Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

2.4. Archivböden

In Tabelle 14 sind wichtige Archivböden des Planungsraumes aufgeführt. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Potenzialflächen stellen für einige Archivbodentypen schon konkret abgegrenzte Areale dar, bei denen lediglich eine Priorisierung fehlt (siehe Abbildung 12: Archivböden). Für andere Archivbodentypen müssen die Potenzialflächen noch in Bezug auf den tatsächlichen Nachweis, die konkrete Abgrenzung und die Priorisierung bearbeitet werden. Für die übrigen Archivbodentypen steht die Kartierung noch aus. In Tabelle 14: Archivböden ist für jeden Archivbodentyp der jeweilige Bearbeitungsstand aufgeführt, die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tabelle 14: Archivböden im Planungsraum

Name des ArchivbodensBesonderheit/ KonkretisierungAuftreten/ VorkommenBearbeitungsstand der Potenzialflächen 2014
HochmoorePollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche BesiedlungNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
NiedermoorePollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche BesiedlungNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
Überdeckte Moore Pollen, Artefakte und Bodenhorizonte geben Aufschluss über die Klima- und Vegetationsentwicklung sowie die menschliche Besiedlung; Überlagerung als Zeugnis wechselnder Umweltbedingungen im HolozänNiederungsgebieteNachweis vorhanden, Areale abgegrenzt, Priorisierung steht noch aus.
Regosole bis Podsole über fossilem PodsolDoppelte Bodenbildung als Zeugnis der Mehrphasigkeit der DünenbildungBinnendünenNachweis noch nicht erbracht. Potenzialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Auengleye, Vega-Gleye und Gley-VegenBöden mit flusswassergesteuerter Wasser- und ÜberflutungsdynamikAuenlageNachweis noch nicht erbracht. Potenzialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Gleye aus MuddenBöden als Zeugen von natürlichen und/oder anthropogenen Seespiegel-schwankungen bzw. EntwässerungenEhemalige Seen und KleingewässerNachweis noch nicht erbracht. Potenzialflächen sind ausgewiesen, Konkretisierung und Priorisierung der Areale stehen noch aus.
Fossile Podsole oder Gleye unter MarschenBöden als Zeugen der nacheiszeitlichen MeerestransgressionenEiderniederung: Übergang Geest/MarschBearbeitung steht noch aus.
Dwogmarschen mit HumusdwogBöden als Zeugen der Mehrphasigkeit der MarschensedimentationEiderniederung: „Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
(Gley-)Podsole der StrandwälleBöden als Zeugen älterer Strandwall- und Flugsanddynamik an der Nord- und OstseeküsteÄltere Strandwälle der Nord- und OstseeküsteBearbeitung steht noch aus.
Organomarschen mit MaiboltBöden als Zeugnis der besonderen Schwefeldynamik in der MarschEiderniederung: „Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
FlusskalkmarschenBöden als Zeugen jüngerer Transgressionsereignisse bis weit ins BinnenlandEiderniederung: Flüsse mit (historischem) TideeinflussBearbeitung steht noch aus.
Kalkgleye und verwandte BödenBöden als Zeugen besonderer Kalkdynamik in der LandschaftNiederungen des Jungmoränengebietes, vereinzelt auch im AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
KalkniedermooreBöden als Zeugen besonderer Kalkdynamik in der LandschaftNiederungen des JungmoränengebietesBearbeitung steht noch aus.
Brauneisengleye (mit Raseneisenstein)Böden als Zeugen besonderer Eisendynamik in der LandschaftNiederungen der Vorgeest und des Altmoränengebietes, selten im JungmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Natürliche Böden aus Grobsand und KiesBöden mit besonderer Wasserdynamik (extrem schnell dränend)Jung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Böden mit Pelosol-EigenschaftenTonreiche Böden mit Quellungs- und Schrumpfungsdynamik JungmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
KnickmarschenTonreiche Böden der Marsch mit ausgeprägter Quellungs- und SchrumpfungsdynamikEiderniederung: „Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.
Lockersyroseme und Böden des Bodentyps StrandInitiale Bodenbildung als Zeugnis ständiger MaterialumlagerungWeißdünen und SträndeBearbeitung steht noch aus.
FahlerdenBöden mit besonders stark ausgeprägter Tonverlagerung im BodenprofilJung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Stauwasserböden mit ausgeprägter Nassbleichung (Srw-Horizont)Böden mit besonders deutlichem Stauwassereinfluss (Bleichung)Jung- und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
PlaggenescheBöden als Zeugen ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzungssysteme (Plaggenwirtschaft)Vorgeest und AltmoränengebietBearbeitung steht noch aus.
Ältere TiefumbruchbödenBöden als Zeugen der Heide- und MoorkolonisationGeest, MoorBearbeitung steht noch aus.
Organomarschen mit MaiboltBöden als Zeugnis der besonderen Schwefeldynamik in der MarschEiderniederung: „Alte Marsch“Bearbeitung steht noch aus.

3. Landschaft und Erholung

Der Mensch Mitteleuropas gilt nach seiner psychologischen Grundstruktur als Lebewesen des „Waldrandes“. Er fühlt sich weder in geschlossenen Wäldern noch in ausgeräumten Weiten auf die Dauer wohl. Eine ansprechende, mit ausreichenden Reizmustern ausgestattete Umwelt ist deshalb ebenso wie Nahrung oder Schlaf zu den Grundbedürfnissen des Menschen zu rechnen.

