Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

1.1.8. Grünland

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Arten- und strukturreiches Grünland mittlerer, frischer bis mäßig feuchter Standorte

Zustand: Der Grünlandanteil im Land ist seit 1991 um ein Drittel zurückgegangen (1991: 487.000 Hektar, 1999: 417.000 Hektar, 2007: 349.000 Hektar, 2015: 318.000 Hektar, Statistisches Landesamt).

Der Anteil des artenreichen, mesophilen Dauergrünlandes ist dagegen noch deutlich stärker zurückgegangen. Nach ersten Schätzungen sind nur noch rund vier Prozent der ursprünglichen Flächen vorhanden. Dies spiegelt sich auch in den schlechten Erhaltungszuständen der dem Grünlandkomplex zugeordneten LRT wider.

Hauptursache für den bedenklichen Zustand des artenreichen Grünlandes ist die zunehmende Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung.

Mit einer Förderung extensiver Grünlandbewirtschaftung, gezielter Schutzprogramme für besonders wertvolle Biotoptypen sowie Flächenankäufen durch die Stiftung Naturschutz wird versucht, dem Rückgang des Grünlandes entgegenzuwirken.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • LRT 6410 Pfeifengraswiesen, U2
  • LRT 6430 Feuchte Hochstaudenfluren, U2
  • LRT 6510 Magere Flachlandmähwiesen, U2
  • Binsen- und seggenreiche Nasswiesen, §§, RL 2
  • Sumpfdotterblumenwiesen
  • Wiesenschaumkrautwiesen
  • Extensiv genutzte Röhrichte / Riede, §§
  • Beweidete Quellbereiche, §§
  • Überschwemmungsgrünland an naturnahen Gewässern (teilweise §§)
  • Artenreiches Grünland trocken-magerer Standorte

Arten:

  • Breitflügelfledermaus, IV, U1
  • Zwergfledermaus, IV, U1
  • Rotbauchunke, II, k: U1
  • Braunkehlchen, I
  • Feldlerche, I, RL 3
  • Großer Brachvogel, I, s, RL V
  • Kiebitz, I, s, RL 3
  • Neuntöter, I
  • Uferschnepfe, I, s, RL 2
  • Wachtelkönig, I, s, RL 1
  • Weißstorch, I, s, RL 2
  • Wiesenpieper, I, RL V

1.1.9. Agrarlandschaften

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Knicks, Feldgehölze, Feldraine, Kleingewässer / Tümpel, Brachflächen, Lesesteinhaufen; Baumreihen und Alleen an Verkehrswegen, Dauergrünland

Beurteilung des Zustandes: In den letzten Jahrzehnten sind bei vielen Tier- und Pflanzenarten der offenen Agrarlandschaft starke Bestandsrückgänge festzustellen. Davon betroffen sind unter anderen bekannte und typische Wirbeltierarten der Agrarlandschaften zum Beispiel Feldhase, Feldlerche oder Rebhuhn, die überwiegend auf landwirtschaftlich genutzten Äckern und Grünländern vorkommen. Ein besonders negativer Entwicklungstrend ist im Östlichen Hügelland beim Feldhasen zu beobachten (MELUR 2013). Die Ursachen sind nicht eindeutig, jedoch gibt es starke Hinweise, dass verstärkter Einsatz von Wirtschaftsdünger (Gülle) sowie zunehmender Pestizideinsatz eine wichtige Rolle spielen. Neben direkter Tötung durch Pestizidwirkstoffe gibt es auch indirekte Schädigungen. So führt der Rückgang von Ackerwildkräutern zum Beispiel zu einem starken Rückgang blütenbesuchender Insekten. Als Folge hiervon verringert sich das Nahrungsangebot für insektenfressende Vögel. Auch der Verlust von gliedernden Strukturen wie Grassäumen und Feldrainen oder der Rückgang von Brachflächen verringert die Lebensraumeignung für viele Arten.

Bei fast allen Arten und Artengruppen der Agrarlandschaft ist es in den letzten Jahren zu einem zum Teil gravierenden Bestandsrückgang gekommen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, lassen sich in den meisten Fällen jedoch auf eine Intensivierung der Nutzungen zurückführen. Durch Zusammenlegung von Nutzungseinheiten verschwanden Feldraine und Grassäume an Wegen. Knicks wurden gerodet und Gewässer trockengelegt oder zugeschüttet.

