Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

2.3. Geotope

Die Schutzwürdigkeit von Geotopen ergibt sich in Schleswig-Holstein vorrangig aus geomorphologischen und in Einzelfällen auch aus petrographisch-stratigraphischen, tektonischen oder paläontologischen Besonderheiten. Entsprechend lassen sich die in Schleswig-Holstein auftretenden Geotope folgenden genetischen Kategorien zuordnen:

  • glaziäre Formen wie Grund-, Seiten-, Rogen- und Jahresmoränen, die durch direkten Gletschereinfluss entstanden sind;
  • glazialtektonische Strukturen, die durch die stauchende Wirkung des Inlandeises entstandene Formen wie Falten, Überschiebungen und Boudinage beinhalten;
  • glazifluviatile Formen, bei denen es sich um durch die Schmelzwässer des Inlandeises gebildete Vollformen wie Oser, Kames, Sander und Terrassen oder um Hohlformen wie Urstromtäler und Tunneltäler handelt;
  • glazilimnische Formen wie Beckenablagerungen in Eisstauseen;
  • periglaziäre Formen wie in Frostbodenzeiten gebildete Pingos, Trockentäler, Solifluktionsböden, Eiskeilnetze und Steinsohlen;
  • fluviatile Formen, die als Kerb-, Mulden-, Trichter- und Spülmuldentäler sowie Mäander und Steilufer durch Flüsse gebildet wurden;
  • limnische Formen, die beispielsweise als Folge von Verlandungen in stehenden Gewässern gebildet wurden;
  • äolische Formen, die als Dünen, Flugsandbereiche und Deflationswannen durch Wind geschaffen wurden;
  • hydro(geo)logische Formen wie Nieder-, Übergangs-, Hoch und Quellmoore, Schwingrasen, Quellen oder Quellformen;
  • Karstformen wie Dolinen und Erdfälle, die durch die unterirdische Auflösung von Gesteinen entstanden sind;
  • marine Formen und Küstenformen wie Marschen und Wattlandschaften, Inversionsrücken, Kliffs und Strandwälle;
  • tektonische und salztektonische Formen, das heißt tiefengeologisch bedingte Strukturen wie Gräben und Kulissenfalten;
  • erdgeschichtliche Aufschlüsse des Paläozoikums (Rotliegend, Zechstein), des Mesozoikums (Buntsandstein, Kreide), des Tertiärs (Miozän), des Pleistozäns (zum Teil mit Paläoböden) und des Holozäns.

Holozäne Bodenbildungen als Archive der Natur- und Kulturgeschichte werden im Landschaftsrahmenplan zu den Archivböden (Kapitel 2.1.1.2: Böden, Geotope und Archivböden) gerechnet, die präholozänen Paläoböden hingegen zu den Geotopen.

In Tabelle 13: Geotope im Planungsraum sind die nach Geotoparten differenzierten Geotope und Geotop-Potentialgebiete des Planungsraumes entsprechend des derzeitigen Bearbeitungsstandes aufgeführt. Die räumliche Verbreitung der Geotope ist in Hauptkarte 3 Blatt 1 und 2 des Landschaftsrahmenplanes dargestellt. Eine nach Geotoparten differenzierte Übersicht der Geotop-Potentialgebiete im Planungsraum findet sich in Abbildung 9: Geotop-Potenzialgebiete im Hauptteil, Kapitel 2.1.1.2: Böden, Geotope und Archivböden.

