auf die Lebensraumtypen des Anhangs I und die Arten des Anhangs II sowie die Hauptergebnisse des Monitoring gem. Artikel 11 zu berichten. Artikel 11 besagt, dass die Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der in Artikel 2 genannten Arten und Lebensräume überwachen. Dies sind die "natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse", die wiederum in den Anhängen I, II, IV und V der FFH-Richtlinie aufgeführt sind. Neben der direkten Verpflichtung zum Monitoring der Lebensraumtypen aus Anhang I und der Arten aus Anhang II ergeben sich indirekte Verpflichtungen hierzu aus der Tatsache, dass für Arten des Anhangs IV ein strenges Schutzsystem zu erstellen ist. Dessen Ergebnisse sind fortlaufend zu überwachen und es sind Maßnahmen einzuleiten, die einen ausreichenden landesweiten Schutz der Arten sicherstellen. Auf Ebene von Bund-Länder-Arbeitskreisen und der LANA finden weitergehende inhaltliche Abstimmungen/ Konkretisierungen hierzu und die Festlegung von bundesweit geltenden Mindeststandards für das Lebensraumtypen- und Arten-Monitoring statt. Für Arten des Anhangs V ("deren Entnahme aus der Natur und Nutzung Gegenstand von Verwaltungsmaßnahmen sein können") werden die Zusammenhänge so verstanden, dass ein Monitoring jedenfalls derjenigen Arten durchgeführt werden muss, für die eine Nutzung zugelassen wird. Analog dazu leitet sich aus der Verpflichtung der Vogelschutzrichtlinie, die Populationen der wildlebenden Vogelarten und insbesondere der Anhang I-Arten dieser Richtlinie sowie der wandernden Arten zu sichern, eine Überwachungsverpflichtung ab. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte mit dem § 6 BNatSchG. Die Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie werden erfasst und in einem Fundpunktkataster (WINART) dokumentiert. Die im Rahmen der Brutvogelkartierungen in den Europäischen Vogelschutzgebieten erfassten Brutreviere wurden bis 2012 ebenfalls in WINART eingegeben – seit 2015 erfolgt die Eingabe als geschützte Daten in das Internetportal www.ornitho.de.

