Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

2.1.1. Böden und Gesteine

Gemäß § 1 Absatz 3 Nummer 2 BNatSchG sind zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes insbesondere Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können.

Im Planungsraum sind Böden und Gesteine wie folgt ausgebildet.

2.1.1.1. Geologische Entwicklung und Gesteine

Der Planungsraum ist geologisch vielfältig strukturiert (Abbildung 3: Verbreitung der Gesteine). Zu nennen sind teilweise stark relieffierte, weichselkaltzeitlich geprägte Jungmoränenlandschaften im Östlichen Hügelland, weichselkaltzeitliche Abflussbereiche (Binnensander), die Vorgeest (Niedere Geest) sowie vorwiegend saalezeitlich geprägte, morphologisch meist eingeebnete Geestflächen der Altmoränenlandschaften (Hohe Geest). Örtlich kommen auch morphologisch markante Eisrandlagen der Saale-Kaltzeit vor. Marschenablagerungen sind im Planungsraum nur lokal vorhanden. Die Abbildung 4: Vereinfachter geologischer Zeitstrahl (stratigraphische Übersicht) für Schleswig-Holstein mit ausgewählten geologischen Lokalitäten) zeigt für Schleswig-Holstein eine vereinfachte geologische Zeittafel als stratigraphische Übersicht.

In das Jungmoränengebiet sind breite Schmelzwassertäler, Schürfbeckenbereiche und Binnensander eingeschnitten. Beispiele für diese Einschnitte sind der Niederungsbereich zwischen dem Westende der Eckernförder Bucht und der Schlei (Große Breite), das Tal der heutigen Eider südwestlich von Kiel, der Bereich Eider-Einfelder See, der Bereich der Schwentine im Abschnitt Rastorfer Kreuz-Preetz-Postsee/Lanker See-Nettelau-Stolper See und das Gebiet des Großen Plöner Sees. Diese breiten Niederungen sind überwiegend mit Schmelzwassersanden gefüllt, die während der Weichsel-Kaltzeit aufgeschüttet wurden. Die nordwestliche Begrenzung des Planungsraumes wird zum großen Teil durch das polygenetisch, als Gletscherschürfbecken mit zwischengeschalteten Tunneltalbereichen, entstandene Tal der heutigen Schlei gebildet. Eine geologische Besonderheit ist im betrachteten Planungsraum auch das Gebiet westlich bis südwestlich der Eckernförder Bucht, in dem idealtypisch ausgeprägte Stauchmoränen mit den zugehörigen Ausschürfungsbereichen vorkommen (Duvenstedter Berge und Wittensee, Hüttener Berge). Am östlichen Rand des Planungsraumes liegt der Bereich des Bungsberges als höchste Erhebung in Schleswig-Holstein. Die mächtige, rundliche Moränenform des Bungsberges ragte während der Weichsel-Kaltzeit zeitweise über die Oberfläche des Inlandeises heraus (Nunatak), war aber in anderen Phasen auch vollständig vom weichselkaltzeitlichen Inlandeis bedeckt. An der Ostseeküste sind teilweise überdünte Strandwälle vorhanden, in kleineren lagunären Bereichen treten feinkörnige Ablagerungen und Niedermoore auf.

Abbildung 4: Vereinfachter geologischer Zeitstrahl (stratigraphische Übersicht) für Schleswig-Holstein mit ausgewählten geologischen Lokalitäten (LLUR, Abteilung Geologie und Boden).

Die Grenze der Weichselvereisung verläuft im Planungsraum etwa entlang einer Linie, die vom östlichen Stadtrand von Neumünster über Nortorf, den östlichen Stadtrand von Rendsburg bis in den Bereich um Brekendorf führt.

Westlich schließen sich an die Jungmoränenlandschaften die Sanderflächen der Vorgeest an, die auf einer Breite von mehreren Kilometern flächenhaft ausgebildet sind. Die Sanderflächen werden lokal durch aufragende, ältere Höhenrücken aus der Saale-Kaltzeit durchbrochen. Im Bereich Nortorf sind die Weichselgletscher weiter nach Westen vorgedrungen, so dass hier nur ein sehr schmaler Streifen aus Schmelzwassersanden ausgebildet ist.