Tabelle 13: Geotope im Planungsraum

GeotopartObjekt/ ÖrtlichkeitObjekt-nummer GeotopObjektnr. Geotop-potential- gebiet
Drumlins, drumlinisierte LandschaftenDrumlinlandschaft bei NeustadtDr 001
Drumlinlandschaft bei Bad Oldesloe/ RethwischhofDr 002
Drumlins von Wandelwitz - TeschendorfDr 004
Drumlins im Travetal (sieben Einzelflächen)Dr 005
Drumlins FehmarnDr 006
Drumlins bei Gut Roggenhorst (zwei Einzelflächen)Dr 007
Dünen, FlugsandgebieteDeflationswanne in der Schafhausheide, nördlich BockhornDu 005
Binnendünen bei Bergewöhrden – Horst (sieben Einzelflächen)Du 016
Binnendünen bei Lohklindt - Hörsten - MoltkesteinDu 019
Binnendünen bei GudendorfDu 029
Binnendünen zwischen Störkathen und KellinghusenDu 030
Binnendünen RoddenmoorDu 031
Binnendünen zwischen Halloh und Latendorf (zwei Einzelflächen)Du 032
Binnendünen östlich von HamdorfDu 033
Binnendünen östlich BockhornDu 034
Binnendünen südlich Eicholz/ Lübeck (zwei Einzelflächen)Du 035
Binnendünen Holmer SandbergeDu 036
Binnendünen Besenhorster SandbergeDu 037
Binnendünen Münsterdorfer Geestinsel (zwei Einzelflächen)Du 038
Glazigene Flächenelemente Grander (Rausdorfer) Sander (drei Einzelflächen)Fl 001
Beckentonfläche GrinauFl 003
Beckentonfläche Reecke, Eisrand Weichsel-KaltzeitFl 004
Randlagenlandschaft östlich Taschensee und Pönitzer Seen und angrenzende GebieteFl 006
Quellen, QuellformenCurauer MoorHy 002
Salzmoore Travetal und HeilsauHy 003
Quellkalkvorkommen KellerseeHy 005
Quell- und Moorgebiet RiesewohldHy 007
Thorritzer Quell-LandschaftHy 008
KarstformenErdfallgebiet bei Stipsdorf und Kalkberghöhle Bad SegebergKa 001 + Pa 003
Peissener LochKa 002
Erdfälle Münsterdorfer Geest mit Einbruchtrichter „Knickenkuhle“Ka 003
Erdfälle bei Lägerdorf und Heidestraße (drei Einzelflächen)Ka 004
Erdfälle südöstlich von Elmshorn - LangeloheKa 005
Erdfall am Nordrand Quickborns Ka 006
Prophetensee, QuickbornKa 006
Elsensee am südlichen Rande QuickbornsKa 006
KliffsKliff Friederikenhof - Eitz bei Weißenhaus Kl 015
Kliff Neuteschendorf/ Putlos – Johannistal (zwei Einzelflächen)Kl 016
Kliff bei HeiligenhafenKl 017
Kliff Wulfen/ FehmarnKl 018
Kliff Staberhuk - Klausdorf/ Fehmarn mit Unter - Eozän - Aufschluss von KatharinenhofKl 019
Kliff Marienleuchte/ FehmarnKl 020
Kliff Flügge/ FehmarnKl 021
Kliff Siggen - SüssauKl 022
Kliff DahmeshövedKl 023
Kliff Grömitz - RettinKl 024
Kliff Sierksdorf - WintershagenKl 025
Kliff Weichsel - Kaltzeit: Brodtener UferKl 026 + Qp 020
Kliff Dummersdorfer UferKl 033
Kliff Rettin - PelzerhakenKl 035
Kliff Scharbeutz - TimmendorfKl 036
Kliff bei Gudendorf mit DünenKl 042
Kliff Burg in Dithmarschen - Kuden - St. Michaelisdonn (vier Einzelflächen)Kl 043
Kliff Burg in Dithmarschen - Kuden - St. Michaelisdonn Pleistozän: Scheitelgraben KudenKl 043 + Qp 030
Kliff bei Kleve (drei Einzelflächen)Kl 045
Kliff südlich von Nutteln (vier Einzelflächen)Kl 046
Kliffe Oeschenbüttel - Kelliinghusen - Mühlenbarbek, Winseldorf - Itzehoe, Krempermoor - Dägeling (sechs Einzelflächen)Kl 047
Kliff Weddelbrook, Krücken, MönklohKl 048
Kliff bei Großenasperfeld und Latendorf - Bimöhlen - Hitzhusen (vier Einzelflächen)Kl 049
Kliff südwestlich Klint und Langloh - Berg und nw. Klausberg (fünf Einzelflächen)Kl 050
Kliff der Tensfelder Au zwischen Tensfelderau und Pettluis (zwei Einzelflächen)Kl 051
Kliff westlich von KembsKl 052
Elbtalrand zwischen Holmerberg und dem nordwestlichen Randbereich von WedelKl 053
Elbsteilufer Börnsen - Geesthacht - Lauenburg (drei Einzelflächen)Kl 054
