Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

2.1.1. Böden und Gesteine

Gemäß § 1 Absatz 3 Nummer 2 BNatSchG sind zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes insbesondere Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können.

Im Planungsraum sind Böden und Gesteine wie folgt ausgebildet.

2.1.1.1. Geologische Entwicklung und Gesteine

Der Planungsraum ist geologisch vielfältig strukturiert. Er umfasst alle größeren geologischen Einheiten Schleswig-Holsteins (Abbildung 3: Verbreitung der Gesteine). Zu nennen sind die teilweise stark reliefierte weichselkaltzeitliche Jungmoränenlandschaft, die Vorgeest (Sandergeest), die saalezeitlich geprägten Altmoränen sowie Marschen und Vorländer und Watten an der Westküste. Großräumige geologische Besonderheiten befinden sich im Planungsraum in Form des großen Lübecker Beckens als Gletscherschürfbecken mit deutlicher Moränenumrandung und in Form des Elbe-Urstromtals. Die Abbildung 4: Vereinfachter geologischer Zeitstrahl (stratigraphische Übersicht) für Schleswig-Holstein mit ausgewählten geologischen Lokalitäten zeigt für Schleswig-Holstein eine vereinfachte geologische Zeittafel als stratigraphische Übersicht.

In den Jungmoränenlandschaften sind vorwiegend Geschiebemergel und -lehme verbreitet, daneben kommen auch Sandbereiche und ausgesprochen tonige Bildungen vor. Das Relief ist häufig durch glaziale Geländeformen stark gegliedert. Morphologisch auffällig ist im Planungsraum die Ahrensböker Endmoräne als größter Endmoränenzug Schleswig-Holsteins. Große Moränenzüge kommen weiterhin im Grenzbereich Stormarn/ Herzogtum Lauenburg vor. Bemerkenswert ist auch das Gebiet des Bungsberges als höchste Erhebung in Schleswig-Holstein. Die mächtige, rundliche Moränenform des Bungsberges ragte während der Weichsel-Kaltzeit zeitweise über die Oberfläche des Inlandeises heraus (Nunatak), war aber in anderen Phasen auch vollständig vom weichselkaltzeitlichen Inlandeis bedeckt.

Abbildung 4: Vereinfachter geologischer Zeitstrahl (stratigraphische Übersicht) für Schleswig-Holstein mit ausgewählten geologischen Lokalitäten (LLUR, Abteilung Geologie und Boden)

Das Stadtgebiet von Lübeck liegt zum größten Teil im Bereich des gleichnamigen Schürfbeckens. Der kaum reliefierte Stadtbereich ist durch sandige bis bindige Beckenablagerungen gekennzeichnet. In den zentralen Beckenbereichen sind Beckenschluffe und -tone verbreitet, in den Randbereichen treten vorwiegend Sande auf. Bei diesen oberflächennah anstehenden Ablagerungen handelt es sich häufig um schluffige Feinsande und um tonige Schluffe, die lange Zeit als Rohstoffe für die Ziegelherstellung verwendet wurden.

Neben dem Lübecker Becken kommen im Planungsraum weitere Gletscherschürfbecken vor. Ein größeres Schürfbecken befindet sich zwischen Kayhude und Ulzburg mit Ablagerungen eines Eisstausees. In Dithmarschen ist das Schalkholzer Schürfbecken bei Tellingstedt hervorzuheben. Der Oldenburger Graben ist eine durch weichselkaltzeitliche Gletschervorstöße überprägte subglaziale Schmelzwasserrinne, die heute durch eine weitflächig vermoorte Niederung gekennzeichnet ist. Randlich bildeten sich hier im Holozän Strandwälle, die auf die später Dünen aufgeweht wurden.

In die Jungmoränenlandschaften sind mit dem Tal der heutigen Stegnitz und entlang der größeren Flüsse Schwartau, Bille, Trave, Pinnau und Stör breite Schmelzwassertäler eingeschnitten, die während der Weichsel- und der Saale-Kaltzeit mit Sanden gefüllt wurden. Die Schmelzwässer der letzten beiden Kaltzeiten modellierten aus den zuvor abgelagerten, älteren Schichten markante Kliffs heraus, die sich bspw. in den Bereichen Oeschebüttel-Kellinghusen, Kellinghusen-Mühlenbarbek, Winseldorf-Itzehoe und Krempermoor-Dägeling finden. In den flussbegleitenden Niederungen entstanden großflächig Niedermoore, über die wie beispielsweise im Himmelmoor bei Quickborn teilweise Hochmoore aufgewachsen sind. Der südöstliche Teil des Planungsraumes ist durch weiträumige Niederungen charakterisiert, in denen der Ratzeburger See liegt und der Elbe-Lübeck- sowie der Schaalsee-Kanal angelegt wurden. Diese sandigen Niederungsgebiete zeigen eine durch Toteisbildungen geprägte Landschaft mit vielen Rinnenseen.

