Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

1.1.2. Küstenlebensräume

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Watt mit Vegetation (Queller, Schlickgras), Außensände, Strände, Steilküsten, Strandwälle, Brackwasserröhrichte, Salzwiesen, Strandseen (Lagunen), Küstendünen

Zustand: Die Küstenlebensräume der Ostsee sind in Schleswig-Holstein gemäß der FFH-Berichte sowohl überwiegend „ungünstig bis unzureichend“ bis „ungünstig bis schlecht“. Ausschließlich Quellerwatt-Standorte weisen hier noch einen gleichbleibend guten Zustand auf.

Dabei sind die Küstendünen mit „unzureichend“ eingestuft bzw. die auf spezifische hydrologische / Grundwasser-Verhältnisse angewiesenen Feuchten Dünentäler (LRT 2190) mit „schlecht“.

Ebenfalls mit „schlecht“ bewertet sind die Lagunen (Strandseen) (LRT 1150) und die oftmals mit diesen größerer Komplexe bildenden, an der Ostseeküste auf Pflege angewiesenen Salzwiesen (LRT 1330).

Ebenfalls kritisch ist der Erhaltungszustand der auf den Stränden wachsenden Einjährigen Spülsäume (LRT 1210).

Gegenüber ihrem Zustand im letzten Vergleichszeitraum (2001-2006) sind die Erhaltungszustände entweder unverändert geblieben oder haben sich verschlechtert. Diese Entwicklung spiegelt den hohen Nutzungsdruck wieder, der auf die Lebensräume der Küsten einwirkt (insbesondere Küstenschutz, Tourismus, Landwirtschaft).

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: In den Schutzgebieten wird durch Managementpläne und Besucherlenkungsmaßnahmen an der Umsetzung der Schutzziele gearbeitet. Außerhalb dieser Gebiete ist eine Verschlechterung der aktuellen Situation durch Bebauung und Störung von Flora und Fauna in Folge einer weiteren Zunahme der touristischen Nutzung in den Strand- und Dünenbereichen zu erwarten.

Binnendeichs liegende Salzwiesen und Strandseen sind der Überflutungsdynamik der Meere entzogen. Hier kommt es zu einer zunehmenden Aussüßung, so dass küstenspezifische salztolerante Arten zunehmend verdrängt werden.

Da Neueindeichungen seit einem Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 1989 nicht mehr durchgeführt werden sollen und der überwiegende Teil der verbliebenen ökologisch wertvollen Küstenbereiche bereits durch die Ausweisung als Schutzgebiet gesichert ist, ist eine gravierende Verschlechterung der Situation jedoch nicht zu erwarten. Durch Monitoring- und Pflegemaßnahmen in den Schutzgebieten, Maßnahmen zum Beispiel der LIFE BaltCoast-Projekte oder solchen des Vertragsnaturschutzes kann in Bezug auf die Gesamtsituation sogar von einer leichten Verbesserung ausgegangen werden. Von besonderer Bedeutung sind dabei solche Maßnahmen, die auf eine Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes im Bereich der Küsten abzielen (beispielsweise Abtragung des Landesschutzdeiches im Bereich der Strandseelandschaft bei Schmoel).

Für eine langfristige Prognose sind auch Veränderungen des Meeresspiegels (Eustasie) zu berücksichtigen. Diese resultieren zum einen aus der isostatischen Landsenkung als Folge der letzten Eiszeit, zum anderen aus dem Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels. Hieraus ergibt sich derzeit eine Erhöhung des Meeresspiegels um zwei bis drei Zentimetern innerhalb von zehn Jahren. In beiden Fällen sind auf lange Sicht Landverluste zu erwarten, die in besonderem Maße die naturnahen Küstenverläufe außerhalb der Deiche betreffen dürften.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT *1150 Strandseen, k: U2
  • LRT 1210 einjährige Spülsäume, k: U2
  • LRT 1220 mehrj. Vegetation der Strände, k: U1
  • LRT 1230 Fels- und Steilküste, k: U1
  • LRT 1330 Salzwiese, k: U2
  • LRT 2110 Primärdünen, k: U1
  • LRT 2120 Weißdüne, k: U1
  • LRT *2130 Graudüne, k: U1
  • LRT *2150 Düne mit Calluna-Heide, k: U1
  • LRT 2180 bewaldete Düne, k: U2
  • LRT 2190 feuchte Dünentäler, K: U2

Arten:

  • Seehund, II, k: U1
  • Kreuzkröte; IV, a: U1, k: U1
  • Wechselkröte, IV, k: U1
  • Alpenstrandläufer, I, RL 1
  • Brandseeschwalbe, I, RL 1
  • Seeregenpfeifer, I, RL 1
  • Steinwälzer, I, RL 1
  • Sandregenpfeifer, I, RL 2
  • Uferschnepfe, I, RL 2
  • Zwergseeschwalbe, I, RL 2

