Planungs­dokumente: Entwurf Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum III - Online-Beteiligungsverfahren

Sie können an dieser Stelle Einsicht in die Dokumente des Verfahrens nehmen.

Inhaltsverzeichnis

Band 1

2.1.2. Gewässer

Wasser gehört zu den elementaren Lebensgrundlagen aller Organismen.

Gemäß § 1 Absatz 3 Nummer 3 BNatSchG sind Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre natürliche Selbstreinigungsfähigkeit und Dynamik ist zu erhalten.

Im Planungsraum finden sich je nach Lage unterschiedliche Vorkommen von Grundwasser (Kapitel 2.1.2.1: Grundwasser) und Oberflächengewässer (Kapitel 2.1.2.2: Oberflächengewässer). Letztere untergliedern sich in die Gewässerkategorien Fließgewässer, Seen (stehende Gewässer) und Küstengewässer (siehe Kapitel 2.1.2.3: Küstengewässer).

Der Schutz der Gewässer für die Trinkwassergewinnung sowie als Lebensraum für Pflanzen und Tiere hat insgesamt auf europäischer Ebene an Bedeutung gewonnen. Seit dem 22. Dezember 2000 setzt die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) neue Maßstäbe. Sie gilt für alle Gewässer Europas, das heißt für Oberflächengewässer, einschließlich der Übergangs- und Küstengewässer, und für das Grundwasser. Ziel ist die Verbesserung des Zustands der aquatischen Umwelt.

Die WRRL verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Gewässer im Geltungsbereich der Richtlinie in einen guten Zustand zu bringen; oder bei als erheblich verändert und künstlich eingestufte Wasserkörpern das gute ökologische Potenzial zu erreichen. Neben der WRRL ist auch die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie für den betrachteten Planungsraum von Bedeutung. Auch dieses hat die Erreichung und Bewahrung eines guten ökologischen Zustandes der Meeresumwelt zu Ziel (siehe Kapitel 1.2: Nationale und internationale Abkommen und Programme).

Weitergehende Ziele und Erfordernisse werden in den Kapiteln 4.1.8: Meeresschutz und 4.2.12: Gewässer aufgeführt. Auf § 21 Absatz 5 BNatSchG wird in diesem Zusammenhang ebenfalls hingewiesen (siehe Kapitel 4.1.1: Gebiete mit besonderer Eignung zum Aufbau eines Schutzgebiets- und Biotopverbundsystemes).

2.1.2.1. Grundwasser

Das Grundwasser stellt in Schleswig-Holstein eine maßgebliche Lebensgrundlage der Daseinsvorsorge dar. 100 Prozent unseres Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gedeckt. Für lebensmittelverarbeitende Betriebe stellt sauberes Grundwasser ebenfalls ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette dar. Die Industrie ist auf hochwertiges Prozesswasser angewiesen und in der Land- und Baumschulwirtschaft wird Grundwasser für Tränk- und Beregnungszwecke in großen Mengen benötigt. Nicht zuletzt ist das Grundwasser eine bedeutende Wirkgröße im Naturhaushalt.

Grundwasser füllt unterhalb des wenige Dezimeter bis mehrere Meter tief liegenden Grundwasserspiegels zusammenhängend die Porenräume des geologischen Untergrundes aus.

Der Untergrund Schleswig-Holsteins ist bis in einige 100 Meter Tiefe aus Lockergesteinen mit einem entsprechenden Porenraum aufgebaut. Der grobmaschige Porenraum in Sanden und Kiesen ist gut durchlässig für Wasser, während der feinmaschige Porenraum in Schluffen und Tonen nur eine geringe Durchlässigkeit gegenüber Wasser aufweist. Von Bedeutung für das Vorkommen von Grundwasser in Schleswig-Holstein sind die Lockergesteine des Quartärs und des Tertiärs, den beiden jüngsten Epochen der Erdgeschichte. Die Gesteinsabfolge besteht aus abwechselnd sandigen und tonigen Sedimenten. Daraus resultiert ein Übereinander von gegeneinander abgegrenzten Grundwasserleitern, was zur Ausbildung von Grundwasserstockwerken führt. In der Regel sind in Schleswig-Holstein vier – von Oben in die Tiefe gesehen – Grundwasserstockwerke ausgebildet:

  • Schmelzwassersande der Weichsel-Vereisung,
  • Schmelzwassersande der Saale-Vereisung,
  • Schmelzwassersande der Elster-Vereisung und/ oder Sande des jüngsten Tertiärs (Pliozän) und
  • Sande des oberen Tertiärs (Miozän, Braunkohlensande).