In § 1 BNatSchG ist die dauerhafte Sicherung von Natur und Landschaft mit den Begriffen Vielfalt, Eigenart und Schönheit ausdrücklich erwähnt. Im Unterschied zu den Landschaftsfunktionen der anderen Potenziale nimmt die landschaftsästhetische Erlebnisfunktion eine Sonderstellung ein. Für das menschliche Erleben spielen neben naturwissenschaftlichen Kriterien auch sozialwissenschaftliche und wahrnehmungspsychologische Kriterien eine Rolle. Eine aggregierende Einstufung und Bewertung ist deshalb sehr subjektiv. Insofern können objektivierbare Einzelkriterien nur nebeneinander dargestellt werden. Hierzu gehören Relief, Eigenart und Vielfalt von Natur und Landschaft.

Das Relief ist ein kaum veränderbarer Landschaftsfaktor, der einen hohen ordnenden Einfluss auf das wahrnehmbare Gesamtgefüge eines Raumes hat. Damit bestimmt es in starkem

Maße den Charakter und die Unverwechselbarkeit eines Landschaftsraumes. Eine wichtige Komponente bildet die Eigenart einer Landschaft. Sie entsteht im Laufe der historischen Entwicklung einer Landschaft und der daraus hervorgegangenen, besonderen Konstellation natürlicher und kultureller Elemente. Die Landschaft ist hierdurch geprägt und unterscheidet sich von anderen Landschaftsräumen.

Für die Einstufung der Eigenart wird

  1. das Vorkommen kulturhistorisch wertvoller und visuell in Erscheinung tretender baulicher Elemente,
  2. das Auftreten prägnanter, im Zuge der historischen Entwicklung entstandener Nutzungsformen, charakteristischer Nutzungsabfolgen und Einzelelementen sowie
  3. deren Gebundenheit an den jeweiligen Landschaftsraum

berücksichtigt.

Zur Einschätzung der Vielfalt und Häufigkeit des Wechsels erlebniswirksamer Nutzungsformen kann die Gesamtzahl der Nutzungsformen Wald, Fließgewässer, Grünland, Heiden, Sonderkulturen (wie Obstwiesen und Baumschulflächen), naturnahe Flächen und kleine Siedlungsflächen in Relation zur Größe des Landschaftsraumes gesetzt werden.

Tabelle 15: Erlebnisqualität der Landschaftsbildtypen (Wirz, 1995: Gutachten „Landschaftsrahmenplan Ostholstein“, Hannover, ergänzt)

LandschaftsbildtypErlebnisqualität
Weiträumige, ungegliederte Agrarlandschaft im Bereich der Festlandsmarsch (nicht PR IIgering mittel bis hoch
Weiträumige, gegliederte Agrarlandschaft im Bereich der Marsch (nicht PR II)hoch
Flachwellige, weiträumige, ungegliederte Agrarlandschaftgering
Bewegte, ungegliederte Agrarlandschaftmittel
Strukturierte Agrarlandschaftmittel
Flachwellige, strukturierte Agrarlandschafthoch
Bewegte, strukturierte Agrarlandschafthoch
Kleinräumig gegliederte Agrarlandschafthoch
Geändert flachwellig, kleinräumig gegliederte Agrarlandschaftsehr hoch
Bewegte, kleinräumig gegliederte Agrarlandschaftsehr hoch
Landschaft der Marsch- und Geestinseln, Halligen (nicht PR II)sehr hoch
Nordseeküste (nicht PR II)sehr hoch
Niederunghoch
Flachküste der Ostseesehr hoch
Steilküste der Ostseesehr hoch
Überformte Meeresküstemittel
Dünen, Mager- und Trockenrasenflurhoch
Hügelige, waldgeprägte Agrarlandschaftsehr hoch
Laubwaldsehr hoch
Städtischer Siedlungsbereichgering

Als visuelle Leitstrukturen werden deutlich wahrnehmbare, lineare Landschaftselemente wie Höhenzüge, Reliefsprünge, Gehölzstrukturen entlang von Fließgewässern in offenen Talbereichen, markante Wälder und Küstenlinien bezeichnet. Sie werten Landschaftsräume in der Regel auf.

Neben linearen Landschaftselementen dienen auch punktuelle Landschaftselemente als optische Fixpunkte. Als solche fernwirksame Orientierungspunkte sind bedeutsam:

  • einzelne, in ausgeprägten formalen Kontrast zu ihrer Umgebung stehende Einzelstrukturen (zum Beispiel prägnante Moränenhügel oder Küstenabbrüche),
  • kulturhistorische Elemente in exponierter Lage (zum Beispiel Kirchen, Schlösser, Gutshöfe) oder auch
  • technische Elemente (zum Beispiel Leuchttürme).

Sie wirken auf weite Ferne in Landschaftsbildräume hinein und können deren Erscheinungsbild aufwerten aber auch stören.

4. Klimawandel

Die prognostizierten Veränderungen in der Niederschlagsverteilung (siehe Kapitel 2.1.3: Klima und Klimawandel des Hauptteiles) bewirken Änderungen in der klimatischen Wasserbilanz, die sich insbesondere auf nasse und feuchte Ökosysteme, aber auch auf Ökosysteme der trockenen Standorte wie Dünen und Magerwiesen auswirken werden.

