Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

Band 2 - Erläuterungen

1.11.3. Methodik zur Ermittlung der Strukturreichen Agrarlandschaften

In der Abbildung 24: Strukturreiche Agrarlandschaft werden die Strukturreichen Agrarlandschaften dargestellt, die im Zuge der Fortschreibung des Landschaftsrahmenplanes von der Oberen Naturschutzbehörde auf der Grundlage eigener naturschutzfachlicher Daten und ausgewählter Daten des Landwirtschaftlichen Flächenkatasters (LFK) mit Hilfe geographischer Informationssysteme (GIS) ermittelt wurden. Eigene Erhebungen im Gelände wurden dabei nicht durchgeführt. Die Methode zur Ermittlung der Strukturreichen Agrarlandschaften wird im Folgenden beschrieben.

Flächenkulisse und betrachtete Elemente

Zur Bestimmung des Strukturreichtums der Agrarlandschaft Schleswig-Holsteins wurden zunächst alle Flächen aus dem Landwirtschaftlichen Flächenkataster (LFK)1 zu einer Fläche zusammengefasst. Die betrachtete Flächenkulisse umfasst damit die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche Schleswig-Holsteins. Die Elemente, die zur Ermittlung des Strukturreichtums in der Agrarlandschaft herangezogen wurden, lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:

  • Dauergrünland: Dieses Element wurde für sich betrachtet, da davon ausgegangen werden kann, dass Dauergrünlandflächen in Schleswig-Holstein per se als strukturreich anzusprechen sind. In einem späteren Schritt wurde allerdings hinsichtlich dieser Grundthese eine naturräumliche Differenzierung vorgenommen (siehe unten).
  • Naturnahe Landschaftselemente: Hier wurden zum einen die Landschaftselemente des LFK abzüglich Grabenstrukturen herangezogen. Weitere Elemente sind Biotope, Gewässer und Waldflächen (jeweils mit Flächengrößen größer als einen Hektar). Diese vier Elemente wurden zusammengefasst und parallel zum Dauergrünland betrachtet.

Für die Ermittlung des Strukturreichtums der Agrarlandschaft Schleswig-Holsteins wurden ausschließlich die Elemente betrachtet, die sich innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen befinden. Dadurch sollte eine Verfälschung durch Umgebungseinflüsse vermieden und eine Annäherung an die Methodik des so genannten High-Nature-Value-Farmland-Monitorings erreicht werden.

Vorgehen

Die Berechnungen wurden mit Hilfe der Programme „R“2 und „ArcGis“3 durchgeführt. In einem ersten Schritt wurden die Kulisse sowie die beiden oben genannten Elementkategorien mit einem 50 x 50 Meter Gitternetz gerastert. Für die erste Elementkategorie, das Dauergrünland, wurde anschließend eine 0/1-Codierung pro Rasterzelle erzeugt, die angibt, ob in einer Rasterzelle Dauergrünland enthalten ist oder nicht. Auf das Raster wurde anschließend die Moving-Window-Methode nach KIESEL und LUTZE (2004)4 angewendet. Diese Methode ist geeignet, um räumlich verteilte Strukturen durch Regionalisierung und Zonierung zu einem zusammenhängenden Gebiet zu aggregieren. Dabei wird für jede Rasterzelle mittels einer Funktion ein neuer Wert bestimmt, der sich aus den Werten der umgebenden Rasterzellen in einem vorgegebenen Radius ergibt. Hier wurde als Funktion die Berechnung des Mittelwertes gewählt, bei der die Werte der Rasterzellen innerhalb des Radius addiert und durch die Anzahl der Rasterzellen dividiert werden. Als Radius wurde nach fachlicher Überlegung für beide Elementkategorien 1.000 Meter gewählt.

Das Ergebnis für das Dauergrünland zeigte daraufhin Räume mit unterschiedlichen Konzentrationen an Dauergrünland. Durch die Festlegung eines Schwellenwertes für die Rasterzellen wurden die relevanten Räume selektiert.