Weite Teile des südlichen und westlichen Planungsraumes werden von den morphologisch meist weniger bewegten, saalezeitlich geprägten Geestflächen der Altmoränenlandschaften eingenommen. Örtlich vorkommende markante Eisrandlagen, wie zum Beispiel bei Nindorf-Hohenwestedt oder im Aukrug, stammen oft von jungsaalezeitlichen Gletschervorstößen und sind meist sehr heterogen aufgebaut.

Nach dem Eisrückzug kam es im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs der Nordsee zur Auffüllung der elb- und meernahen Bereiche mit jungen Meeressedimenten. Entlang der unteren Eider wurden kleinräumig brackige Marschsedimente der Nordsee abgelagert. Die großen Talbereiche zeigen eine Vermoorung, wobei auf den Niedermooren teilweise flächenhaft Hochmoore aufgewachsen sind. Großflächige und häufig zusammenhängende

Moore sind beispielsweise in den Tälern von Eider und Treene, im Königsmoor, im Hartshoper Moor sowie im Bargstedter Moor entwickelt.

Weitere Hinweise und Informationen

Auskunft über die Verbreitung der geologischen Einheiten und Gesteine geben Geologische Karten verschiedener Maßstäbe, die vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holstein vertrieben werden. Auf der Internetsite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung ist zudem eine Übersicht über die für Schleswig-Holstein verfügbaren Geologischen Karten im Maßstab 1: 25.000 einsehbar.

2.1.1.2. Böden, Geotope und Archivböden

Der Boden ist unverzichtbare Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Im Planungsraum kommen Böden mit sehr unterschiedlichen Merkmalen, Ausprägungen, Eigenschaften und damit verbundenen natürlichen Funktionen, Nutzungs- und Archivfunktionen vor. Im Ergebnis der sich im Kontaktbereich von Luft, Wasser und Gestein vollziehenden Bodenentwicklung bilden sich die so genannten Bodentypen heraus (siehe Abbildung 5: Verbreitung der Böden).

Bodentypen sind das Ergebnis von Prozessen, die auf den Boden einwirken. Wichtige Prozesse der Bodenbildung sind zum Beispiel die Humusanreicherung an der Oberfläche, die Entkalkung der Böden mit dem Sickerwasser sowie die chemische und physikalische Verwitterung der Minerale. Die Bodenentwicklung vollzieht sich in der Regel in horizontal angeordneten Lagen, den Bodenhorizonten. Die Benennung der Bodentypen richtet sich nach der Art des Wassereinflusses (zum Beispiel Grund- und Stauwasserböden), nach dem Vorhandensein von Kalk in den oberen Bodenhorizonten (zum Beispiel Kalkmarsch), nach Merkmalen der Verwitterung, Mineralneubildung und verlagerung im Bodenprofil (zum Beispiel Braunerde und Podsol) oder nach der Menge an organischer Substanz im Boden (zum Beispiel Anmoorgley und Moore).

Im Planungsraum haben sich in der Nacheiszeit in sandigen Ablagerungen hauptsächlich Braunerden und Podsole entwickelt, während in den lehmigen und tonigen Ablagerungen Parabraunerden und Pseudogleye dominieren. In den Flusstälern sind Auenböden und Gleye ausgebildet. In der Eiderniederung kommen landeinwärts bis Rendsburg Marschböden unterschiedlicher Ausprägung vor. Nieder- und Hochmoore finden sich in den Bereichen, in denen es aufgrund entsprechender Wasserzufuhr zu Torfwachstum kommen konnte. Weite, aber stets kleinräumige Verbreitung finden auch Kolluvisole. Pararendzinen und Regosole kommen vor allem in den Siedlungsgebieten und auf Flächen mit Bodenauf- bzw. -abträgen vor. In der Natur gibt es vielfältige Übergänge zwischen den genannten Bodentypen, so dass die Struktur der Bodendecke in der Regel eine breite Vielfalt aufweist.

