Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum II - Online-Beteiligungsverfahren

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Inhaltsverzeichnis

Band 1

5.7. Rohstoffsicherung

Nutzung von Lagerstätten

Die oberflächennahen mineralischen Rohstoffe des Planungsraumes sind für die Wirtschaftsräume des mittleren und nördlichen Schleswig-Holsteins von regionalwirtschaftlicher Bedeutung. Sand – Kies – Gemenge werden heute bereits an einigen Stellen im Nassverfahren gewonnen.

Abbauwürdige Rohstoffvorkommen finden sich häufig in landschaftlich reizvollen oder in landwirtschaftlich schlecht nutzbaren und häufig bewaldeten Gebieten. Daher ist es besonders wichtig, diese Naturgüter sparsam zu nutzen und die Abbaubereiche wieder landschaftsgerecht in ihr Umfeld einzugliedern. Dazu bedarf es differenzierter raumbezogener, landschaftspflegerischer Aussagen zum Abbau oberflächennaher Rohstoffe.

Der Abbau von Lagerstätten ist in NSG, Gebieten, die die Voraussetzung einer Unterschutzstellung nach § 13 LNatSchG als NSG erfüllen, Natura 2000- Gebieten, im Umfeld von den Naturdenkmälern und von geschützten Landschaftsbestandteilen sowie im Bereich von gesetzlich geschützten Biotopen nicht zuzulassen. Dieses gilt im Grundsatz auch für Geotope und LSG.

In LSG und Gebieten, die nach § 26 BNatSchG in Verbindung mit § 15 LNatSchG als Landschaftsschutzgebiet einstweilig sichergestellt sind, ist im Vorwege zu prüfen, ob ein Bodenabbau mit der jeweiligen LSG-Verordnung vereinbar ist.

In den Gebieten mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems sind Abbaumaßnahmen mit den Belangen des Naturschutzes im Grundsatz nicht zu vereinbaren. Ein Abbau ist im Einzelfall dann möglich, wenn hierdurch die Vorrangfunktion des Naturschutzes unterstützt wird. Das wäre der Fall, wenn naturraumtypische und defizitäre natürliche, halbnatürliche oder naturnahe Biotoptypen geschaffen werden, die in den Landschaftsraum integriert werden, diesen aufwerten und keine Biotoptypen geschaffen werden, die den Biotopverbund unterbrechen.

Im Umgebungsbereich der NSG sowie der Gebiete, die die Voraussetzung einer Unterschutzstellung nach § 23 BNatSchG in Verbindung mit § 13 LNatSchG als NSG erfüllen, von Waldflächen sowie gesetzlich geschützten Biotopen (§ 30 BNatSchG in Verbindung mit § 21 LNatSchG, zum Beispiel Moore, Sümpfe, Brüche, Nasswiesen, Dünen, Trockenrasen) darf der Abbau nur zugelassen werden, wenn der Eingriff zu keiner dauerhaften Beeinträchtigung der genannten Gebiete und Landschaftsteile führt. Dieses ist durch Gutachten oder im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Begleitplanung nachzuweisen.

Einige Lagerstätten befinden sich in der Nähe von Natura 2000 - Gebieten. Gemäß § 34 BNatSchG sind alle Vorhaben, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Schutzziele führen können, grundsätzlich nicht zulässig. Eine entsprechende (Vor-) Prüfung ist erforderlich.

Oberflächennahe Rohstoffe unter Waldbeständen dürfen nur ausnahmsweise abgebaut werden. Hier finden der § 9 LWaldG und die Kapitel 3 und 4 LNatSchG Anwendung. Gleichzeitig wird auf den besonderen Schutz von Naturwäldern (§ 14 LWaldG) verwiesen.

Bei Kulturdenkmälern ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Belange des Denkmalschutzes gemäß § 12 des Denkmalschutzgesetzes Schleswig-Holstein (DSchG) genügend beachtet werden. Hierbei ist auch die Umgebung der Kulturdenkmäler einzubeziehen.

Auf die besonderen Vorschriften für den Abbau oberflächennaher Bodenschätzen, Abgrabungen und Aufschüttungen (§ 11a LNatSchG) wird verwiesen.

Zu den in Hauptkarte 3 dargestellten Lagerstätten und Rohstoffvorkommen werden, soweit erforderlich, nachfolgende überregionale landschaftsplanerische Hinweise und Empfehlungen aus Sicht des Naturschutzes gegeben. Sie sind in anderen Planungsverfahren zu berücksichtigen, wobei den Einzelfallentscheidungen, auch in künftigen Genehmigungsverfahren für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe, nicht vorgegriffen wird.