Für jedes Element der zweiten Elementkategorie wurde in einem ersten Schritt ebenfalls eine Rasterung mit einem 50 x 50 Meter Gitternetz durchgeführt. Anschließend wurden die Raster dieser Elemente addiert, das heißt es wurden die Werte der lagegleichen Rasterzellen addiert. Zusätzlich wurden die Werte der Rasterzellen normiert, indem diese durch die Anzahl der Elemente dieser Kategorie dividiert wurden. Anschließend wurde auch hier nach der Moving-Window-Methode verfahren und durch die Wahl eines Schwellenwertes relevante Räume selektiert. Die Ergebnisse der beiden Elementkategorien wurden durch Vereinigung der selektierten Räume zusammengefügt. Die als Gesamtergebnisse vorliegenden Raster wurden anschließend in Shapefiles umgewandelt, um eine weitere Bearbeitung per ArcGIS zu ermöglichen.

Für die weitere Bearbeitung in ArcGIS lagen somit zwei Grundshapes, eines zum Dauergrünland und eines zu den naturnahen Landschaftselementen, vor. Aus fachlichen Gründen wurde die Entscheidung getroffen, das Dauergrünland im Westen von Schleswig-Holstein bei der weiteren Bearbeitung anders zu behandeln als das Dauergrünland im östlichen Teil. Aus diesem Grund wurde das Dauergrünland-Shape in West und Ost unterteilt. Als Grenze wurde hierbei der Grenzverlauf der biogeographischen Regionen (atlantisch/kontinental) verwendet. Bei den nun drei vorliegenden Shapes (Dauergrünland West, Dauergrünland Ost und naturnahe Landschaftselemente Elemente) wurden Flächen, die kleiner als 25 Hektar sind, entfernt. Des Weiteren wurden Lochflächen mit einer Größe von fünf Hektar ebenfalls entfernt. Anschließend fand eine Aggregation innerhalb von 100 Meter statt. Für den westlichen Teil von Schleswig-Holstein wurden nun die Dauergrünlandflächen selektiert, die sich entweder mit vorhandenen Natura 2000-Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebiete), mit Wiesenvogelbrutgebieten, mit Wertgrünland oder mit gegrüpptem Grünland überschneiden. Anschließend wurden erneut Flächen kleiner 25 Hektar gelöscht. Für den östlichen Teil von Schleswig Holstein wurden Dauergrünlandflächen selektiert, die eine Mindestflächengröße ab 200 Hektar aufweisen. Anschließend wurden die Shapes zu den Dauergrünlandflächen mit dem Shape der naturnahen Landschaftselemente zusammengeführt. Daraufhin wurden die Flächen, die sich innerhalb von Naturschutzgebieten oder Vorranggebieten für die Windkraft (gemäß des Standes zum Zeitpunkt der Bearbeitung) befinden, abgezogen. Abschließend wurden die Flächen selektiert, die mindestens 200 Hektar groß sind und Lochflächen von zehn Hektar wurden entfernt. Die Darstellungsweise der offenen Schraffur dieses Ergebnisses soll verdeutlichen, dass es sich um Räume handelt und nicht um flächenscharfe Abgrenzungen.

1.11.4. Historische Kulturlandschaftsausschnitte und Kulturlandschaftselemente

Historische Kulturlandschaftselemente sind im Planungsraum bislang nur in Ansätzen systematisch flächendeckend erfasst und im Hinblick auf die Abgrenzung und Darstellung von Historischen Kulturlandschaften bewertet worden, so dass es sich bei den in der Hauptkarte 2 dargestellten Historischen Kulturlandschaften nur um die Gebiete handelt, die auf der Grundlage eigener naturschutzfachlicher Daten ermittelt werden konnten und die aufgrund ihrer Flächenausdehnung als solche von überörtlicher Bedeutung eingestuft wurden. Darüber hinaus gibt es weitere Historische Kulturlandschaftsausschnitte und Kulturlandschaftselemente, die im Folgenden in Form einer nicht abschließenden Auflistung aufgeführt sind. Ausführungen speziell zu Bau-, Grün- und Bodendenkmälern sowie Denkmalbereichen als Elementen der Historischen Kulturlandschaft finden sich zudem auch in Band 1, Kapitel 2.1.8.2: Historische Kulturlandschaftselemente.