Am Südrand des Planungsraumes verläuft das Elbe-Urstromtal, das in ältere geologische Ablagerungen eingeschnitten ist. Bei Lauenburg ist im Elbsteilhang am Kuhgrund ein Quartärprofil aufgeschlossen, in dem die warmzeitlichen Ablagerungen des Eem aufgeschlossen sind. Am Ende der Weichsel-Kaltzeit trug der Wind vom Elbtal her Sande in eine häufig drei bis vier Kilometer breite Zone entlang des Urstromtals ein, die insbesondere zwischen Elmshorn und Wedel verbreitet ist. Die verbreitet auftretenden Flugsande können mehrere Meter mächtig werden, sie wurden teilweise zu Dünen aufgeweht (wie die Holmer Sandberge) oder von Mooren bedeckt. Im Talbereich selbst, in dem ein sehr geringes Geländerelief vorhanden ist, kommen Marsch- und Auenablagerungen vor. Hier entstanden während des allmählichen Meeresspiegelanstieges der durch die Erderwärmung und das damit verbundene Abschmelzen der Gletscher ausgelöst wurde, in der Nacheiszeit Torfe, die mit Auen- und tidal-fluviatilen Sedimenten vergesellschaftet sind.

Die Morphologie des Planungsraumes wurde auch durch die Salzstöcke und Salzkissen im Untergrund beeinflusst. Die Salzstrukturen haben die Erdoberfläche und die Hydrographie örtlich stark geprägt: In Bad Segeberg, Bad Bramstedt, Quickborn und Elmshorn sind Salzgesteine bis in Erdoberflächennähe oder darüber hinaus aufgestiegen, in Lägerdorf und Peissen haben die Salzstrukturen ehemals tief liegende Ablagerungen der Oberkreide bis in die Nähe der Erdoberfläche gebracht. Damit sind in Lägerdorf Kalkrohstoffe einem großflächigen industriellen Abbau unter anderem für die Zementproduktion zugänglich geworden.

Die Grenze der Weichselvereisung verläuft im Planungsraum etwa entlang einer Linie, die von Schwarzenbek über Rausdorf, Stellau, Hamburg-Rahlstedt, Wilstedt, Wakendorf, Sievershütten, Wahlstedt, Warder und Tensfeld bis nach Boostedt führt. Westlich dieser Vereisungsgrenze schließen sich an die Jungmoränenlandschaften die Sanderflächen der Vorgeest an. Der Trappenkamper Sander wird im Norden durch die Gönnebeker Niederung und im Süden durch das Tensfeld-Ricklinger Tal begrenzt. Die Schmelzwässer des Trappenkamper und Negernböteler Sanders sowie Schmelzwässer aus dem Wahlstedter Raum flossen durch das Heidmühlener Tal ab. Mit Ausnahme der breiten Sanderebene entlang der Stör sind Schmelzwassersandbereiche im westlichen Teil des Planungsraumes kaum verbreitet. Im südlichen Teil von Segeberg geht die Jungmoräne ohne größere zwischenliegende weichselkaltzeitliche Sanderbildungen unmittelbar in die saalezeitlich geprägten Altmoränenlandschaften über. Örtlich sind am Übergang zur Hohen Geest Schmelzwasserablagerungen der Saale-Kaltzeit erhalten, die mit dem Kaltenkirchener und dem Glinder Sander im Süden des Planungsraumes auftreten.

Weite Teile des südlichen und westlichen Planungsraumes werden durch die morphologisch meist weniger bewegten, saalezeitlich geprägten Geestflächen (Pinneberger Geest, Barmstedt-Kisdorfer Geest, Heide-Itzehoer-Geest) der Altmoränenlandschaften eingenommen. Wie bei Itzehoe und Schrum kommen örtlich markante Eisrandlagen vor, die von jungsaalezeitlichen Gletschervorstößen stammen. Die Entstehung dieser Eisrandlagen wurde vermutlich, ebenso wie die Genese der großen Gletscherschürfbecken, durch Aufwärtsbewegungen der Salzstrukturen beeinflusst. Lokal haben sich im Bereich dieser Eisrandlagen besondere Quellgebiete, wie im Riesewohld, entwickelt.

Die vorstoßenden Gletscher überformten regional den Untergrund, Gesteine wurden verfaltet und teilweise verfrachtet. In den Bereichen Schwarzenbek, Wacken, Muldsberg und Oeschebüttel lagern Tonschollen des Miozäns, der Elster-Kaltzeit und der Holstein-Warmzeit dicht unter oder an der Erdoberfläche. Diese Ablagerungen, die rohstoffgeologisch von Bedeutung sind, wurden während der Saaleeisvorstöße teilweise aus größerer Tiefe bis an die Erdoberfläche verfrachtet.

Nach dem Eisrückzug kam es im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs der Nordsee zur Auffüllung der elb- und seenahen Bereiche mit jungen Meeressedimenten. Der unter Gezeiteneinfluss abgesetzte Klei findet sich nicht nur im Unterlauf der Elbe, sondern auch in anderen großen Flussbereichen. An der Basis der nacheiszeitlichen Meeresablagerungen treten so genannte „Basaltorfe“ auf, die sich entsprechend der Entwicklung der Küstenlinie zu verschiedenen Zeiten gebildet haben. Vor etwa 2.000 Jahren kam es während einer Regressionsphase der Nordsee zu weiträumigen Boden- und Moorbildungen. Diese Bildungen sind bei einer erneuten Transgressionsphase mit frischen Sedimenten überlagert worden. Das Wechselspiel von Transgression und Regression führte auch weiterhin zum Wechsel von Sedimentation und Boden- bzw. Moorbildung in der Alten Marsch. Die nach dem 15. Jhdt. eingedeichten Köge der Jungen Marsch weisen einen andern Charakter auf. Ihre Sedimente sind meist sandiger ausgebildet und Torfschichten fehlen weitgehend in den oberflächennahen Bereichen.