Kreis Plön

Bereich Rastorf - Hoheneichen

In diesem Gebiet ist ein intensiver Bodenabbau betrieben worden. Mehrere Abbauvorhaben im Bereich des Kreuzes laufen noch. Weitere Bereiche zum Kiesabbau sind über einen Bebauungsplan der Gemeinde Rastorf geregelt. Ein darüber hinausgehender Bodenabbau sollte in diesem Gebiet nicht vorgesehen werden, da wertvolle Biotope (Moor, Teiche, Trockenrasen) ein Gebiet, das die Voraussetzung für die Ausweisung als NSG erfüllt („Kleinweiher nördlich Rastorf“), archäologische Denkmäler, ein Wasserschongebiet und das LSG „Schwentinetal im Kreis Plön im Verlauf vom Stadtgebiet Preetz bis an die Stadtgrenze von Kiel“ dieses ausschließen.

Bereich Mucheln – Sellin

In diesem Bereich ist bereits ein Bodenabbau erfolgt, der teilweise noch in Betrieb ist. Südlich der Ortschaft Mucheln befindet sich eine Fläche derzeit im Antragsverfahren. Ein darüber hinausgehender Bodenabbau wird nur noch örtliche Bedeutung haben können. Aus Gründen des Naturschutzes kommen für einen Bodenabbau die Bereiche, die unter Landschaftsschutz stehen, Biotopverbundflächen sowie Umgebungsschutzbereiche für das Naturschutzgebiet „Lebrader Teiche“ und die geplanten Gebiete, die die Voraussetzung für die Ausweisung als NSG erfüllen („Lammershagener Teiche“) und“ Gödfeldteich“ sowie das FFH-Gebiet 1728-351 „Kalkflachmoor bei Mucheln“ nicht in Betracht.

Lebrade - Kossau

In diesem Bereich läuft ein aktuelles Abbauvorhaben. Ein weiterer Bodenabbau kann allenfalls zur Deckung eines örtlichen Bedarfs erfolgen, da die Belange des Naturschutzes einer besonderen Berücksichtigung bedürfen. Um die NSG „Lebrader Teiche“ und „Rixdorfer Teiche“ Umgebungsschutzbereiche zu erhalten. Die Biotopverbundachse „Kossautal“ (nordöstlich der L 53 und westlich der B 430) darf nicht beeinträchtigt werden.

Bereich Vierhusen

In diesem Bereich findet bereits ein genehmigter Nassabbau statt. Eine Erweiterung des Nassabbaues ist in Planung. Aufgrund der flächenmäßigen Erstreckung und der erheblichen möglichen Abbautiefe kommt diesem Gebiet eine zentrale Bedeutung für die zukünftige Versorgung mit hochwertigen Betonzuschlagstoffen zu. Ein darüber hinausgehender weiterer Bodenabbau ist nur möglich, wenn die überdurchschnittliche Biotopausstattung (Knicks, Wälder geschützte Arten etc.) in der Folgeplanung in besonderer Weise berücksichtigt wird.

Bereich Oberkleveez

In diesem Bereich hat bereits ein Bodenabbau stattgefunden. Bei einem weiteren Abbau sind Umgebungsschutzbereiche zum NSG „Suhrer See“, der Waldflächen und der Geotope freizuhalten.

Bereich Panker - Emkendorf

Es handelt sich um die Stauchendmoräne Hessenstein. In diesem Bereich finden bereits zwei genehmigte Bodenabbauvorhaben statt. Ein darüber hinausgehender Bodenabbau ist in diesem durch Landschaftsschutz, Biotopschutz, Geotopschutz und Wälder geprägten Bereich mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht zu vereinbaren.

Kreis Rendsburg-Eckernförde

Bereich Kosel, Gammelby, Karlshöhe

In diesem Bereich ist bereits in erheblichem Maße Bodenabbau erfolgt und zum Teil noch in Betrieb. Ein darüber hinausgehender Abbau ist mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege aus folgenden Gründen nicht vereinbar:

Ein Bodenabbau im Bereich des FFH-Gebietes „Großer Schnaaper See, Bültsee und anschließende Flächen„ (DE 1524-391) und des NSG „Bültsee und Umgebung“ einschließlich seines zu erhaltenden Umgebungsbereiches würde zu erheblichen und nachteiligen Beeinträchtigungen führen.