Die beiden oberen Grundwasserstockwerke werden durch Geschiebemergel als Überbleibsel der abgeschmolzenen Gletscher gegeneinander abgetrennt. Das dritte Grundwasserstockwerk an der Grenze von quartären zu tertiären Sedimenten kann von Geschiebemergel oder auch interglazialem Ton bedeckt werden, die Basis ist ein tertiärer Ton. Das vierte Grundwasserstockwerk, die Braunkohlensande, wird vom tertiären Glimmerton eingeschlossen.

Im südlichen Holstein werden die Braunkohlensande durch den Hamburg-Ton in zwei eigenständige Grundwasserstockwerke unterteilt.

Das Grundwasser nimmt am natürlichen Wasserkreislauf teil und erneuert sich flächenhaft aus versickernden Niederschlägen. Die ungleiche Niederschlagsverteilung in Schleswig-Holstein zwischen mehr als 900 Millimetern im westlichen Dithmarschen und weniger als 600 Millimetern auf Fehmarn, verursacht eine örtlich stark differenzierte Grundwasserneubildung.

Im Hinblick auf das natürliche Schutzpotenzial durch gering wasserdurchlässige Deckschichten sind die geolo-gisch älteren, meist deutlich tiefer als 50 Meter liegenden Wasserleiter aus dem Tertiär begünstigt. Diese sind durch (negative) anthropogene Einflüsse (beispielsweise Stoffeinträge) nicht oder nur in geringem Maße betroffen. Die ältesten Wasserleiter im Planungsraum sind die im mittleren Tertiär (Zeitstufe Miozän) abgelagerten Braunkohlensande. Sie haben für das gesamte Bundesland eine große wasserwirtschaftliche Bedeutung. Ihre Verbreitung ist auf die Senkungsgebiete zwischen den sich in Nord-Süd-Richtung erstreckenden, unterirdischen Salzstrukturen beschränkt.

Im mittleren Teil des Planungsraumes sind die Braunkohlensande weitgehend durch mächtige Glimmertone mit hoher Schutzfunktion für das Grundwasser bedeckt und durch eine weitere Tonschicht, ein Äquivalent des im südlichen Schleswig-Holstein verbreiteten Hamburger Tons, in einen höheren und einen tieferen Abschnitt unterteilt. Örtlich haben sich eiszeitliche Rinnen (siehe unten) durch den Glimmerton hindurch bis in die Braunkohlensande eingeschnitten. Rinnensande und Braunkohlensande stehen hier im hydraulischen Kontakt und bilden ein gemeinsames Wasserleitersystem.

Aus den Braunkohlensanden und örtlich angeschlossenen eiszeitlichen Wasserleitern fördern die Wasserwerke Itzehoe-Twiedtberge, Brokstedt, Wacken-Pöschendorf, Elmshorn-Köhnholz, Schnelsen, Großensee (HWW und Gemeinde), Sandesneben, Walddörfer, Lütjensee, Lübeck (Fassungen Vorwerk, Schlutup, Kleinensee und Klein-Disnack), Bad Schwartau, Farve, Klötzin, Malente-Benz, Timmendorfer Strand, Aumühle, Bad Schwartau, Börnsen, Büchen, Geesthacht (Fassungen Krümmel und Richtweg), Lauenburg und Schwarzenbek. Die Getränkeindustrie nutzt bspw. die Braunkohlesande in Trappenkamp oder Aumühle.

In weiten Teilen des Kreises Pinneberg sowie im Raum Kaltenkirchen - Bad-Segeberg - Bad Oldesloe führen die Braunkohlensande in den unteren Wasserleiterabschnitten, zum Teil auch über die gesamte Schichtmächtigkeit, versalzenes Grundwasser.