1.1.3. Binnengewässer

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Seen, Kleingewässer (jeweils oligo- bis eutrophe, dystrophe); Flüsse, Bäche (jeweils der verschiedenen Substrattypen)

Zustand: Nach Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie und der Förderprogramme des Landes zum Kläranlagenausbau ist in der jüngeren Vergangenheit die Beeinträchtigung durch kommunale und industrielle Abwässer erheblich zurückgegangen. Durch vielfältige Maßnahmen, beispielsweise im Rahmen von Extensivierungsprogrammen und Artenschutzprogrammen für Amphibien (LIFE Bombina) oder Fische wurden Pufferzonen zu Gewässern eingerichtet, Fließgewässer renaturiert, Kleingewässern neu angelegt und Wasserstände erhöht. Die Bestandssituation einiger bedrohter Amphibienarten wie Rotbauchunke und Laubfrosch konnte hierdurch zumindest auf lokaler Ebene verbessert werden. Auch wurde die Durchlässigkeit der Fließgewässer durch Maßnahmen der WRRL für wandernde Fischarten verbessert. Dennoch befinden sich die Binnengewässer im Land bis auf wenige Ausnahmen in einem kritischen Zustand. Bezogen auf den guten ökologischen Zustand, bzw. das „gute ökologische Potenzial“ gemäß der WRRL verfehlen in Schleswig-Holstein aktuell etwa 99 Prozent der Fließgewässer und 86 Prozent der Seen dieses Ziel. Rund 40 Prozent der Grundwasserkörper im oberen Hauptgrundwasserleiter erreichen nicht den „guten chemischen“ Zustand (MELUR 2014).

Dies spiegelt sich auch in den ungünstigen Erhaltungszuständen der betreffenden LRT wieder. In der kontinentalen Region haben sich drei LRT (3110, 3150 und 3260) in ihrem Zustand von „ungünstig bis schlecht“ auf „ungünstig bis unzureichend“ geringfügig verbessert. Die übrigen LRT sind in ihrem Zustand unverändert geblieben.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: Die zuvor genannten Maßnahmen wie die flächendeckende Einführung von Kläranlagen, Renaturierung und Neuanlage von Gewässern und Wiedereinbürgerung von Arten im Rahmen verschiedener Artenschutzprogramme in der Vergangenheit haben sich ebenso wie weitere Maßnahmen im Zuge der WRRL positiv auf den Zustand der Binnengewässer ausgewirkt.

Das zentrale Ziel der WRRL, flächendeckend gute Zustände für alle Binnengewässer zu erreichen, wurde bislang deutlich verfehlt. In erster Linie ist dieses auf diffuse Einträge von Nähr- und Schadstoffen aus der intensiven Landbewirtschaftung zurückzuführen, die im Land insgesamt rund 80 Prozent der Gesamtnährstoffeinträge in die Gewässer ausmacht (MELUR 2014). Die derzeitigen Bemühungen zur Reduktion der Stoffeinträge aus der Landwirtschaft reichen nicht aus, um mittel- bis langfristig eine flächendeckende Trendumkehr mit dem erwünschten guten Zustand aller Gewässer zu erreichen.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 3110 oligotrophe basenarme Stillgewässer, k: U1
  • LRT 3130 oligo- bis mesotrophe Stillgewässer mit Strandlings- und/oder Zwergbinsengesellschaften, a: U2, k: U2
  • LRT 3140 mesotrophe kalkhaltige Stillgewässer, k: U2
  • LRT 3150 eutrophe Stillgewässer, a: U1, k: U1
  • LRT 3160 dystrophe Stillgewässer, a: U1, k: U1
  • LRT 3260 Fließgewässer mit flutender Vegetation, a: U2, k: U1
  • Natürliche und naturnahe Fließgewässer, RL 1-2
  • (naturnahe) Grabensysteme in Grünlandkomplexen (Sondersituationen, zum Beispiel Eiderstedt), a
  • Altarme, RL 1
  • Quellen, RL 2
  • LRT 7220 Kalktuffquelle, k: U1

Arten:

  • Fischotter, II, a: U1 (k: FV)
  • Kammmolch, II, U1
  • Rotbauchunke, II, k: U1
  • Knoblauchkröte, IV, U1
  • Kreuzkröte, IV, U1
  • Bachneunauge, II U1
  • Flussneunauge, II, a: U1
  • Meerneunauge, II, a: U1
  • Rapfen, II, a: U1
  • Schlammpeitzger, II, a: U1
  • Schnäpel (Elbe), II, a: U2
  • Steinbeißer, II, a: U1, (k: FV)
  • Große Moosjungfer, II, U1
  • Grüne Mosaikjungfer, II, U1
  • Schmale Windelschnecke, II, k: U1
  • Bauchige Windelschnecke, II, k: U2
  • Kleine Flussmuschel, II, k: U2
  • Froschkraut, II, k: U1