Auch Grenzertragsstandorte unterliegen einer zunehmenden intensiven Nutzung. Entweder wurde die Nutzung aufgegeben oder die Standorte entwässert, aufgedüngt und einer intensiveren Nutzung unterzogen. Hierdurch verschwanden vor allem artenreiche Grünländer, Orchideenwiesen sowie kleine Trockenrasen- und Heideflächen.

Weitere Auswirkungen auf die Artenzusammensetzungen haben die Verengung der Fruchtfolge, Fruchtfolgen mit über 50 Prozent Maisanbau, gestiegener Düngemittel- und Pestizideinsatz, Anbau von Hochleistungssorten sowie eine verstärkte Entwässerung.

Da Herbizide fast flächendeckend eingesetzt werden, sind blütenreiche Äcker oder Grünländer kaum noch vorhanden. Der Rückgang der Ackerbegleitflora hat gravierende Auswirkungen auf blütenbesuchende Insekten wie Schmetterlinge oder Wildbienen. In vielen Bereichen kommen in der Agrarlandschaft nur noch Löwenzahn und Raps als Trachtpflanzen vor. Nach deren Blütezeit bricht das Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten zusammen. So gibt es in der intensiv genutzten Landschaft kaum noch Rückzugsmöglichkeiten zumal auch die Feld- und Wegraine sowie die Knicksäume durch Eutrophierung und Herbizideintrag beeinträchtigt werden.

Einen Eindruck einer wenig intensiv genutzten Agrarlandschaft sowie der hier lebenden Tiere und Pflanzen vermitteln die Flächen, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaues bewirtschaftet werden. Vor allem die leichten sandigen Böden auf der Geest haben ein hohes naturschutzfachliches Potenzial hinsichtlich des Vorkommens artenreicher Acker- und Grünlandlebensräume.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: Aufgrund der hohen Ertragsfähigkeit der Böden und der hohen Bedeutung der Landwirtschaft für die Produktion von Lebensmitteln wird das Land auch zukünftig von Agrarlandschaften geprägt sein. Es wird jedoch erforderlich sein, die von vielen Seiten beklagten negativen Auswirkungen auf die Umwelt nachhaltig einzudämmen.

Die Hauptbelastungsursachen im stofflichen Bereich sind Pestizid- und Düngemitteleinsatz, unabhängig davon, ob es sich um Gülle, Gärreste oder Mineraldünger handelt.

Eine kurzfristige Änderung der bisherigen Intensivierungstendenzen in der Landwirtschaft ist jedoch nicht zu erwarten, so dass auch die oben geschilderten negativen Entwicklungen hinsichtlich des Rückganges der Artenvielfalt und der Belastung von Böden und Grundwasser anhalten werden.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • Dauergrünland, gegrüpptes Grünland
  • Knicks / Knicksysteme, §§
  • Feldraine, Kleingewässer / Tümpel
  • Naturnahe Fließgewässer / Bäche, §§
  • ungenutzte Gewässerränder
  • Brachflächen

Arten:

  • Kammolch, II, U1
  • Rotbauchunke, II, k: U1
  • Braunkehlchen, I
  • Feldlerche, I, RL 3
  • Gartengrasmücke, I
  • Gelbspötter, I
  • Neuntöter, I, RL V
  • Rebhuhn, I, RL V
  • Wiesenweihe, I, s, RL 2

1.1.10. Siedlungslebensräume

Wesentliche Lebensraum-/ Biotoptypen: Gärten, Streuobstwiesen, (historische) Parkanlagen/ Grünanlagen, Kleingartenanlagen, (strukturreiche) Friedhöfe, Brachflächen / Ruderalfluren, Gebüsche/ Hecken; Baumreihen und Alleen an Straßen

Zustand: Die wachsenden Siedlungsbereiche verdrängen einerseits Arten der offenen Landschaft, da ihnen ihr natürlicher Lebensraum genommen wird, anderseits gibt es viele Arten, die die Siedlungsbereiche als Nische für sich entdeckt haben. In Siedlungshabitaten sind oft mehr Arten anzutreffen, als in einem naturnahen Lebensraum vergleichbarer Größe. Diese Situation ist darauf zurückzuführen, dass in den Dörfern und Städten in Gärten und Parks zahlreiche Überreste von Wäldern, Auen, Hecken, Wiesen, Äckern und Brachen einstiger Dorffluren erhalten geblieben sind.

Neben diesen naturnahen Landschaftselementen bieten Gebäude künstliche Strukturen, die zum Beispiel von Vogelarten der Felsstandorte oder Höhlenbewohnern wie Fledermäusen besiedelt werden. Geeignete Lebensräume sind für diese Arten aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten in Schleswig-Holstein nicht oder nicht in diesem Umfang vorhanden gewesen.