Je nachdem, um welche Arten es sich handelt, werden beim FFH-Monitoring unterschiedliche Methoden in der Berichtsperiode 2013 bis 2018 angewendet. Empfohlen wird, für jede Art unterschiedliche Untersuchungsjahre vorzusehen, sodass innerhalb des Berichtszeitraumes nicht in jedem Jahr untersucht werden muss. In Ermangelung etablierter, bewährter Methoden hatte deshalb das MELUR während der ersten Berichtsperiode (2001 bis 2006) Werkverträge zur Entwicklung von Methoden in Auftrag gegeben, die für ein Arten-Monitoring in Schleswig-Holstein geeignet sind. In begründeten Fällen können jährliche Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel für den Kriechenden Scheiberich und das Schwimmende Froschkraut. Bei diesen Arten sind jährliche Erfassungen erforderlich, da ihre Bestände in Abhängigkeit vom jährlichen Witterungsverlauf stark schwanken können. Neben dem Monitoring der bekannten Bestände und der näheren Erkundung noch nicht ausreichend untersuchter Vorkommen einer Art, ist auch die Untersuchung abiotischer Parameter durchzuführen. Ziel ist es, aus der Kombination von Monitoring-Ergebnissen und Daten über abiotische Parameter Abhängigkeiten abzuleiten, die es erlauben, Möglichkeiten zur gezielten Verbesserung der Lebensbedingungen der Arten zu entwickeln. Das FFH-Monitoring wird für die einzelnen Arten größtenteils über Werkverträge bzw. über Kooperationsverträge mit spezialisierten Fachverbänden wie die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft (FÖAG), der AK wassergebundene Säugetiere oder die AG Fledermausschutz durchgeführt. Für den Heldbock erfolgt die Beobachtung durch die Forstbehörde und die Untere Naturschutzbehörde der Hansestadt Lübeck. Das Monitoring der Meeressäuger erfolgt arbeitsteilig durch das Nationalparkverwaltung (NPV) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie das der Fische im Rahmen der WRRL-Probennahme durch die Berufsfischer oder gesondert beauftragte Gutachter. Im Rahmen des Monitorings gemäß Vogelschutzrichtlinie erfolgt in den meisten terrestrischen EU-Vogelschutzgebieten alle 6 Jahre die Erfassung der Brutreviere aller Anhang I-Vogelarten und der Vogelarten der Kategorien 1 bis 3 der Roten Listen (Knief et al, 1995 und 2010). Die Erfassungen in den EU-Vogelschutzgebieten werden in fast allen Gebieten von Biologenbüros im Auftrag des Landes durchgeführt. Zusätzlich werden für weit verbreitete Arten des Anhanges I alle sechs Jahre die landesweit verfügbaren Daten (insbesondere die Beobachtungen der ehrenamtlichen Ornithologen) von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG) im Auftrag des MELUND zusammengefasst. Für einzelne Vogelarten und Artengruppen gibt es Kooperationsverträge mit den entsprechenden Fachverbänden wie der Projektgruppe Seeadlerschutz (Seeadler und weitere Großvögel im Wald, insbesondere Schwarzstorch), dem Landesverband Eulenschutz, dem NABU/ Michael-Otto-Institut im Bergenhusen (Weißstorch, Wiesenlimikolen) und dem Landesjagdverband/ Wildtierkataster (Wiesenweihe). In einigen Fällen führen auch Einzelpersonen Artenschutzprojekte und Monitoringuntersuchungen im Auftrag des Landes durch, zum Beispiel beim Kormoran, beim Trauerschnäpper und bei der Trauerseeschwalbe. Die genannten Verbände und Personen engagieren sich nicht nur für den Schutz der Arten (zum Beispiel durch das Ausbringen von Nisthilfen), sondern erstellen auch alljährlich Berichte zur Verbreitung und Bestandentwicklung. Von der Staatlichen Vogelschutzwarte im LLUR selbst wird mit Unterstützung durch zahlreiche Ornithologen der OAG alljährlich der Graureiher- und alle drei Jahre der Saatkrähenbrutbestand erfasst. Die auf der Ostsee küstennah und auf den Flachgründen rastenden Meeresenten werden im Auftrag des Landes im Rahmen von Zählungen aus dem Flugzeug einmal jährlich erfasst. Im Vogelschutzgebiet „Unterelbe“ werden alle Rastvögel von einem Schiff aus monatlich zwischen Brokdorf und Mühlenberger Loch durch die Integrierte Station Unterelbe gezählt. Ein besonders intensives Monitoring der Brut- und Rastvögel gibt es im Nationalpark Wattenmeer, der Teil des Vogelschutzgebietes „Ramsargebiet Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“ ist. Im Rahmen des die Wattenmeer-Anrainer umfassenden TMAP-Programms (“Trilateral Monitoring and Assessment Programme“) werden der Brutvogelbestand, der Bruterfolg und die Entwicklung des Rastvogelbestandes unter Koordination der Nationalparkverwaltung und unter Beteiligung zahlreicher Naturschutzverbände erfasst. Weitere Brut- und Rastvogelzählungen werden bei Bedarf vom Land beauftragt, wenn beispielsweise bestimmte Fragestellungen geklärt werden sollen. Aktuell sind dies unter anderem eine Untersuchung zur Bestandentwicklung des Mäusebussards im Landesteil Schleswig und die Erfassung von rastenden Gänsen und Schwänen in bestimmten Gebieten an der Westküste für die Ausweisung einer Gänse-Rastplatz-Kulisse im Rahmen des Vertragsnaturschutzes.

Weitere Erhebungen

Weitere gebietsspezifische Erhebungen erfolgen in verschiedenen Schutz- und Entwicklungsflächen, zum Beispiel

  • Vegetations- und Artenmonitoring im NSG Bockholmwik:

Hier werden alle zwei Jahre die Vegetationsentwicklung sowie ausgewählte Arten zur Effizienzkontrolle von Management und Maßnahmen erfasst und in einem Jahresbericht dokumentiert.

  • Vegetations- und Neophytenkartierung im NSG „Tal der Langballigau“:

Hier werden alle zwei Jahre die Vegetationsentwicklung sowie ausgewählte Arten zur Effizienzkontrolle von Management und Maßnahmen erfasst und in einem Jahresbericht dokumentiert.

Abbildung 18: Übersicht über das aktuelle Biodiversitätsmonitoring (DETHMANN, LLUR 2013)

Abbildung 19: Übersicht über die Bausteine I bis III der landesweiten Biotopkartierung (LLUR 2015)

Gewässerschutz

Grundwasser

Die Bewertung des Grundwassers erfolgt gemäß WRRL nach folgenden Gesichtspunkten:

  • Grundwassermenge (mengenmäßiger Zustand) und
  • Grundwasserbeschaffenheit (chemischer Zustand)

Die chemische Beurteilung des Grundwasserzustands beruht auf den hydrochemischen Untersuchungen der Grundwassermessstellen der repräsentativen Messnetze zur überblicksweisen und operativen Überwachung des Grundwassers.