Während der holozänen Transgression lag der Meeresspiegel teilweise auf ähnlichem Niveau wie heute und es wurden unter anderem das fossile Kliff bei Burg-St. Michaelisdonn-Gudendorf sowie die westlich und südwestlich vorgelagerten fossilen Nehrungen gebildet. Letztere sind siedlungsgeschichtlich wichtig, da sie als bebaubare, verhältnismäßig trockene Streifen aus dem Marschenboden herausragen.

Der etwa 60 Meter hohe Helgoländer Felssockel (Hauptinsel) wird aus rotgefärbtem Buntsandstein der Trias gebildet. Die Düneninsel besteht oberflächlich vor allem aus eiszeitlichen und holzänen Ablagerungen, die eine Erosionsfläche auf Muschelkalk und Kreide bedecken. Die Festgesteine Helgolands (Buntsandstein, Muschelkalk und Kreide) sind über einem Salzkissen aus permischen Salzen angehoben worden.

Weitere Hinweise und Informationen

Auskunft über die Verbreitung der geologischen Einheiten und Gesteine geben Geologische Karten verschiedener Maßstäbe, die vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holstein vertrieben werden. Auf der Internetsite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung ist zudem eine Übersicht über die für Schleswig-Holstein verfügbaren Geologischen Karten im Maßstab 1:25.000 einsehbar.

2.1.1.2. Böden, Geotope und Archivböden

Der Boden ist unverzichtbare Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Im Planungsraum kommen Böden mit sehr unterschiedlichen Merkmalen, Ausprägungen, Eigenschaften und damit verbundenen natürlichen Funktionen vor. Im Ergebnis der sich im Kontaktbereich von Luft, Wasser und Gestein vollziehenden Bodenentwicklung bilden sich die so genannten Bodentypen heraus (Abbildung 5: Verbreitung der Böden).

Bodentypen sind das Ergebnis von Prozessen, die auf den Boden einwirken. Wichtige Prozesse der Bodenbildung sind zum Beispiel die Humusanreicherung an der Oberfläche, die Entkalkung der Böden mit dem Sickerwasser sowie die chemische und physikalische Verwitterung der Minerale. Die Bodenentwicklung vollzieht sich in der Regel in horizontal angeordneten Lagen, den „Bodenhorizonten“. Die Benennung der Bodentypen richtet sich nach der Art des Wassereinflusses (beispielsweise Grund- und Stauwasserböden), nach dem Vorhandensein von Kalk in den oberen Bodenhorizonten (beispielsweise Kalkmarsch), nach Merkmalen der Verwitterung, Mineralneubildung und verlagerung im Bodenprofil (beispielsweise Braunerde und Podsol) oder nach der Menge an organischer Substanz im Boden (beispielsweise Anmoorgley und Moore).

Im Planungsraum haben sich in der Nacheiszeit in sandigen Ablagerungen hauptsächlich Braunerden und Podsole entwickelt, während in den lehmigen und tonigen Ablagerungen Parabraunerden und Pseudogleye dominieren. In den nacheiszeitlichen Ablagerungen des Küstenholozäns haben sich verschiedene Marschböden, in den Flusstälern Auenböden und Gleye ausgebildet. Nieder- und Hochmoore befinden sich in den Bereichen, in denen es aufgrund entsprechender Wasserzufuhr zu Torfwachstum kommen konnte. Weite, aber stets kleinräumige Verbreitung finden auch Kolluvisole. Pararendzinen und Regosole kommen vor allem in den Siedlungsgebieten und auf Flächen mit Bodenauf- bzw. -abträgen vor. In der Natur gibt es vielfältige Übergänge zwischen den genannten Bodentypen, so dass die Struktur der Bodendecke in der Regel eine breite Vielfalt aufweist.

Mit den genannten Bodentypen und Substraten sind bestimmte Eigenschaften der Böden hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit und ihrer Funktionen im Naturhaushalt verbunden (siehe Erläuterungsband, Kapitel 2.2: Bodenfunktionen). So eignen sich beispielsweise die im Östlichen Hügelland weit verbreiteten, lehmigen Parabraunerden aus Geschiebelehm aufgrund ihrer guten Wasserhaltekraft und guten Nährstoffverfügbarkeit besser für den Getreideanbau als sandigere Standorte mit nährstoffarmen Podsolen, wie sie auf der Geest verbreitet vorkommen. Grundwassernahe, nasse Böden (Gleye und Moore) bieten vollkommen andere Lebensräume als trockene sandige Böden der Dünen (zum Beispiel Regosole und Podsole). Auch die Filterfunktion der Böden für das Grundwasser ist von den Bodeneigenschaften abhängig. Grobkörnige, humusarme Braunerden tragen zwar zu einer hohen Grundwasserneubildung bei, können das Sickerwasser jedoch nicht so gründlich filtern wie lehmige Parabraunerden. Schließlich erfüllen Böden auf verschiedene Art und Weise Funktionen als Archive der Natur- und Kulturgeschichte (siehe Erläuterungen, Kapitel 2.4: Archivböden). So ist beispielsweise der Schwarz-/ Weißtorfkontakt in Hochmooren ein Zeugnis veränderter Klimabedingungen in der Nacheiszeit. Das Bodeninventar der Böden der Ostseeküste, der Jungmoränenlandschaften, der Vorgeest, der Altmoränenlandschaften, der Marsch und der Böden Helgolands wird für den Planungsraum in den Erläuterungen, Kapitel 2.1: Böden beschrieben.