Mit den genannten Bodentypen und Substraten sind bestimmte Eigenschaften der Böden hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit und ihrer Funktionen im Naturhaushalt verbunden (siehe Erläuterungen, Kapitel 2.2: Bodenfunktionen). So eignen sich beispielsweise die im Östlichen Hügelland weit verbreiteten lehmigen Parabraunerden aus Geschiebelehm, aufgrund ihrer guten Wasserhaltekraft und guten Nährstoffverfügbarkeit, besser für den Getreideanbau als sandigere Standorte mit nährstoffarmen Podsolen, wie sie auf der Geest verbreitet vorkommen. Auf grundwassernahen, nassen Böden (beispielsweise Gleye und Moore) entwickeln sich vollkommen andere Lebensräume als auf den trockenen sandigen Böden der Dünen (zum Beispiel. Regosole und Podsole). Auch die Filterfunktion der Böden für das Grundwasser ist von den Bodeneigenschaften abhängig. Grobkörnige, humusarme Braunerden tragen beispielsweise zwar zu einer hohen Grundwasserneubildung bei, können das Sickerwasser jedoch nicht so gründlich filtern wie lehmige Parabraunerden. Schließlich erfüllen Böden auf verschiedene Art und Weise Funktionen als Archive der Natur- und Kulturgeschichte (siehe Archivböden). So ist zum Beispiel der Schwarz-/Weißtorfkontakt in Hochmooren ein Zeugnis veränderter Klimabedingungen in der Nacheiszeit.

Weitere Hinweise und Informationen

Die wichtigsten Bodentypen des Landes werden in der Broschüre „Die Böden Schleswig-Holsteins“ vorgestellt (http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/geologie/boden_sh.pdf).

Auskunft über die Bodenverbreitung geben Bodenkarten verschiedener Maßstäbe, die vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holstein vertrieben werden. Darüber hinaus werden im Umweltatlas des Landes Schleswig-Holstein unter anderem Bodenkarten und Metadaten angeboten. Auf der Internetseite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung ist zudem eine Übersicht über die für Schleswig-Holstein verfügbaren Bodenkarten im Maßstab 1:25.000 einsehbar.

Bodenfunktionen

Böden nehmen an der Schnittstelle zwischen Atmosphäre, Gewässer, Gestein, Pflanzen und Tieren vielfältige Funktionen wahr. Diese betreffen sowohl den Naturhaushalt als auch die Nutzung durch den Menschen. Sie sind die Lebensgrundlage für Menschen, Pflanzen und Tiere. Böden beheimaten etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und sie sind nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde. Sie sind somit auch ein Schlüsselelement für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz des Klimas.

Böden stellen jedoch eine begrenzte Ressource dar und auch in Schleswig-Holstein nimmt der Nutzungsdruck aufgrund wachsender Siedlungs- und Verkehrsflächen (siehe Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume), durch Rohstoffabbau (siehe Kapitel 2.2.6: Rohstoffgewinnung), aber auch durch Landwirtschaft (siehe Kapitel 2.2.2: Landwirtschaft) und die Energiewende (siehe Kapitel 2.2.8.1: Energie) stetig zu.

Im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) sind die einzelnen Bodenfunktionen als Schutzgut benannt. Hierbei wird zwischen den natürlichen Bodenfunktionen, den Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte sowie den Nutzungsfunktionen unterschieden (siehe Erläuterungen Tabelle 12 Ausgewählte Bodenfunktionen mit besonderer Bedeutung für Schleswig-Holstein sowie deren Darstellung im Landwirtschafts- und Umweltatlas).

Die bei den Erläuterungen unter Kapitel 2.2: Bodenfunktionen dargelegten Ausführungen zu den einzelnen Bewertungskarten geben Auskunft über die Bedeutung des bewerteten Kriteriums im Hinblick auf die jeweilige Bodenteilfunktion und erläutern regionale Ausprägungen der Böden. Die in landesweiten, hochauflösenden Kartendarstellungen vorliegenden Bewertungsergebnisse wurden für die vorliegende Darstellung im Maßstab 1:250.000 auf der Grundlage der Bodenschätzung und der bodenkundlichen Landesaufnahme stark generalisiert.

Weitere Hinweise und Informationen

Weitere Hinweise und Informationen zu den Verfahren der Bodenfunktionsbewertung und entsprechende hochauflösende Kartendarstellungen sind im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) unter der Rubrik „Boden“ „Bodenbewertung“ enthalten.