Tabelle 16: Pflanzengesellschaften und ihre Reaktion auf den Klimawandel

Gesellschaft NATURA 2000 CodeGefährdung durch den KlimawandelVeränderung durch den Klimawandel
Lemnetea minoris (Wasserlinsen-Decken)1150, 3150Der Temperaturanstieg in Kleingewässern kann die Ausbreitung von Azolla filiculoides, Lemna turionifera und Wolffia arrhiza auslösen. Wesentliche strukturelle Änderungen des Artenbestandes sind aber schwer vorstellbar.o
Charetea fragilis (Armleuchteralgen)1130, 3140,3110,1160, 1150, 3140Die Mehrzahl der höherwertigen Arten kommt in kalten Klarwasserseen vor. Eine Gefährdung durch Temperaturanstieg ist daher nicht auszuschließen.-
Zosteretea marinae (Seegraswiesen)1110, 1160Seegras ist durch Eindeichung und dem Anstieg des Meeresspiegels gefährdet, nicht direkt durch Klimaveränderungen.o
Potamogetonetea (Wasserpflanzenges. der Still- und Fließgewässer)1110, 1160, 3150, 3260Für empfindliche Arten kann eine Erwärmung des Wasserkörpers zum Problem werden.-
Utricularietea intermedio-minoris (Wasserschlauch-Ges.)3160, 7140, 7210Die standörtlich sehr stenöke Art ist durch Eutrophierung gefährdet.o
Littorelletea uniflorae (Strandlings-Ges.)2190, 3110, 3130Die standörtlich sehr stenöke Art ist durch Eutrophierung und Versauerung gefährdet.o
Bidentetea tripartitae (Zweizahn-Spülsaum)3270Diese Art wird von wechselnden Wasserständen profitieren.+
Isoeto-Nanojuncetea (Zwergbinsen-Ges.)2190, 3132Eine empfindliche Reaktion auf sinkende Grundwasser-Stände in den Dünentälern und Heidesenken ist zu erwarten. Eine Ausbreitung ist nur im Bereich von See- und Flussufern bei verstärkten Wasserstandsschwankungen denkbar.-
Polygono-Poetea annuae (Hemerophile Trittflur-Ges.)-Die auf stark verdichteten und belasteten Böden weit verbreitete Gesellschaft unterliegt keiner Gefährdung.o
Stellarietea mediae (Acker-Wildkrautfluren)-Aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ist die Artendichte sehr gering. Wärmere Sommer könnten die Artendichte erhöhen, sofern keine betriebswirtschaftlichen Maßnahmen dagegen stehen.o
Phragmiti-Magnocaricetea (Schilf-Röhrichte, Großseggen-Rieder)1130, 2190, 3150, 3260Als Schlüsselarten haben sie ein weites Areal und dürften sich nicht nennenswert verändern, aber durch stärkere Wasserstandsschwankungen könnten konkurrenz-schwache Arten durch Feuchtgrünlandarten verdrängt werden. Bei fallenden sommerlichen Wasserständen käme es zunehmend zum Trockenfallen von Niedermoortorfen, Torferden und Mudden und machen die CO2-Senke zu einer CO2-Quelle.-
Scheuchzerio-Cricetea nigrae (Niedermoor-Ges., Hochmoor-Schlenkenges.)2190, 7140, 7150, 7210, 7230Sinkt der Wasserspiegel, verschiebt sich das Artenspektrum zugunsten ubiquitärer Sippen. Die Abtrocknung der oberen Torfschichten führt zur Freisetzung von Nährstoffen und CO2.-
Thero-Salicornietea (Queller-Bestände)1310Hier besteht kein Einfluss durch den Klimawandel. Ein Anstieg des Meeresspiegels bringt die Verlagerung der Zonierung.o
Spartinetea (Schlickgras-Bestände)1320Der Klimawandel bringt den Beständen Vorteile.+
Cakiletea maritemae (Meersenf-Spülsäume)1210Die vorkommenden Arten sind Arten mit Schwerpunkt im Mediterranbereich und werden von steigenden Temperaturen im Sommer profitieren.+
Ammophiletea (Vordünen und Dünenges.)2110, 2120Trockenere und wärmere Sommer werden die azonalen Vegetationstypen eher begünstigen.+
Honchenyo-Elymetea (Strandroggen-Ges.)1220, 2110Wärmere und trockenere Sommer werden von Vorteil sein.+
Juncetea maritimi (Salzmarschen-Ges.)1330, 1340, 1130, 1230, 2190Hydrologie, Salzgehalte und Nutzung steuern die Vegetationszusammensetzung. Durch den Meeresspiegelanstieg wird es zu Verschiebungen kommen. o
Molinio-Arrhenatheretea (Wirtschaftsgrünland)1130, 2190, 6410Wärmere und trockenere Vegetationsperioden werden im Feuchtgrünland künftig die Wasserversorgung absinken lassen. Bei organogenen Böden dürften sich Kohlenstoff- und Nährstofffreisetzung aus den Torflagern beschleunigen.-
Koelerio-Corynephoretea (Sandtrockenrasen, Graudünen)2130, 2330, 6120Die Gefährdung durch Eutrophierung ist größer als durch einen Temperaturanstieg.o
Festuco-Brometea (Trespen-Halbtrockenrasen)1230, 6210Eine Gefährdung liegt eher durch Eutrophierung vor als durch Temperaturanstieg. Mit einer Ausbreitung ist nicht zu rechnen.o
Agropyretea repentis (Nitrophytische, ruderale Trockenrasen)-Diese Art wird unter nährstoffreichen und sommertrockenen Verhältnissen noch konkurrenzstärker.+
Nardo-Callunetea (Borstgras-Rasen und Strauchheiden)2140, 2150, 2310, 2320, 4030, 6230Bereits jetzt ist ein schleichender Artenwandel durch Nährstoffeinträge zu beobachten. Sommertrockene Verhältnisse können zusätzlichen Stress verursachen und zu Extinktion der gefährdeten Population führen.-
Oxycocco-Sphagnetea (Feuchtheide- und Hochmoorbulten-Gesellschaft)2190, 4010, 7110, 7120Schleswig-Holstein befindet sich mit an der Südgrenze des Hochmoor-Ökoareals. Als Folge des Klimawandels könnte sich diese Grenze nach Norden verschieben. Sichtbar wird das durch zunehmende Bestockung mit Gehölzen. Es besteht die Gefahr der Abtrocknung, Mineralisation und Wandel von CO2-Senke zur -Quelle.-
Artemisietea vulgaris (Ruderale Säume und Uferstaudenfluren)6430, 6440, 6510Diese Arten befinden sich an nährstoffreichen Offenstandorten mit Generalisten und einem weiten hydrologischen Gradienten. Es ist eher mit einer Ausbreitung zu rechnen.+
Trifolio-Geranietea sanguinei (Meso- und thermophile Saumges.)6210Kleinräumige Gesellschaften, die zwar wärmeliebend sind, aber faktisch von nitrophilen Stauden verdrängt werden.o
Epilobietea angustifolii (Schlagflur-Ges.)-Es sind keine Veränderungen durch den Klimawandel zu erwarten.o
Rhamno-Prunetea (Gebüsch- und Vorwaldges.)2160, 2170Es sind kaum noch Waldarten vorhanden, sondern Nitrophyten. Durch sommerliche Trockenphasen wird dieser Trend eher fortgesetzt (Einwehen von Dünger).o
Salicetea purpurea (Weidengebüsche und –wälder der Weichholzaue)91EO, 91FOEine Zerstörung erfolgt hier nutzungs- und nicht klimabedingt.o
Alnetea glutenosae (Erlen- und Weidenbruchwälder)-Auch Bruchwälder sind größtenteils entwässert, nur 15 Prozent sind oligohemerob. Durch die Entwässerung mineralisieren die Torfe und geben CO2 frei. Durch den Klimawandel wird dieses verstärkt.-
Vaccinio-Piceetea (Koniferenforsten- und Birkenbruchwälder)91DODie Sommertrockenheit wird Birkenbruchwälder auf entwässerten Hochmooren fördern. Die Transpiration der Baumschicht wird die Torfzehrung fördern. Die CO2-Senken-Funtion ist aber noch gegeben.o

