Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

1.1.5. Hochmoore

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Hochmoore (inklusive der Degenerationsstadien) mit Bult-Schlenken-Formationen / Schwingrasen, Übergangsmoore (diverse Ausprägungen), Kesselmoore

Zustand: Aufgrund umfangreicher Wiedervernässungsmaßnahmen hat sich die Situation in vielen Mooren gegenüber den 1980er Jahren verbessern können. Eine Wiedervernässung des Dosenmoores wurde von 1980 an einige Jahre mit wissenschaftlicher Begleitung unternommen. Weitere bedeutende Wiedervernässungsprojekte laufen im Hartshoper Moor und im Königsmoor und seit Beendigung des industriellen Torfabbaus auch im Großen Moor bei Dätgen sowie im Kaltenhofer Moor. Eine entscheidende Wende zu einer flächenhaften Regeneration und eine bedeutende Ausdehnung der natürlichen Hochmoorvegetation konnte allerdings nicht erreicht werden. Gründe dafür sind der insgesamt zu stark und zu flächenhaft veränderte Landschaftswasserhaushalt sowie die direkten Nährstoffeintrag aus der unmittelbaren Umgebung und die diffusen Einträge aus der Atmosphäre. Insgesamt sind daher die hochmoortypischen LRT sowohl in der atlantischen als auch der kontinentalen Region in ihrem Erhaltungszustand als ungünstig bis unzureichend bis ungünstig bis schlecht einzustufen.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: Bei gleichbleibenden hydrologischen Bedingungen dürfte der Zustand der höherwertigen, in Renaturierung befindlichen Hochmoorflächen hinsichtlich der Vegetation mehr oder weniger stabil bleiben. In stärker degradierten und fortdauernd entwässerten Bereichen hingegen werden sich auf längere Sicht vergleichsweise artenarme Moorbirkenwälder und bei weiter gehender Mineralisierung der Torfe Eichen-Birken-Wälder entwickeln, was mit einer gravierenden, klimarelevanten Freisetzung CO2 verbunden wäre. Laut aktueller Forschungen, unter anderem an der Technischen Universität München und an der Universität Greifswald, können bei Moorwiedervernässung CO2-Reduktionen in einer Größenordnung von bis zu 30 Tonnen Kohlendioxidäquivalente pro Hektar und Jahr erreicht werden. Allerdings ist, dauerhaft günstige Klimaverhältnisse vorausgesetzt, erst sehr langfristig mit einer echten Hochmoorregeneration zu rechnen. Hochmoorarten müssen bis dahin in eher kleinflächigen Regenerationskomplexen mit hochmoortypischer Vegetation überdauern. In Bereichen mit fortgeschrittener Mineralisation der Hochmoortorfe werden sich nach Wiedervernässung Sekundärbiotope mit Niedermoor- oder Sumpfcharakter entwickeln.

Durch die im Rahmen des Moorschutzprogrammes eingeleiteten Renaturierungsmaßnahmen wie im Hartshoper und Königsmoor ist anzunehmen, dass sich der Zustand der größeren, zusammenhängenden Moorkomplexe verbessern wird, da sich der Wasserhaushalt langfristig auf einem höheren, moortypischen Niveau stabilisieren wird und hierdurch seltene moortypische Arten und Lebensgemeinschaften gefördert werden.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 7120 Degradierte Hochmoore, U2
  • LRT 7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore, U2
  • (alle Typen: Verlandungs-, Versumpfungs-, Kessel- und Quellmore: RL 1)
  • LRT 7150: Schnabelried-Gesellschaft, U1 (in Hoch- u. Übergangsmooren, in Heidemooren und Feuchtheiden: alle RL 1)

Arten:

  • Schlingnatter, IV, a: U1
  • Große Moosjungfer, II / IV, U1
  • Grüne Mosaikjungfer, IV, U1
  • Bekassine, I, RL 2
  • Sumpfohreule, I, RL2, a

1.1.6. Niedermoore

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Niedermoor unterschiedlicher Ausprägung: Verlandungsmoore, Hang-, Quell- und Durchströmungsmoore, Küstenüberflutungsmoore; Feuchtgebüsche, Röhrichte, Groß- und Kleinseggenrieder, binsen- und seggenreiche Nasswiesen, Kalkflachmoore, Pfeifengraswiesen

Zustand: Insgesamt hat sich die Situation der Niedermoore in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen (beispielsweise Niedermoorprogramm, FFH-Richtlinie, Moorschutzprogramm) in einigen Gebieten verbessert. Allein seit dem Jahr 2000 wurden landesweit mindestens 139 Vernässungsprojekte in Niedermooren initiiert (MLUR 2011).