Bereich Brekendorf

In diesem Bereich hat teilweise ein Bodenabbau stattgefunden und ist mit Ausnahme folgender Gebiete auch weiterhin möglich:

  • östlich der Kreisstraße Autobahnzufahrt Owschlag bis Brekendorf und nördlich Brekendorfs sowie
  • Westflanke der Hüttener Berge.

Hier ist ein Bodenabbau mit den Schutzzielen des bestehenden LSG nicht zu vereinbaren. Darüber hinaus ist die vorhandene landschaftliche Situation dieses zum Naturpark „Hüttener Berge“ gehörenden und damit für die Erholung bedeutsamen Bereiches zu erhalten.

Bereich Owschlag

Südwestlich von Owschlag ist bereits ein Bodenabbau erfolgt und zum Teil noch in Betrieb. Bei weiteren Abbauvorhaben ist, vorbehaltlich einer weiteren Detaillierung auch durch das Archäologische Landesamt, ein etwa 500 Meter breiter Bereich östlich des historischen Ochsenweges aus denkmalpflegerischen Gründen zu erhalten. Ein Bodenabbau östlich der B 77 ist mit den Schutzzielen des dort liegenden LSG „Ochsenweg“ nicht zu vereinbaren. Darüber hinaus sind die gesetzlich geschützten Flächen einschließlich der Randzonen westlich des Heideteiches von einem Bodenabbau freizuhalten. Die Belange des Naturparks „Hüttener Berge“ als Erholungsschwerpunkt sind bei weiteren Abbauvorhaben zu berücksichtigen.

Bereich Steinsieken – Alt- Duvenstedt

Auf diesen Flächen kommt ein weiterer Bodenabbau, mit Ausnahme des Bereiches nördlich Stenten, westlich der A 7, nicht in Betracht, da wichtige geologische Formationen (Stirnstauchmoräne) betroffen sind. Darüber hinaus liegen die Flächen teilweise in landschaftlich besonders bedeutsamen Bereichen des Naturparks „Hüttener Berge“. Ein Bodenabbau ist ferner mit den Schutzzielen des bestehenden LSG „Wittensee, Hüttener und Duvenstedter Berge“ nicht zu vereinbaren.

Großraum Groß Vollstedt, Eisendorf, Langwedel, Blocksdorf

In diesem Landschaftsraum wurden bereits einige Bodenabbaumaßnahmen durchgeführt. Hier kommen das vorhandene NSG „Wennebeker Moor und Wennebek-Niederung“, das LSG „Westenseelandschaft“, gesetzlich geschützte Biotope sowie die landschaftlich besonders bedeutsamen Bereiche des Naturparks „Westensee“ für einen Bodenabbau nicht in Betracht. Im Übrigen sind klein strukturierte Landschaftsbereiche sowohl aus ökologischen Gründen als auch zur Wahrung des Landschaftsbildes zu erhalten.

Bereich Bordersholm, Grevenkrug, Brügge-Bissee – Reesdorf

In diesen Gebieten wurde teilweise bereits großflächig abgebaut. Aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist ein darüber hinausgehender Bodenabbau im Randbereich des Eidertales, sowie auf den als LSG „Landschaft der oberen Eider“ ausgewiesenen Flächen und den Gebieten, die die Voraussetzung zur Ausweisung als NSG sowie als LSG erfüllen, nicht vorzusehen. Darüber hinaus sind die naturschutzfachlichen Belange des FFH-Gebietes „Gebiet der Oberen Eider incl. Seen“ (DE 1725-392) einschließlich der Randzonen mit einem Rohstoffabbau nicht vereinbar.

Bereich Rieseby

In diesem Bereich hat bereits ein Bodenabbau stattgefunden. Hier soll mit Ausnahme für den örtlichen Bedarf kein weiterer Bodenabbau erfolgen, da ein vorhandener Geotop, gesetzlich geschützte Biotope und archäologische Denkmäler beeinträchtigt würden.

Bereich Fockbek

Ein Bodenabbau ist in diesem Bereich zum Teil erfolgt oder noch in Betrieb. Bei weiteren Abbauplanungen sind aus naturschutzfachlichen Gründen die Flächen nordöstlich der K 69 vom Bodenabbau auszuschließen, da sie im ausgewiesenen NSG „Fockbeker Moor“, im FFH-Gebiet „Fockbeker Moor“ (DE 1623-303) und im Schwerpunktbereich des Schutzgebiets- und Biotopverbundes liegen und den Wasserhaushalt des „Fockbeker Moores“ erheblich beeinträchtigen würden.