Kliff Stecknitz - Delvenau (sieben Einzelflächen)Kl 055
Elbtalrand westlich von HeistKl 058
Marschen und WattlandschaftenMoor und Marsch im Delver KoogMa 001
Marschlandschaft bei KetelsbüttelMa 002
Marsch- und Moorlandschaft bei HemmingstedtMa 003
Marschlandschaft westlich von Wilster (Diekdorf)Ma 004
Eichholz - Niederung HeiligenhafenMa 006
Erdgeschichtliche Aufschlüsse Insel Helgoland mit Felskliff, Düne und Klippen (zwei Einzelflächen)Me 001
Schreibkreidengruben Lägerdorf und Kronsmoor/ BreitenburgMe 002
Rotliegendes: Tongruben der Ziegelei Roten Lehm/ Klein Nordende (drei Einzelflächen)Pa 002
Holozän: Raseneisenstein- und Vivianit-Vorkommen StörkathenQh 003
Alt-, Mittel- und Jungpleistozän: Kalkgrube Lieth, Klein Nordende (Rotliegendes und Zechstein)Qp 001 + Pa 001
Holstein- und Wacken-Warmzeit: Tongrube Wacken (zwei Einzelflächen)Qp 002
Holstein- und Wacken-Warmzeit: Tongrube MuldsbergQp 003
Elster-Kaltzeit/ Saale-Komplex: Lägerdorf, Grube SaturnQp 005
Saale-Komplex/ Weichsel-Kaltzeit: KlingbergQp 007
Saale-Komplex: Fossiler Saale - Drumlin StemwardeQp 008
Saale-Komplex: BesenhorstQp 009
Eem-Warmzeit: Torfe bei Kuhgrund/ Lauenburg (zwei Einzelflächen)Qp 010
Eem-Warmzeit: Quartär - Aufschluss südwestlich von WilstedtQp 014
Eem-Warmzeit: Brörup - Interstadial: Bokel/ BarmstedtQp 016
Eem-Warmzeit/ Rederstall - Stadial: RederstallQp 017
Weichsel-Kaltzeit: Odderade - InterstadialQp 018
Weichsel-Kaltzeit: Schalkholz - StadialQp 019
Weichsel-Kaltzeit: Typlokalität Meiendorf - InterstadialQp 022
Weichsel-Kaltzeit: Diapir-Strukturen eemzeitlicher humoser Ablagerungen bei Jahrsdorf (zwei Einzelflächen)Qp 025
Weichsel- Kaltzeit: Gekritzte Großgeschiebe Staberhuk/ FehmarnQp 026
Weichsel-Kaltzeit: Pingo-ähnliche Struktur bei AhrensfeldeQp 029
Pleistozän: Störungen und Grabenstrukturen im Deckgebirge der Schreibkreide auf der Struktur PeissenQp 031
Miozäne Tone mit Walfunden, Groß PampauTe 001
Miozäne Braunkohlensande BesenhorstTe 003
Unter-Eozän: HeiligenhafenTe 004
Unter-Eozän: Katharinenhof/ FehmarnTe 005
Pliozän: Oberflächenvorkommem EggerstedtTe 007
MoränenMoränen von SchrumMo 004
HahnheideMo 006
Moränenzug Kisdorfer WohldMo 008
Eisrandlage der Höhen von ItzehoeMo 009
Moränenzug Wacken - Bokhorst - Siezbüttel - GokelsMo 012
Moränen Damlos – LensahnMo 021
Moränen am DiekseeMo 022
Moränen bei GömnitzMo 023
Moränen bei SchwienkuhlenMo 024
Grimmelsberg bei TarbekMo 025
Moränen Lebatz - Dakendorf, Lebatz - Dissau und Takenrade – CashagenMo 026
Moränen Pohnsdorf – ParinerbergMo 027
Moränen Rüh - Berg/ HoheliedMo 028
Moränen Groß Grönau - Groß SarauMo 029
Nunatak des KlingbergesMo 030
Weichsel-Kaltzeit: Wartenberge mit Geschieben der Ahrensburger GeschiebesippeMo 031 + Qp 021
Stauchmoränen Bocksberg - Schübarg - HöhenzugMo 032
Moränen östlich von GeesthachtMo 033
Moränenzug Segrahner BergMo 034
MooreHimmelmoorMr 001
Weißes MoorMr 002
Nienwohlder MoorMr 003
Salzmoore Travetal (Brenner Moor) (drei Einzelflächen)Mr 005
Hangquellmoor BlocksbergMr 006
Schwingrasen Grundloser Kolk bei MöllnMr 007
Kesselmoor Schwarzsee mit RestseeMr 011
Fossiler „Esinger See“Mr 015
Eiszerfalls- LandschaftenNiedertau- und Kameslandschaft bei Sülfeld/ NeritzNi 001
Eiszerfalls-Landschaft Lütjensee/ SeebergenNi 002
Toteis-Bereich Kolksee/ südwestlich KasseedorfNi 004
Eiszerfalls-Landschaft um die Schwedenkuhle/ nordöstlich SüselNi 005
Eiszerfalls-Landschaft östlich Bliesdorf - AlbersdorfNi 006
Niedertaulandschaft DummersdorfNi 011
