Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

2.1.2. Gewässer

Wasser gehört zu den elementaren Lebensgrundlagen aller Organismen.

Gemäß § 1 Absatz 3 Nummer 3 BNatSchG sind Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre natürliche Selbstreinigungsfähigkeit und Dynamik ist zu erhalten.

Im Planungsraum finden sich je nach Lage unterschiedliche Vorkommen von Grundwasser (siehe Kapitel 2.1.2.1: Grundwasser) und Oberflächengewässer (siehe Kapitel 2.1.2.2: Oberflächengewässer). Letztere untergliedern sich in die Gewässerkategorien Fließgewässer, Seen (stehende Gewässer) und Küstengewässer (siehe Kapitel 2.1.3: Küstengewässer).

Der Schutz der Gewässer für die Trinkwassergewinnung sowie als Lebensraum für Pflanzen und Tiere hat insgesamt auf europäischer Ebene an Bedeutung gewonnen. Seit dem 22. Dezember 2000 setzt die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) neue Maßstäbe. Sie gilt für alle Gewässer Europas, das heißt für Oberflächengewässer, einschließlich der Übergangs- und Küstengewässer, sowie für das Grundwasser. Ziel ist die Verbesserung des Zustands der aquatischen Umwelt.

Die WRRL verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Gewässer im Geltungsbereich der Richtlinie in einen guten Zustand zu bringen, oder bei als erheblich verändert und künstlich eingestufte Wasserkörpern das gute ökologische Potenzial zu erreichen

Neben der WRRL ist auch die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie für den Planungsraum von Bedeutung. Auch diese hat die Erreichung und Bewahrung eines guten ökologischen Zustandes der Meeresumwelt zum Ziel (siehe Kapitel 1.2: Nationale und internationale Abkommen und Programme).

Weitergehende Ziele und Erfordernisse werden in den Kapiteln 4.1.8: Meeresschutz und 4.2.10: Gewässer aufgeführt. Auf § 21 Absatz 5 BNatSchG wird in diesem Zusammenhang ebenfalls hingewiesen (siehe Kapitel 4.1.1: Gebiete mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystemes).

2.1.2.1. Grundwasser

Das Grundwasser stellt in Schleswig-Holstein eine maßgebliche Lebensgrundlage der Daseinsvorsorge dar. 100 Prozent unseres Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gedeckt. Für Lebensmittel verarbeitende Betriebe stellt sauberes Grundwasser ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette dar. Die Industrie ist auf hochwertiges Prozesswasser angewiesen und in der Land- und Baumschulwirtschaft wird Grundwasser für Tränk- und Beregnungszwecke in großer Menge benötigt. Nicht zuletzt ist das Grundwasser eine bedeutende Wirkgröße im Naturhaushalt.

Grundwasser füllt unterhalb des wenige Dezimeter bis mehrere Meter tief liegenden Grundwasserspiegels zusammenhängend die Porenräume des geologischen Untergrundes aus. Der Untergrund Schleswig-Holsteins ist bis in einige 100 Meter Tiefe aus Lockergesteinen mit einem entsprechenden Porenraum aufgebaut. Der grobmaschige Porenraum in Sanden und Kiesen ist gut durchlässig für Wasser, während der feinmaschige Porenraum in Schluffen und Tonen nur eine geringe Durchlässigkeit gegenüber Wasser aufweist. Von Bedeutung für das Vorkommen von Grundwasser in Schleswig-Holstein sind die Lockergesteine des Quartärs und des Tertiärs, den beiden jüngsten Epochen der Erdgeschichte. Die Gesteinsabfolge besteht aus abwechselnd sandigen und tonigen Sedimenten, daraus resultiert ein Übereinander von gegeneinander abgegrenzten Grundwasserleitern, was zur Ausbildung von Grundwasserstockwerken führt. In der Regel sind in Schleswig-Holstein vier – von oben in die Tiefe gesehen - Grundwasserstockwerke ausgebildet:

  • Schmelzwassersande der Weichsel-Vereisung,
  • Schmelzwassersande der Saale-Vereisung,
  • Schmelzwassersande der Elster-Vereisung und/oder Sande des jüngsten Tertiärs (Pliozän),
  • Sande des oberen Tertiärs (Miozän, Braunkohlensande).