In der Tabelle 16: Pflanzengesellschaften und ihre Reaktion auf den Klimawandel werden beispielhaft einige vom Klimawandel betroffene Pflanzengesellschaften und LRT sowie deren Gefährdungspotenzial dargestellt. Daraus wird deutlich, dass vor allem Ökosysteme, die auf Gewässer oder bestimmte Grundwasserstände angewiesen sind, sich negativ entwickeln können. Abnehmende Bodenfeuchte der obersten Bodenschicht und sinkende Grundwasserstände aufgrund verminderter Niederschläge im Sommer können dazu führen, dass einzelne Ökosysteme periodisch trocken fallen, dies betrifft vor allem Täler und Tieflagen. Trocknen einzelne Gewässer im Sommer komplett aus, werden sie meist nicht wieder besiedelt.

Auwälder im Überflutungsbereich von Fließgewässern könnten beispielsweise von den zunehmenden Wassermengen im Winter profitieren, im Sommer dagegen vermehrt austrocknen. Tabelle 15 stellt die Wirkungsketten für einige Klimaveränderungen dar. Dabei werden auch die potenziell gefährdeten Ökosystemfunktionen, die den natürlichen Ressourcen zur Verfügung stellen sollen, benannt.

Tabelle 17: Klimaänderungen und ihre Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Vegetation und Artenzusammensetzung

KlimaänderungRessourceAuswirkungenKlimafolgenGefährdete Ökosystemdienstleistung
Zunahme der TemperaturWasserVerringerte Infiltrations- und Abflussrate, geringere Grundwasserneubildung, geringerer O2-GehaltAbnehmende GewässerqualitätKlimaregulierung, Primärproduktion, Nährstoffkreislauf, Schadstoffregulie-rung
BodenErhöhte Evapotranspiration
Vegetationsteigende Wachstumsrate, Verlängerung der Vegetationsperiode
Artenzusammen-setzungVermehrtes Algenwachstum in Gewässern
Hitze- und TrockenperiodenWasserPeriodisches Trockenfallen von GewässernVerstärkung der THG-Freisetzung, besonders aus entwässerten hydromorphen BödenC-Speicherung, Wasserneubildung
Bodenperiodisches Trockenfallen von grundwasserabhängigen Böden und Tälern
VegetationAnsiedlung wärme- und trockenheitsliebender Flora
Artenzu-sammen-setzungOftmals keine Besiedlung des Ökosystems mehr
Intensivierung der Niederschläge und Verschiebung der Niederschläge vom Sommer zum WinterWasserHöhere Infiltration und Sättigung, erhöhte Abflussrate, Grundwasseranreicherung, SturmflutenErosionsgefahr vor allem auf Flächen mit geringem Bodenbedeckungsgrad, ÜberflutungsereignisseSchutz vor Naturgefahren
BodenNährstoffauswaschung und Akkumulation in den Vorflutern
Vegetation
Artenzusammensetzung
MeeresspiegelanstiegWasserSalzwasserintrusionBiodiversität
Boden
VegetationAusbreitung der Watten und Tideröhrichtbereiche
Artenzusammen-setzungEinwanderung von Arten