Kameslandschaft bei Fahrenhorst, östlich von ElmenhorstNi 012
Niedertaulandschaft bei HevenbruchNi 015
Niedertaulandschaft bei RitzerauNi 016
OserOs im Dieksee, MalenteOs 008
Oser von PutlosOs 009
Os von DazendorfOs 010
Os westlich von CismarOs 011
Os-System von Waldhusen - KücknitzOs 012
Os von OvendorfOs 013
Os von Zarpen (drei Einzelflächen)Os 014
Os am Ratzeburger SeeOs 015
Oser Bornhöved (zwei Einzelflächen)Os 016
Os-System Forst SteinburgOs 017
Os östlich am Lütjensee, SeebergenOs 018
Os FarchauOs 019
Oser im Bereich des Ahrensburg - Stellmoorer – Tunneltales (vier Einzelflächen)Os 021
Os südlich von Fahrenkrug/ WittenbornOs 022
Os Tielener Au am Schalkholzer Becken (Saale-Komplex)Os 023
Os bei RitzerauOs 027
Os-System im Bereich des Ahrensburg - Stellmoorer - Tunneltales / Vierbergen (fünf Einzelflächen)Os 028
Os Buch – BergOs 031
StrandwälleStrandwälle mit Dünen Weißenhäuser Strand (Brök)St 006
Strandwälle Steinwarder und Graswarder/ Heiligenhafen mit Eichholz – NiederungSt 007
Strandwälle Wallnau - Kopendorfer See/ FehmarnSt 008
Strandwälle Markelsdorfer Huk - Fastensee/ FehmarnSt 009
Strandwälle Grüner Brink/ FehmarnSt 010
Strandwallsystem Rosenfelde - DahmeSt 011
Strandwallebene Kellenhusen - Grömitz (Lenster Strand) mit ehemaligem KlosterseeSt 012
Strandwallebene vor Pelzerhaken - RettinSt 013
Strandwallebene und Haffsee Haffkrug - ScharbeutzSt 014
Strandwallebene Timmendorfer Strand - NiendorfSt 015
Strandwälle PriwallSt 016
Außensand BlauortSt 019
Außensand TertiusSt 020
Insel TrischenSt 021
Lundener NehrungSt 023
Elpersbütteler DonnSt 024
Nehrungshaken bei St. Michaelisdonn (11 Einzelflächen)St 025
Strandwallsystem Krummsteert/ FehmarnSt 029
Nehrungshaken Wulfener Hals/ FehmarnSt 030
TalformenBachtäler und -schluchten des Bungsberges (sieben Einzelflächen)Ta 008
Bachtal bei KrümmelTa 009
Glaziales Abflusstal von Albersdorf, GieselautalTa 019
Tal der Alster zwischen Ehlersberg und WulksfeldeTa 020
Tal Farchau/ Küchensee - Wennsöhlengrund - MöllnTa 021
Dalbekschlucht bei Escheburg/ Börnsen (zwei Einzelflächen)Ta 022
Trockentäler am Glasberg östlich WiedenborstelTa 024
Trockental bei HohenfierthTa 025
Einhaus - Fredeburger TalTa 026
Schmelzwassertäler bei Fredesdorf (drei Einzelflächen)Ta 028
Tal der Ekholter Au zwischen Ekholt und SeethTa 029
Durchbruchtal der Bäk bei MechowTa 030
Bachtal der Grienau südlich von LübeckTa 031
Bachtal Unterlauf der Schwartau (zwei Einzelflächen)Ta 032
Billetal zwischen Mühlenrade und BergedorfTa 033
BarnitztalTa 034
SüderbestetalTa 035
Goldenbek - Wulfsfelde, Bachschluchten: unter anderem Roesinger BachschluchtTa 036
I'lliessche RinneTa 037
Hangzertalung LütjenseeTa 038
Trockentäler LütjenseeTa 039
Bistal bei EscheburgTa 040
Tunneltäler GroßenseerinneTu 006
Tal Lankersee, BornhoevedTu 012
Talsystem Wittenborn - Miozäner Au - Trave und Leezener Au - Leezen - Neeversdorfer See - TraveTu 013
Subglaziales Tal der TraveTu 014
Tal der Norderbeste (drei Einzelflächen)Tu 015
Stellmoorer TunneltalTu 016
Tal der Corbek zwischen Großensee und RausdorfTu 017
Tal der Bille zwischen Grande und MühlenradeTu 018
Tal des Mühlenbaches und der Steinau von Duvenseerwall über Nusse nach HammerTu 019
Mölln, Gudower SeenrinneTu 020
Tal der Stecknitz - Delvenau mit Nebentälern (Elbe - Lübeck - Kanal)Tu 021
Gletscher-schürfbeckenGletscherschürfbecken von Schalkholz – Pahlhude (zwei Einzelflächen) Zu 002
Zungenbecken Süssau - Eiskeller - FargemielZu 004
Kayhuder ZungenbeckenZu 005
Oldenburger LandgrabenZu 006