Weitere Hinweise und Informationen

Die wichtigsten Bodentypen des Landes werden in der Broschüre „Die Böden Schleswig-Holsteins“ vorgestellt (http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/geologie/boden_sh.pdf).

Auskunft über die Bodenverbreitung geben Bodenkarten verschiedener Maßstäbe, die vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holstein vertrieben werden. Auf der Internetseite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung ist zudem eine Übersicht über die für Schleswig-Holstein verfügbaren Bodenkarten im Maßstab 1:25.000 einsehbar. Darüber hinaus werden im Umweltatlas des Landes SH unter anderem Bodenkarten und Metadaten angeboten.

Bodenfunktionen

Böden nehmen an der Schnittstelle zwischen Atmosphäre, Gewässer, Gestein, Pflanzen und Tieren vielfältige Funktionen wahr. Diese betreffen sowohl den Naturhaushalt als auch die Nutzung durch den Menschen. Sie sind die Lebensgrundlage für Menschen, Pflanzen und Tiere. Böden beheimaten etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und sie sind nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde. Sie sind somit auch ein Schlüsselelement für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz des Klimas.

Böden stellen jedoch eine begrenzte Ressource dar und auch in Schleswig-Holstein nimmt der Nutzungsdruck aufgrund wachsender Siedlungs- und Verkehrsflächen (siehe Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR)), durch Rohstoffabbau (siehe Kapitel 2.2.6: Rohstoffgewinnung), aber auch durch die Landwirtschaft (siehe Kapitel 2.2.2: Landwirtschaft) und die Energiewende (siehe Kapitel 2.2.8.1: Energie) stetig zu.

Im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) sind die einzelnen Bodenfunktionen als Schutzgüter benannt. Hierbei wird zwischen den natürlichen Bodenfunktionen, den Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte sowie den Nutzungsfunktionen unterschieden (siehe Erläuterungsband, Kapitel 2.2: Bodenfunktionen, Tabelle 10: Ausgewählte Bodenfunktionen mit besonderer Bedeutung für Schleswig-Holstein).

Die im Erläuterungsband unter Kapitel 2.2.1: Bodenfunktionen dargelegten Ausführungen zu den einzelnen Bewertungskarten geben Auskunft über die Bedeutung des bewerteten Kriteriums im Hinblick auf die jeweilige Bodenteilfunktion und erläutern regionale Ausprägungen der Böden. Die in landesweiten, hochauflösenden Kartendarstellungen vorliegenden Bewertungsergebnisse wurden für die vorliegende Darstellung im Maßstab 1:250.000 auf der Grundlage der Bodenschätzung und der bodenkundlichen Landesaufnahme stark generalisiert.

Weitere Hinweise und Informationen

Weitere Hinweise und Informationen zu den Verfahren der Bodenfunktionsbewertung und entsprechende hochauflösende Kartendarstellungen sind im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) unter der Rubrik „Boden“ „Bodenbewertung“ enthalten.

Stoffliche Bodenbelastung

Böden weisen in Abhängigkeit vom Ausgangsmaterial, der Bodenbildung und dem anthropogenen Einfluss entsprechend typische Stoffgehalte auf. Dabei sind die anorganischen Stoffe (unter anderem Metalle) überwiegend auf das Ausgangsmaterial der Bodenbildung und organische Schadstoffe nahezu ausschließlich auf die menschlichen Aktivitäten zurückzuführen. Daten zur typischen Belastungssituation der Böden werden seit Anfang 1990 erhoben und im Bodenbelastungskataster Schleswig-Holstein (BBK SH) zusammengeführt.

Auswertungen zeigen, dass die Schadstoffgehalte in den Böden Schleswig-Holsteins landesweit im Vergleich zu den in der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) genannten Werten und Anforderungen als eher gering einzustufen sind. Zu den Bereichen mit höheren Stoffgehalten zählen im betrachteten Planungsraum:

  • ehemalige und aktuelle Überflutungsgebiete im Bereich der Elbe und ihrer Zuflüsse,
  • der Bereich der Marsch mit geogen (gegenüber gesamt Schleswig-Holstein) tendenziell erhöhten Gehalten an Arsen (As), Chrom (Cr) und Nickel (Ni),
  • Siedlungsbereiche sowie die Umgebung von Großstädten und großen Infrastruktureinrichtungen und
  • Regionen in der Nähe größerer Emittenten, wie zum Beispiel der ehemaligen Metallhütte Lübeck.