Andererseits wird ein Großteil der Niedermoorböden noch heute intensiv landwirtschaftlich genutzt und ist durch Entwässerung sowie einen hohen Torfzersetzungsgrad und Nährstoffreichtum geprägt. In besonderem Maße betrifft dieses die großflächigen Niedermoorgebiete der Niederungen im Westen des Landes. Die flächenhaft wirkenden Maßnahmen der Land- und Wasserwirtschaft führen dort, aber auch in den verbliebenen naturnahen Niedermoorbiotope dazu, dass der Zustand der Niedermoore insgesamt als kritisch einzustufen ist.

Die Erhaltungszustände der niedermoortypischen LRT 6410, 6430, 7210, 7230 werden alle sechs Jahre erfasst. Im Vergleich der aktuellen Erhebung zum vorigen Erhebungszeitraum (2001 bis 2007) haben sich die Erhaltungszustände nicht verändert. Sowohl in der atlantischen als auch in der kontinentalen biogeografischen Region Schleswig-Holsteins werden sie als unzureichend bis schlecht eingestuft.

Niedermoore in naturschutzfachlich wertvollem Zustand finden sich im Planungsraum zum Beispiel am Hohner See, im oberen Eidertal, der Wennebekniederung und am Vollstedter See, wo Niedermoorbereiche in enger Verzahnung mit Hochmoorbiotopen auftreten. Im Westen des Planungsraumes haben beispielsweise die Niedermoore im Umfeld des Hohner Sees aufgrund ihrer Großflächigkeit und des damit verbundenen relativ geringen Einflusses von Randeffekten sowie der Bemühungen einer Renaturierung ein hohes Restitutionspotenzial. Basenreiche Ausprägungen sind zum Beispiel in der Lehmkuhlener Stauung, bei Manhagen oder am Dobersdorfer See zu finden.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustands: Bei gleichbleibenden hydrologischen Bedingungen wird der Zustand der ungenutzten Niedermoorbiotope mit hohen Wasserständen wie Röhrichte, Weidengebüsche und Bruchwälder hinsichtlich der Vegetation mehr oder weniger stabil bleiben, sich vereinzelt auch verbessern können. Bei Wiederaufnahme traditioneller Nutzungsformen oder anderen schonenden Pflegemethoden, beispielsweise mit Hilfe von Balkenmäher oder Mähraupe, ist dort auch die Neuentstehung wertvoller Offenlandbiotope möglich.

In stärker degradierten und fortdauernd entwässerten Bereichen hingegen bilden sich bei ausbleibender Nutzung vergleichsweise artenarme Degenerationsstadien, die sich auf längere Sicht zu nitrophytenreichen Gehölzformationen entwickeln. Dies wäre mit einer fortgesetzten Freisetzung von Nährstoffen in die Umgebung sowie von klimarelevantem CO2 verbunden.

Die fortschreitende Torfzersetzung führt außerdem zu einer weiteren Sackung der Torfe, aufgrund derer eine weitere Entwässerung der Niederungen weder betriebswirtschaftlich noch volkswirtschaftlich rentabel sein wird und hier mittelfristig eine Nutzungsaufgabe erfolgen dürfte. Als Folge einer Nutzungsaufgabe werden die Wasserstände ansteigen und es wird im Zuge der Sukzession zu einer Entwicklung von Röhrichten, Feuchtgebüschen und Feuchtwäldern kommen.

Zur Erreichung der Ziele des Klimaschutzes ist unter anderem eine weitere Vernässung sowohl von Hoch- als auch von Niedermoorstandorten erforderlich. Eine dauerhafte Wiedervernässung von derzeit landwirtschaftlich genutzten Mooren stellt daher zur Minimierung der Klimafolgen der Landwirtschaft auf Grund der hohen absoluten Bedeutung der Treibhausgas-Emissionen aus Mooren (5,6 Prozent der nationalen Emissionen 2010), den vergleichsweise niedrigen CO2-Vermeidungskosten und den starken Synergien mit Biodiversitätszielen und der WRRL eine prioritär zu verfolgende Maßnahme dar (siehe auch Thünen-Institut, Osterburg et al. 2013). Bei einer Wiedervernässung von Mooren können CO2-Reduktionen in einer Größenordnung von bis zu 30 Tonnen Kohlendioxidäquivalente pro Hektar und Jahr erreicht werden (Technische Universität München, Universität Greifswald).