Im Folgenden werden diejenigen Ökosysteme Schleswig-Holsteins dargestellt, denen zum einen eine Bedeutung zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen als Klimaschutzfaktor zukommt sowie Ökosysteme, die unter dem Einfluss des Klimawandels einer großen Veränderung unterliegen können bzw. bei denen bereits Degradationen festzustellen sind.

Kohlenstoffreiche Böden

Als eine der größten Kohlenstoff-Senken (nach den Ozeanen) fungiert der Boden, indem er in Form von organischer Substanz in den obersten 0,3 Metern Bodenschicht ungefähr doppelt so viel Kohlenstoff speichert, wie sich in der Atmosphäre befindet. Der Gehalt an organischer Substanz ist somit eine entscheidende Klimaschutz-Größe. Nach den Kriterien des IPCC und der deutschen bodenkundlichen Klassifikation umfassen die kohlenstoffreichen Böden Nieder- und Hochmoore, Moor- und Anmoorgleye sowie Anmoorpseudogleye. Diese Böden entstanden unter (Stau-) Wassereinfluss und bauen – bei Grundwasserabsenkung – vermehrt Humus ab, da durch die Belüftung Zersetzungsprozesse eingeleitet werden. Es wird geschätzt, dass weltweit in Moorböden 450 bis 500 Gigatonnen Kohlenstoff in Form von Torf (Bodenmaterial mit mehr als 30 Prozent organischer Substanz) gespeichert sind – dies entspricht etwa einem Drittel der gesamten, in Böden gebundenen, Kohlenstoffvorräte. Vergrößert sich die aerobe Zone der Torfkörper, oxidieren die über lange Zeit akkumulierten Kohlenstoffverbindungen schnell und der Moorboden wird zu einer Quelle für Treibhausgasemissionen. Besonders auf entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Mooren läuft dieser Prozess verstärkt ab. Die Moorböden Schleswig-Holsteins emittieren pro Jahr insgesamt 2,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente5, der größte Anteil davon stammt aus entwässerten Mooren (2,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Dies entspricht einem Anteil von 9,3 Prozent der Gesamtemissionen Schleswig-Holsteins (ohne Emissionen aus Landnutzung und Landnutzungsänderung). Die Tabelle 17: Treibhausgas-Emissionswerte auf Moorböden sind die Ergebnisse der Bilanzierung der Klimawirkung von Moorböden in Schleswig-Holstein zusammengefasst. Den größten Anteil an den Emissionen aus Moorböden haben die intensiv landwirtschaftlich als Grünland genutzten Niedermoorböden mit 890.712 Tonnen CO2-Äquivalente.

Tabelle 18: Treibhausgas-Emissionswerte auf Moorböden (Jensen et al., 2010)

Einheiten BiotopkartierungWasserstufe[footnoteRef:6] [6: Wasserstufen: 6+ entspr. geflutet, 5+ entspr. nass, 4+ entspr. halb nass/sehr feucht, 3+ entspr. feucht, 2+ entspr. mäßig feucht] TorfartFläche in haTonnen CO2-Äquivalente pro Jahr
Nasse, hochwertige Systeme17.483114.289
Bult-Schlenken-Stadium4+/5+Hochmoor141705
Bruchwald5+Niedermoor4.7634.763
Ehemaliger Torfstich5+Hochmoor1.1763.528
Übergangs-/ Schwingmoorflächen naturnah4+/5+Hochmoor4021.206
Röhricht4+Niedermoor7.31480.454
Großseggenried5+Niedermoor1.0885.440
Niedermoor/ Sumpf5+Niedermoor2.59918.193
Entwässerte hochwertige Flächen20.754263.912
Heidekraut-Stadium4+Hochmoor8518.085
Pfeifengras-Stadium4+Hochmoor3.75635.682
Birken-Stadium4+Hochmoor4.02538.237
Feuchtgebüsch (Weiden)4+Niedermoor2.3050
Hochstaudenflur2+Niedermoor2.65763.768
Talniederung3+Niedermoor1.74328.760
Feuchtgrünland3+Niedermoor5.41789.380
Entwässerte geringwertige Flächen107.2972.081.172
Grünland extensiv3+Hochmoor14.884223.260
Grünland extensiv3+Niedermoor40.000600.000
Grünland intensiv2+Hochmoor5.000120.000
Grünland intensiv2+Niedermoor37.113890.712
Acker2+Hochmoor3007.200
Acker2+Niedermoor10.000240.000
Gesamtsumme Schleswig-Holstein145.5342.459.373

Grünland als CO2-Senke

In Deutschland sind für die, durch Landnutzungsänderung verursachten Treibhausgasemissionen vor allem die landwirtschaftliche Nutzung entwässerter Moore und die Umwandlung von Grünland zu Ackerflächen verantwortlich. Eine CO2-Senkenfunktion hat das Grünland so lange, bis es sein spezifisches Kohlenstoffgleichgewicht erreicht hat. Die meisten Grünlandflächen stellen noch eine CO2-Senke dar, da dieser Sättigungszustand erst nach mehr als 100 Jahren erreicht wird. Bodentyp und Wasserstand spielen dabei eine große Rolle, denn hydromorphe Böden haben eine höhere Kohlenstoffspeicherkapazität. Für Niedermoorböden mit jeweils unterschiedlichen Nutzungen wurden folgende Treibhausgasemissionen festgestellt (siehe Tabelle 18: Treibhausgas-Emissionen auf Niedermoorböden in Abhängigkeit der Nutzung und des Wasserstandes).