Bereich Westerrönfeld – Schülp – Jevenstedt

Der Bereich der gesetzlich geschützten Binnendüne kommt für einen Bodenabbau grundsätzlich nicht in Betracht.

Bereich Mielkendorf

Es handelt sich um eine geologisch hochwertige Landschaft (Westensee-Moräne), die durch gesetzlich geschützte Biotope geprägt ist. Darüber hinaus liegt ein Großteil der Flächen im LSG „Westenseelandschaft“, so dass ein Bodenabbau mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht zu vereinbaren ist.

Bereich Reher – Jahrsdorf - Peissen

Ein Rohstoffabbau im Bereich östlich der B 77 ist mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht vereinbar. In diesem Bereich befinden sich bedeutende Altwaldbestände und ein ökologisch wertvolles Knicknetz, welche durch einen Abbau beeinträchtigt würden.

Stadt Kiel

Auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Kiel sind aktuell keine Rohstoffvorkommen oder -lagerstätte bekannt.

Stadt Neumünster

Bereich Loop - Einfeld

Gegen einen Bodenabbau bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich des Wasserhaushaltes des „Einfelder Sees“ und des östlich anschließenden NSG „Dosenmoor“. Ein Bodenabbau, der zu Beeinträchtigungen dieser Bereiche führen würde, ist deshalb auszuschließen.

Wiedereingliederung von Abbaubereichen

Beim Abbau oberflächennaher mineralischer Rohstoffe werden die Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes in besonderer Weise berührt. Das Wirkungsgefüge der natürlichen Grundlagen Boden, Wasser, Klima und Luft sowie der Lebensraum für Tiere und Pflanzen wird grundlegend verändert.

Abbauvorhaben sind so zu gestalten und durchzuführen, dass die natürlichen abiotischen und biotischen Faktoren so wenig wie möglich beansprucht und Veränderungen des Landschaftsbildes und des Naturhaushaltes ausgeglichen werden.

Bei neuen Eingriffen gemäß § 11 a LNatSchG sind die Eingriffsbereiche nach Beendigung des Abbaues zu naturnahen Lebensräumen zu entwickeln (Renaturierung). Die Flächen sind nach Beendigung des Abbaues so zu hinterlassen, dass die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes soweit wie möglich durch selbständige Renaturierungsprozesse ausgeglichen werden können. Hierbei ist im Regelfall auf eine Wiederaufbringung des Oberbodens zu verzichten. Durch die prägende Wirkung des ursprünglichen Rohbodens sollen wieder möglichst naturnahe Ökosysteme entstehen. Die Belange des Grundwasserschutzes sind dabei zu berücksichtigen. Im Einzelfall kann es auch sinnvoll sein, das ursprüngliche Geländerelief wiederherzustellen (beispielsweise zur Rekonstruktion eines beeinträchtigten Geotopes).

Bei Bodenabbaumaßnahmen in siedlungsnahen Bereichen sollte im Einzelfall geprüft werden, inwieweit die naturschutzfachliche Renaturierungs- und Eigenentwicklungsvorgabe ehemaliger Abbauflächen auch Erfordernissen der Naherholung und einer verbesserten Vernetzung mit dem Siedlungsflächen berücksichtigen kann.

Bei größeren zusammenhängenden Abbauvorhaben sollen die Grundzüge der Renaturierung bereits in Landschaftsplänen entwickelt werden. Der Nachweis der Kompensation bei den Einzelvorhaben ist als Teil der Genehmigung in landschaftspflegerischen Begleitplänen zu erbringen.

In Bereichen ohne naturschutzfachliche und rechtliche Restriktionen bestehen aus überörtlicher Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege keine grundsätzlichen Bedenken gegen einen Rohstoffabbau. Die weiteren Entscheidungen bleiben den jeweiligen Planungen oder Vorhaben im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben vorbehalten.

Eine konkrete Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsflächen für den Abbau oberflächennaher mineralischer Rohstoffe erfolgt im Zuge der Regionalplanung. Hier erfolgt eine Abwägung mit anderen raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen nach Maßgabe des LPlaG, des § 10 BNatSchG und § 6 Absatz 2 LNatSchG.

