Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

2.1.4. Luft und Licht

Luft

Die Luftqualität ist eine wichtige Ausgangsgröße für Veränderungen von Boden, Wasser, Klima, Arten und Biotopen. Sie beeinflusst darüber hinaus auch die landschaftsgebundene Erholung.

Wichtige Indikatoren für den Umfang der Luftverschmutzung sind Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffdioxid (NO2), Ozon (O3) und Schwebstaub. Diese Luftschadstoffe werden automatisch an verschiedenen Stellen von der Lufthygienischen Überwachung Schleswig-Holstein gemessen und die Messwerte stündlich aktualisiert im Internet veröffentlicht.

Die Grundbelastung der Luft durch Schadstoffe ist im Planungsraum wie insgesamt in Schleswig-Holstein relativ gering. Erhöhte Werte für Stickstoffdioxid treten grundsätzlich an verkehrsexponierten Standorten und damit auch an entsprechenden Stellen des Planungsraumes auf.

Es gehört grundsätzlich zu den Aufgaben der Landschaftsplanung, Lösungsansätze zur Senkung von Schadstoffbelastungen zu entwickeln. Notwendigen Maßnahmen können beispielsweise Grünzäsuren und regionalen Grünverbindungen sein (siehe Kapitel 5.1: Siedlung und Verkehr).

In der Vergangenheit ist es nur vereinzelt zu geringfügigen Überschreitungen des zum Schutz empfindlicher Bevölkerungsgruppen festgelegten Informationsschwellenwertes für Ozon (180 Mikrogramm pro Kubikmeter Außenluft) gekommen. Auch der auf EU Ebene zum Schutz der Vegetation festgelegte Zielwert10 wird eingehalten.

Critical Loads

Von Vorhaben verursachte Stickstoffemissionen sind grundsätzlich geeignet, stickstoffempfindliche Lebensraumtypen zu beeinträchtigen. Treten bei Vorhaben Stickstoffemissionen auf und können sie auf ein FFH-Gebiet einwirken, ist zunächst zu prüfen, ob erhebliche Beeinträchtigungen der Erhaltungsziele des FFH-Gebietes sicher ausgeschlossen werden können. Als Bewertungslage gilt das Critical Loads (CL) Konzept. Dieses enthält Höchstwerte für Stickstoffdepositionen verschiedener Lebensräume, zum Beispiel fünf bis zehn Kilogramm N/ha/a für Hochmoore und 15 bis 20 Kilogramm N/ha/a für Wälder. Diese Werte sind in Schleswig-Holstein bereits durch die Vorbelastung überschritten. Werden jedoch die CL-Werte bereits durch die Vorbelastung deutlich überschritten, ist prinzipiell jede Zusatzbelastung mit dem Erhaltungsziel unvereinbar und deshalb erheblich. Dann ist im Rahmen einer durchzuführenden FFH-Verträglichkeitsprüfung gutachterlich und gebietsbezogen nachzuweisen, dass es durch das Vorhaben nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung der gebietsspezifischen Erhaltungsziele kommt. Weitere Ausführungen macht Kapitel 4.2.4: Natura 2000.

Licht

Licht wirkt als primärer Zeitgeber und steuert Rhythmen in Abhängigkeit vom Tag-Nacht-Wechsel, den Mondphasen und den Jahreszeiten. Dies beinhaltet eine Vielzahl physiologischer Prozesse, aber auch tageszeitabhängige und saisonale Wanderungen, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzungsverhalten sowie die Vorbereitung auf den Winter. Durch Licht zur falschen Zeit, auf einem zu hohen Lichtniveau oder mit einer unnatürlichen spektralen Zusammensetzung können sich biologische Rhythmen entkoppeln. Das komplexe Zusammenspiel von Prozessen und Wechselwirkungen innerhalb eines Ökosystems ist dann zeitlich nicht mehr aufeinander abgestimmt und kann aus dem Takt geraten. Das Zusammenwirken von künstlichem Licht mit weiteren Stressfaktoren führt zur Ausprägung neuartiger Ökosysteme und Lebensgemeinschaften und gegebenenfalls zur Verdrängung vorhandener Arten. Als Folge sind sowohl die biologische Vielfalt als auch die Interaktionen zwischen Lebensräumen betroffen. Während Forschung und angewandter Landschaftsschutz vor allem auf Taglandschaften ausgerichtet wurden, gelten Nachtlandschaften selten als eigenständiger Untersuchungsbereich und als spezifisches Schutzgut. Die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt sind kaum erforscht.