Auch Einzelgehöfte mit ihren Stallungen und Scheunen, Einzelbäumen und Gartenanlagen können zur Bereicherung der Landschaft beitragen und einen Lebensraum für viele Arten bieten. Aufgrund der intensiven Nutzung der Agrarlandschaft finden viele der ursprünglich hier vorkommende Arten in durchgrünten, extensiver genutzten und weniger mit Pestiziden und Dünger belasteten Siedlungsbereichen einen besseren Lebensraum vor als in der freien Landschaft.

Insgesamt ist die Zahl unterschiedlicher Strukturen, die von Tieren und Pflanzen besiedelt werden können in gehölzreichen, älteren Siedlungsbereichen größer als in agrarisch genutzten oder zum Teil auch in naturnahen Lebensräumen. Dies spiegelt sich in einer großen Zahl hier vorkommender Arten wider, wobei es Unterschiede zwischen städtischen und dörflichen Lebensräumen gibt.

Aufgrund des höheren Versiegelungsgrades in Stadtzentren sind naturnähere Strukturen hier in erster Linie in Parks oder auf Friedhöfen zu finden. Auch unversiegelte Verkehrsanlagen wie zum Beispiel Bahn- und Hafenanlagen oder Straßenböschungen werden von zum Teil sehr charakteristischen Wildpflanzen besiedelt.

Prognose/ Beurteilung des zu erwartenden Zustandes: Trotz leicht zurückgehender Bevölkerungszahlen nimmt die individuell genutzte Wohnfläche zu, so dass Siedlungslebensräume weiterhin an Fläche zunehmen werden. Im Planungsraum nahm die Versiegelung im Zeitraum von 1992 bis 2013 von 9,3 Prozent auf 11,7 Prozent zu. Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach vor allem im Umfeld der größeren Städte Kiel, Rendsburg und Neumünster fortsetzen. Auch im Bereich der Autobahnausfahrten können sich kleinere Gewerbegebiete entwickeln.

Durch Bemühungen, die Zersiedlung der Landschaft zu stoppen, kommt es immer häufiger zum Schluss von innerörtlichen Baulücken. Durch die hohen Preise für Bauland werden die Grundstücke kleiner und es kommt immer häufiger zur Bebauung von Gärten. Diese Entwicklung führt zu einer starken Gefährdung der Artenvielfalt im Siedlungsraum.

Andererseits werden auch klimatische und gesundheitliche Wirkungen von Grünflächen in den letzten Jahren immer stärker berücksichtigt. Grünflächen beeinflussen das Klima positiv durch Anheben der relativen Luftfeuchtigkeit, Absorption von Kohlendioxid, Anreicherung der Luft mit Sauerstoff, Ausfiltern von Schadstoffen und Staub oder dem Ausgleich von Temperaturschwankungen in der Stadt. Daher wird dem Schutz örtlicher Grünflächen auch verstärkt Rechnung getragen.

Im dörflichen Bereich kommt es durch Aufgabe von Nutzgärten bzw. deren Umwandlung zu pflegeleichten Rasenflächen zu einer Abnahme von Strukturen. Der Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe sowie die verbesserten Methoden zur Lagerung und Weiterverarbeitung der Ernte führen dazu, dass sich das Nahrungsangebot für Mäuse und körnerfressende Vögel wie Haussperlinge verringert und die Bestände zurückgehen. Hierunter leiden zum Beispiel auch Schleiereulen als typische Brutvögel von Bauernhöfen. Die Bekämpfung von Fliegen und Mücken in den Ställen sowie die Befestigung lehmiger Böden führen zudem zu einem Rückgang von Schwalben.

Besonderes Handlungserfordernis besteht für:

Lebensräume/ Biotope:

  • Streuobstwiesen, Obstbaumgruppen, Gebüsche/ Gehölze/ Hecken mit überwiegend autochthonen Arten
  • Brachflächen/ Ruderalflächen/ Rohböden
  • Baumreihen und Alleen
  • Kleingewässer
  • Mauern/ Ruinen, kaum genutzte Keller/ Gewölbe, Ställe, Dachböden

Arten:

  • Breitflügelfledermaus, IV, U1
  • Zwergfledermaus, IV, U1
  • Feldsperling
  • Gartenrotschwanz
  • Hausrotschwanz
  • Mauersegler
  • Mehlschwalbe
  • Rauchschwalbe
  • Schleiereule
  • Turmfalke
  • Wanderfalke