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 7220 Kalktuffquellen, k: U1
  • LRT 7230 kalkreiche Niedermoore, U2
  • (alle waldfreien oligo- bis mesotrophen Niedermoore und Sümpfe: RL 1-2)
  • LRT 7210 Schneidenröhricht, k: U2
  • LRT 6410 Pfeifengraswiesen, U2
  • Nährstoffarme Großseggenriede, RL 1-2
  • LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren (außerhalb Wald), U2

Arten:

  • Bauchige Windelschnecke, IV, K: U2
  • Schmale Windelschnecke, IV, K: U1
  • Grüne Mosaikjungfer, II, U1
  • Bekassine, I, RL 2
  • Sumpfohreule, I, RL 2, a
  • Uferschnepfe, I, RL 2, a
  • Wachtelkönig, I, RL 1
  • Wiesenweihe, I, RL 2

1.1.7. Heiden, Dünen, Trockenrasen

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: feuchte und trockene Heide und Borstgrasrasen, Wacholderheide, Mager- und Trockenrasen kalkfreier bis kalkreicher Standorte, offene Heiden und Grasfluren auf Binnendünen

Zustand: Die noch erhaltenen Heiden und Trockenrasen sind Relikte ehemals weit verbreiteter Vegetation auf Trocken-/Magerstandorten die über lange Zeiträume landschaftsprägend waren und eine sehr hohe und heute in erheblichem Umfang stark gefährdete Artenvielfalt aufweisen. Sie sind von großer Bedeutung für die Erhaltung dieser landestypischen Artenvielfalt. Der Erhaltungszustand der verbliebenen Heiden und Trockenrasen ist aufgrund der zumeist nur geringen Flächengröße, zum Teil fehlender Pflege / Nutzung und auch aufgrund von Nährstoffeinträgen und damit zusammenhängender Vergrasung und Verbuschung insgesamt mit ungünstig bis schlecht bewertet, auch wenn es zahlreiche Einzelflächen vor allem in Schutzgebieten gibt, in denen durch langjährige Pflegemaßnahmen diesen Entwicklungen entgegengewirkt wird.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartende Zustandes: Die meisten größeren und naturschutzfachlich bedeutenden Lebensräume liegen in Schutzgebieten. Da auch die außerhalb von Schutzgebieten liegenden Flächen dem gesetzlichen Biotopschutz unterliegen, darf keine Zerstörung dieser Lebensräume erfolgen. Aufgrund direkter und diffuser flächendeckender Nährstoffeinträge kommt es jedoch zu einer anhaltenden Degradation der verbliebenen Heiden und Magerrasen. Diese Entwicklung kann und wird auf vielen Flächen durch regelmäßig erfolgende Pflegemaßnahmen verlangsamt werden. Hierdurch werden auch die Bestände vieler der an diese Lebensräume angepassten Tier- und Pflanzenarten erhalten. Bei einigen empfindlichen Arten wird ein weiterer Rückgang ohne nachhaltige Reduzierung der Nährstoffeinträge und / oder deutliche Vergrößerung der Biotopflächen dennoch kaum zu verhindern sein.

Ob und in welchem Ausmaße in der Vergangenheit durchgeführte Wiederansiedlungsprojekte wie beispielsweise von Arnika (Arnica montana) dauerhaft Erfolg haben können, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 2310 Binnendünen mit Sandheiden, a: U2
  • LRT 2320 Binnendünen mit trockene Sandheiden mit Empetrum, a: U2
  • LRT 2330 Binnendünen mit offenen Grasfluren aus Silbergras und Straußgras, a: U2
  • LRT 4010 Feuchtheiden, a: U2
  • LRT 4030 trockene Sandheiden, a: U2, k: U2 (inklusive der Jütischen Heiden/ Calluna-Empetrum-Heiden und der Kratt- sowie Waldheiden)
  • LRT 6230 Borstgrasrasen, U2
  • Alle sonstigen Trockenrasen, § 30 Absatz 2 BNatSchG, RL 1-2

Arten:

  • Knoblauchkröte, IV, U1
  • Kreuzkröte, IV, U1
  • Zauneidechse, IV, U1
  • Heidelerche, I, s
  • Steinschmätzer, I, s, RL 1
  • Wendehals, I, s, RL 1, k