Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

5.4. Forstwirtschaft

Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis zur Bewirtschaftung des Waldes sind in § 5 Absatz 3 BNatSchG festgeschrieben und basierend auf § 3 LNatSchG in Verbindung mit § 5 LWaldG konkretisiert worden Nach § 5 Absatz 3 BNatSchG ist bei der forstlichen Nutzung des Waldes das Ziel zu verfolgen, naturnahe Wälder aufzubauen und diese nachhaltig zu bewirtschaften.

Die Bewirtschaftung des Waldes gemäß § 5 Absatz 2 des LWaldG hat nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis zu erfolgen:

  1. Langfristigkeit der forstlichen Produktion und Sicherung einer nachhaltigen Holzerzeugung;
  2. Erhaltung der Waldökosysteme als Lebensraum einer artenreichen heimischen Pflanzen- und Tierwelt;
  3. Aufbau naturnaher, standortgerechter Wälder mit hinreichendem Anteil standortheimischer Baumarten unter Ausnutzung geeigneter Naturverjüngung und Verwendung geeigneten forstlichen Vermehrungsgutes bei Erhaltung der genetischen Vielfalt;
  4. bedarfsgerechte Walderschließung unter größtmöglicher Schonung von Landschaft, Waldboden und –bestand;
  5. Anwendung von bestands- und –bodenschonenden Techniken, insbesondere bei Verjüngungsmaßnahmen, Holznutzung und –transport;
  6. Nutzung der Möglichkeiten des integrierten Pflanzenschutzes unter weitest gehendem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel;
  7. Verzicht auf Einbringung gentechnisch modifizierter Organismen im Wald;
  8. Anpassung der Wilddichten an die natürliche Biotopkapazität der Waldökosysteme.

Schleswig-Holstein hat als eines der ersten Bundesländer 2016 das naturschutzpolitische Ziel erreicht, zehn Prozent seiner öffentlichen Waldfläche als Naturwald auszuweisen. Den maßgeblichen Flächenanteil tragen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) mit rund 4.835 Hektar Naturwald sowie die Stiftung Naturschutz bei. Damit ist Schleswig-Holstein vorbildlich bei der Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie, die vorsieht, zehn Prozent der Wälder in öffentlicher Hand einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Die damit erreichte Naturwaldbilanz setzt gleichzeitig auch das Ziel um, über alle Waldbesitzerarten einen Anteil von fünf Prozent der Waldfläche zu sichern. Naturwald ist Wald, der unter Verzicht auf Bewirtschaftungsmaßnahmen sich selbst überlassen bleibt. Hauptzielsetzung ist eine Sicherung der landestypischen Waldbiotopkomplexe in ihren regionalen Ausprägungen. Dabei geht es sowohl um die besonders wertvollen Alters- und Zerfallsphasen, als auch um jüngere Wälder und Sukzessionsflächen, die insgesamt im Rahmen der Nachhaltigkeit von Prozessschutzzielen wichtige Beiträge zur Erhöhung der Biodiversität leisten.

In mitteleuropäischen Urwäldern nahmen Alters- und Zerfallsphasen umfangreiche Flächenanteile ein. In bewirtschafteten Wäldern sind diese Phasen nur noch selten vertreten. Dieses hat zu einer Veränderung der heimischen Artenvielfalt geführt. Die Ausweisung der Naturwälder hat die Grundlage für einen zunehmenden Anteil von Alters- und Zerfallsphasen im Wald gelegt. Aber auch im vorherrschenden Wirtschaftswald sollen Bäume in verschiedenen Alters- und Zerfallsphasen kontinuierlich vertreten sein und die Naturwälder ergänzen und vernetzen.

Die SHLF haben hierzu mit Wirkung vom 01. Juni 2017 ein, die bisherigen Regelungen ersetzendes, Habitatbaumkonzept in Kraft gesetzt. Danach soll die Ausweisung von Habitatbäumen im Bereich der SHLF bis zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein. „Habitatbäume“ sind ausgewählte Bäume, die dauerhaft bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten bleiben. Sie sollen sich möglichst zahlreich zu strukturreichen Alt- und Uraltbäumen entwickeln. Bezogen auf die Anteilfläche der Altbestände werden herfür zehn Bäume je Hektar ausgewiesen. Eine entsprechende Aufwertung der kommunalen und privaten Wirtschaftswälder, insbesondere auch im Biotopverbund, soll diese Initiative unterstützen.