Westlich einer Linie von Glückstadt über Erfde sind die dort sehr feinkörnig ausgebildeten Braunkohlensande wasserwirtschaftlich bedeutungslos. Östlich einer Linie Lauenburg – Mölln – Reinfeld - Eutin befinden sich die Braunkohlensande gegenüber dem zentralen Teil des Planungsraumes in einer geotektonischen Hochlage. Sie sind deutlich geringmächtiger und nur noch sporadisch durch Glimmerton bedeckt. Im Bereich Gudow – Mölln - Lübeck sowie zwischen Neustadt und Fehmarn fehlen die Braunkohlensande weitgehend.

Oberhalb der Schichtserie aus Braunkohlensanden und überdeckendem Glimmerton stehen im Planungsraum weitflächig Sande des jüngeren Tertiär (Zeitstufe Pliozän) an. In ihren tieferen, feinsandigen Abschnitten haben sie die Funktion von Grundwasserspeichern. Für die Trinkwassergewinnung bedeutsam sind die darüber liegenden, grobkörnigen Kaolinsande, die oftmals lateral und vertikal mit eiszeitlichen Sanden im hydraulischen Kontakt stehen. Im nordwestlichen Planungsraum stellen die Kaolinsande in dem etwa von den Eckpunkten Heide, Nordhastedt, Hennstedt und Erfde eingegrenzten „Heider Trog“ das wichtigste Grundwasserleitersystem dar. Die sehr ergiebigen Kaolinsande werden dort durch die Wasserwerke Heide, Linden und Odderade sowie durch die Erdölindustrie in den Brunnenfeldern Gaushorn und Nordhastedt genutzt. Die derzeitige Qualität des Grundwassers ist als gut einzustufen, leichte Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit in den Kaolinsanden des Heider Troges belegen allerdings eine örtlich verminderte Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung. Zur Sicherstellung einer langfristigen Nutzbarkeit dieser wichtigen Grundwasserressourcen wurden für die genannten Wasserwerke Wasserschutzgebiete ausgewiesen (Kapitel 4.2.13 Trinkwasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebiete).

In den Kreisen Segeberg und Stormarn fördern die Wasserwerke Wahlstedt, Wakendorf I, Barkhorst und Großhansdorf überwiegend Trinkwasser aus den Kaolinsanden. Aufgrund der größeren Brunnentiefen und des im östlichen Landesteil höheren geogenen Schutzpotenzials ist die Ausweisung von Wasserschutzgebieten für die genannten Fassungen derzeit nicht vorgesehen.

Während der älteren Kaltzeiten haben die vorrückenden Eismassen bis über 300 Meter tiefe Erosionsrinnen in das Tertiär eingeschnitten. Diese sind in den Abschmelzphasen und Warmzeiten mit Schmelzwassersanden, Geschiebemergel und Tonen wieder aufgefüllt worden und als „verschüttete Täler“ nur noch durch Bohrungen zu erkennen. Ihre zum Teil mächtigen Sandkörper bilden, oft im hydraulischen Kontakt zu den tertiären Kaolin- und Braunkohlensanden, wasserwirtschaftlich bedeutende Grundwasserleiter. Schon aufgrund ihrer Tiefe, aber auch im Hinblick auf mächtige Überlagerungen durch gering wasserdurchlässige Sedimentschichten, sind die Grundwässer in den eiszeitlichen Rinnen meist gut vor Verunreinigungen geschützt. Wasserleiter dieses Typs werden von großen Wasserversorgern in Odderade-Vierthof, Quickborn-Renzel, Glinde, Geesthacht und Mölln genutzt.

Außerhalb der Rinnen unterschneidet die Basis der eiszeitlichen Ablagerungen selten 60 Meter unter Normalnull. Trotz starker Korngrößenänderungen in horizontaler und vertikaler Richtung können die Sedimente der jüngeren Kalt- und Warmzeiten mengenmäßig bedeutende Grundwasserspeicher sein. Aufgrund der geringen Tiefe und örtlich nur lückenhafter Bedeckung ist ihre Verschmutzungsempfindlichkeit insbesondere im westlichen Teil des Planungsraumes jedoch hoch. So weisen bereits viele Wässer anthropogene Verunreinigungen auf. Deshalb wurden für diesen Wasserleitertyp die meisten Wasserschutzgebiete in Schleswig-Holstein ausgewiesen.