Schadstoffgehalte in Böden ehemaliger und aktueller Überflutungsgebiete der Elbe und ihrer Zuflüsse

Die Belastung der Böden ehemaliger und aktueller Überflutungsgebiete der Elbe und ihrer Zuflüsse in Schleswig-Holstein mit polychlorierten Dioxinen und Furanen (PCDD/ PCDF) sowie Schwermetallen ist auf elbaufwärts gelegene Einleitungen zurückzuführen und seit Anfang der 1990er Jahre bekannt. Aufgrund der besonderen Belastungssituation durch die Ablagerungen verunreinigter Sedimente in Überflutungsbereichen wurden die Untersuchungen in Schleswig-Holstein seither kontinuierlich verdichtet. Erhöhte Gehalte an PCDD/ PCDF und Schwermetallen liegen neben den heutigen Außendeichflächen vor allem auf älteren Überflutungsflächen der Elbe und ihrer Nebenflüsse vor. Betroffen sind Flächen, die bis zur Vordeichung Anfang der 1970er Jahre bzw. vor der Errichtung von Sperrwerken regelmäßig von Elbehochwässern überflutet wurden. Im Jahre 2008 erfolgte die Abgrenzung der Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden mit Hilfe von Informationen des Küstenschutzes (Hochwasser, Deichlinien) und Daten zum Stoffbestand des Bodens. Die räumliche Verbreitung der Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden ist in Abbildung 6: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen östlich von Hamburg und Abbildung 7: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen westlich von Hamburg dargestellt.

Abbildung 6: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen östlich von Hamburg

Abbildung 7: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen westlich von Hamburg

Die BBodSchV enthält nicht für alle Schadstoffe und Nutzungen, wie beispielsweise für das Vorkommen von PCDD/ PCDF in Böden landwirtschaftlich genutzter Flächen, entsprechende Beurteilungsmaßstäbe. Zur Beurteilung wird daher ggf. auf nicht rechtsverbindliche Maßstäbe zurückgegriffen. Den Nutzern von landwirtschaftlichen Flächen in der Gebietskulisse gemäß Abbildung 6: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen östlich von Hamburg und Abbildung 7: Gebietskulisse überflutungsbedingt erhöhter Schadstoffgehalte im Boden an der Elbe und ihren Zuflüssen westlich von Hamburg liegt ein Merkblatt der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mit entsprechenden Bewirtschaftungshinweisen vor, um einen Eintrag von PCDD/ PCDF in das Futter und die Nahrungskette weitestgehend zu minimieren.

Weitere Hinweise und Informationen

Der Bericht „Hintergrundwerte stofflich gering beeinflusster Böden Schleswig-Holsteins“ ist auf der Internetseite des Themenportals „Landwirtschaft und Umwelt“ der Landesregierung unter der Rubrik „Boden“ „Bodenzustand“ „Hintergrundwerte“ zur Verfügung.

Bei Vorhaben, die mit Eingriffen in den Boden sowie Auf- und Umlagerungen von Bodenmaterial verbunden sind, sind die Vorgaben des § 6 BBodSchG und des § 12 BBodSchV zu berücksichtigen. Fachliche Hinweise zu den Anforderungen an das Aufbringen und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden enthalten die „Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV“ der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) und das Informationsblatt „Verwendung von torfhaltigen Materialien aus Sicht des Bodenschutzes“. Beide Unterlagen sind unter dem Thema Boden auf den Internetseiten der Landesregierung (https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/boden.html;jsessionid=2906648B429344411CA44FE21456D51C#doc1921234bodyText1) abrufbar. Der Leitfaden Bodenschutz bei Gewässerrenaturierungsmaßnahmen ist im Internet unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/Downloads/leitfadenBodenschutz.pdf?__blob=publicationFile&v=2

abrufbar.

Erosionsgefährdete Böden ( Wind, Wasser)

Als Bodenerosion wird der Abtrag von Bodenmaterial durch Wind oder Wasser bezeichnet. Dabei wird wertvoller humoser Oberboden abgetragen. Wichtige Bodenfunktionen sowie die Bodenfruchtbarkeit werden hierdurch beeinträchtigt. Aufgabe eines vorsorgenden Bodenschutzes ist die Vermeidung von Beeinträchtigungen des Bodens und von schädlichen Bodenveränderungen.

Winderosion

Böden, deren Oberboden ausgetrocknet und unbedeckt ist und denen ein Windschutz, wie bspw. durch Knicks oder Baumgruppen fehlt, sind besonders durch Winderosion gefährdet. Die Erosionsgefährdungsabschätzung durch Wind erfolgt nach DIN 19706 (2004-05). Eingangsgrößen, die das Ausmaß der Winderosion am stärksten beeinflussen, sind die Erodierbarkeit des Bodens, die Windgeschwindigkeit und -richtung sowie ggf. die Schutzwirkung von Windhindernissen.