Tabelle 19: Treibhausgas-Emissionen auf Niedermoorböden in Abhängigkeit der Nutzung und des Wasserstandes (Drösler et al., 2011)

NutzungMittlerer Wasserstand ab Geländeoberkante ( in Zentimeter)Treibhausgasemissionen (CO2, CH4, N2O) in t/ha*a CO2-Äquivalente
Naturnahes Moor/ renaturiert-103,3
Grünland extensiv-1110,3
Grünland extensiv (mäßig drainiert)-2922,5
Grünland intensiv (tief drainiert)-4930,9
Acker (tief drainiert)-7033,8

Bei einer Umwandlung von Grünland in Acker wird der größte Teil des im Boden enthaltenen Kohlenstoffs im ersten Jahr nach dem Umbruch als CO2 freigesetzt. Dagegen wird bei einer Neuanlage von Grünland Kohlenstoff im Boden gebunden, allerdings ist die Festsetzungsrate pro Jahr nur halb so hoch wie die Freisetzungsrate nach dem Umbruch.

Grünland in Überflutungsgebieten, insbesondere in Auenlandschaften, trägt wesentlich zum Wasserrückhalt bei, indem es mehr Wasser im Boden zurückhalten kann. Im Gegensatz zu Ackerland weist Boden unter Grünland mehr Gesamtporenvolumen und eine bessere Wasserinfiltration auf, da es nicht gepflügt und mit weniger schweren Geräten bearbeitet wird. Aufgrund der dauerhaften Durchwurzelung des Bodens trägt Grünland auch wesentlich zur Erosionsminderung in Überschwemmungsgebieten bei. Im Hinblick auf die Biodiversität kommen über ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen hauptsächlich im Grünland vor; daneben bietet es Lebensraum für Wirbeltiere, Vögel, Amphibien und Insekten. Es bestehen hier sehr enge Wechselbeziehungen zwischen Flora und Fauna, daher spielt der Erhalt von Grünland bei der

Erreichung von Biodiversitätszielen eine wesentliche Rolle. Nach dem HNV-Farmland-Indikator betrug der Anteil der Flächen mit hohem Naturwert im Jahr 2010 3,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Im Jahr 2013 waren es 2,9 Prozent, somit ist ein Trend von 12,1 Prozent Verlust zu verzeichnen. Die zunehmende Intensivierung führt zu einer erheblichen Abnahme von ökologisch wertvollen Flächen und Strukturen im Grünland.

Wälder

Der Waldboden als natürliche CO2-Senke, lagert rund 70 Prozent des Kohlenstoffvorrats im Mineralboden und 30 Prozent im Auflagehumus an. Der mittlere C-Vorrat der Laub- und Nadelwälder Schleswig-Holsteins in den obersten 90 Zentimeter Bodenschicht der Mineralböden sowie der organischen Auflage der Wälder und Moore liegt auf Grundlage der zweiten Bodenzustandserhebung (BZE) bei rund 32 Millionen Tonnen Kohlenstoff bzw. 188 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar (Wördehoff et al. 2012), was einer Menge von 695 Tonnen CO2-Äquvalenten entspricht6.. Im Mittel entfallen etwa 55 Prozent der Kohlenstoffvorräte des gesamten Waldes auf den Waldboden. Auch die lebende ober- und unterirdische Baumbiomasse spielt für die langfristige Kohlenstoffspeicherung eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung weiterer klimatischer Veränderungen. Zur dritten Bundeswaldinventur 2012 wurde für die schleswig-holsteinischen Wälder ein Kohlenstoffvorrat von insgesamt 18 Millionen Tonnen in der lebenden Baumbiomasse dokumentiert. Dies entspricht 66,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Tabelle 19: Kohlenstoffvorräte der Wälder Schleswig-Holsteins nach Speichern zeigt eine Übersicht der Kohlenstoffvorräte aller Speicher des Waldes in Schleswig-Holstein für das Jahr 2012.