Rund zehn Prozent der Natura-2000-Fläche in Schleswig-Holstein stehen im Eigentum der SHLF. Das sind rund 34 Prozent der Gesamtfläche der SHLF, womit dieser eine besondere Verantwortung für den Erhalt und die Wiederherstellung günstiger Erhaltungszustände der Wälder in Schleswig-Holstein zukommt. Dem Wiederherstellungs- und Erhaltungsziel dienen die Handlungsgrundsätze für den Arten- und Lebensraumschutz zur Umsetzung von Natura 2000 in den SHLF. Die erste Fassung aus dem Jahr 2008 wurde 2016 fortgeschrieben. Bei der Einhaltung der Handlungsgrundsätze und der darauf aufbauenden Managementpläne gehen MELUND, LLUR und SHLF von einer FFH-Verträglichkeit der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen aus.

Durch die Handlungsgrundsätze und die daraus abzuleitenden Maßnahmen soll:

  • der Schutz und Entwicklung der typischen Lebensgemeinschaften,
  • die Förderung der dynamischen Prozesse und Zulassung von Alters- und Zerfallsphasen,
  • der Schutz seltener Individuen und Formen,
  • der nachhaltiger Bodenschutz und Erhaltung naturnaher Standorte und
  • die Regeneration der Böden und des natürlichen Wasserhaushaltes

gefördert werden.

Auf der Grundlage dieser Handlungsgrundsätze wird eine Leitlinie für die Umsetzung der Natura-2000-Ziele in Privatwäldern in Schleswig-Holstein erarbeitet. Sie wird allgemeine und spezielle Handlungsempfehlungen für die Bewirtschaftung von Privatwaldflächen umfassen. Soweit nicht rechtlich vorgegeben, sollen die Umsetzung von Maßnahmen an die Gewährung entsprechender finanzieller Ausgleichszahlungen gebunden werden können.

Die Landesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Waldanteil des Landes auf 12 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel kann aufgrund der bestehenden Flächenkonkurrenz zurzeit nur als Langzeitziel verfolgt werden. Der Erhöhung des Waldanteiles im Planungsraum ist vor diesem Hintergrund weiterhin eine große Bedeutung beizumessen.

Eine Neuwaldbildung, die alle Waldfunktionen unterstützt (integrierte Neuwaldbildung), soll stärker als bisher verfolgt werden. Ihre Möglichkeiten liegen insbesondere in der Verbindung des Waldes mit der Entwicklung von Natur und Landschaft, dem Gewässer- und Klimaschutz – in dieser Hinsicht kommt der Entwicklung von Au- und Bruchwäldern besondere Bedeutung zu – sowie der Verbesserung des Erholungswertes der Landschaft. Grundsätzlich sollen neue Waldflächen gleichrangig Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllen. Im Zusammenhang mit naturschutzrechtlich besonders geschützten Bereichen kann die Neuwaldbildung die Entwicklungsziele des Naturschutzes unterstützen oder als Pufferzone um diese besonders sensiblen Bereiche dienen. Neuwaldbildungen sollen auch dazu beitragen, die Waldflächenstruktur zu verbessern. Diesem Ziel dient auch die Neuwaldbildung im Rahmen der Ökokontoregelung.

Für die Erhöhung des Waldanteiles im Planungsraum müssen neben der Verbesserung der Waldflächenstruktur durch Verbindung und Vergrößerung vorhandener Waldflächen auch neue Waldflächen in der freien Landschaft begründet werden. Sie sollen aus ökonomischen und ökologischen Gründen deutlich über der derzeitigen durchschnittlichen Waldflächengröße liegen. Die Ausgangssituation hierfür ist regional unterschiedlich.

Aus Naturschutzsicht sind für eine Neuwaldbildung grundsätzlich geeignet:

  • Gebiete mit erosionsgefährdeten Böden, soweit sie keine besondere Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz haben sowie
  • landschaftlich wenig strukturierte und waldarme Räume.

Aus Naturschutzsicht sind für eine Neuwaldbildung nicht geeignet:

  • Bereiche an der Ostseeküste und in den Niederungen der Flüsse, in denen eine dauerhafte Schöpfwerksentwässerung erforderlich ist oder Entwässerungsgräben unterhalten werden müssen,
  • Dauergrünland, das für den Wiesenvogelschutz von besonderer Bedeutung ist,
  • Flächen mit einem Entwicklungspotenzial für Magerrasen und Trockenbiotope.

Die kommunale Landschaftsplanung in Schleswig-Holstein soll ermöglichen, den Waldanteil in den Städten und Gemeinde langfristig zu erhöhen. Dabei soll auch aufgezeigt werden, inwieweit die Neuwaldbildung in bestehende und geplante Flächennutzungen integriert werden kann, um damit die angestrebten Zielsetzungen zu unterstützen. Auf diese Weise leistet die kommunale Landschaftsplanung einen Beitrag zur Erhöhung des Waldanteiles auf Landesebene.