Das Verteilungsmuster der Winderosionsgefährdung in Abbildung 1 Winderosion, Kapitel 2.1 Böden im Erläuterungsband ist stark durch die Erodierbarkeit des Oberbodens geprägt. Weniger deutlich ist der Einfluss der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Windes, dessen erosive Kraft allmählich von den Meeren hin zum Landesinnern abnimmt und an der Nordsee stärker ist als an der Ostsee. In den Jungmoränenlandschaften bestehen die Oberböden - mit Ausnahme des Westrandes - meist aus lehmigen Sanden bis sandigen Lehmen, deren Erodierbarkeit gering bis sehr gering ist. Durch das Knicknetz besteht in Schleswig-Holstein im Allgemeinen eine sehr geringe oder keine Erosionsgefährdung. Im Bereich Nordostoldenburg und auf Fehmarn nimmt die Windstärke zu, so dass hier auch die Erosionsgefährdung unter sonst vergleichbaren Bedingungen etwas zunimmt (Einstufung gering). Die Erosionsgefährdung der Böden am Westrand des Östlichen Hügellandes, in der Vorgeest und in den Altmoränenlandschaften wechselt kleinräumig zwischen gering und sehr hoch, wobei Gebiete mit überwiegend sehr hoher Erosionsgefährdung östlich von Heide und zwischen Itzehoe und Bad Bramstedt vorkommen. Die Erosionsgefährdung ist überall dort sehr hoch, wo bei vorhandenen Oberböden aus Feinsand ein Windschutz fehlt. Dies tritt nur in wenigen Gemeinden des Planungsraumes gehäuft auf (Abbildung 8 Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftliche genutzten Flächen). Im östlichen Dithmarschen und an der Elbe bestehen die Oberböden der Marschen in der Regel aus gering bis sehr gering erodierbaren Schluffen und Tonen, so dass hier auch die Erosionsgefährdung als gering bis sehr gering einzustufen ist.

Abbildung 8: Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen (rot: mindestens 25 Prozent sehr hoch winderosionsgefährdet, blau: mindestens 25 Prozent sehr hoch wassererosionsgefährdet) (LLUR, Abteilung Geologie und Boden)

Wassererosion

Bodenabtrag durch Wasser wird in Hanglagen durch oberflächlich abfließende Niederschläge und durch schmelzenden Schnee insbesondere bei ackerbaulicher Nutzung und bei geringem oder unbedecktem Boden verursacht. Möglich sind auch nicht unerhebliche Bodenabträge durch die unsachgemäße Ausbringung von Flüssigdüngern (wie Gülle) auf Schlägen mit fehlender Bodenbedeckung (wie Mais) bei entsprechender Erosionsneigung. Schluffreiche, tonarme Böden mit wenig aggregiertem Oberboden sind erosionsanfälliger als solche Böden aus grobsandigen Ausgangsmaterialien. Auch lange Hänge begünstigen die Erosion. Die Einstufung der Böden nach dem Grad ihrer Erosionsgefährdung durch Wasser erfolgt nach DIN 19708 (2005-02). Kenngrößen zur Abschätzung sind die Bodenerodierbarkeit und die Hangneigung, die neben dem Niederschlag (Messungen > 10 Jahre) das Ausmaß der Erosionsgefährdung am stärksten beeinflussen. Das Berechnungsergebnis zur Risikoabschätzung der Wassererosion stellt den langjährig zu erwartenden mittleren Bodenabtrag auf vegetationsfreiem Boden dar (10 Meter x 10 Meter Raster). Die Wassererosionsgefährdung auf landwirtschaftlich genutzten Böden kann durch eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung, die Kulturartenwahl und die Bodenbearbeitung (Mulch- und Direktsaatverfahren, Untersaaten) sowie durch Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur verringert werden.

In der Karte der Wassererosionsgefährdung (Abbildung 2: Wassererosionsgefährdung, Kapitel 2.1: Böden im Erläuterungsband) ist diese naturräumliche Gliederung deutlich zu erkennen. Das Östliche Hügelland unterliegt - von Ausnahmen abgesehen - entsprechend seinen verschiedenen Hangneigungen einem kleinräumigen Wechsel der Wassererosionsgefährdung von gering bis hoch. Die Fehmaraner Schwarzerden im Raum Nordostoldenburg und auf Fehmarn sowie die Moore und Gleye im Oldenburger Graben und im Raum Kellenhusen liegen in einem ebenen bis schwach geneigten Relief und sind daher überwiegend sehr gering, teilweise auch gar nicht erosionsgefährdet. Im Gebiet des Bungsberges und in der Holsteinischen Schweiz überwiegt eine hohe, teilweise sogar eine sehr hohe Erosionsgefährdung. Das Relief der Vorgeest, der Altmoränenlandschaften und der Marschen ist zumeist schwach bis sehr schwach geneigt, so dass in diesen Räumen überwiegend eine geringe bis sehr geringe Erosionsgefährdung auftritt. Ausnahmen mit einer mittleren bis hohen Erosionsgefährdung betreffen lediglich die Böden in stärker geneigten Gebieten der Altmoränenlandschaft, die zum Beispiel im Bereich Boostedt-Großenaspe, östlich von Kaltenkirchen sowie bei Schalkholz, Hochdonn und Wacken auftreten. Einige Gebiete, in denen Nieder- und Hochmoore dominieren, sind völlig eben. Hier ist die Gefährdung des Bodens durch Wassererosion vernachlässigbar. Die Gemeinden des Planungsraumes, in denen mehr als 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen hoch und sehr hoch wassererosionsgefährdet sind, werden in Abbildung 8: Gemeinden mit erosionsgefährdeten Böden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen hervorgehoben.