Die beiden oberen Grundwasserstockwerke werden durch Geschiebemergel als Überbleibsel der abgeschmolzenen Gletscher gegeneinander abgetrennt. Das dritte Grundwasserstockwerk an der Grenze von quartären zu tertiären Sedimenten kann von Geschiebemergel oder auch interglazialem Ton bedeckt werden. Die Basis ist ein tertiärer Ton. Das vierte Grundwasserstockwerk, die Braunkohlensande, wird vom tertiären Glimmerton eingeschlossen.

Das Grundwasser nimmt am natürlichen Wasserkreislauf teil und erneuert sich flächenhaft aus versickernden Niederschlägen. Die ungleiche Niederschlagsverteilung in Schleswig-Holstein, zwischen mehr als 900 Millimetern im westlichen Dithmarschen und weniger als 600 Millimetern auf Fehmarn, verursacht eine örtlich stark differenzierte Grundwasserneubildung.

Im Hinblick auf das natürliche Schutzpotenzial durch gering wasserdurchlässige Deckschichten sind die geologisch älteren, meist deutlich tiefer als 50 Meter liegenden Grundwasserleiter aus dem Tertiär, begünstigt. Diese sind durch (negative) anthropogene Einflüsse (beispielsweise Stoffeinträge) nicht oder nur in geringem Maße betroffen. Die ältesten Wasserleiter im Planungsraum bilden die im mittleren Tertiär (Zeitstufe Miozän) abgelagerten Braunkohlensande. Sie haben für das gesamte Bundesland eine große wasserwirtschaftliche Bedeutung. Ihre Verbreitung ist auf die Senkungsgebiete zwischen den sich etwa in Nord-Süd-Richtung erstreckenden unterirdischen Salzstrukturen beschränkt.

Östlich der Linie Aukrug – Nortorf - Gettorf sind die Braunkohlensande großenteils durch mächtige Glimmertone mit hoher Schutzfunktion für das Grundwasser bedeckt und durch einen Zwischenhorizont, den Hamburger Ton, in einen höheren (Obere Braunkohlensande) und einen tieferen Abschnitt (Untere Braunkohlensande) unterteilt. Zwischen Neumünster und Wankendorf sowie im Bereich Preetz - Kiel-Ost - Dänischer Wohld haben sich eiszeitliche Rinnensysteme (siehe unten) durch den Glimmerton hindurch bis in die Braunkohlensande eingeschnitten, Rinnensande und Braunkohlensande stehen hier im hydraulischen Kontakt und bilden ein gemeinsames Wasserleitersystem.

Überwiegend aus den Braunkohlensanden fördern die Wasserwerke Kiel-Pries und Krusendorf- und aus den Braunkohlensanden und angeschlossenen Wasserleitern die Wasserwerke Neumünster, Kiel-Schulensee und Krummbek. Im Raum Ascheberg Preetz ist das Grundwasser in den Braunkohlensanden versalzen. Westlich der vorgenannten Linie sind die Braunkohlensande tektonisch etwas höher herausgehoben, nur östlich und südlich von Rendsburg sind sie teilweise durch Glimmerton bedeckt. Der Hamburger Ton ist hier nicht ausgebildet, folglich sind die tertiären Sande nicht in Obere und Untere Braunkohlensande untergliedert. In den nicht durch Glimmerton abgedeckten Bereichen stehen tertiäre und eiszeitliche Sande in hydraulischem Kontakt. Trinkwasser wird aus diesem Abschnitt der Braunkohlensande in den Wasserwerken Rendsburg-Schwabe, Eckenförde-Nord und Kleinwaabs gefördert. Auch die Getränkeindustrie in Groß-Wittensee nutzt die Braunkohlensande.

Nutzbare Wasserleiter des jüngeren Tertiär (Zeitstufe Pliozän) stehen im Planungsraum oberhalb der Braunkohlensande nicht an. Ablagerungen des jüngsten erdgeschichtlichen Zeitabschnittes, des Quartär, bedecken flächenhaft den gesamten Planungsraum. Aufgrund ihrer Entstehung im Wechsel von Warm- und Kaltzeiten sind gut wasserdurchlässige Sande und Kiese mit gering wasserdurchlässigen Geschiebemergeln und Beckentonen auf engem Raum miteinander verzahnt.