Stoffliche Bodenbelastung

Böden weisen in Abhängigkeit vom Ausgangsmaterial, der Bodenbildung und dem anthropogenen Einfluss entsprechend typische Stoffgehalte auf. Dabei sind die anorganischen Stoffe (unter anderen Metalle) überwiegend auf das Ausgangsmaterial der Bodenbildung- und organische Schadstoffe nahezu ausschließlich auf die menschlichen Aktivitäten zurückzuführen. Daten zur typischen Belastungssituation der Böden werden seit Anfang 1990 erhoben und im Bodenbelastungskataster Schleswig-Holstein (BBKSH) zusammengeführt

Auswertungen zeigen, dass die Schadstoffgehalte in den Böden Schleswig-Holsteins landesweit im Vergleich zu den in der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) genannten Werten und Anforderungen als eher gering einzustufen sind. Zu den Bereichen mit höheren Stoffgehalten zählen im Planungsraum II:

  • Ehemalige und aktuelle Überflutungsgebiete insbesondere der Stör und der Schwale,
  • Siedlungsbereiche sowie die Umgebung von Großstädten und großen Infrastruktureinrichtungen und
  • Regionen in der Nähe größerer Emittenten.

Weitere Hinweise und Informationen

Der Bericht „Hintergrundwerte stofflich gering beeinflusster Böden Schleswig-Holsteins“ ist auf der Internetseite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung (https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/Downloads/Hintergrundwerte.pdf?blob=publicationFile&v=2 ) veröffentlicht. Die Karten dieses Berichts stehen im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) unter der Rubrik „Boden“ „Bodenzustand“ „Hintergrundwerte“ zur Verfügung.

Bei Vorhaben, die mit Eingriffen in den Boden sowie Auf- und Umlagerungen von Bodenmaterial verbunden sind, sind die Vorgaben des § 6 BBodSchG und des § 12 BBodSchV zu berücksichtigen. Fachliche Hinweise zu den Anforderungen an das Aufbringen und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden enthalten die „Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV“ der Bund/ Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) und das Informationsblatt „Verwendung von torfhaltigen Materialien aus Sicht des Bodenschutzes“. Beide Unterlagen sind unter dem Thema Boden auf den Internetseiten der Landesregierung (https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/boden.html;jsessionid=2906648B429344411CA44FE21456D51C#doc1921234bodyText1 ) abrufbar.

Der Leitfaden Bodenschutz bei Gewässerrenaturierungsmaßnahmen ist im Internet unter https://www.schleswig-hostein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/Downloads/leitfadenBodenschutz.pdf;jsessionid=2B231582A0FEA76C9C9EFDA75E353B6C?__blob=publicationFile&v=2 einsehbar.

Erosionsgefährdete Böden (Wind, Wasser)

Als Bodenerosion wird der Abtrag von Bodenmaterial durch Wind oder Wasser bezeichnet. Dabei wird wertvoller humoser Oberboden abgetragen. Wichtige Bodenfunktionen sowie die Bodenfruchtbarkeit werden hierdurch beeinträchtigt. Aufgabe eines vorsorgenden Bodenschutzes ist die Vermeidung von Beeinträchtigungen des Bodens und von schädlichen Bodenveränderungen.