Verdichtungsempfindlichkeit

Grundwasserferne Böden sind umso weniger verdichtungsgefährdet, je gröber die Bodenart ist, aus der sie aufgebaut sind. Dies liegt auch an der geringeren Wasserhaltefähigkeit und festeren Konsistenz sandiger Böden. Insofern sind die Böden aus lehmigen Ausgangsmaterialien des Östlichen Hügellandes und der Hohen Geest, vor allem bei ackerbaulicher Nutzung, höher verdichtungsgefährdet als trockene sandige Böden in der Vorgeest und der Altmoränenlandschaft. Insbesondere staunasse Böden im Östlichen Hügelland und auf Teilen der Altmoränengeest sind in der feuchten Jahreszeit höher verdichtungsgefährdet. Dies betrifft auch die feinkörnigen Böden des Lübecker Beckens, die sich in schluffig-tonigen Sedimenten entwickelt haben. Besonders verdichtungsgefährdet sind Böden aus Niedermoortorfen, wobei die Gefährdung mit zunehmendem Bodenwassergehalt ansteigt. Niedermoore haben sich im gesamten Planungsraum entwickelt und treten häufig langgestreckt in den Tälern der Flussläufe auf. Schwerpunktmäßig kommen sie jedoch in Dithmarschen vor, wo sie in den Niederungsgebieten mit feinkörnigen, stark humosen Flussmarschen vergesellschaftet sind. Weiterhin haben sich sowohl in Dithmarschen als auch bei Steinburg und Pinneberg am nordsee- bzw. elbseitigen Übergang zwischen der Altmoränengeest und der Marsch großflächige Niedermoore entwickelt, die mit feinkörnigen, organischen Marschen vergesellschaftet sind. Sie sind mit marinen Sedimenten wechsellagernd geschichtet und enthalten besonders verdichtungsgefährdeten humosen Ton. Ähnlich hoch verdichtungsgefährdet wie die Niedermoore sind Böden aus feinkörnigen Substraten bei hohem Wasserstand, die insbesondere in der „Alten Marsch“ sowie auf feinkörnigen Sedimenten in den Flussauen vorkommen. Auch die grundnassen Böden der „Jungen Marsch“ sind stark verdichtungsgefährdet.

Weitere Hinweise und Informationen

Weitere Hinweise und Informationen zu den Verfahren der Bodenerosionsbewertung sowie zur Bodenverdichtung und entsprechende hochauflösende Kartendarstellungen sind im Landwirtschafts- und Umweltatlas (http://www.umweltdaten.landsh.de/atlas/script/) unter der Rubrik „Boden“ „Bodenbewertung“ enthalten.

Maßnahmen für die Ausführung des Bodenschutzes auf Linienbaustellen, insbesondere zur Vermeidung von Bodenschadverdichtungen, werden im „Leitfaden Bodenschutz auf Linienbaustellen“ behandelt.

Geotope

Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile und vermitteln Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens. So sind beispielsweise Beckensedimente und Moore bedeutende Archive der Klimaentwicklung. An Geotopen sind in der Vergangenheit wesentliche geowissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen worden, die zur Rekonstruktion der Erd- und Lebensgeschichte beigetragen haben. Aus pädagogischer Sicht sind Geotope lehrreiche Beispiele für das Entstehen und die Veränderung von Landschaften. Auch die touristische Bedeutung von Geotopen ist hervorzuheben. Nicht zuletzt können Geotope auch wichtige Lebensräume seltener oder bedrohter Pflanzen- und Tierarten darstellen. So sind beispielsweise Oser häufig typische Standorte für Organismen, die an trockene Lebensbedingungen angepasst sind.

Schutzwürdig sind grundsätzlich diejenigen Geotope, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen. Sie können insbesondere dann, wenn sie gefährdet sind und vergleichbare Geotope zum Ausgleich nicht zur Verfügung stehen, eines rechtlichen Schutzes bedürfen. Für die erdgeschichtliche Bedeutung eines Objektes im Sinne des Geotopschutzes kommt es dabei auf die geologischen Merkmale der unbelebten Natur an.

Die im vorliegenden Landschaftsrahmenplan dargestellte Geotopkulisse dokumentiert die Ergebnisse der landesweiten Bestandsaufnahme und Inventarisierung der im Planungsraum vorkommenden Geotope mit Stand 2014 (siehe Hauptkarte 3, Blatt 1 und Blatt 2). Im Zuge der fortschreitenden geologischen Landesaufnahme findet die weitere fachliche Bearbeitung statt, die einerseits die Identifizierung und Inventarisierung von einzelnen Geotopen innerhalb größerer Geotop-Potenzialgebiete (siehe Kapitel 4.2.11: Geotope) und andererseits eine Bewertung der bisher inventarisierten Geotope nach einem bundesweit einheitlichen Schema2 beinhaltet.