5.8. Tourismus, Erholung und Sport

Die Gebiete (siehe Kapitel 4.1.6: Gebiete mit besonderer Erholungseignung und Hauptkarte 2 des Landschaftsrahmenplanes) stellen gleichzeitig wichtige Bereiche für den Tourismus dar. In diesen Gebieten mit besonderer Erholungseignung sollten vorrangig Einrichtungen für die landschaftsgebundene Erholung (beispielsweise Wanderwege, Radwege, Parkplätze) nach Maßgabe einer umweltverträglichen Standortwahl und Gestaltung geschaffen werden.

Die örtlichen Landschaftspläne sind die dazu geeigneten Planungsinstrumente. Vorhandene Anlagen sind darzustellen und sinnvolle Ergänzungen für die naturverträgliche Erholung aufzuzeigen. Schutzgebiete wie Natura 2000-Gebiete, NSG und gesetzlich geschützte Biotope bieten dabei die Möglichkeit, Menschen an den Naturabläufen teilhaben zu lassen und so das Schutzanliegen für diese Gebiete deutlich zu machen. Das Besucherinformationssystem für NSG in Schleswig-Holstein (BIS) verfolgt hier unterstützend das Ziel, die Eigenarten und Besonderheiten dieser Gebiete anschaulich darzustellen, die Schutzziele sowie die dafür getroffenen Regelungen für die Besucherinnen und Besucher anschaulich zu vermitteln. Die Erhaltungsziele bzw. der Schutzzweck des einzelnen Schutzgebietes sind dabei mit den besucherlenkenden Maßnahmen im Einklang zu bringen. In den Schutzgebieten haben sich diese bereits als wirksame Maßnahmen zum Schutz und zum Erleben der Gebiete erwiesen. Diese Einrichtungen sind zu erhalten und nötigenfalls weiter auszubauen.

Die vorhandenen Erholungseinrichtungen (zum Beispiel Campingplätze, Wildparks, Erlebnisparks) sollen möglichst landschaftsgerecht in die Umgebung eingebunden werden. Auch der naturnahe Umbau von Wäldern und die Neuwaldbildung dienen dem Tourismus, der Freizeitgestaltung und der Erholungsnutzung.

Weitere Erholungseinrichtungen sollen insbesondere der Qualitätsverbesserung dienen. Bei den Campingplätzen ist es grundsätzlich das Ziel, sie aus Gewässer- und Erholungsschutzstreifen, den überflutungsgefährdeten Bereichen, den Außendeichs- (bei schützenswerten Strandwällen und Dünen) und den Binnendeichsflächen (Niederungswiesen und ehemaligen Strandseen) herauszunehmen und in etwas weiter landeinwärts gelegene, höhere Bereiche zu verlegen. Bei Einrichtungen, die Bestandsschutz genießen, kann dieses nur im Einvernehmen mit den Betroffenen erfolgen.

Die Zunahme an Outdoor-Aktivitäten und Trendsportarten stellt zunehmend neue Herausforderungen. So nimmt die Dichte der Wassersportler in Nord- und Ostsee aber auch der Nutzungsdruck zum Beispiel durch Geocaching stetig zu (siehe Kapitel 2.2.7: Tourismus, Erholung und Sport). So müssen die Nutzungen durch verschiedene Maßnahmen mit den Zielen des Naturschutzes in Einklang gebracht werden. Hierbei sind vor allem die Aufklärung vor Ort durch Hinweistafeln (BIS) sowie eine gezielte Lenkung der Besucherinnen und Besucher von großer Bedeutung. Ebenso sollten künftig verbesserte Infrastrukturen in geeigneten Gebieten zu Schonung ökologisch sensibler Bereiche beitragen.

Im Übrigen soll bei der Planung von Erholungs-, Sport- und Fremdenverkehrseinrichtungen grundsätzlich Folgendes beachtet werden.