Winderosion

Böden, deren Oberboden ausgetrocknet, und unbedeckt ist und denen ein Windschutz wie beispielsweise Knicks und Baumgruppen fehlen, sind besonders durch Winderosion gefährdet. Die Erosionsgefährdungsabschätzung durch Wind erfolgt nach DIN 19706 (2004-05). Eingangsgrößen, die das Ausmaß der Winderosion am stärksten beeinflussen, sind die Erodierbarkeit des Bodens (Bodenart), die Windgeschwindigkeit und -richtung sowie gegebenenfalls die Schutzwirkung von Windhindernissen. Das Verteilungsmuster der Winderosionsgefährdung in den Erläuterungen, Kapitel 2.1: Böden, Abbildung 3: Winderosionsgefährdung, ist stark durch die Erodierbarkeit des Oberbodens geprägt. Die Oberböden des Östlichen Hügellandes bestehen - mit Ausnahme des Westrandes - meist aus lehmigen Sanden bis sandigen Lehmen, deren Erodierbarkeit kleinräumig stark wechselt, wobei Bereiche mittlerer bis sehr geringer Gefährdungsstufen und solche ohne Gefährdung auftreten. Die Erosionsgefährdung nimmt dabei tendenziell von Nordwesten nach Südosten ab. Östlich und südlich von Kiel ist die Gefährdung des Bodens durch Winderosion auf großen Flächen vernachlässigbar. Am Westrand des Östlichen Hügellandes, in der Vorgeest und in den Altmoränenlandschaften wechselt die Erosionsgefährdung kleinräumig zwischen mittel und sehr hoch. Besonders in den westlichen und südwestlichen Geestbereichen des Planungsraumes treten gehäuft sehr hoch winderosionsgefährdete Gebiete auf. Die Erosionsgefährdung ist überall dort sehr hoch, wo bei vorhandenen Oberböden aus Reinsand ein Windschutz fehlt. Im Planungsraum tritt dies aber nur in einigen wenigen Gemeinden großflächig auf (siehe Abbildung 6: Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen). Die Oberböden der Flussmarschen an der Eider bestehen in der Regel aus gering bis sehr gering erodierbaren Schluffen und Tonen, so dass die Winderosionsgefährdung hier als sehr gering einzustufen ist.

Wassererosion

Bodenabtrag durch Wasser wird in Hanglagen durch oberflächlich abfließende Niederschläge und durch schmelzenden Schnee verursacht. Bei entsprechender Erosionsneigung sind auch nicht unerhebliche Bodenabträge durch eine unsachgemäße Ausbringung von Flüssigdüngern auf Schlägen mit fehlender Bodenbedeckung möglich. Schluffreiche, tonarme Böden mit wenig aggregiertem Oberboden sind erosionsanfälliger als Böden aus grobsandigen Ausgangsmaterialien. Auch Hanglagen begünstigen die Erosion. Die Einstufung der Böden nach dem Grad ihrer Erosionsgefährdung durch Wasser erfolgt nach DIN 19708 (2005-02). Kenngrößen zur Abschätzung sind die Bodenerodierbarkeit und die Hangneigung, welche neben dem Niederschlag das Ausmaß der Erosionsgefährdung am stärksten beeinflussen. Die Wassererosionsgefährdung auf landwirtschaftlich genutzten Böden kann zum Beispiel durch eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung, die Kulturartenwahl und die Bodenbearbeitung (Mulch-, Direktsaatverfahren, Untersaaten) sowie durch Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur verringert werden.

In der Karte der Wassererosionsgefährdung (siehe Erläuterungen; Kapitel 2.1: Böden, Abbildung 4: Wassererosionsgefährdung) ist diese naturräumliche Gliederung deutlich zu erkennen. Die Jungmoränenlandschaften des Östlichen Hügellandes weisen überwiegend ein deutlich bewegteres Relief mit entsprechend großen Hangneigungen auf. Hinzu kommt, dass hier die meisten Oberböden aus erosiven Bodenarten besteht. Daher ist die Erosionsgefährdung durch Wasser in den Jungmoränenlandschaften mit zumeist geringer bis mittlerer Stufe deutlich höher als im übrigen Planungsraum. In größeren zusammenhängenden und kleineren, inselhaft eingestreuten Flächen finden sich im Östlichen Hügelland sogar Gebiete mit einer hohen Wassererosionsgefährdung. Größere zusammenhängende Gebiete mit hoher Erosionsgefährdung kommen nördlich von Lütjenburg, im nördlichen Dänischen Wohld, im Raum Eckernförde und in einem etwa 15 Kilometer breiten Streifen vor, der sich im Süden ungefähr parallel der Linie A 210-Kiel - Bundesstraße 202 erstreckt. An den steilen Hängen der Hüttener Berge ist die Erosionsgefährdung durch Wasser sehr hoch. Die Böden der Vorgeest und im schwach reliefierten Teil der Altmoränenlandschaften weisen aufgrund ihrer Lage an nur sehr schwach geneigten Hängen eine geringe bis sehr geringe Erosionsgefährdung auf. Die Böden in den stärker reliefierten Teilen der Altmoränengeest südwestlich von Hanerau-Hademarschen und im Raum Hohenwestedt-Aukrug zeigen je nach Hanglage einen kleinräumigen Wechsel von geringer bis mittlerer, teilweise auch hoher Wassererosionsgefährdung. An der Eider und in den anderen Flussniederungen liegen die Böden häufig in völlig ebenem Gelände, so dass hier keine Erosionsgefährdung durch Wasser auftritt. Die Gemeinden des Planungsraumes, in denen mehr als 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen hoch und sehr hoch wassererosionsgefährdet sind, werden in Abbildung 6: Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen hervorgehoben.