Tabelle 20: Kohlenstoffvorräte der Wälder Schleswig-Holsteins nach Speichern (Wördehoff et al., 2012)

SpeicherFläche in Hektar (gerundet)Vorrat in m3 ³C-Vorrat in Tonnen
Lebende Baumbiomasse (gesamte oberirdische Biomasse, lebende Grobwurzeln)160.00047.000.00012.000.000
Tote Baumbiomasse (totes Derbholz ab sieben Zentimeter Durchmesser)160.0001.500.000190.000
Auflagehumus (ohne Moorböden)35 Tonnen C / Hektar
Mineralboden (bis 90 Zentimeter Tiefe, ohne Moorböden)[footnoteRef:8] [8: Datengrundlage: Zweite bundesweite Bodenzustandserhebung (BZE II, 2007)] 130 Tonnen C / Hektar

Im Zusammenhang mit steigenden C-Vorräten eines Waldes, also einer Senkenfunktion, ist ein hohes Durchschnittsalter der Bäume von großer Bedeutung. Dies bedeutet, möglichst naturnahe Waldbestände mit starken Einzelbäumen und Totholzmengen zuzulassen. Die Wälder der nördlichen Hemisphäre sind laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2006) eine bedeutende Netto-Senke. „Die größtenteils nachhaltig bewirtschafteten Wälder Europas (geographische Einheit bis Ural) binden CO2 in einer Größenordnung von rund 20 Prozent der jährlichen Emissionen durch Verbrennung fossiler Brennstoffe im gleichen Gebiet“ (Pistorius, 2006). Die Senkenfunktion wird aber nur sichergestellt, wenn sich der Wald im Wachstum befindet. Daher ist die Waldmehrung und nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ein Garant für die Kohlenstoffbindung. Im „Fahrplan Anpassung an den Klimawandel“ des MELUR (2011) wird nicht nur der Walderhaltung sondern auch der langfristig angestrebten Neuwaldbildung eine hohe Bedeutung im Klimaschutz beigemessen.

Artenreiche, naturnahe Laubholz-Mischwälder haben eine hohe natürliche Anpassungsfähigkeit aufgrund ihrer großen strukturellen und genetischen Vielfalt. Sie tragen damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zum Feuchte- und Temperaturausgleich bei. Wälder besitzen ein hohes Absorptionsvermögen für Strahlung (niedrige Albedo von 5 bis 18 Prozent), tragen mit ihrer insgesamt großen Blattoberfläche zur Verdunstung bei und regulieren damit auch den hydrologischen Kreislauf. Durch den hohen Bewuchs der Bodenoberfläche wird die Wasser- und Nährstoffaufnahme gefördert, wodurch dem Wald ebenso die Ökosystemfunktionen Hochwasserschutz und Nährstoffrückhalt zugeschrieben werden können.

Böden der trockenen Standorte

Die Zunahme von extremen jahreszeitlichen Unterschieden in der Niederschlagsverteilung betrifft nicht nur feuchte kohlenstoffreiche Systeme, sondern auch trockene Standorte. Von sommerlichen Wasserbilanzdefiziten sind besonders Böden mit nur geringem Wasserspeichervermögen betroffen (zum Beispiel Sandböden mit hohem Anteilen an Grob- und Mittelsand). Während der Vegetationsperiode wird auf sandigen Standorten die nutzbare Feldkapazität schneller erschöpft sein, hinzukommen geringe kapillare Aufstiegsraten, was insgesamt zu Trockenstress für die Pflanzen führen kann. Infolge erhöhter Verdunstungsraten im Sommer spielt der Grundwasserflurabstand eine große Rolle für die Wasserverfügbarkeit der Pflanzen. Die grundwasserfernen sandig ausgebildeten Böden der Hohen Geest und der Vorgeest zählen hierzu, ebenso wie die sandigen Endmoränen und Binnensanderflächen des Östlichen Hügellandes. Im Winter dagegen können höhere Sickerwasserraten v.a. auf den sandigen und damit stark durchlässigen Geest-Standorten erwartet werden, so dass hier mit einer hohen Grundwasserneubildung gerechnet werden kann.

Höhere Temperaturen können sich generell auch positiv auf einige Gesellschaften dieser Standorte auswirken, im Hinblick auf die Biodiversität kommt es dabei aber zur Verschiebung der Artenzusammensetzung, da, an Trockenheit weniger gut angepasste Arten verdrängt werden.

Laut Dierssen et al. (2007) dürfte die Produktivität der grundwasserfernen Grünlandflächen auf wechselfeuchten bis trockenen Standorten in wärmeren und trockeneren Vegetationsperioden geringfügig bis mäßig abfallen, vor allem auf ohnehin ertragsschwachen, sandigen Böden. Für die zukünftige Bewirtschaftung solcher Flächen sei zu berücksichtigen, dass bei längerer landwirtschaftlicher Vornutzung mit entsprechend intensiver Düngung die Eignung solcher Standorte als „Ausgleichsflächen“ im Sinne des § 15 BNatSchG stark eingeschränkt ist, weil sich der spontan einstellende Artenpool in erster Linie aus ausbreitungsfreudigen Ubiquisten zusammensetzen dürfte. Alternativ sei die Überführung solcher Standorte in Forstflächen zu erwägen.

Kommunale und regionale Aktionspläne zur Anpassung an den Klimawandel

Den kommunalen und regionalen Aktionsplänen zur Anpassung an den Klimawandel kommt bei der Umsetzung dieser Ziele eine besondere Bedeutung zu. Im Planungsraum II ist dabei auf folgende kommunale Aktivitäten hinzuweisen:

Klimaschutz: In Schleswig-Holstein bestehen vielfältige kommunale Aktivitäten auf dem Feld des Klimaschutzes. Einen guten Überblick über die vielfältigen Aktivitäten bieten folgende Instrumente, Angebote und Netzwerke:

1. Energie- und Klimaschutzinitiative Schleswig-Holstein (EKI)

Mit der Energie- und Klimaschutzinitiative Schleswig-Holstein (EKI) bietet das Land Schleswig-Holstein Städten und Gemeinden Unterstützung bei der Umsetzung der Energiewende „vor Ort“ an. Zu den Angeboten zählen u.a. kostenfreie Initialberatung durch die IB.SH Energieagentur, Informationsmaterialien und Tools, Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln bei der EU, des Bundes und des Landes und zielgruppenspezifische Fachveranstaltungen. Kommunale Akteure wie Kommunalverwaltungen, kommunale Energieversorger oder Wohnungsbaugesellschaften sollen im Rahmen von EKI mit Informationen und Beratungen ermutigt und unterstützt werden, Klimaschutz- und Energiewendemaßnahmen eigenständig umzusetzen. Im Fokus steht dabei die Energiewende im Wärmesektor – die sogenannte „Wärmewende“. EKI soll zudem dabei unterstützen, dass Fördermittel des Bundes für die Themenfelder Energiewende und Klimaschutz optimal in Schleswig-Holstein eingesetzt werden.

Kontakt:

IB.SH Energieagentur,

E-Mail: eki@ib-sh.de

http://www.schleswig-holstein.de/DE/SchwerpunktenergieKlimaschutz/EnergieKlimaschutz_node.html

2. Projektdatenbank der Energieolympiade Eine umfangreiche und aktuelle Übersicht von kommunalen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Energieeinsparung bietet die Projektdatenbank der Energieolympiade. Die umfangreiche Suchfunktion erlaubt eine gezielte Suche unter anderem nach Thema und Region innerhalb des Landes.

Die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) veranstaltet gemeinsam mit ihren Partnern, den Kommunalen Landesverbänden, der Landesregierung, der Investitionsbank/Energieagentur sowie dem Klima-Bündnis regelmäßig die EnergieOlympiade, bei der sich Kommunen in vier Disziplinen mit ihren Projekten und Konzepten bewerben können. Im Rahmen dieses kommunalen Wettbewerbs werden vorbildliche Projekte prämiert, die auf kommunaler Ebene zur Energieeinsparung und damit auch zum Klimaschutz beitragen. Die Disziplin „EnergieProjekt“ mit kleinen, großen und Verhaltensprojekten ist die Standarddisziplin. Ferner wird ein Themenpreis ausgelobt, der als dynamisches Element bei jeder Wettbewerbsrunde wechseln kann. Überdies gibt es die Disziplin „EnergieHeld“ für besonderes ehrenamtliches Engagement. Unter der Disziplin „EnergieKonzept“ passt alles an Ideen, die noch in der Planungs- bzw. Umsetzungsphase stecken und die idealerweise einen übergreifenden Ansatz haben.

Teilnahmeberechtigt sind Städte, Gemeinden, Kreise und Zweckverbände. Jede Kommune kann sich in allen vier Disziplinen mit mehreren Wettbewerbsbeiträgen beteiligen.

Kontakt:

Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH

Boschstraße 1 | 24118 Kiel

www.energieolympiade.de

Projektdatenbank:

http://www.energieolympiade.de/hintergrund/projektdatenbank/suche/

3. Klimabündnis Das Klima-Bündnis ist ein bundesweit wichtiger Ansprechpartner für Kommunen zu Fragen der Treibhausgasreduktion. Das Bündnis unterstützt die kommunale Vernetzung und stellt den Mitglieds-kommunen einer Reihe von Methoden, Instrumenten und ein CO2-Bilanzierungsinstrument zur Verfügung. Die Mitglieder des Klima-Bündnis verpflichten sich zu einer freiwilligen, kontinuierliche Minderung der Treibhausgasemissionen (alle fünf Jahre um zehn Prozent, bis zum Jahr 2030 eine Verminderung auf ein Niveau von 2,5 Tonnen CO2-Äquivalent pro Einwohner und Jahr). Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Ziele und Aktivitäten des Klima-Bündnis und ist seit 2003 Mitglied im Klima-Bündnis.

Zu den Aktivitäten des Klima-Bündnis gehören neben den genannten Instrumenten unter anderem eine jährliche nationale Klimakonferenz, regionale Arbeitstreffen und Kampagnen.

Derzeit sind 22 Kommunen aus Schleswig-Holstein Mitglied im Klima-Bündnis und können damit als Vorreiter zu Fragen des kommunalen Klimaschutzes im Land angesehen werden.

Kontakt:

Klima-Bündnis Galvanistr. 28, 60486 Frankfurt am Main E-Mail: europe@klimabuendnis.org

www.klimabuendnis.org

Übersicht zu Mitgliedern des Klima-Bündnis unter

http://www.klimabuendnis.org/our_members0.0.html?&L=1:

Beispielhaft ist im Planungsraum das Klimabündnis Kieler Bucht zu nennen. Das Klima-Bündnis Kieler Bucht ist ein Zusammenschluss von derzeit 20 Ostseegemeinden, wissenschaftlichen, touristischen und institutionellen Einrichtungen mit dem Ziel, Klimaanpassungsmaßnahmen zu vermitteln und zu initiieren. Dort, wo es für die Umsetzung von Anpassungsprojekten sinnvoll erscheint, werden auch Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt. Unsere Handlungsschwerpunkte sind der Küstenschutz und Tourismussektor.

Kontakt:

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Geographisches Institut Abteilung Küstengeographie & Klimafolgenforschung Ludewig-Meyn-Str. 14, 24098 Kiel

www.klimabuendnis-kieler-bucht.de