Etwas günstiger ist die Situation im östlichen Teil des Planungsraumes. Hier bilden die Moränen der Weichselkaltzeit oft weitflächig verbreitete Deckschichten mit verminderter Wasserdurchgängigkeit und erhöhtem Schutzpotenzial für das Grundwasser. Die Schutzwirkung der grundwasserüberdeckenden Schichten an der Oberfläche ist in Abbildung 10: Schutzwirkung der Deckschichten für das Grundwasser dargestellt.

Die Grundwasserressourcen der oberflächennahen quartären Schichten werden durch zahlreiche kleine Wasserwerke, Wassergenossenschaften und Einzelversorger genutzt. Aber auch große Versorger sind mangels regionaler Alternativen auf die flachgründigen Wasserleitersysteme angewiesen. Beispielhaft aufgeführt sind Wacken, Itzehoe-Tonkuhle, Krempermoor, Horstmühle, Elmshorn, Haseldorfer Marsch, Halstenbek, Quickborn, Norderstedt, Kaltenkirchen, Großhansdorf, Mölln, Klein-Disnack, Timmendorfer Strand, Süsel, Farve, Eutin, Malente und Oldenburg (Holstein).

Örtlich können geogene Beeinträchtigungen der Grundwasserbeschaffenheit die Nutzbarkeit des Grundwassers einschränken. Grundwasserversalzungen und erhöhte Huminstoffgehalte werden hauptsächlich in den Niederungsgebieten an der Elbe und der Westküste, wie bspw. in den Marschen, aber auch im tief eingeschnittenen Tal der Trave beobachtet. Hier können hochmineralisierte Tiefengrundwässer in Folge hydraulischer Druckentlastung aufsteigen. Küstennah dringt zudem Meerwasser in die grundwasserführenden Schichten ein. Insbesondere im Raum Brunsbüttel wird leicht versalzenes Grundwasser zu Kühl- und Brauchwasserzwecken gefördert. Auf Fehmarn sind keine wirtschaftlich nutzbaren Grundwasserleiter verbreitet, die Insel wird komplett vom Festland mit Trinkwasser versorgt.

Weitergehende Informationen zur Situation der Grundwasserbeschaffenheit befinden sich in den entsprechenden Bewirtschaftungs- und Maßnahmenplänen zur WRRL. Kapitel 4.2.12: Gewässer macht dazu nähere Ausführungen.

2.1.2.2. Oberflächengewässer

Die Landschaft Schleswig-Holsteins wird in weiten Teilen durch Oberflächengewässer geprägt. Zu diesen gehören Fließgewässer und Seen.

Fließgewässer

Die zum Planungsraum gehörenden Fließgewässer entwässern Einzugsgebiete, die über den Planungsraum hinausgehen, und münden in die Nord- und Ostsee oder in die Elbe. Das Gewässernetz im betrachteten Planungsraum hat insgesamt eine Länge von 15.120 Kilometern, davon gehören 3.170 Kilometer zum berichtspflichtigen Gewässernetz der WRRL (siehe Kapitel 2.1.2: Gewässer). Die größten Gewässersysteme sind die Stör und die Eider mit ihren Zuflüssen, gefolgt von Nord-Ostsee-Kanal, Krückau, Pinnau, Bille, Trave und Schwartau. In die Ostsee entwässern darüber hinaus zahlreiche kleinere Gewässer.

Im Zuge der Umsetzung der WRRL wurden die Fließgewässer des berichtspflichtigen Gewässernetzes bestimmten Fließgewässertypen zugeordnet. Für Deutschland ergaben sich in diesem Zuge 23 unterschiedliche Fließgewässertypen. Zwei davon werden in weitere Subtypen untergliedert, so dass insgesamt 25 Typen unterschieden werden. Sie können den vier Ökoregionen

  • Alpen und Alpenvorland,
  • Mittelgebirge,
  • Norddeutsches Tiefland und
  • Ökoregion-unabhängigen Typen

zugeordnet werden. Der Planungsraum ist dem norddeutschen Tiefland zuzuordnen. Dieses wird zum weitaus größten Teil von glazialen (Moränenaufschüttungen) und fluvioglazialen (Sander- und weiteren Schmelzwasseraufschüttungen) Ablagerungen der Kaltzeit überdeckt. Hierzu zählen:

Typ 14: Sandgeprägte Tieflandbäche,

Typ 15: Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse,

Typ 16: Kiesgeprägte Tieflandbäche,

Typ 17: Kiesgeprägte Tieflandflüsse,

Typ 18: Löss-lehmgeprägte Tieflandbäche,

Typ 20: Sandgeprägte Ströme,

Typ 22: Marschengewässer und

Typ 23: Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse.