Abbildung 6: Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, rot: mindestens 25 Prozent sehr hoch winderosionsgefährdet; blau: mindestens 25 Prozent hoch wassererosionsgefährdet (LLUR, Abteilung Geologie und Boden)

Weitere Hinweise und Informationen

Weitere Hinweise und Informationen zu den Verfahren der Bodenerosionsbewertung und -verdichtung sowie entsprechende hochauflösende Kartendarstellungen sind im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) unter der Rubrik „Boden“ „Bodenbewertung“ „Erosion“ bzw. zur Verdichtungsgefährdung unter der Rubrik „Boden“ „Bodenbewertung“ „Verdichtung“ enthalten. Hier können auf verschiedenen Maßstabsebenen von der landesweiten Übersicht bis zur teilflächenspezifischen Darstellung Informationen abgerufen werden.

Maßnahmen für die Ausführung des Bodenschutzes auf Linienbaustellen, insbesondere zur Vermeidung von Bodenschadverdichtungen, werden im „Leitfaden Bodenschutz auf Linienbaustellen“ behandelt.

Geotope

Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile und vermitteln Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens. Beckensedimente und Moore sind beispielsweise bedeutende Archive der Klimaentwicklung. An Geotope sind in der Vergangenheit wesentliche geowissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen worden, die zur Rekonstruktion der Erd- und Lebensgeschichte beigetragen haben. Aus pädagogischer Sicht sind Geotope lehrreiche Beispiele für das Entstehen und die Veränderung von Landschaften. Auch die touristische Bedeutung von Geotopen ist hervorzuheben. Nicht zuletzt können Geotope auch wichtige Lebensräume seltener oder bedrohter Pflanzen- und Tierarten darstellen. So sind beispielsweise Oser häufig typische Standorte für Organismen, die an trockene Lebensbedingungen angepasst sind.

Schutzwürdig sind grundsätzlich diejenigen Geotope, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. Sie können insbesondere dann, wenn sie gefährdet sind und vergleichbare Geotope zum Ausgleich nicht zur Verfügung stehen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen. Für die erdgeschichtliche Bedeutung eines Objektes im Sinne des Geotopschutzes kommt es dabei nur auf die geologischen Merkmale der unbelebten Natur an.

Die im Landschaftsrahmenplan dargestellte Geotopkulisse dokumentiert die Ergebnisse der landesweiten Bestandsaufnahme und Inventarisierung der im Planungsraum vorkommenden Geotope mit Stand 2014 (siehe Hauptkarte 3). Im Zuge der fortschreitenden geologischen Landesaufnahme findet die weitere fachliche Bearbeitung statt, die einerseits die Identifizierung und Inventarisierung von einzelnen Geotopen innerhalb größerer Geotop-Potenzialgebiete (siehe Kapitel 4.2.9: Geotope) und andererseits eine Bewertung der bisher inventarisierten Geotope nach einem bundesweit einheitlichen Schema2 beinhaltet.

Im Land gibt es bereits einige naturschutzrechtlich geschützte Geotope, von denen einige sogar bundesweit von Bedeutung sind (zum Beispiel die mit dem Prädikat „Nationaler Geotop“ ausgezeichneten Objekte Kalkgrube Lieth, Morsumkliff auf Sylt und Helgoland). Um für Raum- und Landschaftsplanung sowie für Planungs- und Zulassungsverfahren schon jetzt eine Bewertungsgrundlage bereitzustellen, werden die Geotope nach dem derzeitigen Arbeitsstand in zwei Kategorien unterteilt:

  1. Schutzwürdige Geotope:

Bei diesen Geotopen handelt es sich um fachlich gut abgegrenzte und meist kleinräumige Objekte mit einer grundsätzlichen Erhaltungswürdigkeit. Hierunter fallen unter anderem wertvolle erdgeschichtliche Aufschlüsse, die nicht beeinträchtigt werden sollen (siehe Hauptkarte 3).