Kreis Rendsburg-Eckernförde

Hohe Geest

  • Eider-Treene-Sorge-Niederung:
  • durch großflächige Moorgebiete und Grünländereien geprägte Landschaft
  • Landschaft um Hanerau Hademarschen (zwischen Thaden, Steenfeld):
  • Knicklandschaft, die in der Verbindung mit dem Verlauf des Nord Ostsee Kanals und den Niederungslandschaften durch weiträumige Blickbeziehungen geprägt ist.
  • Bauerndörfer in der vielfältig land- und forstwirtschaftlich genutzten Landschaft bilden einen Kontrast zum Kanal als Wasserstraße mit überregionaler Bedeutung.
  • zahlreiche historische Zeugnisse aus der Zeit des Baus des Nord Ostsee Kanals

Vorgeest

  • Landschaft zwischen Aukrug und Hohenwestedt:
  • Grünlandniederungen, die Waldgebiete sowie die Fließ- und Stillgewässer kennzeichnen die Landschaft der Hohen Geest (erlebbar durch Moränenkuppen des Boxberges)
  • historische Wegeverbindungen und Museumseinrichtungen wie das „Ole Hus“

Hügelland

  • Hüttener Berge zwischen Holzbunge und Fellhorst:
  • Knicklandschaft ist durch Moränenkuppen und weiträumige Grünlandniederungen erlebbar
  • Waldgebiete und die Seen gliedern weithin das Landschaftsbild, das durch eine Nutzung kleiner Flächen geprägt ist
  • Historische Elemente wie die Stentenmühle, der nahe Ochsenweg als historische Wegeverbindung oder das Bismarckdenkmal auf dem Aschberg
  • Schwansen zwischen Bienebek und Büstorf:
  • Gutslandschaft mit eingestreuten Dörfern und Gutshöfen mit historischer Bausubstanz wie Sieseby und den Gütern Bienebek, Stubbe und Bustorf in Verbindung mit der Schlei und den gewässertypischen Nutzungen
  • Ostseeküste zwischen Hemmelmark und Langholz:
  • Alte Eichen entlang der Landesstraße und Landarbeiterhäuser als Symbole einer bereits lang genutzten Kulturlandschaft
  • alte, alleengesäumte Wege liegen zwischen Landesstraße und Ostseeküste
  • Gutsanalgen mit Herrenhäusern und großen Scheunen
  • In der Kulturlandschaft verbindet sich die traditionelle Bausubstanz mit den teilweise langjährigen Freizeiteinrichtungen an der Ostsee.
  • Eider und NOK zwischen Kluvensieck und Schinkel:
  • Reste der alten Eider, auch mit den Resten der menschlichen Gestaltung und Baukunst als alter Eiderkanal bei Kluvensieck und Rathmansdorf
  • Weitläufige Gutslandschaft mit großem Bestand alter Bäume und Wege, Gutshöfe und Landarbeiterhäuser
  • Landschaft um Langwedel, Warder und dem Westensee:
  • Weidelandschaften, Seen, Wälder Knicks, alter Baumbestand sowie Flächen der Eigenentwicklung aus dem Kiesabbau
  • Bestand an Weißstörchen ist ein Aspekt, der historische Kulturlandschaft mit dem Artenschutz verbindet
  • historische Bausubstanz der Bauerndörfer mit dem Dorfmuseum in Langwedel und den alten Haustierrassen in Warder
  • Eidertal zwischen Schmalstede und Molfsee:
  • Niederungen mit umfangreichen Komplexen an Grünland und Feuchtgebieten und standortangepasster Wirtschaftsweise als großräumige Weidelandschaft.
  • Zeugnisse der langjährigen Nutzung der Landschaft (Blaue Brücke, historische Viehtränken)
  • Westufer des Bothkamper Sees mit Talraum der Drögen Eider und Abschnitte der Eider:
  • Hänge mit Dauergrünland und einzelnen Gehölzen werden extensiv und großräumig beweidet und sind für die althergebrachte Nutzung ufernaher Niederungen und Hänge repräsentativ
  • alte Bauernstellen und Baumbestand in den Bauerndörfern Bissee, Groß Buchwald und Brügge
  • Landschaft um Felm:
  • alte Eichenbestände im Dänischen Wohld an den Straßen und auf den Knicks

Kreis Plön

Hügelland

  • Östliches Hügelland:
  • Gut Kletkamp
  • Gut Lammershagen
  • Gut Rixdorf
  • Gut Panker
  • Gut Helmstorf und Wetterade
  • Gut Lehmkuhlen
  • Gut Nehmten
  • Gut Perdöl
  • Gut Bothkamp
  • Probstei:
  • Rundlingsdörfer slawischen Ursprungs (Klösterliche Bauernlandschaft)
  • Salzwiesenniederung nördlich von Schönberg: Hoher grundwassernaher Grünlandanteil mit ausgeprägtem Grabensystem