Im Planungsraum dominieren in der Marsch die Marschgewässer, in der Geest Niederungsfließgewässer sowie sandgeprägte Fließgewässer und im östlichen Hügelland kiesgeprägte Fließgewässer - und Niederungsfließgewässer.

Kiesgeprägte Gewässer sind diejenigen mit dem höchsten Gefälle im Planungsraum und relativ grobem Substrat. Im naturnahen Zustand verlaufen sie mäandrierend und variieren stark in Breite, Tiefe und Strömung. Sandgeprägte Gewässer haben ein etwas geringeres Gefälle. Im Vergleich zu den kiesgeprägten Gewässern haben sie, trotz längerer kiesiger Abschnitte, in der Regel ein feineres Sohlsubstrat.

Sand- und kiesgeprägte Gewässer verliefen ursprünglich durch Wälder und benötigen Ufergehölze zur Erhaltung ihrer Funktionsfähigkeit. Niederungsgewässer verlaufen durch breite Niederungen, die vorwiegend eiszeitlichen Ursprunges sind. Auch sie sollten in weiten Strecken durch Ufergehölze begleitet werden. Ebenso wie die Marschengewässer haben sie ein geringes Gefälle und fließen eher träge. Das Substrat ist fein und zum Teil organischen Ursprungs. Niederungs- und Marschengewässer mäandrieren im natürlichen Zustand stärker als sand- und kiesgeprägte Gewässer.

Seen/ Stehende Gewässer

Die Landschaft des betrachteten Planungsraumes ist vom östlichen Hügelland, der Geest und der Marsch geprägt. Es finden sich hier 30 größere Seen (> 50 Hektar) mit einer Seefläche von zusammen 62 km². Die gesamte Fläche stehender Gewässer im Planungsraum umfasst rund 95 km² (= 9.500 Hektar).

Die Landschaftsräume Marsch und Geest sind natürlicherweise relativ arm an Seen. Neben wenigen im Rahmen der Eindeichung künstlich entstandenen stehenden Gewässern wie dem Miele-Speicherbecken oder dem Kronenloch sind in diesem Landschaftsraum als natürlich entstandene Seen z.B. der Kudensee oder der Mötjensee zu nennen. Trotz ihrer geringen Größe sind diese Binnengewässer als Lebensraum und Retentionsbereich von großer ökologischer Bedeutung.

Der Landschaftsraum Östliches Hügelland ist natürlicherweise reich an größeren und tieferen Seen. Hierzu gehören im Planungsraum mehrere Schwentine-Seen wie der Große Eutiner See, der Kellersee und der Dieksee sowie im Einzugsgebiet der Trave die Ratzeburger Seen, der Große Segeberger See und der Wardersee. Im Einzugsgebiet der Elbe ist insbesondere der Schaalsee zu nennen. Im Planungsraum finden sich auch zahlreiche besonders schützenswerte, teils kleinere Seen mit landesweiter Bedeutung wie der Ihlsee bei Bad Segeberg, der Stocksee bei Plön, der Garrensee bei Ratzeburg, der Plötschersee und der Lankauer See bei Mölln sowie der Großensee bei Trittau.

Aufgrund der Vielfalt der Landschaftsräume im Planungsraum variiert die Wassertiefe der verschiedenen Seen zwischen weniger als einem Meter und über 70 Metern (Schaalsee). Ein Drittel der 30 gemäß WRRL berichtspflichtigen Seen ist dem Seetyp „kalkreicher, ungeschichteter Tieflandsee mit großem Einzugsgebiet“ zuzuordnen. Die berichtspflichtigen Seen werden gemäß der WRRL ökologisch und chemisch bewertet. Im Planungsraum gehören unter anderem der Großensee, Stocksee und der Große Segeberger See zu den Vorranggewässern.