  1. Geotop-Potenzialgebiete:

Als Geotop-Potenzialgebiete werden großflächige Geotope oder Geotopgruppen bezeichnet, bei denen die Erhaltung der generellen Morphologie im Vordergrund steht. Weitere Untersuchungen zur Abgrenzung konkreter Objekte (Geotope) stehen noch aus.

In den Erläuterungen, Tabelle 13: Geotope und Geotop-Potenzialgebiete und Kapitel 2.3: Geotope sind die nach Geotoparten differenzierten Geotope und Geotop-Potenzialgebiete des Planungsraumes entsprechend des derzeitigen Bearbeitungsstandes aufgeführt. Eine nach Geotoparten differenzierte

Übersicht der Geotop-Potenzialgebiete im Planungsraum findet sich in Abbildung 7. Über die Möglichkeiten einer Unterschutzstellung bzw. planungsrechtlichen Rang gibt Kapitel 4.2.9: Geotope Auskunft.

Abbildung 7: Geotop-Potenzialgebiete

Archivböden

Unter dem Begriff Archivboden werden Bodenbildungen verstanden, welche die Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte nach dem BBodSchG in besonderer Weise erfüllen.

Böden sind ein Produkt der auf sie einwirkenden Umweltfaktoren, einschließlich der anthropogenen Einflüsse und übernehmen demnach auch eine Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Um für Raum- und Landschaftsplanung sowie für Planungs- und Zulassungsverfahren eine Bewertung der Archivfunktionen vornehmen zu können, sind entsprechende Kriterien benannt worden:

  1. Bodenentwicklungen, in denen sich Prozesse und Phasen der Naturgeschichte in besonderer Art und Weise widerspiegeln,
  2. Bodenentwicklungen, die in ihrem landschaftlichen Zusammenhang und Wirkungsgefüge durch eine besondere Stoffverlagerung gekennzeichnet sind,
  3. Bodenentwicklungen, die für einen Landschaftsraum untypisch sind (seltene Böden) und
  4. Bodenentwicklungen, die Phasen, Ereignisse und Vorgänge der Kulturgeschichte repräsentieren.

Die Kriterien, die im später entwickelten Leitfaden der LABO3 zu Archivböden4 enthalten sind, decken sich zu weiten Teilen mit den oben genannten Kriterien, gehen aber stellenweise auch darüber hinaus. So gehören nach dem LABO-Leitfaden beispielsweise auch Paläoböden, Böden mit besonderen Periglazialerscheinungen und Böden mit hohem Dokumentationswert (Böden von Langzeit- Monitoringprogrammen) zu den Archivböden.

Im vorliegenden Landschaftsrahmenplan werden Böden aus besonderen Ausgangsmaterialien und Böden mit besonderen Periglazial- oder Glazialstrukturen, wie die in Aufschlüssen sichtbaren Paläoböden, den Geotopen zugerechnet. Fossile holozäne Bodenbildungen als Zeugen des nacheiszeitlichen Klimawandels oder Sedimentationsgeschehens werden hingegen als Archivböden behandelt. Bodenentwicklungen, die als pedogene Archive der Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte dienen (Kultosole), sind dem LABO Leitfaden nach solche, wo maßgebliche anthropogene Veränderungen des Profilaubaus oder der Geomorphologie durch direkte oder indirekte menschliche Einflüsse stattgefunden haben, und kann die Umgebung von archäologischen Fundstellen einschließen. Archivböden dieser Art sind hier nicht ausdrücklich berücksichtigt.

In den Erläuterungen, Kapitel 2.4: Archivböden und Tabelle 14: Archivböden im Planungsraum sind wichtige Archivböden des Planungsraumes mit Stand 2014 angeführt. Dabei ist zu beachten, dass die Auflistung dort nicht abschließend ist, so dass im Planungsraum durchaus weitere Archivböden auftreten können. In den Erläuterungen, Kapitel  2.4: Archivböden, Abbildung 12: Archivböden sind Archivboden-Potenzialflächen für die entsprechend benannten Archivbodentypen dargestellt.