Stadt Kiel

Hügelland

  • Bereich zwischen Eidertal und Wellsee:
  • Knicks,
  • Niederungsbereiche,
  • Gewässer konnten wie auch geomorphologische Strukturen und Landschaftsnutzungen erhalten werden

Stadt Neumünster

Vorgeest

  • Historischer Stadtbereich:
  • Kleinflecken, Angerfläche begrenzt von der Schleusau und dem Mühlenteich, im Süden begrenzt durch die, auf dem höher gelegenen Kirchhof mit Lindenkranz errichtete, Vicelinkirche sowie den Pastoratshäusern mit den Pastoratsgärten, mit Mühlenbrücke und Brücke über die Schwale Mühlenhof
  • Großflecken mit Kieler Brücke als langgestreckter Marktplatz, als schon mittelalterlicher Kreuzungspunkt der Verkehrswege
  • Margaretenschanze am Einfelder See, Eichenbestandener Ringwall des 9. Jahrhunderts, errichtet als Burganlage der Sachsen im Naturschutzgebiet „Westufer des Einfelder See“
  • Wittorfer Burg mit Grabungsschutzgebiet Grothenkamp am Zusammenlauf der Schwale und Stör,
  • Caspar-von-Saldern Haus, Haart 28 bis 32 mit zeitgenössischer Parkanlage mit historischer Lindenallee und der Saggau´schen Kaserne
  • Villa Sager mit Torhäusern und Gartenanlage sowie Gartenmauern von Architekt Ernst Prinz
  • Volkshaus Tungendorf mit Gedenkmal 1. Weltkrieg und Garten- Parkanlage mit
  • Lindenalleekranz von Architekt Ernst Prinz
  • Wasserturm, Wasserwerk mit 600 Meter langer, ortsbildprägender Kastanienallee
  • Siedlungen und Verkehrsbauten:
  • Unternehmerstraßen mit Villenbebauung Marienstraße und Villenbebauung in rotem Backstein Hebbelstraße, Villenbebauung Mühlenhof mit Villengärten, Einfriedungen und Straßenraum mit Alleebäumen, Straßenraum Franz-Rohwer-Straße, Villenbebauung Carlstraße mit Villengärten
  • Alte Gartenstadt erste Gartenstadtanlage in Schleswig-Holstein mit ortsbildprägender Mehlbeerenallee Rintelenstraße
  • Chaussee Kiel – Altona mit Alleebäumen, Störbrücke, Meilensteinen und Straßenwärterhäusern. Erste Kunststraße in Schleswig-Holstein mit Knotenpunkt am „Flecken“ Neumünster.
  • Zentraler Eisenbahn-Kreuzungspunkt (Kiel-Altona, Heide-Rendsburg, Ascheberg, Segeberg) mit an der Brückenstraße gelegener Bahnbetriebswerkstätte mit Ringlokschuppen, Brückendrehscheibe, Werkstatt- und Verwaltungsgebäude Lokleitungsgebäude, Kohlenbansen, Bahnschuppen, Gleisanlagen und Betriebstechnik sowie dem Eisenbahnausbesserungswerk an der Kieler Straße (Chaussee Kiel-Altona) und dem Südbahnhof an der Altonaer Straße (Chaussee Kiel-Altona). Erste Eisenbahntrasse in Schleswig-Holstein.
  • Garten-/ Parkanlagen:
  • Stadtpark, städtische Anlagen, Friedenshain, Sportanlagen Geerdstraße mit
  • Lindenallee, Straßenraum Färberstraße mit Rot-blühender Kastanien- und Linden-Allee, Jugendspielplatz und Villenbebauung Carlstraße mit Villengärten
  • Innerstädtischer Grünzug entlang der Schwale, Mühlenteich, Klosterinsel, Rencks-Park mit Rencksallee, Selcks-Park, Villengarten der Villa Ströhmer nach der Gartenplanung von Harry Masz mit Lindenallee, Kastanienallee und riesiger Blutbuche sowie riesige Hängebuchengruppe, Brachenfelder Straße 69-71
  • Nord- und Südfriedhof an der Plöner Straße

2. Böden und Bodenfunktionen