  • Erholungseinrichtungen mit hoher Anziehungskraft und Nutzerfrequenz sollen schwerpunktmäßig gebündelt und nur bedarfsorientiert ausgebaut werden. Neue Anlagen sind erforderlichenfalls in Zusammenarbeit und in Abstimmung zwischen den Kommunen über administrative Grenzen hinweg zu planen und zu betreiben.
  • Neubauvorhaben sollen möglichst in Anbindung an vorhandene Anlagen und Ortschaften erfolgen; in Küstenlebensräumen, Biotopverbundflächen sowie den Klimaschutz- und Klimaanpassungsräumen sollen grundsätzlich keine Baumaßnahmen erfolgen.
  • Wassersportanlagen und Badestrände an den Küsten und den Gewässern des Binnenlandes sollen auf einzelne Uferabschnitte konzentriert werden und möglichst große Entfernungen zu vorhandenen Schutzgebieten, Gebieten die die Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung nach den Naturschutzgesetzen des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein erfüllen und zu geschützten Biotopen aufweisen, sofern der Schutzzweck dies erfordert. Vorhandene Einzelsteganlagen und Bojenliegeplätze sollen zu Gemeinschaftsanlagen zusammengefasst werden.
  • Geocaching soll durch gezielte Aufklärung und Hinweistafeln in sensiblen Bereichen vermieden werden.
  • Das Kitesurfen an der Ostsee ist durch freiwillige Vereinbarungen sowie durch eine neue Befahrensverordnung des Bundes in den NSG der Ostsee auf naturverträgliche Gebiete konzentriert. In sensiblen Bereichen werden Hinweistafeln die Wassersportler aufklären. Infrastruktureinrichtungen wie Toilettenhäuser und Parkplätze werden nur in den dafür geeigneten Gebieten geplant.
  • Die Binnengewässer können auch für den Aufbau des Angeltourismus bedeutsam werden. Hierbei ist eine sanfte und umweltschonende Weiterentwicklung dieser Erholungsaktivitäten anzustreben.
  • Durch die Schaffung und Beschilderung von kreisübergreifenden Radroutennetzen, Wander- und Reitwegenetzen sollen den Besucherinnen und Besuchern die Natur nahe gebracht und ökologisch sensible Bereichen geschont werden. Zur Förderung einer nachhaltig ausgerichteten Tourismusentwicklung ist dabei auch eine stärkere Verknüpfung der wander- und radtouristischen Basisinfrastrukturen mit den Sehenswürdigkeiten, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie den gewerblichen Gastronomie- und Beherbergungsangeboten entlang der vorhandenen touristischen Wander- und Radrouten sinnvoll.
  • In den Schwerpunktbereichen für die Erholung wird der Aufbau von Informationszentren empfohlen. Hier soll auf umweltverträgliche Erholungsmöglichkeiten und -aktivitäten hingewiesen und zur Akzeptanzförderung einschränkender Maßnahmen über die Gründe von Auflagen informiert werden.
  • Die natürliche Küstendynamik darf grundsätzlich durch Planungen von Erholungs-, Sport- und Tourismuseinrichtungen nicht eingeschränkt werden. Somit ist die Möglichkeit auch weiterhin gegeben durch kontrollierte Überflutungen von landeinwärts gelegenen Niederungswiesen den Wasseraustausch zwischen der Ostsee und den noch vorhandenen Strandseen zu erhalten. Dieses dient gleichzeitig den Zielen des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung.
  • Im Bereich angrenzender Vogelschutzgebiete mit dem Erhaltungsziel der Sicherung

möglichst störungsfreier Überwinterungsgebiete für Meeresenten sind bandartige Wintercamping-Einrichtungen zu vermeiden.

  • Hinweistafeln sollen in und um die Vogelschutzgebiete Besucher davon abhalten, in diesen Gebieten Drohnen steigen zu lassen.

Naturerlebnisräume gemäß § 38 LNatSchG (siehe Erläuterungen, Kapitel 1.8: Naturerlebnisräume) sind in besonderem Maße für die naturgebundene Erholung von Bedeutung. Hier soll es den Besuchern ermöglicht werden, Natur, Naturzusammenhänge und den unmittelbaren Einfluss des Menschen auf die Natur zu erfahren. Bestehende Naturerlebnisräume sollen auf ihre Qualität hin überprüft werden. Neben den bereits anerkannten Naturerlebnisräumen (siehe Kapitel 4.2.7: Natur erleben) sollen vorzugsweise in den Übergangsbereichen zwischen Schutz- und intensiv genutzten Gebieten weitere Naturerlebnisräume für die landschaftsgebundene Erholung geschaffen werden.

Eine weitere bedeutende Rolle im Bereich des nachhaltigen Tourismus spielen die Naturparke gemäß § 27 BNatSchG in Verbindung mit § 16 LNatSchG (siehe Kapitel 4.2.7: Natur erleben).

Für die Naturparke hat der Verband Deutscher Naturparke (VDN) im gutachterlichen Auftrag des MELUND (2016/2017) die Aufgaben gemäß § 27 BNatSchG in folgende vier Handlungsfelder eingeteilt:

  • Naturschutz und Landschaftspflege,
  • Erholung und nachhaltiger Tourismus,
  • Umweltbildung und Kommunikation sowie
  • nachhaltige Regionalentwicklung.