Während der älteren Kaltzeiten haben die vorrückenden und bis über 300 Meter dicken Eismassen, tiefe Erosionsrinnen in das Tertiär eingeschnitten. Diese sind in den Abschmelzphasen und Warmzeiten mit Schmelzwassersanden, Geschiebemergel und Tonen wieder aufgefüllt worden und als „verschüttete Täler“ nur noch durch Bohrungen zu erkennen. Ihre zum Teil mächtigen Sandkörper bilden, oft im hydraulischen Kontakt zu den tertiären Braunkohlensanden, wasserwirtschaftlich bedeutende Grundwasserleiter. Schon aufgrund ihrer Tiefe, aber auch im Hinblick auf mächtige Überlagerungen durch gering wasserdurchlässige Sedimentschichten, sind die Grundwässer in den eiszeitlichen Rinnen meist gut vor Verunreinigungen geschützt. Wasserleiter dieses Typs werden von den Versorgern in Hohenwestedt, Nortorf-Bargstedt und Wankendorf genutzt.

Außerhalb der Rinnen unterschneidet die Basis der eiszeitlichen Ablagerungen selten 60 Meter unter Normalnull. Trotz starker Korngrößenänderungen in horizontaler und vertikaler Richtung können die Sedimente der jüngeren Kalt- und Warmzeiten mengenmäßig bedeutende Grundwasserspeicher sein. Aufgrund der geringen Tiefe und örtlich nur lückenhafter Bedeckung ist ihre Verschmutzungsempfindlichkeit insbesondere im westlichen Teil des Planungsraumes jedoch hoch. Viele Gewässer weisen bereits anthropogene Verunreinigungen auf. In den potenziell besonders gefährdeten Fassungsbereichen Rendsburg-Armensee, Eckernförde-Süd, Neumünster und Bordesholm wurden deshalb Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen (siehe Kapitel 4.2.11: Trinkwasserschutz- und -gewinnungsgebiete).

Etwas günstiger ist die Situation im östlichen Teil des Planungsraumes, dort bilden die Moränen der letzten Kaltzeit (Weichselkaltzeit) oft weitflächig verbreitete Deckschichten mit verminderter Wasserdurchlässigkeit und erhöhtem Schutzpotenzial für das Grundwasser. Hiervon ausgenommen sind die näheren Umgebungen der Wasserwerke Kiel-Schwentinetal und Plön, deren geringfügige bzw. fehlende Überdeckung mit gering wasserleitenden Schichten auch hier die Ausweisung von Wasserschutzgebieten erfordert. Die Bewertung im Jahr 2014 hat ergeben, dass landesweit 22 von 55 Grundwasserkörpern mit einer Fläche von 7.615 km2 einen schlechten chemischen Zustand aufweisen. In diesen Grundwasserkörpern treten Nitratgehalte von mehr als 50 mg/l auf, deren Ursache ganz überwiegend in der landwirtschaftlichen Flächennutzung zu sehen ist, die in Schleswig-Holstein einen Flächenanteil von rund 70 Prozent hat. Die Belastung tritt vor allem in den oberflächennahen Grundwasservorkommen im Bereich der Geest und Vorgeest auf, wo das Grundwasser keine oder nur geringmächtige Deckschichten aufweist. Die Verschmutzungsempfindlichkeit in diesen Bereichen ist sehr hoch, so dass Nutzungen in diesen Bereichen im Interesse eines flächendeckenden Grundwasserschutzes besonders grundwasserschonend erfolgen sollten.

Die Schutzwirkung der grundwasserüberdeckenden Schichten an der Oberfläche ist in Abbildung 8: Schutzwirkung der Deckschichten für das Grundwasser dargestellt.

Die Grundwasserressourcen der oberflächennahen quartären Schichten werden durch zahlreiche kleine Wasserwerke, Wassergenossenschaften und Einzelversorger genutzt. Aber auch größere Versorger sind mangels regionaler Alternativen auf die flachgründigen Wasserleitersysteme angewiesen. Beispiele hierfür sind die Wasserwerke Felde, Rumohr und Lütjenburg.

Weitergehende Informationen zur Situation der Grundwasserbeschaffenheit befinden sich in den entsprechenden Bewirtschaftungs- und Maßnahmenplänen zur Wasserrahmenrichtlinie (siehe Kapitel 4.2.10: Gewässer).