Im Einklang mit der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt30 werden bei der Neubegründung von Wäldern vermehrt standortheimische Baumarten verwendet. Der Anteil nicht standortheimischer Baumarten reduziert sich kontinuierlich. Historische Waldnutzungsformen wie Mittel-, Nieder- und Hutewald mit ihrem hohen Naturschutz- und Erholungspotenzial werden weitergeführt und nach Möglichkeit ausgebaut.

Im Planungsraum sind Naturwälder gemäß § 14 LWaldG ausgewiesen, in denen jegliche forstliche Nutzung unterbleibt. Sie dienen einer ungestörten natürlichen Entwicklung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen, der Dauerbeobachtung von Waldlebensgemeinschaften, der Sicherung genetischer Information und der waldökologischen Forschung (siehe Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und -objekte).

5.5. Jagd

Die Jagd kann und soll mit ihren Möglichkeiten wirkungsvoll zur Erhaltung und Entwicklung einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt beitragen. Landschaftsökologische vertretbare Wildbestände sind hierfür eine wesentliche Voraussetzung. Eine dauerhafte Schädigung von Knicks ist auszuschließen. Hierfür ist in einigen Regionen Schleswig-Holsteins eine Reduzierung der Schalenwildbestände notwendig.

Bei der Erhaltung eines artenreichen Wildbestandes ist autochthonen Wildarten der Vorrang vor eingebürgerten Arten einzuräumen. Die Bejagung von Niederwild, außer Rehwild, soll sich am Vorkommen orientieren und Arten der Roten Liste sollen geschont werden. Auswilderungen von heimischen Niederwildarten sind nur zur Bestandserhaltung oder Wiedereinbürgerung und nicht zur baldigen Bejagung zulässig.

Die Lebensräume für die gesamte freilebende Tier- und Pflanzenwelt sind unter Mitwirkung der Jägerinnen und Jäger zu schützen und zu verbessern. Bei der Reviergestaltung sollen naturraumtypische Pflanzengesellschaften und Biotopstrukturen gefördert werden.

Reviereinrichtungen sind harmonisch in das Landschaftsbild einzubinden.

5.6. Fischerei

Die Küstenfischerei in der Ostsee ist weitgehend durch Gemeinschaftsrecht geregelt. Aufgabe der Gemeinsamen Fischereipolitik ist es, die Bestände zu schützen und die Fischerei nachhaltig zu gestalten. So sind für die meisten wirtschaftlich bedeutenden Arten Fangquoten und Anlandegebote eingeführt, in technischen Vorschriften werden unter anderen Schiffsgrößen, Maschenweiten und Mindestmaße geregelt.

Unabhängig hiervon ist insbesondere auf Entwicklungsmöglichkeiten in Form von Aquakulturanlagen hinzuweisen.

Konzeptionierung einer umweltverträglichen, marinen Aquakultur in schleswig-Holsteinischen Ostseeküstengewässern In der schleswig-holsteinischen Aquakulturstrategie wird unter anderem das grundsätzliche Potenzial der schleswig-Holsteinischen Ostseeküste für eine rein extraktive (Muschel- oder Algenzucht) oder integriert multi-trophische Aquakultur (IMTA, Kombination von Fischzucht mit extraktiven Komponenten) beschrieben. Rein extraktive bzw. nährstoffneutrale Aquakulturanlagen sind so konzipiert bzw. können so betrieben werden, dass es zu keiner Beeinträchtigungen von Küstengewässern und deren Lebensräumen durch Nährstoffemissionen kommen oder andere Wirkungen unterbleiben. Die schleswig-Holsteinischen Küstengewässer der Ostsee bieten grundsätzlich naturräumliche Potenziale für die Entwicklung einer Aquakultur. Potenzielle Räume für Aquakultur, die nicht in Natura-2000 Gebieten liegen, befinden sich im Planungsraum II in der Kieler Förde, der Eckernförder Bucht sowie in der Ostsee vor Schwansen. Bei der Planung eines Aquakulturvorhabens müssen im Einzelfall Untersuchungen zu den maßgeblichen Parametern am konkreten Standort ebenso durchgeführt werden wie die Berücksichtigung des Arten- und Biotopschutzes sowie der Eingriffsregelung, wobei entsprechende Vermeidungs-, Minimierungs- und Ausgleichsmaßnahmen standortspezifisch zu ermitteln und umzusetzen sind.