Vorranggewässer

Von besonderer Bedeutung für den Gewässerschutz sind die Vorrang - Fließgewässer und Vorrang - Seen. Hier werden drei Kategorien unterschieden:

  • Vorranggewässer der Kategorie A:

Gewässer, in denen alle Qualitätskomponenten den guten ökologischen Zustand erreichen sollen.

  • Vorranggewässer der Kategorie B:

Gewässer, in denen einzelne Qualitätskomponenten den guten ökologischen Zustand erreichen sollen.

  1. Vorranggewässer der Kategorie C:
  2. Gewässer mit Verbindungsfunktionen, an denen aus überregionaler Sicht die Durchgängigkeit hergestellt werden sollte sowie
  3. Seen, die aus naturschutzfachlicher Sicht besonders schutzwürdig sind.

Nachfolgend sind die wichtigsten Vorrangfließgewässersysteme des Planungsraumes aufgezählt (Fett: Vorranggewässer der Kategorie A):

Flussgebietseinheit Eider

  • Eider und
  • Gieselau

Neben den genannten Gewässern sind auch die Bäche im Riesewohld von besonderer Bedeutung. Sie sind zum Teil sehr klein und daher nicht im Überwachungsnetz der WRRL enthalten. Trotzdem beherbergen sie eine außergewöhnlich diverse Fauna und bedürfen des besonderen Schutzes.

Flussgebietseinheit Elbe

  • Stör mit Nebengewässern,
  • Osterau mit Nebengewässern,
  • Krückau,
  • Pinnau,
  • Alster,
  • Bille mit Nebengewässern und
  • Steinau.

Von besonderer Bedeutung sind die mittlere Osterau und die Bille in der Kategorie A der Vorranggewässer. In beiden Gewässern ist der Zustand zu stabilisieren und in den Oberläufen sowohl hinsichtlich der Stofffrachten als auch hinsichtlich der Strukturen noch zu verbessern.

In der Stör zeigen die umfangreichen strukturverbessernden Maßnahmen erste Erfolge. Krückau und Pinnau stellen wichtige Habitate für wandernde Fischarten dar. Die Zuläufe zum Elbe-Lübeck-Kanal sind zum Teil sehr divers in ihrer Wirbellosenfauna.

Flussgebietseinheit Schlei/Trave

  • Trave mit Nebengewässern,
  • Schwartau.
  • Kremper Au und
  • Lachsbek

Als herausragend ist hier die Trave als Vorranggewässer der Kategorie A mit ihren Nebengewässern zu nennen. Die begonnenen Maßnahmen sollten fortgeführt werden. Im unteren Bereich zeigen sich leichte Verbesserungen hinsichtlich der Wirbellosenfauna. Problematisch ist der Zustand der Fischfauna in der Trave. Hier sind noch einige Anstrengungen notwendig, um diese in einen guten Zustand zu bringen.

Die „Bungsbergbäche“ Kremper Au und Lachsbach und Farver Au beherbergen vor allem eine diverse Makrozoobenthos-Gemeinschaft. Sie sind ein bedeutender Lebensraum für die Elritze und Laich- und Aufwuchshabitat für die Meerforelle. Ein Problem für die Fauna der „Bungsbergbäche“ ist die sommerliche Trockenheit, welche durch die Intensivierung der angrenzenden Nutzungen sowie den Klimawandel in den letzten Jahren verstärkt wurde.

Neben den Fließgewässern gehören auch Seen zu den Vorranggewässern der Richtlinie. Zur Kategorie A der Vorrangseen gehören der Großensee, der Große Segeberger See und der Stocksee.

Der Großensee repräsentiert von seinem Charakter her einen in Schleswig-Holstein seltenen, ursprünglich kalk- und nährstoffarmen Seetyp, der trotz deutlicher Defizite eine immer noch relativ artenreiche Unterwasservegetation aufweist und daher eine herausragende landes- bis bundesweite Bedeutung hat. Sein Plankton ist mit gut zu bewerten.