Künftig sollen diese verstärkt gefördert werden, um die Verbindung zwischen Schutz und Nutzung in den ausgewiesenen Gebieten zu optimieren. Hierzu wurden in einem Naturparkkonzept, der so genannten „Qualitätsoffensive Naturparke“, zur Umsetzung der Handlungsbedarf ermittelt und Rahmenbedingungen festgelegt. Von Bedeutung wird auch die Überarbeitung bzw. Neufassung der Naturparkpläne sein, um auf dieser Basis verstärkt auch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu fördern. Um diese einheitlich zu gestalten, wird seitens des MELUND eine Muster-Naturparkplangliederung erstellt, an welcher sich die jeweiligen Naturparkträger orientieren sollen. Es ist vorgesehen, künftig alle vier Handlungsfelder der Naturparke verstärkt zu fördern. Die Förderung seitens des MELUND wird schwerpunktmäßig die Naturparkarbeit umfassen. Da im bundesweiten Vergleich die schleswig-holsteinischen Naturparke schlecht abgeschlossen haben, wurde bei der Überarbeitung der Förderrichtlinie auch ein Schwerpunkt auf die Personalausstattung der Naturparke gelegt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ressorts, vor allem dem MELUND und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein (MWVATT) wird angestrebt.

Das MWVATT hat mit der „Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025“ eine Fülle von Handlungsfeldern und –strategien herausgearbeitet. Hier wird auch dem Schutz der natürlichen Ressourcen unter dem Handlungsfeld „Nachhaltigkeit“ ein besonderes Gewicht beigemessen.

Schwerpunktbereiche für Erholung

Im Planungsraum sollen aufgrund der landschaftlichen und infrastrukturellen Ausstattung folgende Schwerpunktbereiche für Erholung gesichert und entwickelt werden:

  • die Ostseeküste,
  • die Naturparke Holsteinische Schweiz, Aukrug, Hüttener Berge und Westensee.

Des Weiteren sollen Einrichtungen für Freizeit und Erholung vorrangig in den vorgenannten Bereichen geschaffen beziehungsweise erhalten oder auch naturverträglicher gestaltet werden. Dieses schließt nicht aus, dass auch in anderen Bereichen Tourismus-, Freizeit- und Erholungseinrichtungen entstehen können. Spezialisierte, das Naturerlebnis einschränkende Freizeit- und Erholungseinrichtungen wie beispielsweise Anlagen für den Motorsport sollen hier nicht errichtet werden. Soweit außerhalb dieser Gebiete Möglichkeiten für spezielle Erholungs- und Freizeitformen geschaffen werden sollen, ist hierfür eine landschaftspflegerische Begleitplanung erforderlich. Derartige Einrichtungen sollen - soweit in dem betreffenden Raum hierfür die Möglichkeit besteht - vorrangig auf denjenigen Flächen errichtet werden, die für die Land- und Forstwirtschaft oder für den Naturschutz und das Naturerleben keine besondere Bedeutung haben.

Ferner sind hierzu die in Kapitel 2.2.7: Tourismus, Erholung und Sport genannten anerkannten Heilbäder, Kurorte, Seebäder und Erholungsorte sowie Standorte erholungswirksamer Infrastruktureinrichtungen wie Campingplätze, Golfplätze und Sportboothäfen (siehe Hauptkarte 2) zu zählen.

Sofern sich vorgenannte „Schwerpunktbereiche für Erholung“ mit NSG und Natura 2000–Gebieten räumlich überlagern sollten, ist den Belangen des Naturschutzes hier ein Vorrang vor anderen Nutzungen und Nutzungsansprüchen einzuräumen.

5.9. Ausgleichs-und Ersatzmaßnahmen

Gemäß § 13 BNatSchG sind alle erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft vom Verursacher vorrangig zu vermeiden. Nicht vermeidbare erhebliche Beeinträchtigungen sind durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen oder, soweit dieses nicht möglich ist, durch einen Ersatz in Geld zu kompensieren. Der Gesetzgeber in Schleswig-Holstein hat in § 8 Absatz 1 LNatSchG gemäß der Definition eines Eingriffes des § 14 BNatSchG eine Positivliste beispielhafter Eingriffe erstellt. Ausgenommen sind gemäß § 14 Absatz 2 BNatSchG die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung, soweit dabei die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege berücksichtigt werden.