Im Land gibt es naturschutzrechtlich als Biotope geschützte Geotope, von denen einige sogar bundesweit von Bedeutung sind (beispielsweise die mit dem Prädikat „Nationales Geotop“ ausgezeichneten Objekte Kalkgrube Lieth, Morsumkliff auf Sylt und Helgoland). Um für Raum- und Landschaftsplanung sowie für Planungs- und Zulassungsverfahren schon jetzt eine Bewertungsgrundlage bereitzustellen, werden die Geotope nach dem derzeitigen Arbeitsstand somit in folgende zwei Kategorien unterteilt:

  • 1. Schutzwürdige Geotope: Bei diesen Geotopen handelt es sich um fachlich gut abgegrenzte und meist kleinräumige Objekte mit einer grundsätzlichen Erhaltungswürdigkeit. Hierunter fallen unter anderem wertvolle erdgeschichtliche Aufschlüsse, die nicht beeinträchtigt werden sollen (siehe Hauptkarte 3, Blatt 1 und Blatt 2).
  • 2. Geotop-Potentialgebiete: Als Geotop-Potenzialgebiete werden großflächige Geotope oder Geotopgruppen bezeichnet, bei denen die Erhaltung der generellen Morphologie im Vordergrund steht. Weitere Untersuchungen zur Abgrenzung konkreter Objekte (Geotope) stehen noch aus.

In den Erläuterungen, Tabelle 13: Geotope und Geotop-Potenzialgebiete und Kapitel 2.3: Geotope sind die nach Geotoparten differenzierten Geotope und Geotop-Potenzialgebiete des Planungsraumes entsprechend des derzeitigen Bearbeitungsstandes aufgeführt. Eine nach Geotoparten differenzierte Übersicht der Geotop-Potenzialgebiete im Planungsraum findet sich in Abbildung 9: Geotop-Potenzialgebiete. Über die Möglichkeiten einer Unterschutzstellung beziehungsweise deren planungsrechtlicher Rang gibt Kapitel 4.2.11: Geotope Auskunft.

Abbildung 9: Geotop-Potenzialgebiete

Archivböden

Unter dem Begriff Archivboden werden Bodenbildungen verstanden, welche die Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte nach dem BBodSchG in besonderer Weise erfüllen. Letztlich stellt jeder Boden als Produkt der auf sie einwirkenden Umweltfaktoren, einschließlich des Menschen, ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte dar. Um für Raum- und Landschaftsplanung sowie für Planungs- und Zulassungsverfahren eine Bewertung der Archivfunktionen vornehmen zu können, sind bereits entsprechende Kriterien benannt worden:

  1. Bodenentwicklungen, in denen sich Prozesse und Phasen der Naturgeschichte in besonderer Art und Weise widerspiegeln,
  2. Bodenentwicklungen, die in ihrem landschaftlichen Zusammenhang und Wirkungsgefüge durch eine besondere Stoffverlagerung gekennzeichnet sind,
  3. Bodenentwicklungen, die für einen Land

schaftsraum untypisch sind (seltene Böden) und

  1. Bodenentwicklungen, die Phasen, Ereignisse und Vorgänge der Kulturgeschichte repräsentieren.

Die Kriterien, die im später entwickelten Leitfaden der LABO3 zu Archivböden4 enthalten sind, decken sich zu weiten Teilen mit den oben genannten Kriterien, gehen aber stellenweise auch darüber hinaus. So gehören nach dem LABO-Leitfaden beispielsweise auch Paläoböden, Böden mit besonderen Periglazialerscheinungen und Böden mit hohem Dokumentationswert (Böden von Langzeit - Monitoringprogrammen) zu den Archivböden.

Im vorliegenden Landschaftsrahmenplan werden Böden aus besonderen Ausgangsmaterialien und Böden mit besonderen Periglazial- oder Glazialstrukturen, wie die in Aufschlüssen sichtbaren Paläoböden, den Geotopen zugerechnet. Fossile holozäne Bodenbildungen als Zeugen des nacheiszeitlichen Klimawandels oder Sedimentationsgeschehens werden hingegen als Archivböden behandelt. Bodenentwicklungen, die als pedogene Archive der Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte dienen (Kultosole), sind dem LABO Leitfaden nach solche, wo maßgebliche anthropogene Veränderungen des Profilaubaus oder der Geomorphologie durch direkte oder indirekte menschliche Einflüsse stattgefunden haben, und kann die Umgebung von archäologischen Fundstellen einschließen. Archivböden dieser Art sind hier nicht ausdrücklich berücksichtigt.

In den Erläuterungen, Kapitel 2.4: Archivböden und Tabelle 14: Archivböden im Planungsraum sind wichtige Archivböden des Planungsraumes mit Stand 2014 angeführt. Dabei ist zu beachten, dass die Auflistung nicht abschließend ist, so dass im Planungsraum durchaus weitere Archivböden auftreten können. Archivboden-Potentialflächen für die entsprechend benannten Archivbodentypen sind ebenfalls in den Erläuterungen, Kapitel 2.4: Archivböden und in der Abbildung 17: Archivböden dargestellt.