Der Stocksee und der Große Segeberger See besitzen aktuell eine vergleichsweise artenreiche Gewässervegetation mit landes- und bundesweit gefährdeten Arten und haben daher mittlere bis landesweite Bedeutung. Ihr Plankton ist mit gut (Stocksee) bzw. mäßig (Großer Segeberger See) zu bewerten.

Bei allen drei Seen sollten zur Stabilisierung bzw. Entlastung weitere Bemühungen zur Verringerung der Phosphoreinträge in die Seen erfolgen.

Zur Kategorie B gehört der Behlendorfer See bei Ratzeburg. Im See wurde 2009 eine seeinterne Phosphorfällung durchgeführt. In der Folge entwickelten sich Artenzusammensetzung und Dichte des Phytoplanktons positiv und sind heute mit gut zu bewerten. Die Unterwasservegetation konnte sich aufgrund der gestiegenen Klarheit des Wassers in größere Tiefen ausdehnen, entspricht aber aufgrund der Artenzusammensetzung noch nicht den Zielen der WRRL. Hier sind eine weitere Erholung abzuwarten sowie einige Maßnahmen im Einzugsgebiet umzusetzen.

Zur Kategorie C gehören zum einen Naturschutzseen wie der Blankensee und der Ihlsee bei Bad Segeberg. Am Blankensee wurde wie am Behlendorfer See eine seeinterne Phosphorfällung durchgeführt, was zu deutlich klarerem Wasser und einer kräftigen Entwicklung der Unterwasservegetation führte. Der Ihlsee bei Bad Segeberg gehört hinsichtlich der Ausbildung seiner Unterwasservegetation zu den artenreichsten Gewässern des Landes und stellt den mit Abstand am besten ausgeprägten nährstoff- und kalkarmen See in Schleswig-Holstein dar. Er ist Lebensraum von acht landesweit und zwei bundesweit vom Aussterben bedrohten Arten und für die Wasser-Lobelie und die schimmernde Glanzleuchteralge der letzte bekannte Standort in Schleswig-Holstein.

Aufgrund ihrer Verbindungsfunktion wurden des Weiteren die Schwentineseen Stendorfer See, Sibbersdorfer See, Großer Eutiner See, Kellersee und Dieksee der Kategorie C der Vorrangseen zugeordnet.

Bei den aus naturschutzfachlicher Sicht bedeutenden Seen handelt es sich zumeist um kleine Seen, die als FFH Gebiet ausgewiesen wurden.

Die im Planungsraum ausgewiesenen Vorranggewässer sind der Hauptkarte 1, Blatt 1 und Blatt 2 sowie der Abbildung 50: Vorranggewässer und Talräume nach Wasserrahmenrichtlinie in Kapitel 4.2.12: Gewässer zu entnehmen.

In der Flussgebietseinheit Schlei Trave müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 3.150 Tonnen und die Phosphoreinträge um 76 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (siehe Kapitel 4.2.12: Gewässer) in den Küstengewässern der Ostsee zu erreichen. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen (siehe Kapitel 4.2.13: Trinkwasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebiete).

In der Flussgebietseinheit Eider müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 1.450 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie in den Küstengewässern zu erreichen. Die Zielvorgaben für den Phosphoreintrag aus der Flussgebietseinheit Eider in die Nordsee werden aktuell erfüllt, für die Verbesserung des Zustands der Binnengewässer ist aber eine Minderung der Phosphoreinträge um etwa 80 Tonnen notwendig. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser, vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand, deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen.

In dem Teileinzugsgebiet der Elbe in Schleswig-Holstein müssen die Stickstoffeinträge aus dem Binnenland insgesamt um 2.600 Tonnen reduziert werden, um die Ziele der WRRL in den Küstengewässern der Nordsee zu erreichen. Die Zielvorgaben für den Phosphoreintrag aus dem schleswig-holsteinischen Teil der Flussgebietseinheit Elbe in die Nordsee werden aktuell erfüllt, für die Verbesserung des Zustands der Binnengewässer ist aber eine Minderung der Phosphoreinträge um etwa 60 Tonnen notwendig. Daneben müssen die Stickstoffeinträge in das Grundwasser, vor allem in der Kulisse der Grundwasserkörper im nicht guten Zustand, deutlich gemindert werden, um die Ziele des Grund- und Trinkwasserschutzes zu erreichen.