Das aktualisierte Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 ist es, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag bundesweit zu reduzieren.

Somit sind im Rahmen der Zulassungsverfahren von Vorhaben sowie bei der Aufstellung von Plänen alle Auswirkungen auf Natur und Landschaft zu ermitteln, zu bewerten und Lösungen zur Vermeidung bzw. Kompensation aufzuzeigen. Zur Umsetzung der Kompensationspflichten wurden in der Vergangenheit verschiedene Instrumente entwickelt.

Um Genehmigungsverfahren im besiedelten Bereich zu beschleunigen, ist die Eingriffsregelung nicht im einzelnen Baugenehmigungsverfahren anzuwenden, sondern wurde auf die Ebene des Bebauungsplanes verlagert. Das bedeutet, dass - außer im Außenbereich nach § 35 BauGB - die Eingriffsregelung bereits bei Aufstellung und Änderung eines Bebauungsplanes als Teil der bauleitplanerischen Abwägung anzuwenden ist. Ersatzzahlungen sind in Verfahren zur Aufstellung von qualifizierten Bebauungsplänen im Sinne des § 30 BauGB unzulässig. In Bauleitplanverfahren in Anwendung der §§ 13 a und 13 b BauGB (beschleunigtes Verfahren) beschränkt sich die Eingriffsregelung zudem auf die Fragen des Erfordernisses, der Vermeidung und der Minimierung von Eingriffsfolgen, Ausgleichsmaßnahmen sind hier nicht erforderlich.

Neben der Möglichkeit über die Bildung von Ökokonten mit Kompensationsverpflichtungen aus unterschiedlichen Vorhaben größere Vorhaben des Naturschutzes umsetzen zu können, sollen Ersatzzahlungen gezielt in Programmgebiete des Landes, aber auch in entsprechende Konzepte der Kreise und kreisfreien Städte eingesetzt werden. Hierzu gehören seitens des Landes insbesondere das Moorschutzprogramm, das Auenprogramm sowie das Schutzgebiets- und Biotopverbundsystem. Weitere Möglichkeiten liegen insbesondere in der Entwicklung naturnaher Uferbereiche.

Nach § 15 Absatz 2 BNatSchG ist zur Kompensation von Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes dieses landschaftsgerecht neu zu gestalten. Die Neugestaltung des Landschaftsbildes kann in Form einer Realkompensation oder in Form von Ersatzzahlungen geschehen, wobei die Realkompensation vorrangig ist. Freistehende Windkraftanlagen, Hochspannungs- und Funkmasten, in die Landschaft gebaute Wohnbau- und Gewerbesiedlungen sind Beispiele für tief in die Landschaft hinein wirkende bauliche Strukturen. Um deren Einfluss zurückzudrängen bzw. diesen abzumildern, sollten verstärkt Maßnahmen mit Blick auf das Erlebnis „Landschaft“ mit seinen natürlichen Strukturen wie gewässerbegleitende Gehölze, Waldränder, Alleen, Straßen- und Einzelbäume neben der landschaftsgerechten Einbindung von Siedlungs- und Gewerbestrukturen und soweit möglich auch von Windkraftanlagen, Hochspannungs- und Funkmasten mit Gehölzpflanzungen und unter Berücksichtigung von Sichtachsen ausgerichtet werden. Hierzu gehört auch das Erlebnis Historischer Kulturlandschaften, wobei Maßnahmen an den baulichen Anlagen selbst rechtlich nicht mit einbezogen werden können.

Auf Kreisebene bestehen sowohl für den Kreis Plön wie auch für den Kreis Rendsburg-Eckernförde entsprechende Konzepte (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen).

Nach § 15 Absatz 3 Satz 2 BNatSchG ist vorrangig zu prüfen, ob – im Rahmen der Eingriffsregelung – der Ausgleich oder Ersatz auch durch Maßnahmen zur Entsiegelung erbracht werden kann. Um diesem rechtlichen Auftrag gerecht zu werden, plant das MELUND in einem mehrjährigen Projekt in ausgewählten Kreisen über die Stiftung Naturschutz Flächen zu identifizieren, die sich hierfür eignen würden. Sie sollen anschließend in ein Kataster aufgenommen werden, um somit über ein entsprechendes Angebot, insbesondere für Vorhaben, die eine Flächenversiegelung zur Folge haben, zu verfügen.