2.1.2.2. Oberflächengewässer

Die Landschaft Schleswig-Holsteins wird in weiten Teilen durch Oberflächengewässer geprägt. Zu diesen gehören Fließgewässer und Seen.

Fließgewässer

Die zum Planungsraum gehörenden Fließgewässer entwässern Einzugsgebiete, die über den Planungsraum hinausgehen, und münden in Nord- und Ostsee oder in die Elbe. Das Gewässernetz im Planungsraum hat insgesamt eine Länge von 5.570 Kilometern, davon gehören 1.230 Kilometer zum berichtspflichtigen Gewässernetz der Wasserrahmenrichtlinie (siehe Kapitel 2.1.2: Gewässer). Der Planungsraum ist gekennzeichnet durch mittlere bis kleine Gewässer, die in den Nord-Ostsee-Kanal oder in die Ostsee fließen.

Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurden die Fließgewässer des berichtspflichtigen Gewässernetzes bestimmten Fließgewässertypen zugeordnet.

Für Deutschland ergeben sich aus den genannten Faktoren 23 Fließgewässertypen. Zwei davon werden in weitere Subtypen untergliedert, so dass insgesamt 25 Typen unterschieden werden. Sie können vier Ökoregionen zugeordnet werden:

  • Alpen und Alpenvorland,
  • Mittelgebirge,
  • Norddeutsches Tiefland und
  • Ökoregion unabhängige Typen.

Der Planungsraum ist dem norddeutschen Tiefland zuzuordnen. Dieses wird zum weitaus größten Anteil von glazialen (Moränenaufschüttungen) und fluvioglazialen (Sander- und andere Schmelzwasseraufschüttungen) Ablagerungen der Kaltzeit überdeckt. Hierzu zählen:

Typ 14: Sandgeprägte Tieflandbäche,

Typ 15: Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse,

Typ 16: Kiesgeprägte Tieflandbäche,

Typ 17: Kiesgeprägte Tieflandflüsse,

Typ 18: Löss-lehmgeprägte Tieflandbäche,

Typ 20: Sandgeprägte Ströme,

Typ 22: Marschengewässer und

Typ 23: Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse.

Im Planungsraum dominieren in der Geest Niederungsfließgewässer sowie sandgeprägte Fließgewässer und im Östlichen Hügelland kiesgeprägte Fließgewässer und Niederungsfließgewässer.

Kiesgeprägte Gewässer sind diejenigen mit dem höchsten Gefälle im Planungsraum und relativ grobem Substrat. Im naturnahen Zustand verlaufen sie mäandrierend stark in Breite, Tiefe und Strömung. Sandgeprägte Gewässer haben ein etwas geringeres Gefälle. Im Vergleich zu den kiesgeprägten Gewässern haben sie ein feineres Sohlsubstrat. Sand- und kiesgeprägte Gewässer verliefen ursprünglich durch Wald und benötigen Ufergehölze zur Erhaltung ihrer Funktionsfähigkeit. Niederungsgewässer verlaufen durch breite Niederungen, die vorwiegend eiszeitlichen Ursprunges sind. Auch sie sollten in weiten Strecken durch Ufergehölze begleitet werden. Sie haben ein geringes Gefälle und fließen eher träge. Das Substrat ist fein und zum Teil organischen Ursprungs. Niederungsgewässer mäandrieren im natürlichen Zustand noch stärker als sand- und kiesgeprägte Gewässer.

Seen/ Stehende Gewässer

Die Landschaft des Planungsraumes ist vom Östlichen Hügelland und der Geest geprägt. Es finden sich hier 32 größere Seen (größer als 50 Hektar) mit einer Seefläche von zusammen 115 km². Die gesamte Fläche der knapp 200 stehenden Gewässer im Planungsraum umfasst etwa 135 km².

Der Landschaftsraum Geest ist relativ arm an Seen. Hier ist vor allem der huminstoffgeprägte Hohner See, der an das Königsmoor grenzt, zu nennen.