1.1.4. Wälder

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: naturnahe Laub- und Laubmischwälder trockener bis feuchter Standorte: Buchenwälder, Eichen-Buchenwälder, Eichenwälder, Eichen-Kratts; Hang- und Schluchtwälder, grund- und stauwasserbeeinflusste Eichen-Misch-/ Eichen-Hainbuchen-Wälder, Sumpf-, Bruch-, Au- und Moorwälder

Zustand: Im Rahmen der landesweiten Biotopkartierung (1992) wurden in Schleswig-Holstein noch 24,5 Prozent der Waldfläche als naturnah eingestuft. Aufgrund des überwiegend geringen Alters der Bestände und des gegenüber dem Landesdurchschnitt geringeren Waldanteil im Planungsraum, ist die Zustandssituation hier als unzureichend zu beurteilen.

Die Erhaltungszustände der FFH-Wald-Lebensraumtypen (entspricht rund 35 Prozent der landesweiten Waldfläche) wurden mit Ausnahme der kontinentalen Moorwälder im Bereich des Hügellandes („ungünstig bis unzureichend“) allesamt als ungünstig bis schlecht eingestuft. Gegenüber dem letzten Vergleichszeitraum sind die Zustände dabei entweder gleich geblieben oder haben sich verschlechtert.

Naturschutzfachlich positiv zu bewerten ist die Zunahme des Laubwaldanteil im Planungsraum in den letzten Jahren, während gleichzeitig der Anteil standortfremder Nadelwälder zurückging (MELUR 2012). Auch die Gesamtfläche des Waldes ist leicht gestiegen. Dennoch ist der Anteil alter Bäume sowie des ökologisch besonders wertvollen Totholzes aus Sicht des Natur- und Artenschutzes in den meisten Wäldern noch zu gering.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: Die weitere Entwicklung der einheimischen Wälder ist nur schwer zu prognostizieren. Der zunehmende Holzverbrauch geht mit einer Erhöhung des Nutzungsdruckes einher. Durch eine profitorientierte Bewirtschaftung des Waldes droht in unseren Wäldern ein großflächiger Verlust von Struktur- und Artenreichtum, verursacht beispielsweise durch den vermehrten Einsatz schwerer Maschinen und eine Homogenisierung der Altersstruktur durch entsprechende Holzentnahme.

Für den Anteil der Waldfläche innerhalb von Schutzgebieten, könnte durch Umsetzung der entsprechenden Managementpläne mittelfristig eine Aufwertung der Bestände erfolgen. Eine positive Perspektive stellt auch die Ausweitung der Naturwaldfläche sowie die angestrebte Erhöhung des Waldanteiles insgesamt dar. Zumindest in den Wäldern, die sich im Eigentum der öffentlichen Hand befinden, werden dabei in zunehmendem Maße auch naturschutzfachliche Belange berücksichtigt.

Durch die Umsetzung der WRRL dürfte auch die Fläche renaturierter Gewässer zunehmen, wodurch es auf längere Sicht zu einer Aufwertung von Au- und Bruchwäldern kommt. Aufgrund der vermehrten Nutzungsaufgabe bisher landwirtschaftlich genutzter Bereiche auf Hochmoorböden im Rahmen des Klimaschutzes ist mittel- bis langfristig auch eine Zunahme von Moorwäldern zu erwarten.

Durch die Umsetzung des Zwei-Prozent-Wildniszieles wird sich der Anteil naturnaher Waldflächen, bzw. von Flächen, die sich langfristig zu Wald entwickeln werden, ebenfalls erhöhen.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwälder, U2
  • LRT 9120 bodensaure Buchen-Eichenwälder mit Ilex, U2
  • LRT 9130 Waldmeister-Buchenwald, U2
  • LRT 9160 Eichen-/ Ei.-Hainbuchenwälder, U2
  • LRT *9180 Hang- und Schluchtwälder, k: U2
  • Steilküstenwälder, k
  • LRT 9190 Alte bodensaure Eichenwälder, U2
  • LRT *91D0 Birken-Moorwälder, a: U2, k: U1
  • LRT *91E0 Auen- und Quellwälder, U2
  • Weichholzauwälder, RL 1
  • Sumpfwälder, RL 2-3
  • (Erlen-)Bruchwälder, RL 1-2
  • Nieder- (Kratts)/ Mittelwald, RL 1-2
  • Hudewald, RL 1-2

Arten:

  • Großer Abendsegler, IV, U1
  • Kammmolch, II, U1
  • Schwarzspecht, I, s
  • Seeadler; I, s
  • Uhu, I, s
  • Waldkauz, I, s
  • Waldohreule, I, s