Zur überblicksweisen Überwachung des Grundwassers werden in Schleswig-Holstein bis zu 300 Grundwassermessstellen unterhalten, 75 Prozent davon dienen der Überwachung des Hauptgrundwasserleiters und 25 Prozent überwachen die tiefen Grundwasserleiter. Die überblicksweise Überwachung der Grundwasserkörper des Hauptgrundwasserleiters erfolgt zweimal pro Bewirtschaftungszeitraum gem. WRRL, also alle drei Jahre. Der Untersuchungsumfang umfasst die Hauptinhaltsstoffe sowie eine Auswahl an leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW), Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln (PSM). In den tiefen Grundwasserkörpern ist das Überwachungsintervall, aufgrund der in dieser Tiefe stark verlangsamt ablaufenden Veränderungsprozesse, auf eine Untersuchung pro Bewirtschaftungszeitraum ausgedehnt, also alle sechs Jahre. Die operative Überwachung des chemischen Zustands wird in denjenigen Grundwasserkörpern durchgeführt, bei denen das fristgerechte Erreichen der Umweltziele entsprechend Artikel 4 der WRRL ungewiss oder unwahrscheinlich ist. Wenn ein Grundwasserkörper diese Ziele nicht erreicht, so ist dieser als „schlecht“ einzustufen.

Ziel und Aufgabe der operativen Überwachung ist es, über die Ziele der überblicksweisen Überwachung hinaus, das Verhalten der für die Gefährdung maßgeblichen Schadstoffe im Grundwasser zu beobachten, die Beurteilung der zeitlichen Entwicklung von Schadstoffen (Trenduntersuchung) zu ermöglichen sowie Grundlagen für die Festlegung von Maßnahmen zu schaffen und die Wirksamkeit der Maßnahmenprogramme nachzuweisen.

Das operative Messprogramm sieht vor, die Messstellen mindestens einmal jährlich zu untersuchen. Der Untersuchungsumfang der operativen Überwachung orientiert sich an den Belastungen des Grundwasserkörpers, beinhaltet aber zumindest die Hauptinhaltsstoffe.

Etwa 60Prozent der Messstellen zur überblicksweisen Überwachung dienen auch der operativen Überwachung, die ausschließlich in den gefährdeten Grundwasserkörpern im Hauptgrundwasserleiter erfolgt.

Das Bewertungsverfahren für den Zustand des Grundwassers wurde gemäß Vorgaben der WRRL abgeleitet. Seit November 2010 wird das Bewertungsverfahren durch die Grundwasserverordnung geregelt.

Die Beurteilung des Zustandes der Grundwasserkörper beruht auf den hydrochemischen Analysen aus den Grundwassermessstellen. Die Überschreitungen von Qualitätsnormen und/oder Schwellenwerten sind ausschlaggebend für die Zustandsbeurteilung.

Abbildung 20: Hydrogeologische Vertikalgliederung des Untergrundes im Hinblick auf das nutzbare Grundwasserdargebot (MUNF, 1998)

Oberflächengewässer

Fließgewässer

Die Bewertung der Fließgewässer gemäß WRRL erfolgt nach folgenden Gesichtspunkten:

Der ökologische und chemische Zustand der Fließgewässer in Schleswig-Holstein werden mit Hilfe unterschiedlicher Bewertungsmaßstäbe beurteilt. Dabei werden für die einzelnen biologischen Qualitätskomponenten bundesweit abgestimmt und europaweit interkalibrierte Verfahren verwendet. Im einzeln sind dies:

  • Phytoplankton: PhytoFluss
  • Makrophyten, Diatomeen und übriges Phytobenthos: PHYLIB
  • Makrozoobenthos: PERLODES
  • Fische: FIBS

Der morphologische Zustand der Fließgewässer wird in Schleswig-Holstein mit der an die LAWA-Methode angelehnten Methode zur Strukturkartierung erfasst. Die erstmalige Kartierung lief in zwei Schritten ab. Zunächst wurden in 2005 und 2006 die Fernerkundungsdaten aller berichtspflichtigen Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer zehn km² (etwa 6.600 Kilometer) erfasst. Im Anschluss wurden 4.700 Kilometer auch vor Ort kartiert. An großen Unterläufen, künstlichen Gewässern und Marschgewässern wurden keine Vor-Ort-Kartierungen vorgenommen, weil der Erkenntnisgewinn durch eine Vor-Ort-Kartierung bei diesen Gewässertypen gering ist und derzeit auch keine valide Bewertungsverfahren vorliegen. Die Ergebnisse der Strukturkartierung werden für Wasserkörper als längengewichteter Mittelwert der einzelnen Gewässerabschnitte in fünf Bewertungsklassen zusammengefasst. Die Bewertungen werden zur Ermittlung der Defizite des Lebensraumes „Fließgewässer“, für die Festlegung von repräsentativen biologischen Messstellen für das WRRL-Monitoring und das Wiederbesiedlungspotenzial, die Maßnahmenplanung, Erfolgskontrollen von Maßnahmen und die EU-Berichtspflichten genutzt.