Der Landschaftsraum Östliches Hügelland ist natürlicherweise reich an größeren und tieferen Seen. Im Planungsraum liegt der größte und tiefste See des Landes, der Große Plöner See sowie weitere große (Selenter See, Wittensee, Westensee) und tiefe (Schluensee und Behler See) Seen. Die Region ist darüber hinaus durch die Seen der Schwentine (Kleiner Plöner See, Lanker See) und der alten Schwentine (Seenkette Bornhöveder See bis Postsee) geprägt. Eine Besonderheit sind die ursprünglich brackigen Strandseen in der Nähe der Ostsee wie zum Beispiel der Große Binnensee, das Windebyer Noor und der Hemmelmarker See. Einige der Seen sind inzwischen aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen (Siele) weitgehend ausgesüßt. Der Sehlendorfer Binnensee hingegen gehört zu den wenigen Strandseen mit einer offenen Verbindung zur Ostsee.

Im Planungsraum finden sich auch zahlreiche besonders schützenswerte, teils kleinere Seen mit landes- und bundesweiter Bedeutung wie der Bültsee südlich der Schlei, ein ehemals kalk- und nährstoffarmer Klarwassersee, der Große Schnaaper See bei Eckernförde oder der Grebiner See nördlich von Plön.

Aufgrund der Vielfalt der Landschaftsräume im Planungsraum variiert die Wassertiefe der verschiedenen Seen zwischen weniger als einem Meter und knapp 60 Metern (Großer Plöner See). Die Hälfte der 32 gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie berichtspflichtigen Seen ist tief und geschichtet und hat ein kleines Einzugsgebiet (Seentyp 13) bzw. ein großes Einzugsgebiet (Seentyp 10). Ein Drittel der Seen ist dem Seentyp 11 (kalkreicher, ungeschichteter Tieflandsee mit großem Einzugsgebiet) zuzuordnen.

Die berichtspflichtigen Seen werden gemäß EG-WRRL ökologisch und chemisch bewertet. Der Selenter See ist demnach der einzige größere See Schleswig-Holsteins, der zurzeit einen guten ökologischen Zustand aufweist.

Vorranggewässer

Von besonderer Bedeutung für den Gewässerschutz sind die Vorrang- Fließgewässer und die Vorrang- Seen. Hier werden drei Kategorien unterschieden:

  • Vorranggewässer der Kategorie A:

Gewässer, in denen alle Qualitätskomponenten den guten ökologischen Zustand erreichen sollen.

  • Vorranggewässer der Kategorie B:

Gewässer, in denen einzelne Qualitätskomponenten den guten ökologischen Zustand erreichen sollen.

  1. Vorranggewässer der Kategorie C:
  2. Gewässer mit Verbindungsfunktionen, an denen aus überregionaler Sicht die Durchgängigkeit hergestellt werden sollte.
  3. Seen, die aus naturschutzfachlicher Sicht besonders schutzwürdig sind.

Nachfolgend sind die wichtigsten Gewässersysteme des Planungsraumes aufgezählt:

Flussgebietseinheit Elbe (Vorranggewässer Kategorie A)

Zuläufe zum Nord-Ostsee-Kanal

  • Iselbek
  • Oberlauf Hanerau
  • Haalerau-System
  • Wisbek Oberlauf
  • Jevenau
  • Wehrau/Mühlenau
  • Obere Eider
  • Oberer Schierenseebach

Stör-System

  • Stör
  • Bünzau mit Nebengewässern und Quellbächen

Flussgebietseinheit Schlei/Trave (Vorranggewässer Kategorie A)

Ostseezuflüsse

  • Kronsbek
  • Hagener Au
  • Salzau
  • Mühlenau
  • Kossau (Vorranggewässer Kategorie A)
  • Schmiedenau/Nessendorfer Mühlenau
  • Schwentine
  • Alte Schwentine

In den angeführten Gewässern ist die Unterhaltung, wenn überhaupt nötig, schonend durchzuführen, um die Bestände von sensiblen Arten wie dem Edelkrebs (Hohenfelder Mühlenau, Salzau) und der kleinen Bachmuschel (Schwentine) nicht zu gefährden.

Vorranggewässer Seen

Zur Kategorie A der Vorrangseen gehören neben dem Selenter See mehrere relativ klare Seen bei Plön (Schluensee, Schöhsee, Stocksee, Suhrer See) sowie der Westensee und der Behler See.