Generell ist zu beachten, dass die Auflistung und Darstellung der Geotopkulisse insgesamt nicht abschließend ist, so dass im Planungsraum zukünftig durchaus weitere Geotope bzw. neue Geotopabgrenzungen auftreten können. Es wird daher empfohlen, im konkreten Planungsfall zu prüfen, ob neuere Informationen zu diesem Thema im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) zur Verfügung stehen. In Fragen des Geotopschutzes und in der Abwägung von Geotopschutzbelangen mit anderen Nutzungsansprüchen ist der Geologische Dienst im LLUR als Fachbehörde beratend tätig.

2.4. Archivböden

In Tabelle 14 sind wichtige Archivböden des Planungsraumes aufgeführt. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Potentialflächen stellen für einige Archivbodentypen schon konkret abgegrenzte Areale dar, bei denen lediglich eine Priorisierung fehlt (siehe Abbildung 17: Archivböden). Für andere Archivbodentypen müssen die Potentialflächen noch in Bezug auf den tatsächlichen Nachweis, die konkrete Abgrenzung und die Priorisierung bearbeitet werden. Für die übrigen Archivbodentypen steht die Kartierung noch aus. In Tabelle 14: Archivböden im Planungsraum ist für jeden Archivbodentyp der jeweilige Bearbeitungsstand aufgeführt, die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tabelle 14: Archivböden im Planungsraum