2.1.5. Lärm

Lärm kann besonders empfindliche Bereiche wie Wohn-, Klinik-, Kur- und Erholungsgebiete sowie für den Naturschutz bedeutsame Bereiche erheblich beeinträchtigen. Diese Bereiche sollen von Anlagen mit störenden Wirkungen auf die Umgebung möglichst freigehalten werden. Bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen sollen die hierfür vorgesehenen Flächen einander so zugeordnet werden, dass schädliche Umwelteinwirkungen durch Lärm auf die ausschließlich oder überwiegend dem Wohnen dienenden Gebiete und auf sonstige schutzbedürftige Gebiete wie unter dem Gesichtspunkt des Naturschutzes besonders wertvolle oder besonders empfindliche Gebiete so weit wie möglich vermieden werden.

Unvermeidbare Belastungen können durch abgestimmte Nutzungsregelungen oder geeignete technische Maßnahmen begrenzt werden. Soweit kommt nicht nur dem aktiven Lärmschutz, sondern bereits der planenden Vorsorge besondere Bedeutung für die Gewährleistung eines hohen Gesundheits- und Umweltschutzniveaus zu.

Mit der Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm, umgesetzt in § 47 a bis f BImSchG, wurde ein Konzept vorgegeben, Lärmauswirkungen zu erfassen und ihnen entgegenzuwirken. Die wesentlichen Elemente sind:

  • die Ermittlung der Belastung durch strategische Lärmkarten und

die Bewertung und - soweit erforderlich – die Vermeidung oder Verminderung von Belastungen durch Aktionspläne.

Im Planungsraum wurden bei der Lärmkartierung 2017 bei 159.000 Menschen und einer Flächen von 480 km² Belastungen über 55 dB(A) LDEN festgestellt (über 24 Stunden gemittelt).

Gemeinden regeln mit Lärmaktionsplänen auf Grundlage der Lärmkarten insbesondere für Hauptverkehrsstraßen Lärmprobleme und Lärmauswirkungen. Ziel von Lärmaktionsplänen ist auch, ruhige Gebiete vor einer Zunahme des Lärms zu schützten. Von Gemeinden festgesetzte ruhige Gebiete sind als planungsrechtliche Festsetzung von anderen Planungsträgern bei ihren Planungen zu berücksichtigen. Bei der Auswahl dieser Gebiete vor allem aufgrund akustischer Kriterien kommen beispielsweise Parkanlagen, naturnahe Freiräume und größere Waldbereiche in Frage. Oftmals nehmen Gemeinden bei der Festsetzung ruhiger Gebiete auch Bezug auf andere Schutzgebiete, wie Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete. Die ruhigen Gebiete sollen dabei den tatsächlichen Bedarf an Erholungsflächen abbilden. Sie dienen dem Gesundheitsschutz und bieten Rückzugsmöglichkeiten. Die Erhaltungsfestsetzung der ruhigen Gebiete dient damit gleichermaßen auch der Umsetzung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege.

Im Planungsraum haben 95 Gemeinden insgesamt 305 ruhige Gebiete mit Flächen von über 480 km² (Stand 2017) in Ihren Lärmaktionsplänen mit unterschiedlicher Verbindlichkeit festgesetzt.

Im Planungsraum sind gemäß §47 b BImSchG die Ballungsräum Lübeck und Hamburg zu beachten. Die Ballungsräume im Planungsraum wurden in Anlehnung an die Siedlungsachsen des Regionalplans wie folgt abgegrenzt:

Ballungsraum Hamburg

Der Ballungsraum Hamburg umfasst – neben der Freien und Hansestadt Hamburg - die baulich und funktional zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Städte Ahrensburg, Glinde, Norderstedt, Pinneberg, Reinbek, Schenefeld und Wedel sowie die Gemeinden Barsbüttel, Ellerbek, Großhansdorf, Halstenbek, Oststeinbek, Rellingen und Wentorf bei Hamburg.

Ballungsraum Lübeck

Der Ballungsraum Lübeck umfasst die baulich und funktional zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Hansestadt Lübeck, der Stadt Bad Schwartau und der Gemeinden Stockelsdorf, Ratekau (Ortsteil Sereetz), Groß Grönau (Stadtgrenze Lübeck bis Klein Grönau) und der Gemeinde Lüdersdorf (Ortsteil Herrnburg) in Mecklenburg-Vorpommern.

Vögel und Verkehrslärm

Neue Erkenntnisse über Auswirkungen von Straßenlärm auf die Avifauna und Maßnahmen zu ihrer Bewältigung werden in der Arbeitshilfe „ Vögel und Straßenverkehr – Ausgabe 2010“ dargelegt. Der Schlussbericht steht auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zur Verfügung (www.bmvi.de).