Die Nährstoffverhältnisse werden nach Vorgaben der Oberflächengewässerverordnung 2016 bewertet. Dabei wird zwischen Hintergrund- und Orientierungswerten unterschieden. Werden die Orientierungswerte überschritten, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine Belastung in dem Wasserkörper, die die Zielerreichung gefährdet.

Die Gewässerstruktur wird im Rahmen der Strukturkartierung erfasst und bewertet.

Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer wird das ökologische Potenzial ermittelt, dabei wird berücksichtigt, welche Maßnahmen in einem Wasserkörper zurzeit umsetzbar sind und wie diese sich auf den Zustand der empfindlichsten Komponente auswirken (MELUR 2012).

Die Bewertung der Fließgewässer ist im Detail im Bewirtschaftungsplan der jeweiligen Flussgebietseinheit beschrieben.

Seen

Der ökologische und chemische Zustand der Seen in Schleswig-Holstein wird – auch hier nach Gesichtspunkten gemäß WRRL mit Hilfe unterschiedlicher Bewertungsmaßstäbe beurteilt. Dabei werden für die einzelnen biologischen Qualitätskomponenten bundesweit abgestimmt und europaweit interkalibrierte Verfahren angestrebt. Im einzeln sind dies:

  • Makrophyten: PHYLIB
  • Phytoplankton: PHYTOSEE
  • Diatomeen: PHYLIB
  • Makrozoobenthos: AESHNA
  • Fische: SITE-Verfahren

Die Nährstoffverhältnisse werden nach der Oberflächengewässerverordnung 2016 klassifiziert, dabei wird zwischen Hintergrundwerten für den sehr guten ökologischen Zustand und Orientierungswerten für den guten ökologischen Zustand unterschieden. Werden die Orientierungswerte überschritten, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine Belastung in dem Wasserkörper, die die Zielerreichung gefährdet.

Für die Bewertung des See-Zustands anhand der Hydrologie und der Morphologie werden derzeit bundesweite Bewertungsmethoden entwickelt, so dass diese derzeit nur nach Experteneinschätzung beurteilt werden können.

Die Bewertung der Seen ist im Detail im Bewirtschaftungsplan der jeweiligen Flussgebietseinheit beschrieben (www.wrrl.schleswig-holstein.de).

Bodenschutz

Zur Erfassung und Dokumentation von ungünstigen Veränderungen des Bodens im Zeitablauf bestehen seit Ende der achtziger Jahre bundesweit abgestimmt Boden-Dauerbeobachtungsflächen. 1989 wurden so in Schleswig-Holstein insgesamt 37 Boden-Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet. Die landesweite Erfassung und Bewertung raumbezogener Daten über Bodenentwicklung und –veränderung, insbesondere von Boden-Dauerbeobachtungsflächen, ist in § 5 Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe c) des Landesbodenschutz- und Altlastengesetzes (LBodSchG) vom 14.03.2002 (GVOBl. Schl.-H. Seite 60) vorgesehen.

Die wesentlichen Ziele der Boden-Dauerbeobachtung sind

  • die Beschreibung des aktuellen Zustandes,
  • die langfristige Überwachung der Veränderung und
  • die Ableitung von Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Bodens.

Über diese Zielsetzungen hinaus soll die Boden- Dauerbeobachtung Informationsgrundlagen unter anderem für die Dokumentation von Wirkungen des Klimawandels, des Anbaues nachwachsender Rohstoffe und anderer aktueller Einflüsse und Nutzungen auf den Boden liefern. Das Kennwertspektrum muss sowohl die kurzfristig als auch die erst langfristig und träge reagierenden Bodenparameter umfassen.

Zweck der Boden-Dauerbeobachtung in Schleswig-Holstein ist die landesweite standortbezogene Erfassung von Veränderungen des Bodens an repräsentativen Untersuchungsflächen. Da wesentliche Veränderungen im Boden nur sehr langsam ablaufen, ist für ihre Erfassung und Dokumentation ein langfristiges Untersuchungsprogramm erforderlich, in dessen Rahmen über viele Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Beobachtungen durchgeführt werden. Dies erfordert eine festgelegte, durchgehende Methodik, um über einen sehr langen Zeitraum vergleichbare Daten in auswertbaren Zeitreihen zu erhalten.

Da viele Bodenveränderungen schleichend erfolgen, sind langjährige Zeitreihen unabdingbar, um statistisch absicherbare Veränderungen oder aber auch die Stabilität von Bodenkennwerten zu belegen.