Name des ArchivbodensBesonderheit/ KonkretisierungAuftreten/ VorkommenBearbeitungsstand der Potentialflächen 2014
HochmoorePollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche BesiedlungNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
NiedermoorePollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche BesiedlungNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
Überdeckte Moore Pollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche Besiedlung; Überlagerung als Zeugnis wechselnder Umweltbedingungen im HolozänNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
RohmarschenBöden mit besonderer Salz- und ÜberflutungsdynamikVorland und HalligenNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
(Gley-) Podsole der StrandwälleBöden als Zeugen älterer Strandwall- und Flugsanddynamik an der Nord- und OstseeküsteÄltere Strandwälle der Nord- und OstseeküsteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
Regosole bis Podsole über fossilem PodsolDoppelte Bodenbildung als Zeugnis der Mehrphasigkeit der DünenbildungBinnendünenNachweis noch nicht erbracht. Potentialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Auengleye, Vega-Gleye und Gley-VegenBöden mit flusswassergesteuerter Wasser- und ÜberflutungsdynamikAuenlageNachweis noch nicht erbracht. Potentialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Gleye aus MuddenBöden als Zeugen von natürlichen und/ oder anthropogenen Seespiegelschwankungen bzw. EntwässerungenEhemalige Seen und KleingewässerNachweis noch nicht erbracht. Potentialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Fossile Podsole oder Gleye unter MarschenBöden als Zeugen der nacheiszeitlichen MeerestransgressionenÜbergang Geest/ MarschBearbeitung steht noch aus.
Dwogmarschen mit HumusdwogBöden als Zeugen der Mehrphasigkeit der Marschensedimentation„Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
Watt über fossilen Boden-bildungenBöden als Zeugen von Landverlusten durch SturmflutenWattBearbeitung steht noch aus.
Organomarschen mit MaiboltBöden als Zeugnis der besonderen Schwefeldynamik in der Marsch„Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
Flusskalk-marschenBöden als Zeugen jüngerer Transgressionsereignisse bis weit in das BinnenlandFlüsse mit (historischem) TideeinflussBearbeitung steht noch aus.
Kalkgleye und verwandte BödenBöden als Zeugen besonderer Kalkdynamik in der LandschaftNiederungen des Jungmoränengebietes, vereinzelt auch im AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
KalkniedermooreBöden als Zeugen besonderer Kalkdynamik in der LandschaftNiederungen des JungmoränengebietesBearbeitung steht noch aus.
Brauneisengleye (mit Raseneisenstein)Böden als Zeugen besonderer Eisendynamik in der LandschaftNiederungen der Vorgeest und des Altmoränengebietes, selten im JungmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Fehmaraner SchwarzerdenBöden mit mächtigen humosen Oberböden im subkontinentalen Klimabereich als Zeugen der Klima- und NutzungsgeschichteFehmarn und nordöstliches WagrienBearbeitung steht noch aus.
Natürliche Böden aus Grobsand und KiesBöden mit besonderer Wasserdynamik (extrem schnell dränend)Jung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Böden mit Pelosol-EigenschaftenTonreiche Böden mit Quellungs- und Schrumpfungsdynamik JungmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
KnickmarschenTonreiche Böden der Marsch mit ausgeprägter Quellungs- und Schrumpfungsdynamik„Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
Lockersyroseme und Böden des Bodentyps StrandInitiale Bodenbildung als Zeugnis ständiger MaterialumlagerungWeißdünen und SträndeBearbeitung steht noch aus.
FahlerdenBöden mit besonders stark ausgeprägter Tonverlagerung im BodenprofilJung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Stauwasserböden mit ausgeprägter Nassbleichung (Srw-Horizont)Böden mit besonders deutlichem Stauwassereinfluss (Bleichung)Jung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
PlaggenescheBöden als Zeugen ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzungssysteme (Plaggenwirtschaft)Vorgeest und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Ältere TiefumbruchbödenBöden als Zeugen der Heide- und MoorkolonisationGeest, MoorBearbeitung steht noch aus.

3. Landschaft und Erholung

Der Mensch Mitteleuropas gilt nach seiner psychologischen Grundstruktur als Lebewesen des „Waldrandes“. Er fühlt sich weder in geschlossenen Wäldern noch in ausgeräumten Weiten auf die Dauer wohl. Eine ansprechende, mit ausreichenden Reizmustern ausgestattete Umwelt ist deshalb ebenso wie Nahrung oder Schlaf zu den Grundbedürfnissen des Menschen zu rechnen.

In § 1 BNatSchG ist die dauerhafte Sicherung von Natur und Landschaft mit den Begriffen Vielfalt, Eigenart und Schönheit ausdrücklich erwähnt. Im Unterschied zu den Landschaftsfunktionen der anderen Potenziale nimmt die landschaftsästhetische Erlebnisfunktion eine Sonderstellung ein. Für das menschliche Erleben spielen neben naturwissenschaftlichen Kriterien auch sozialwissenschaftliche und wahrnehmungspsychologische Kriterien eine Rolle. Eine aggregierende Einstufung und Bewertung ist deshalb sehr subjektiv. Insofern kann man eigentlich objektivierbare Einzelkriterien nur nebeneinander darstellen. Hierzu gehören Relief, Eigenart und Vielfalt von Natur und Landschaft.

Das Relief ist ein kaum veränderbarer Landschaftsfaktor, der einen hohen ordnenden Einfluss auf das wahrnehmbare Gesamtgefüge eines Raumes hat. Damit bestimmt es in starkem Maße den Charakter und die Unverwechselbarkeit eines Landschaftsraumes. Eine wichtige Komponente bildet die Eigenart einer Landschaft. Sie entsteht im Laufe der historischen Entwicklung einer Landschaft und der daraus hervorgegangenen, besonderen Konstellation natürlicher und kultureller Elemente. Die Landschaft ist dann hierdurch geprägt und unterscheidet sich von anderen Landschaftsräumen.

Für die Einstufung der Eigenart wird

  1. das Vorkommen kulturhistorisch wertvoller und visuell in Erscheinung tretender baulicher Elemente,
  2. das Auftreten prägnanter, im Zuge der historischen Entwicklung entstandener Nutzungsformen, charakteristischer Nutzungsabfolgen und Einzelelementen sowie
  3. deren Gebundenheit an den jeweiligen Landschaftsraum

berücksichtigt.

Zur Einschätzung der Vielfalt und Häufigkeit des Wechsels erlebniswirksamer Nutzungsformen kann man die Gesamtzahl der Nutzungsformen Wald, Fließgewässer, Grünland, Heiden, Sonderkulturen (wie Obstwiesen und Baumschulflächen), naturnahe Flächen und kleine Siedlungsflächen in Relation zur Größe des Landschaftsraumes setzen.

Tabelle 15: Erlebnisqualität der Landschaftsbildtypen (WIRZ, 1995 Gutachten „Landschaftsrahmenplan Ostholstein“, ergänzt)

LandschaftsbildtypErlebnisqualität
Weiträumige, ungegliederte Agrarlandschaft Im Bereich der Festlandsmarschgering mittel bis hoch
Weiträumige, gegliederte Agrarlandschaft im Bereich der Marschhoch
Flachwellige, weiträumige, ungegliederte Agrarlandschaftgering
Bewegte, ungegliederte Agrarlandschaftmittel
Strukturierte Agrarlandschaftmittel
Flachwellige, strukturierte Agrarlandschafthoch
Bewegte, strukturierte Agrarlandschafthoch
Kleinräumig gegliederte Agrarlandschafthoch
Geändert flachwellig, kleinräumig gegliederte Agrarlandschaftsehr hoch
Bewegte, kleinräumig gegliederte Agrarlandschaftsehr hoch
Landschaft der Marsch- und Geestinseln, Halligensehr hoch
Nordseeküstesehr hoch
Niederunghoch
Flachküste der Ostseesehr hoch
Steilküste der Ostseesehr hoch
Überformte Meeresküstemittel
Dünen, Mager- und Trockenrasenflurhoch
Hügelige, waldgeprägte Agrarlandschaftsehr hoch
Laubwaldsehr hoch
Städtischer Siedlungsbereichgering

Als visuelle Leitstrukturen werden deutlich wahrnehmbare, lineare Landschaftselemente wie Höhenzüge, Reliefsprünge, Gehölzstrukturen entlang von Fließgewässern in offenen Talbereichen, markante Wälder und Küstenlinien bezeichnet. Sie werten Landschaftsräume in der Regel auf.

Neben linearen Landschaftselementen dienen auch punktuelle Landschaftselemente als optische Fixpunkte. Als solche fernwirksame Orientierungspunkte sind bedeutsam:

  • einzelne, in ausgeprägten formalen Kontrast zu ihrer Umgebung stehende Einzelstrukturen (zum Beispiel prägnante Moränenhügel oder Küstenabbrüche),
  • kulturhistorische Elemente in exponierter Lage (zum Beispiel Kirchen, Schlösser, Gutshöfe) oder auch
  • technische Elemente (zum Beispiel Leuchttürme).

Sie wirken auf weite Ferne in Landschaftsbildräume hinein und können deren Erscheinungsbild aufwerten aber auch stören.