2.1.6. Lebensräume

Die heutige Verteilung der unterschiedlichen Nutzungs- und Biotoptypen unterscheidet sich erheblich von einer natürlichen, vom Menschen nicht oder kaum beeinflussten, Landschaft. Dabei sind Landwirtschaft, Siedlung und Verkehr diejenigen Nutzungen, welche die natürlichen Verhältnisse am stärksten beeinflussen.

In Folge dieser Landschaftsveränderungen ist in Schleswig-Holstein ein sehr hoher Anteil der naturnahen Biotope derzeit in seinem Bestand als (stark) gefährdet einzustufen. Die aktuell laufende landesweite Biotopkartierung wird bis 2020 diesbezüglich aktuelle Daten liefern.

In Folge dieser Landschaftsveränderungen sind in Schleswig-Holstein die natürlichen Biotope fast vollständig verschwunden und ein sehr hoher Anteil der naturnahen Biotope derzeit in seinem Bestand als (stark) gefährdet einzustufen. Ehemalige landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte stellen für den Arten- und Biotopschutz besonders wertvolle Kulturbiotope dar. Auf Grund ihrer geringen Ertragsfähigkeit werden diese jedoch im Rahmen heutiger landwirtschaftlicher Praxis oft nicht mehr genutzt. Damit oder auch durch Intensivierung gehen diese Lebensräume für die dort vorkommenden Arten verloren. In der Agrarlandschaft gehen darüber hinaus in vielen Teilen des Landes nach wie vor kleinflächige und punktuelle Landschaftsstrukturelemente verloren. Auch in der Forstwirtschaft haben Waldbaumaßnahmen zu Veränderungen der natürlichen Waldformationen einhergehend mit Verlusten natürlicher Strukturen geführt. Des Weiteren gefährden Veränderungen des Naturhaushaltes wie beispielsweise Eingriffe in den Wasserhaushalt oder zunehmend auch die Folgen des Klimawandels die noch vorhandenen naturnahen Lebensräume.

Die aktuell laufende landesweite Biotopkartierung wird bis 2020 diesbezüglich aktuelle Daten liefern. Deutschlandweit müssen 64,9 Prozent der unterschiedenen Biotoptypen (ohne „technische“ Biotoptypen) als mindestens „gefährdet“ oder bereits als „vollständig vernichtet“ gelten; 3,5 Prozent befinden sich auf der „Vorwarnliste“. Hinsichtlich der Entwicklungstendenzen ist die Situation bei den offenen terrestrischen Biotoptypen besonders kritisch. Hier hat der bereits 2006 sehr hohe Anteil von Biotoptypen mit negativer Entwicklungstendenz noch einmal deutlich zugenommen (2006: 67,6 Prozent; 2016: 80,1 Prozent (Finck et al, 2017).

Wegen der besonderen Bedeutung der FFH- und Vogelschutzrichtlinie werden die dort aufgeführten LRT und Arten im Folgenden besonders hervorgehoben.

Bewertungen (basierend auf Daten von 2007 bis 2012) des Erhaltungszustandes der in Schleswig-Holstein vorkommenden Lebensraumtypen und Arten der FFH- und Vogelschutz-Richtlinie bestätigen landesweit für etwa 60 Prozent der FFH-Arten und rund 88 Prozent der Lebensraumtypen einen ungünstigen Erhaltungszustand (siehe Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und Objekte sowie Erläuterungsband Kapitel 1.1: Lebensräume). Deutschlandweit sind bei einem Vergleich mit der Situation vor 12 Jahren von etwa 250 Brutvogelarten bei etwa 25 Prozent die Bestände (sehr) stark zurückgegangen.

Nach der Biodiversitätsstrategie der Europäische Kommission für das Jahr 2020 sollen europaweit im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Bericht gemäß Artikel 17 FFH-Richtlinie für den Zeitraum 2001 bis 2006 im Rahmen der FFH-Richtlinie 100 Prozent mehr Lebensraumbewertungen und 50 Prozent mehr Artenbewertungen einen verbesserten Zustand zeigen. Im Rahmen der Vogelschutzrichtlinie sollen 50 Prozent mehr Artenbewertungen einen stabilen oder verbesserten Zustand zeigen (siehe Kapitel 4.2.4: Natur 2000).

Die Sicherung und die Wiederherstellung von Populationen der wild lebenden Arten erfolgt im Wesentlichen über einen entsprechenden Schutz, eine entsprechende Wiederherstellung und Entwicklung der Lebensräume/ Habitate. Daher werden im Folgenden die Biotope zusammen mit den in ihnen vorkommenden wesentlichen typischen und wertgebenden Arten bespielhaft dargestellt.

Das heutige Verteilungsmuster der unterschiedlichen Nutzungs- und Biotoptypen unterscheidet sich erheblich von einer natürlichen, vom Menschen nicht oder nur wenig beeinflussten Landschaft.