Der Selenter See ist mit seiner großflächig sehr homogen und artenreich ausgebildeten Gewässervegetation aus vegetationskundlicher Sicht einer der bedeutendsten Seen Schleswig-Holsteins. Sein Planktonvorkommen ist mit gut zu bewerten.

Die tiefen Seen mit kleinem Einzugsgebiet Schluensee, Schöhsee, Stocksee und Suhrer See besitzen aktuell eine artenreiche Gewässervegetation mit landes- und bundesweit gefährdeten Arten und haben daher landesweite bzw. bundesweite Bedeutung. Ihr Plankton ist mit gut (Stocksee, Suhrer See, Schöhsee) bzw. mäßig (Schluensee) zu bewerten. Hervorzuheben ist, dass sich beim Schöhsee die große Dominanz der Wasserpest (Elodea nuttallii), die sich seit gut zehn Jahren im Gewässer ausbreitet und aktuell weite Teile des Ufers prägt, stark beeinträchtigend auswirkt. Dieser Neophyt hat stellenweise viele andere Wasserpflanzenarten verdrängt und scheint derzeit die Artenvielfalt der Gewässervegetation massiv zu bedrohen.

Der Westensee und der Behler See haben große Einzugsgebiete und sind natürlicherweise nährstoffreicher als die bisher genannten Seen. Beide Seen weisen als eutrophe Gewässer eine flächenhaft und typisch entwickelte, vergleichsweise artenreiche Gewässervegetation mit landes- und bundesweit gefährdeten Arten auf. Im Westensee trat allerdings der Neophyt Elodea nuttallii teilweise massiv auf. Aus vegetationskundlicher Sicht besitzen die Seen mittlere bis landesweite Bedeutung.

Zur Kategorie B gehören der Brahmsee und der benachbarte Wardersee. Aufgrund der artenarmen Gewässervegetation im Brahmsee und der mäßig artenreichen Besiedlung im Wardersee kommt beiden Seen aus vegetationskundlicher Sicht nur eine mittlere Bedeutung zu. Allerdings ist das Plankton beider Seen mit gut zu bewerten.

Zur Kategorie C gehören aufgrund ihrer Verbindungsfunktion die Schwentine-Seen Großer und Kleiner Plöner See und der Lanker See. Auch wenn die Seen voraussichtlich den guten ökologischen Zustand nicht zeitnah erreichen werden, sind Maßnahmen in Seenketten besonders effizient, weil sie sich auch auf die nachfolgenden Seen auswirken.

Bei den aus naturschutzfachlicher Sicht bedeutenden Seen handelt es sich um (zumeist kleine Seen), die als FFH Gebiet ausgewiesen wurden.

Bei allen genannten Seen sollten zur Stabilisierung bzw. Entlastung eine weitere Verringerung der Phosphoreinträge in die Seen angestrebt werden.

Die im Planungsraum ausgewiesenen Vorranggewässer sind der Hauptkarte 1 sowie der Abbildung 44: Vorranggewässer und Talräume nach Wasserrahmenrichtlinie in Kapitel 4.2.10: Gewässer zu entnehmen.

In der Flussgebietseinheit Schlei Trave müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 3.150 Tonnen und die Phosphoreinträge um 76 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (siehe Kapitel 4.2.10: Gewässer) in den Küstengewässer der Ostsee zu erreichen. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen (siehe Kapitel 4.2.11: Trinkwasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebiete).

In der Flussgebietseinheit Eider müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 1.450 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie in den Küstengewässern zu erreichen. Die Zielvorgaben für den Phosphoreintrag aus der Flussgebietseinheit Eider in die Nordsee werden aktuell erfüllt, für die Verbesserung des Zustands der Binnengewässer ist aber eine Minderung der Phosphoreinträge um etwa 80 Tonnen notwendig. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser, vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand, deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen.

In dem Teileinzugsgebiet der Elbe in Schleswig-Holstein müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 2.600 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie in den Küstengewässern der Nordsee zu erreichen. Die Zielvorgaben für den Phosphoreintrag aus dem schleswig-holsteinischen Teil der Flussgebietseinheit Elbe in die Nordsee werden aktuell erfüllt, für die Verbesserung des Zustands der Binnengewässer ist aber eine Minderung der Phosphoreinträge um etwa 60 Tonnen notwendig. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser, vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand, deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen.